Nordstadtblogger

Ein leiser Abschied nach 110 Ausstellungen in der Nordstadt: Dieter Fischer schließt seine Galerie im Kulturort Depot

Galerist Dieter Fischer und Kurator Hartmut Gloger schließen schon bald zum letzten Mal die Pforten.

Von Robert Bielefeld

Nach 16 Jahren öffnet vom 20. Juli bis zum 5. August die Galerie Dieter Fischer ein letztes Mal unter der Leitung ihres Namensgebers ihre Pforten. Die Galerie ist ein ehrenamtliches Projekt, das er zusammen mit seinem Freund und Kurator Hartmut Gloger führte. Über die Jahre bot das Team im Rahmen von 110 Ausstellungen rund 130 KünstlerInnen die Gelegenheit, ihre Kunst kostenlos bei ihnen auszustellen.

Eine spontane Idee wird zur großen Hilfe für Dortmunder KünstlerInnen

Die fotografischen Arbeiten von Edelgard Losch sind bis zum 5. August zu sehen. Fotos: Alex Völkel

Anstoß die Galerie zu eröffnen war für Fischer der Tod seiner Frau und das Bedürfnis, ihre Werke mit der Öffentlichkeit zu teilen. So entwickelte sich Fischers spontane Idee für viele KünstlerInnen aus dem In- und Ausland zu einer Möglichkeit, ein Publikum für ihre Kunst zu finden.

Dass das meist nicht spektakuläre Profite abgeworfen hat, spielte für Fischer keine Rolle. Wichtig war es in erster Linie eine künstlernahe und kommunikative Galerie zu schaffen.

Besonders die KünstlerInnen, die im Depot ansässig sind, profitierten ungemein von Fischers Engagement. Denn neben denen von Fischer und Gloger organisierten 110 Ausstellungen mit 130 KünstlerInnen gab es dort weitere Kunstschauen. Dutzende Ausstellungen gab es in der Reihe „Depot stellt sich vor“. Weitere Schauen wird es im August und September bis zur endgültigen Schließung der Galerie geben.

Dieser Ansatz machte die Galerie daher vor allem lokal sehr populär und zog auch immer eine Menge neues Talent an. Bei solch einer Auswahl legt Fischer auch großen Wert auf Originalität der Exponate: „Das ist Kunst, die aus dem Rahmen fällt“, beschreibt Fischer seine Ausstellungen. So bindet sich die Galerie nicht an eine feste Kunstform, sondern begrüßt alles von klassischer Malerei bis Fotografie mit offenen Armen.

Letzte Ausstellung: Edelgard Losch präsentiert „Augenblicke – Fotos, die überraschen“

Dieter Fischer überzeugte seine Lebensgefährtin Edelgard Losch, ihre Fotografien für seine letzte Ausstellung zur Verfügung zu stellen.

Und in diesem Geist ist auch die Endausstellung der Galerie gestaltet, unter dem Titel „Augenblicke – Fotos, die überraschen“ präsentiert Edelgard Losch, die Künstlerin und jetzige Lebensgefährtin Fischers, eine ganz besondere Fotoreihe. 

Damit schließt sich gewissermaßen auch ein Kreis für Fischer: Was spontan mit der Kunst seiner verstorbenen Frau begann, endet nun mit den Werken seiner jetzigen Lebensgefährtin.

Es ist die erste Ausstellung von Losch. Fischer hat sie dazu bewegt, ihre Kunst mit dem Rest der Welt zu teilen. Die Fotokünstlerin – sie würde sich selbst so aber nicht bezeichnen – will „Strukturen und Muster“ hervorheben. Die gewöhnlichen Regelmäßigkeiten, an denen wir tagtäglich vorbeigehen und denen wir keine weitere Beachtung schenken, will sie in Szene setzen und das Ordinäre salonreif machen.

Viel wichtiger sei ihr zu zeigen, dass auch eine Amateurfotografin wie sie „schöne Blicke“ und durchaus gute Fotografien aus ganz Alltäglichem machen kann. Eine Botschaft, mit der sich auch Fischer gut identifizieren kann.

Kurator und Langzeitfreund Hartmut Gloger steht Fischer auch bei der Schließung der Galerie wieder bei

Eine schöne Zeit ist zwar vorbei, doch Hartmut Gloger hängt den Job nicht an den Nagel, nach seiner Zeit in Dortmund geht er in Hagen der Tätigkeit nach.

Doch nicht nur Losch hat mit Fischer eine gemeinsame Geschichte. Auch die Bekanntschaft mit Hartmut Gloger, Fischers Kurator und Langzeitfreund, begleitet den Galeristen schon seit den Kinderschritten seines Projekts auf Schritt und Tritt.

In seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Kurator stand er in engem Kontakt mit den KünstlerInnen und beriet sie bei Komposition und Wirkung ihrer Werke im Raum. Auch wenn seine Arbeit meist unsichtbar für das Auge der NormalbesucherInnen ist, hat er eine unverkennbare, persönliche Note in Fischers Galerie hinterlassen.

Über die Jahre hinweg ist die Räumlichkeit selbst gewissermaßen zum Charakter geworden. Relikte von vergangenen Ausstellungen sind überall zu erkennen. Seien es angeschlagene Holzlatten, von denen einst noch bunte Bänder hingen. Oder unzählige Nägel in der Wand, an denen einst eine komplette Abschrift von Dantes göttlicher Komödie hing. Und auch jetzt noch, in den letzten Tagen der Galerie, findet man Spuren von einer Lebendigkeit, die der Räumlichkeit ihren eigenen Charakter einhauchten.

Abschied von der Galerie – doch Fischer bleibt dem Kulturort Depot erhalten

Doch trotz all dem Herzblut, das über die Jahre von allen Beteiligten in das Projekt floss, scheiterte es zuletzt an der Finanzierung der Örtlichkeit. Die BesucherInnenzahl schwand über die Jahre und die Verkäufe wurden knapper denn je.

Fischer konnte zu Beginn der Galerie 20 bis 30 BesucherInnen pro Ausstellungstag begrüßen, während er zuletzt auch häufig allein mit den KünstlerInnen im Saal stand. Der Galerist meint, dass das eine Frage des Alters sei. Interessenten sterben aus, meint er, und die Allgegenwart des Internets, sowie die damit einhergehende Verfügbarkeit und Flut an Bildern aus dem Netz, seien Grund dafür, dass sich die junge Generation nicht für physische Ausstellungen begeistern könnte.

Traurig über das Ende ist Fischer jedoch nicht, er würde mit keinem weinenden Auge zurückblicken und freue sich viel mehr über die schöne Zeit, die er mit der Galerie und ihren KünstlerInnen verbringen durfte. Auch nach seiner Zeit wünscht sich Fischer, dass der Nachfolger seinem Vorbild folgt und auch weiterhin einen Ort schafft, wo KünstlerInnen ohne Geldzwang ihre Werke präsentieren können.

Es ist auch für ihn nicht das Ende im Depot: Fischer behält seine kleine Koje im Eingangsbereich auch nach Abgabe der Räumlichkeiten. Und einen Arbeitsplatz in einem benachbarten Atelier hat er auch. Es gilt also: Niemals geht man so ganz…

Mehr Informationen:

  • Die Arbeiten von Edelgard Losch sind bis zum 5. August in der Galerie Dieter Fischer im Kulturort Depot, Immermannstraße 29, in der Nordstadt zu sehen.
  • Vernissage ist am Freitag, 20. Juli, um 19 Uhr. Für den musikalischen Rahmen sorgt Siegfried Hillmann.
  • Finissage ist am Sonntag, 5. August 2018, von 17 bis 19 Uhr. Musik macht dann Maik Hester (Konzertakkordeon)
  • Die Ausstellung ist donnerstags von 17 bis 20 Uhr sowie nach Absprache zu sehen.
  • In der Reihe „Depot stellt vor“ gibt es noch drei weitere Ausstellungen – Vana Pfänder (17. bis 26. August), Sabine Klemp (31. August bis 9. September) und Ari Plikat (14. bis 31. September) stellen dann dort zum Abschluss aus.

Dieter Fischer und Hartmut Gloger haben ihre letzte Ausstellung organisiert. Danach wird die Galerie ausgeräumt.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen