
Seit 30 Jahren ist die Johanneshilfe im Johannes Hospital (JoHo) aktiv und unterstützt Patient:innen im Krankenhausalltag. Aus ursprünglich acht Ehrenamtlichen sind heute mehr als 25 geworden. Das Jubiläum wurde in dieser Woche mit einem Gottesdienst in der JoHo-Kapelle und einer Feierstunde begangen. Die Pflegedirektion dankte im Namen des Direktoriums für das Engagement. Klar ist: Ohne Ehrenamt geht es nicht.
30 Jahre Johanneshilfe: feste Größe im Klinikalltag
Ehrenamtliche Helfer:innen sind im Johannes Hospital schon seit vielen Jahren aktiv. Am 1. April 1996 wurde die Gruppe offiziell als „Johanneshilfe“ organisiert. Aus ursprünglich acht Engagierten sind heute mehr als 25 Personen geworden, die in die Dienstgemeinschaft des Hauses eingebunden sind. Im 175. Jubiläumsjahr des Johannes Hospitals feiert die Johanneshilfe ihr 30-jähriges Bestehen. Getragen wird das Engagement von Menschen, die sich mit viel Herzblut einbringen um Patientinnen und Patienten in ihrem oft schwierigen Alltag etwas Gutes zu tun.
Die Ehrenamtlichen stehen dabei im engen Austausch mit den Kolleg:innen auf den Stationen. Sie hören zu, nehmen Hinweise aus dem Alltag auf und ergänzen so die professionelle Versorgung. Für die Teams sind sie eine wichtige Unterstützung, da sie zusätzliche Zeit für Gespräche oder ein offenes Ohr mitbringen. Das Ehrenamt im Krankenhaus ist eine anspruchsvolle Aufgabe mit enger Begleitung und Austausch. Viele Patient:innen sind schwer erkrankt, einsam oder von einer demenziellen Veränderung betroffen. Diese Begegnungen erfordern nicht nur Mitgefühl, sondern auch Sensibilität und Sicherheit im Umgang.
Vor ihrem Einsatz werden die Ehrenamtlichen deshalb sorgfältig vorbereitet und begleitet. Dazu gehören Schulungen sowie eine gezielte Unterstützung, insbesondere für den Einsatz in der Demenzgruppe. Diese Vorbereitung soll Sicherheit im Umgang mit den unterschiedlichen Situationen geben. Das gut funktionierende Miteinander im JoHo wird von allen Beteiligten geschätzt, ist jedoch nicht selbstverständlich, da die Zahl ehrenamtlicher Helfer:innen in der Gesellschaft kontinuierlich zurückgeht.
Motivation der Ehrenamtlichen im Fokus
Zwei Ehrenamtliche berichten, was sie antreibt, was sie bewegt und warum ihr Einsatz heute wichtiger ist denn je. Dorothea Schweißinger ist seit acht Jahren auf einer onkologischen Station im Einsatz, Bernd Woischke engagiert sich seit rund vier Jahren in der Demenzgruppe. Beide haben eigene Herausforderungen und damit auch Schulungen, um sich sinnvoll in die Versorgung der Patientinnen und Patienten einzufügen.

„Ich wollte mich nicht nur zuhause um mich selbst drehen, sondern etwas Sinnvolles leisten“, erzählt Dorothea Schweißinger, eine ehemalige Dortmunder Lehrerin. Der Wunsch, für andere da zu sein und dabei immer wieder neuen Menschen zu begegnen, war für sie ausschlaggebend. Auch Bernd Woischke, der über 40 Jahre im Brauereiwesen tätig war, nennt einen ähnlichen Antrieb: „Mir war immer wichtig, nicht nur für mich zu leben. Irgendwann wollte ich auch etwas zurückgeben.“
Was Ehrenamtliche leisten, ist vor allem eines: Zeit zu geben. „Wir schenken Zeit – zum Zuhören und zum Reden. Diese Zeit fehlt im Pflegealltag häufig“, sagt Dorothea Schweißinger. Auch Bernd Woischke betont: „Ehrenamtliche können persönliche Zuwendung geben. Hauptamtliche haben dafür oft zu wenig Zeit und auch andere Aufgaben – hier sind wir eine wichtige Ergänzung.“
Begegnungen und prägende Erlebnisse im Alltag
Diese Zuwendung wird von den Patientinnen und Patienten spürbar angenommen. „Fast alle bedanken sich nach anfänglicher Zurückhaltung für den Besuch und wünschen, dass wir wiederkommen“, berichtet Bernd Woischke.
Es sind oft die kleinen, menschlichen Momente, die in Erinnerung bleiben. Wie die Geschichte von einer Patientin mit einem Gesichtstumor: „Sie hat sich sehr darüber gefreut, dass ich ihr in die Augen geschaut habe – und nicht auf den Tumor“, sagt Dorothea Schweißinger.
Auch Bernd Woischke erinnert sich an eine besondere Begegnung: „Eine ältere Dame, fast 90, konnte kaum noch sprechen. Es war Karnevalszeit. Als ich sie darauf ansprach, fing sie plötzlich an zu singen – ‚So ein Tag, so wunderschön wie heute‘. Das hat mich sehr berührt. Man hat gemerkt, wie viel Lebensfreude noch da ist.“
Herausforderungen, Unterstützung und persönliches Wachstum
Der Umgang mit Krankheit und schwierigen Lebenssituationen gehört im Krankenhausalltag zum Ehrenamt dazu. Besonders herausfordernd sind Gespräche mit jungen Patient:innen, die an Krebs erkrankt sind. Für andere Ehrenamtliche besteht die Hürde eher darin, überhaupt auf fremde, kranke Menschen zuzugehen. Diese Unsicherheiten werden durch Austausch im Team sowie durch eine strukturierte Einführung und Begleitung aufgefangen. Das Stationspersonal brieft die Ehrenamtler auch vorweg, ob und in welcher Weise ein:e Patient:in Unterstützung benötigt.

Beide betonen, wie wichtig diese Unterstützung der Geschäftsführung und der Pflegedirektion des JoHos ist. „Ich wurde sehr gut eingeführt – durch die Johanneshilfe und die Pflegedirektion“, so Dorothea Schweißinger. Auch Bernd Woischke hebt die Begleitung hervor: „Ich wurde bei meinem ersten Einsatz direkt unterstützt. Das hat mir Sicherheit gegeben.“ Regelmäßige Fortbildungen, Supervisionen und Teamtreffen gehören fest dazu. Besonders im Demenzbereich gibt es gezielte Qualifizierungen.
Gleichzeitig profitieren Ehrenamtliche auch von Angeboten im Haus – von Veranstaltungen bis hin zu Services wie Impfungen. Was beide besonders schätzen: die Anerkennung. „Wir sind Teil der Dienstgemeinschaft, voll akzeptiert“, sagt Dorothea Schweißinger und Bernd Woischke ergänzt: „Es hat mich überrascht und sehr gefreut, wie viel Wertschätzung wir erfahren – von Pflege, Ärzten und Führungskräften.“
Denn ein Ehrenamt ist keine Einbahnstraße. „Es erfüllt mich, hier etwas Sinnvolles zu tun. Und man lernt, die eigene Gesundheit ganz anders zu schätzen“, betonen beide Ehrenamtler. „Es fühlt sich gut an zu helfen – und man bekommt selbst viel zurück.“
Blick in die Zukunft des Ehrenamts
Beide Ehrenamtlichen sich, dass sich noch mehr Menschen engagieren. Es braucht weniger Ichbezogenheit und mehr Solidarität in der Gesellschaft, so eine klare Einschätzung. Es braucht vor allem Aufklärungsbedarf: „Viele wissen gar nicht, wie gut Ehrenamt tun kann. Darüber müsste man mehr sprechen“, so Bernd Woischke.
Wichtig sei auch, niedrigschwellige Einstiege zu ermöglichen: „Man sollte einfach mal reinschnuppern.“ Ihr gemeinsamer Rat an Interessierte: „Seid offen und empathisch, einfach machen und sich trauen.“ Denn man muss nicht gleich alles können – alles andere kommt mit der Zeit.
Nach 30 Jahren Johanneshilfe bleibt vor allem die Erkenntnis, dass Menschlichkeit im Krankenhaus nicht nur durch medizinische und pflegerische Versorgung geprägt ist, sondern auch durch Zeit zum Zuhören.

