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Keine Radiolympics: So setzen sich die IPPNW und das Ehepaar Schlütermann gegen die Spiele in Fukushima ein

Die IPPNW und Yoko und Horst Schlütermann wollen auf die Lage in Fukushima aufmerksam machen.

2020 findet mit den Olympischen Sommerspielen ein sportliches Großereignis in Tokio statt. Auch in den umliegenden Städten sollen Wettkämpfe ausgetragen werden – darunter auch Fukushima. Dort sollen nur 50 Kilometer vom Atomkraftwerk Dai-ichi Base- und Softballspiele ausgetragen werden. Genau in diesem Kraftwerk ist es im Jahr 2011 nach einem Erbeben und Tsunami zum Super-Gau gekommen.

Eine (scheinbar nicht ganz freiwillige) Rückkehr der Familien nach Fukushima 

Immer noch sei die Lage in Fukushima nicht so harmlos, wie die Regierung versucht, sie darzustellen, sagen die IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs). Die Strahlung würde heute noch das 20-fache einer „normalen“ neutralen Strahlung überschreiten. Und trotzdem sind fast alle Menschen zurück nach Fukushima gekehrt.

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Yoko Schlütermann. Foto: Klaus Hartmann

Obwohl die Menschen zurück gesiedelt werden, habe das andere Gründe als die Dekontaminierung des Gebiets. Yoko Schlütermann betont: „Die Japanische Regierung streicht die Finanzierung für die ausgesiedelten Familien und zwingt sie damit zur Rückkehr.“.

Interessant ist auch der Fakt, dass die Regierung Abe sich dazu entschlossen hat, die Atomenergie von momentan neun Prozent bis zum Jahr 2030 auf 22 Prozent zu erhöhen. Dafür reichen die jetzt aktiven Atomkraftwerke nicht aus. Es müssten alte wieder in Betrieb genommen oder sogar neue gebaut werden.

Denn das Problem mit den bestehenden Atomkraftwerken ist genau das – sie sind alt. Aus diesem Grund sei es gefährlich oder in manchen Fällen auch unmöglich, sie wieder zu aktivieren. Aber der Energieanteil aus erneuerbaren Energien, besonders durch Solarenergie, soll ebenfalls auf 22 Prozent steigen.

Abe will noch mehr Atomenergie, aber setzt auch auf erneuerbare Energien – ein Paradox

Satellitenfoto der Reaktorblöcke 1 bis 4 (von rechts nach links) am 16. März 2011 nach mehreren Explosionen und Bränden. Foto: Digital Globe

Direkt nach der Katastrophe erklärte Fukushima seinen Atomkraftausstieg. Zum heutigen Tag werden in Fukushima knapp 30 Prozent des Energiebedarfs von erneuerbaren Energien gedeckt. Trotzdem würde die Atomindustrie großes Interesse daran haben, Fukushima als Beispiel für erfolgreiche Dekontaminierung zu zeigen, so die IPPNW.

Ebenfalls soll demonstriert werden, dass die Folgen der Atomwirtschaft beherrschbar seien. Nur wegen des Versprechens, Fukushima zu dekontaminieren, habe Japan 2013 den Zuschlag für die Olympischen Spiele bekommen. Laut IPPNW, wollen die Betreibergesellschaft TEPCO und die Japanische Regierung mit der Austragung einiger Wettkämpfe genau diese Kontrolle propagieren.

Auch heute werden noch unter freiem Himmel große Mengen an radioaktiver Erde in Plastiksäcken gelagert. Zusätzlich könne man keine komplette Dekontaminierung versprechen, da durch Wind, Wasser und Landwirtschaft bereits strahlungsfreie Gebiete wieder kontaminiert werden könnten.

Keine offiziellen Angaben über Folgen der Katastrophe, da keine offiziellen Untersuchungen?

Die kontaminierte Erde steht in Säcken in der Landschaft. Eine Entsorgung gibt es nicht.

Trotzdem gäbe es keine Untersuchungen über die Folgen von radioaktiver Strahlung durch die japanische Regierung, wie: Fehlgeburten, Verringerung der Geburtszahlen von Mädchen, Missbildungen und Herzkreislauferkrankungen. Die einzige Ausnahme wären offizielle Untersuchungen der Schilddrüsen von Kindern. Schilddrüsenkrebs wird besonders durch radioaktive Strahlung begünstigt. Momentan leben im Gebiet Fukushima 275.000 Kinder.

„Bei 200 dieser Kinder wurde Schilddrüsenkrebs nachgewiesen, 165 wurden davon operiert“, erklärt Yoko Schlütermann. Während einige Statistiker diese Zahl als statistisch nicht signifikant ansehen, zeigen sie auch, dass die Krebsfälle um ein 20-50-faches angestiegen ist.

Problematisch sei aber auch die Gesellschaft. „Viele trauen sich nicht, zu sagen, dass sie Folgen durch radioaktive Strahlungen haben“, sagt Yoko Schlütermann. Sie hätten Angst, von der Gesellschaft nicht akzeptiert zu werden, weswegen sie lieber schwiegen.

Der Verein „Hilfe für Japan“ möchte den Kindern Erholung abseits Fukushimas ermöglichen

Fukushima-Kinder im Okinawa Camp – finanziert von der Aktion „Hilfe für Japan“.

Um den Kindern in Fukushima wenigstens die Möglichkeit zu geben, ihr Immunsystem fernab der Strahlung aufzubauen, unterstützt das Ehepaar Schlütermann ein Erholungscamp auf Okinawa. Das Projekt wird durch Spenden finanziert, die, egal in welcher Höhe, gerne entgegengenommen werden.

Aber nicht nur für die Menschen vor Ort ist die Situation gefährlich. Auch SportlerInnen und ZuschauerInnen wären dieser Strahlung ausgesetzt, so dass laut IPPNW und Yoko Schlütermann die Olympischen Wettkämpfe nicht in Fukushima stattfinden sollten.

 

 

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