
Jetzt hat es auch das Quartiersmanagement und damit den Hafenspaziergang erwischt! In einer Mail teilte Theresa Ramlau mit, dass die ab Oktober geltende Haushaltssperre dafür gesorgt habe, dass ein laufendes Ausschreibungsverfahren aufgehoben worden sei. Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum (Bündnis 90/Die Grünen) ist „fassungslos“, das zuständige Amt für Stadterneuerung schreibt, ein Ende der Quartiersarbeit sei damit nicht besiegelt.
Keine tollen Nachrichten: Vorerst kein Quartiersmanagement und kein Hafenspaziergang
„Mit keinen tollen Nachrichten“ melde sich Theresa Ramlau, wie sie in einer Mail schreibt. Dort informiert sie darüber, dass sich die Stadtteil-Schule Dortmund e.V., die als Auftragnehmerin für das Quartiersmanagement in der Nordstadt agiert, für weitere vier Jahre beworben habe. Doch das gesamte Vergabeverfahren sei „aufgrund der aktuellen Haushaltslage in der letzten Woche nun doch aufgehoben“ worden.

Das hat starke Konsequenzen für die Nordstadt: „Zum Ende des Jahres werden wir unsere Türen an der Mallinckrodtstraße schließen. Damit wird es nach über 20 Jahren kein Quartiersmanagement Nordstadt mehr geben. Und auch ein weiterer Hafenspaziergang wird – entgegen der bisherigen Ankündigungen – nicht von uns organisiert stattfinden.“ Das mache sie „wahnsinnig traurig“.
Dennoch blickt sie positiv auf die letzten Jahre zurück. „Die 14 Ausgaben des Hafenspaziergangs haben eindrucksvoll gezeigt, wie ein Netzwerk entstehen und ein ganzes Quartier zusammenwachsen kann.“
Am Ende der Mail steht ein Appell, dass das Quartier weiter engagiert zusammenstehen solle: „Sucht weiterhin den direkten Kontakt zueinander, ruft euch an, stimmt euch ab und unterstützt euch gegenseitig. Denn genau das macht die Nordstadt aus!“ Zum Ende des Jahres wird das Büro der Stadtteil-Schule Dortmund e.V. an der Mallinckrodtstraße schließen.
Eine „spürbare Lücke“, Fortführung des Hafenspaziergangs „absolut wünschenswert“
Das Amt für Stadterneuerung bedauert das vorläufige Aus der Quartiersarbeit durch die bisherigen Akteur:innen, aber keineswegs ein endgültiges Ende, wie das Amt auf Anfrage der Nordstadtblogger mitteilt.

„Da die Quartiersarbeit nach Einschätzung nicht nur des Rates, sondern auch der Stadtverwaltung einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung der Nordstadt leistet, wird die Stadtverwaltung nach Verabschiedung des Haushalts für das kommende Jahr prüfen, ob eine erneute Ausschreibung finanzierbar ist“, heißt es in der Antwort. Bis dahin würde aber eine „spürbare Lücke“ entstehen, sobald die Quartiersarbeit nach dem 31. Dezember erstmal nicht fortbesteht.
„Absolut wünschenswert“ ist es aus Sicht des Amts für Stadterneuerung, dass der Hafenspaziergang fortgeführt wird, weil die Nordstadt hier zeigen kann, wie kreativ sie ist, was in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz kommen würde.
„Der Hafenspaziergang ist zugleich aber auch eine organisatorische Mammutaufgabe. Ob diese angesichts der mindestens unterbrochenen Quartiersarbeit vor Ort für das kommende Jahr von anderen Stellen übernommen werden kann, ist derzeit noch offen, ebenso wie Fragen der Finanzierung“, heißt es.
Eine andere Perspektive gebe es bereits für die Aufgaben, die der zweite Auftragnehmer im Quartiersmanagement übernimmt, die Stadtraumkonzept GmbH. Das Sanierungs- und Geschäftsstraßenmanagement laufe im Rahmen des Gesamtvorhabens „Stadterneuerungsgebiet Zentrale Nordstadt“ voraussichtlich weiter, weil die hier eingesetzten Mittel nicht von der Haushaltssperre betroffen sind, so das Amt für Stadterneuerung.
Rosenbaum: „All das gegen den expliziten Willen der Politik“
„Ich bin fassungslos und maßlos enttäuscht über diese Entscheidung und kann sie in keiner Weise nachvollziehen“, antwortet die Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum (Bündnis 90/Die Grünen) auf eine schriftliche Anfrage der Nordstadtblogger.

Noch im Sommer habe der Rat die Fortführung des Quartiersmanagements beschlossen und „jetzt soll plötzlich alles vorbei sein.“ Eine nachvollziehbare Erklärung, weshalb diese Maßnahme vollständig gestrichen werden musste, habe es derweil nicht gegeben.
„Ich erwarte, dass die Stadtverwaltung diese Entscheidung umfassend erklärt und alle Möglichkeiten ausschöpft, um das Quartiersmanagement zu erhalten. Ein politischer Beschluss und eine für den Stadtteil derart wichtige Institution darf nicht einfach mit Verweis auf die Haushaltslage beerdigt werden, ohne nachvollziehbar darzulegen, warum es keine andere Lösung geben soll“, so Rosenbaum.
Denn mit dem Quartiersmanagement verlieren die Menschen in der Nordstadt nach 20 Jahren eine „zentrale Anlaufstelle“, über die jahrzehntelang Vertrauen und Netzwerke im Quartier gewachsen seien. Besonders bitter sei es, dass es keine konkrete Perspektive gibt, wie es mit der Arbeit weitergehen soll.
„Selbst wenn irgendwann eine neue Lösung gefunden wird, lässt sich das, was jetzt zerstört wird, nicht einfach wieder aufbauen. Und all das gegen den expliziten Willen der Politik“, betont Rosenbaum.
Hafenspaziergang, Museumsnacht: Es stehen Diskussionen übers Sparen an
Die vorläufige Streichung des Quartiersmanagements ist nicht die einzige Maßnahme, die der Haushaltssperre zum Opfer gefallen ist. Auch die Dortmunder DEW21 Museumsnacht wurde bereits gestrichen.
Diese Streichungen und die Aufhebung von Ausschreibungsverfahren werden wohl auch in den nächsten Wochen weiter bestimmendes Thema in der Dortmunder Ratspolitik sein – und für die Menschen vor Ort, wenn immer mehr Projekte dem Spardruck zum Opfer fallen.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

