Ein InitiativenRat in Dortmund gegründet: Die Zivilgesellschaft will gemeinsam stärker werden

Bei der 1. Sitzung wurde ein 14-köpfiges Organisationsteam gewählt

Der InitiativenRat will künftig Engegement Bündeln und Initiativen miteinander vernetzen. Foto: Jannis Iffland für Nordstadtblogger.de

Rund 40 Menschen aus verschiedenen zivilgesellschaftlichen Initiativen haben den neuen InitiativenRat Dortmund gegründet. Das Netzwerk soll die zahlreichen zivilgesellschaftlichen Akteur:innen der Stadt besser miteinander verbinden, Wissen und Ressourcen teilen sowie den Austausch mit der Politik verbessern. Bei der ersten Sitzung im Rathaus wurde zudem ein 14-köpfiges Organisationsteam gewählt. Im Mittelpunkt stand dabei ein gemeinsames Ziel: die Demokratie zu stärken, ohne die Vielfalt der beteiligten Initiativen einzuschränken.

Die Dortmunder Zivilgesellschaft ist vielfältig und will sich stärker vernetzen

Rund 40 Menschen aus Natur- und Umweltschutz, Integration, politische Bildung, Kultur und soziale Arbeit sind im Dortmunder Rathaus zusammengekommen. Vertreten waren unter anderem Planerladen, der NABU-Stadtverband Dortmund, die Omas gegen Rechts, der DGB, ver.di, ATTAC, die evangelische Kirche, die AIDS-Hilfe, die Quartiersdemokraten, die Naturfreunde und das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk.

Birgit Dietinger (Nabu) Foto: Jannis Iffland für Nordstadtblogger.de

Verbunden sind diese unterschiedlichen Gruppen vor allem durch den Wunsch nach gegenseitigem Austausch.

So erhofft sich Birgit Dietinger, Schriftführerin im Vorstand des NABU-Stadtverbands Dortmund, vom neuen Netzwerk eine Erweiterung ihrer Kontakte und eine engere Zusammenarbeit mit der Stadt. „Im Zuge der aktuellen politischen Situation ist es wichtig, dass demokratische Gruppierungen zusammenstehen“, erklärt sie.

Für Kurt Schröer vom Verein „Wir am Hörder Neumarkt“ steht dagegen zunächst die persönliche Vernetzung und der Austausch mit anderen Gruppen im Vordergrund.

Kurt Schröer (Wir am Hörder Neumarkt) Foto: Jannis Iffland für Nordstadtblogger.de

„Wir am Hörder Neumarkt“ organisiert unter anderem kostenlose Konzerte, ein wöchentliches Essen, einen Kindertreff und ein Frauenfrühstück.

„Ich möchte vor allem neue Leute kennen lernen und sehen, was andere so machen“, betont Schröer. Genau das ist auch eines der Hauptanliegen des neuen InitiativenRates: Potenziale und Erfahrungen sollen in Zukunft gebündelt werden.

Wissen und Ressourcen sollen geteilt werden

Dieter Oltmanns berichtet, dass die Idee im Umfeld des Demokratiecafés etstanden ist. Dabei sei die Frage aufgekommen, wie sich die zahlreichen Akteur:innen der Dortmunder Zivilgesellschaft besser miteinander vernetzen lassen.

Dieter Oltmanns stellt das Konzept des InitiativenRates vor. Foto: Jannis Iffland für Nordstadtblogger.de

Nach Gesprächen mit verschiedenen Initiativen, Organisationen und politischen Akteur:innen wurde daraus der InitiativenRat. In der Zukunft soll auch ein neuer Internetauftritt für den InitiativenRat entstehen. Dort sollen sich interessierte Bürger:innen über einen Veranstaltungskalender einen Überblick zu den Angeboten und Veranstaltungen bei den verschiedenen Initiativen verschaffen können.

Gleichzeitig wolle man wichtige Informationen untereinander austauschen. So stünden neue Gruppen häufig vor Fragen wie: „Wie organisiere ich eine Demo?“ oder „Wie beantrage ich Fördergelder?“

Bernd Oesigmann (ShareWood Homes) Foto: Jannis Iffland für Nordstadtblogger.de

Das hier ein Bedarf besteht, zeigt etwa das Beispiel von ShareWood Homes. Der Verein setzt sich für die Verwendung natürlicher Baustoffe wie Stroh und Lehm ein und unterhält Kontakte in die Wissenschaft und zu Klimabündnissen.

Vorsitzender Bernd Oesigmann erhofft sich vom neu gegründeten InitiativenRat nicht nur mehr Bekanntheit, sondern auch konkrete Unterstützung. „Wer kann uns unterstützen? Wo können wir Fördergelder beantragen?“, seien für den Verein zwei wichtige Fragen.

Über Stadtteilgrenzen hinweg zusammenarbeiten

Für Dustin Siebert ist die Vernetzung über Stadtbezirke hinaus ein wichtiges Anliegen. Foto: Jannis Iffland für Nordstadtblogger.de

Die Vernetzung steht auch für Dustin Siebert, Geschäftsführer des Planerladen in der Dortmunder Nordstadt im Mittelpunkt. Der Verein konzentriert sich unter anderem auf Integration und Quartiersarbeit, etwa im Quartierstreff Concordia am Borsigplatz. Der InitiativenRat biete so auch die Möglichkeit, „auch über die Nordstadtgrenzen hinaus“ Engagement kennenzulernen, betont Siebert.

Auch die Quartiersdemokraten aus Dorstfeld sind ein Beispiel für die thematische Vielfalt der Dortmunder Zivilgesellschaft. So befassen sie sich mit Rechtsextremismusprävention und Demokratieförderung.

Vivianne Dörne (Quartiersdemokraten Dorstfeld) Foto: Jannis Iffland für Nordstadtblogger.de

Dazu gehören unter anderem politische Bildungsarbeit an Schulen und verschiedene Workshops. Vivianne Dörne sieht angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen eine besondere Bedeutung in dieser Arbeit. „Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt wird deutlich, wie wichtig diese Arbeit ist“, betont sie.

Der gemeinsame Austausch soll daher nicht bei Veranstaltungen und Kontakten stehen bleiben. Der InitiativenRat möchte Aktionen organisieren und bei Bedarf Fachwissen vermitteln.

Gleichzeitig soll die Eigenständigkeit der einzelnen Gruppen erhalten bleiben. Man wolle keine parallelen Strukturen zu bestehenden Bündnissen schaffen, betont Oltmanns. Vielmehr wolle das Netzwerk dort unterstützen, wo einzelne Initiativen allein an Grenzen stoßen.

InitiativenRat gibt sich Leitbild: Demokratie als gemeinsamer Nenner

Daneben sehen die Akteur:innen die Stärkung der Demokratie als eine zentrale Aufgabe des neuen zivilgesellschaftlichen Netzwerkes in Dortmund.

Christel Schürmann und Jocelyne Jakob sprechen sich für eine Stärkung von Demokratie und Zivilgesellschaft aus. Foto: Jannis Iffland für Nordstadtblogger.de

„Es ist natürlich die Angst da, dass viele Leute die Demokratie nicht mehr als die beste Regierungsform halten“, erklärt Christel Schürmann von der AIDS-Hilfe mit Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse aus Sachsen-Anhalt. Der InitiativenRat müsse deshalb dazu beitragen, die Akzeptanz der Demokratie zu stärken. „Wir müssen etwas bewegen“, ist Schürmann überzeugt.

Auch Jocelyne Jakob vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk sieht die Zivilgesellschaft als wichtigen Bestandteil einer funktionierenden Demokratie. „Zivilgesellschaft ist für mich ein absolut notwendiger Teil einer demokratischen Gesellschaft“, sagt sie. Für die Initiator bedeutet das allerdings nicht, dass alle Beteiligten bei politischen Fragen dieselbe Meinung vertreten müssen.

Rund 40 Aktive der unterschiedlichsten zivilgesellschaftlichen initiativen sind zur konstituierenden Sitzung gekommen. Foto: Jannis Iffland für Nordstadtblogger.de

Das gemeinsame Leitbild des InitiativenRates stellt daher ein demokratisches und gleichberechtigtes Miteinander in den Mittelpunkt. Willkommen sind Personen und Organisationen, die sich zu den demokratischen Grundwerten und zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen erklärt Mitinitiatorin Jasmin Carfa.

Parteien und profitorientierte Organisationen gehören nicht zum Netzwerk. Auch nationalistische, faschistische und andere extremistische Positionen werden nicht akzeptiert.

Großes Interesse an Mitarbeit: Organisations-Team gewählt

Wie groß das Interesse an einer aktiven Mitarbeit ist, zeigte sich auch bei der Wahl des Organisationsteams. Ursprünglich war vorgesehen, ein Team aus acht bis zehn Personen zu bilden, erklärt Mitinitiator Sebastian Kreimer von der Fachhochschule Dortmund. Nachdem sich allerdings 14 Interessent:innen zur Mitarbeit bereit erklärten, wurden alle 14 gemeinsam per Handzeichen gewählt.

Das frisch gewählte Team des initiativenRates soll in Zukunft Koordination und Organisation übernehmen. Foto: Jannis Iffland für Nordstadtblogger.de

Das Team soll künftig Kontakte zu den verschiedenen Initiativen herstellen und halten, Leitfäden und Informationen zur Verfügung stellen, Engagement fördern und gemeinsame Aktionen koordinieren. Die Treffen des Teams sollen zudem öffentlich zugänglich sein, damit sich auch Menschen beteiligen können, die nicht dauerhaft organisatorische Verantwortung übernehmen können.

Damit soll zugleich eine demokratische Legitimation für die gemeinsame Arbeit geschaffen werden. Niemand solle einfach für den InitiativenRat sprechen können, ohne dafür von den Beteiligten legitimiert worden zu sein, hatte Oltmanns bereits im Vorfeld erklärt. Die nun gewählten Mitglieder sollen deshalb künftig auch nach außen als Ansprechpartner des Netzwerks auftreten.

Balje-Zelisko: „Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit“

Mit der konstituierenden Sitzung sei der erste Schritt gemacht, erklärt Mitinitiatorin Remonda Balje-Zelisko. „Ich freue mich sehr, dass so viele Menschen aus den unterschiedlichsten Vereinen, Initiativen und Gruppierungen zusammengekommen sind, um ein wichtiges Zeichen für die Demokratie zu setzen“, sagte sie gegenüber Nordstadtblogger.

Remonda Balje-Zelisko zeigt sich erfreut über die positive Resonanz. Foto: Jannis Iffland für Nordstadtblogger.de

„Wir müssen nicht in allen Fragen einer Meinung sein“, betonte Balje-Zelisko bei ihrer Abschlussrede. Entscheidend sei vielmehr, bei den gemeinsamen demokratischen Grundwerten zusammenzustehen und unterschiedliche Positionen aushalten zu können. Der InitiativenRat wolle deshalb nicht nur auf politische Entwicklungen reagieren, sondern auch selbst Themen auf die Tagesordnung setzen.

„Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit“, fasste Balje-Zelisko zusammen. Dazu gehöre vor allem, neue Menschen für das Engagement zu gewinnen und ihnen Verantwortung zu ermöglichen. „Lasst uns Aufgaben teilen, Wissen weitergeben und uns gemeinsam unterstützen“, appellierte sie an die Beteiligten.


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