Firmen blicken gemeinsam in die Zukunft: „Aufbruch Dortmund. Wirtschaft im Wandel“

Gut besuchte Dialogveranstaltung auf dem neuen Continentale Campus

Firmen-Vertreter:innen trafen sich auf dem Continentale Campus zur Diskussion ihrer Ideen für die Wirtschaft der Zukunft. Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Der Strukturwandel hat Dortmund im Lauf der Zeit verändert. Aber wie wird in den kommenden Jahren das Leben und Arbeiten in der Region sein? Eingeladen durch den Oberbürgermeister  Alexander Kalouti und das Amt für Wirtschaftsförderung trafen sich Vertreter:innen verschiedener Firmen auf dem Continentale Campus zur Darstellung und Diskussion ihrer Ideen für die Wirtschaft der Zukunft.

Das Ziel: Heutige Entwicklungen zukunftsgerecht gestalten

Der neue Continentale-Campus. Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Die Region Dortmund ist auf einem guten Weg. In der einst vor allem durch Kohle und Stahl geprägten Metropole, findet eine Transformation statt, die der heimischen Wirtschaft einen neuen Spin verleiht. Die einstige Montanstadt mausert sich zunehmend zu einem modernen Technologie-, Dienstleistungs- und Forschungsstandort.

In und um die Stadt haben sich neue Firmen angesiedelt, angestammte Traditionsbetriebe haben ihre Konzepte angepasst. Gemeinsam mit dem Technologie Park an der Technischen Universität stehen sie für eine Innovationskraft von nationaler und internationaler Bedeutung.

Das Portfolio umfasst eine breite Palette. Klassische Produktions- und Dienstleistungsbereiche, neue Technologien, herausfordernde Forschungsfelder, aber auch die entsprechenden Konzepte für eine adäquate Stadtentwicklung sind beachtlich.

Oberbürgermeister Alexander Kalouti Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Dennoch bleibt es herausfordernd, die angestoßenen Entwicklungen zukunftsgerecht auszurichten. Der Klimawandel, die abnehmende Resilienz der globalisierten Ökonomie sowie die Veränderungen der Arbeitswelt aufgrund der rasant zunehmenden Computerisierung sind nur drei der vielen Themen, mit denen sich die Manager:innen der Betriebe von heute im Blick auf die Welt von morgen auseinanderzusetzen haben.

Das verbindet branchenübergreifend. Vertreter:innen verschiedener Unternehmen trafen sich auf Einladung der Stadt Dortmund nun zu einem Austausch zu Konzepten und Erfahrungen.

Herausforderung: Die Zukunft kann man nur schwer voraussehen

Dr. Gerhard Schmitz, Vorstandsvorsitzender vom Continentale Versicherungsbund Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Nach einer einstimmenden Begrüßung durch Heike Marzen, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Dortmund, wandte sich Dr. Gerhard Schmitz, Vorstandsvorsitzender vom Continentale Versicherungsbund, an die Anwesenden, indem er mit berechtigtem Stolz darauf hinwies, dass die Continentale auf eine nunmehr einhundertjährige Geschichte zurückblickt.

Alexander Kalouti schloss sich an, lobte den Standort Dortmund und betonte im Blick auf die anstehenden Aufgaben: „Zukunft wird nicht verwaltet, sondern muss gestaltet werden!“

Impulsbeiträge gab es von Wirtschaftsfördererin Heike Marzen und IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber. Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Eines der herausragenden Themen der Gegenwart und Zukunft ist die Energieversorgung. Die Amprion GmbH nimmt sich – mit 3.400 Mitarbeiter:innen und einem Jahresumsatz von über 15 Mrd. EURO – als einer der führenden deutschen Übertragungsnetzbetreiber dessen an.

Dr. Christoph Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung, betonte nach Impulsbeiträgen von Heike Marzen und Stefan Schreiber, dem Hauptgeschäftsführer der IHK, in seinem Referat, dass man Zukunft kaum voraussehen kann, und dass es darum darauf ankommt, anpassungsfähig zu bleiben.

Dr. Christoph Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung Amprion GmbH Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

„Den Batterieboom der Gegenwart beispielsweise“, so pointierte Müller, „hat vor wenigen Jahren noch kein Energiewirtschafter vorausgesehen. Und nun debattieren wir über die Welt im Jahr 2045.“ Und auch, dass heutzutage bereits 60 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammt, war für manche vor noch gar nicht so langer Zeit unvorstellbar.

„Demut vor der Zukunft“, forderte Müller darum und hob zugleich hervor, dass Wirtschaft nur durch Zusammenarbeit funktioniert.

Erfolgreiche „Schwergewichte“ im Dialog: „Wie wir Zukunft gewinnen“

Den unterschiedlichen Aspekten der Zusammenarbeit und den damit gegebenen Chancen war ein anschließendes Podiumsgespräch mit dem Titel „Wie wir Zukunft gewinnen“ gewidmet, an dem sich neben Christoph Müller weitere „Schwergewichte“ einiger von Dortmund aus agierender Firmen beteiligten.

Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender der Firma Adesso Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Darunter Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender der Firma Adesso, einem börsennotierten Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen mit Hauptsitz in Dortmund, der vom erstaunlichen Wachstum des Unternehmens in den vergangenen Jahren bis zur heutigen Größe mit 10.000 Mitarbeiter:innen und einer internationalen Präsenz berichtete.

Das Gespräch lieferte einen guten Eindruck von der Erfolgsbilanz der auf dem Podium vertretenen Firmen.

Innovationskraft: Anderes, wirklich neues wagen

Nachdem auf die Geschäftsfelder und -größen etablierter Firmen geschaut worden war – stets verbunden mit einem immer wiederkehrenden Lob des Standorts Dortmund – wurde der Blick auf einen anderen Bereich des Wirtschaftslebens gelenkt. Junge Firmen, erst in jüngster Vergangenheit als Start-ups in Dortmund gegründet, kamen zu Wort.

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael ten Hompel, LAMARR Institute for Machine learning and Artificial Intelligence (li.) Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Manche Schnittstellen zur Forschung im Hightech-Bereich wurden sichtbar, und immer im Zentrum das  LAMARR Institute for Machine learning and Artificial Intelligence. Dort konzentriert man sich in Zusammenarbeit mit verschiedenen anderen deutschen Forschungseinrichtungen auf die Entwicklung von Anwendungen des Maschinellen Lernens.

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael ten Hompel gab davon einen Bericht und verwies auf die starke Innovationskraft der jungen Unternehmen, die aus dem Umfeld der TU-Dortmund bereits hervorgegangen sind.

Die Begeisterung der jungen Unternehmer war greifbar

Es war spannend und inspirierend, an der Begeisterung der jungen Unternehmer teilzuhaben. Probleme werden erkannt und Lösungen entwickelt, mit denen die neuen Geschäftsfelder erobert werden. Von klassischen Finanzierungsrunden war die Rede, vom Mut der ersten Investoren in den Seed-Phasen und dem nachfolgenden Engagement renommierter Vernture-Capital Gesellschaften.

Dr. Phillip Hüning, CEO der Logistikbude GmbH (re.) Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Dabei, so die jungen Gründer, ist Dortmund für derlei Engagements leider eher noch provinziell, eben ganz anders als Berlin oder München.

Dr. Phillip Hüning, CEO der Logistikbude GmbH, stellte fest: „Dortmund findet in der Start-up-Welt fast gar nicht statt!“ Hier in der Ruhrmetropole, so der Tenor der Runde, ist noch reichlich Potenzial zu heben, insbesondere wenn man bedenkt, auf wie hohem Niveau geforscht und entwickelt wird.

Ein direkter – vielleicht auch kontroverser – Dialog wäre wünschenswert

Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Für den Blick in die Zukunft der Wirtschaft war die Veranstaltung ein gelungenes Event. Allerdings standen die „alten“ und „jungen“ Unternehmen noch zu sehr nebeneinander.

Statt Erfolgsbilanzen mit ambitionierten Plänen zu vergleichen, wäre ein direkter – vielleicht auch kontroverser – Dialog wünschenswert gewesen.

Vertreter:innen verschiedener Firmen trafen sich auf dem Continentale Campus zur Darstellung und Diskussion ihrer Ideen für die Wirtschaft der Zukunft. Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Die notwendigen Paradigmenwechsel klangen darum lediglich nur leise an, diesbezüglich hätte man sich mehr gewünscht.

Die Firma Murtfeldt beispielsweise, ein etabliertes Familienunternehmen, wirbt mit dem Slogan „Eine bessere Welt braucht bessere Maschinen“. Aber eine bessere Welt ist ja nur die Optimierung des bereits Vorhandenen.

Spannend und zukunftsweisend wird es hingegen erst, wenn etwas „ganz anderes“ gedacht und gewagt wird – eben auch mal das, was es in den schon lange bestehenden Unternehmen (noch) nicht gibt.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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