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Droht auch 2020 eine Eichenprozessionspinner-Plage? Dortmund bereitet sich auf den Kampf gegen den Befall vor 

Spezialfirmen entfernen die Nester des Eichenprozessionsspinnern - hier eine Raupe.

Die sogenannten Brennhaare der Raupen bleiben durch ihren Widerhaken in der (Schleim-)Haut stecken und verursachen so allergische Reaktionen oder beispielsweise Entzündungen der Luftwege.

Anfang April könnten die ersten Raupen des Eichenprozessionsspinners (EPS) wieder unterwegs sein. Nachdem Dortmund wie viele andere Städte im Ruhrgebiet von dem massenhaften Auftreten der Raupen 2019 überrascht worden war, stellt sich die Stadt für 2020 mit einem Gesamtkonzept rechtzeitig auf die neue Saison ein. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass , vor allem nach dem sehr milden Winter, der Eichenprozessionsspinner auch in diesem Jahr wieder verbreitet auftritt. „Wir haben im letzten Jahr eine Erlebniswelt gehabt, die uns nicht viel Freude bereitet hat“, so Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Damit dies nicht wieder passiert, haben sich die Verantwortlichen der Stadtverwaltung schon frühzeitig Gedanken gemacht und gehen dabei zur Sicherheit von einem noch stärkeren Befall als 2019 aus.

Warnschilder mit international verständlichen Piktogrammen statt Absperrungen

Wie stark der Befall tatsächlich ausfällt, lässt sich seriös nicht vorhersagen. „Wie stark das Problem wieder auftritt, weiß niemand. Aber wir sind darauf vorbereitet, dass sie wieder massenhaft auftreten werden“, gibt sich Baudezernent Arnulf Rybicki zuversichtlich. Die stadtweite Federführung aller Maßnahmen übernimmt 2020 das Grünflächenamt.

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Mit Beginn der Saison (ca. April bis August) werden in Grünanlagen, Parks, Friedhöfen und Wäldern – sobald ein Befall festgestellt wird – einheitliche, temporäre Info- und Warnschilder mit international verständlichen Piktogrammen aufgestellt. Der Eichenprozessionsspinner ist ein Risiko, mit dem man vor allem in den nördlichen Stadtteilen überall rechnen muss. 

Die Schilder sind ein Appell an die Eigenverantwortlichkeit aller Dortmunder*innen – Betreten auf eigene Gefahr. Absperrungen sollen so möglichst vermieden werden. In Einzelfällen können jedoch Absperrungen z.B. an einzelnen Eichenalleen, Schulen oder Tageseinrichtungen für Kinder notwendig werden.

Fressfeinde: Zum Schutz der Kohlmeisen werden Nistkästen aufgestellt

Neben vier Kolonnen von Firmen sind auch vier Trupps des Tiefbauamts im Einsatz. Fotos: Christian Schön

Das neue Grünflächenamt übernimmt die Koordination aller Maßnahmen und beteiligter Akteure in Dortmund. Fotos: Christian Schön

Außerdem werden zeitnah online (Link im Anhang des Artikels) fortlaufend aktuelle und grundsätzliche Infos zum EPS gebündelt. Auch die Meldekette für EPS-Vorkommen wird optimiert. Von Mai bis August kann jeder Befall mit Eichenprozessionsspinnerraupen über eine telefonische zentrale Raupenmelder-Hotline gemeldet werden sowie über die E-Mail-Adresse raupenmelder@dortmund.de.

An allen Tageseinrichtungen für Kinder (TEK) werden in Zusammenarbeit zwischen FABIDO und dem Grünflächenamt Nistkästen für Kohlmeisen aufgehängt. Ebenso werden die Sport- und Freizeitbetriebe im Hoeschpark 60 und im Zoo 130 Nistkästen für Kohlmeisen installieren. Nach aktuellen Erkenntnissen zählen diese zu den natürlichen Fressfeinden des EPS. 

Auch wenn sich bei massenhaftem Auftreten der Raupen die Wirkung in Grenzen halten wird, sind die Nistkästen als sinnvolle ergänzende Maßnahme zu sehen. Das Projekt trägt zu einer weiteren Aufklärung und Sensibilisierung an TEK und weiteren städtischen Anlagen bei und ist grundsätzlich ein positiver Effekt für den Erhalt der heimischen Vogelwelt. Auch die Schulen können sich an den Nistkasten- und Aufklärungsaktionen beteiligen und den EPS auch im Unterricht zum Thema machen.

Lebendfallen mit Lockstoff-Pheronom als Präventivmaßnahme

Unabhängig von dem zu erwartenden Befall werden präventive Maßnahmen ergriffen, indem rechtzeitig im Frühjahr in einem „Testlauf“ in den Anlagen Hohenbuschei, Fredenbaumpark, Volksgarten Mengede und auf dem Friedhof Wischlingen Lebendfallen an den Baumstämmen installiert werden. 

Auch vier Trupps des Tiefbauamtes sind mit dem Absaugen der Eichenprozessionsspinner beschäftigt. Foto: Frank Dartsch

Absaugung 2019. Foto: Frank Dartsch

Diese fangen die Raupen in unterschiedlichen Stadien zum Beispiel durch einen Kunststoffring während ihrer Prozession ein, so dass sie sich in einem zu entsorgenden Kunststoffsack sammeln. Unterstützend kann in diesem Sack ein weiteres Pheromon als Lockstoff eingesetzt werden.

Die Beseitigung erfolgt mittels Absaugen durch eigenes geschultes Personal mit Spezialanzügen und Saugern. Die Kapazität bei der Stadt Dortmund wird dafür mehr als verdoppelt. Bis zu drei zusätzliche Teams wurden ausgerüstet, so dass dann sechs Baumteams des Grünflächenamtes eingesetzt werden können. 

Darüber hinaus stehen je ein entsprechend ausgerüstetes Team des Forstbetriebes im Umweltamt und der Friedhöfe Dortmund zur Verfügung. Insgesamt können also acht stadtinterne Beseitigungsteams bereitgestellt werden. Zusätzlich werden externe Firmen mit der Beseitigung über bestehende Rahmenverträge beauftragt.

Personal des Grünflächenamtes wurde aufgestockt – insgesamt acht stadtinterne Teams

Spezialfirmen haben derzeit alle Hände voll zu tun, den massiven Befall durch Eichenprozessionsspinner zu beseitigen. Sie sind eine Folge des Klimawandels.

Bereits 2019 kamen sowohl städtische Teams als auch externe Spezialfirmen zum Einsatz.

Durch das Grünflächenamt erfolgt eine Gefahreneinschätzung mit Priorisierung. Die Beseitigung erfolgt durch eigene Teams der Technischen Dienste des Grünflächenamtes, der Friedhöfe, des Forstbetriebes sowie durch externe Firmen, mit denen Rahmenverträge geschlossen wurden.

Bei der Festlegung der Priorität ist ausschlaggebend, ob es sich um eine öffentliche Einrichtung (in städtischer Betriebsführung) mit hoher Wahrscheinlichkeit eines Kontaktes von Personen zum EPS handelt.

Wie auch in 2019 werden befallene Bäume daher in der nachfolgenden Priorisierung abgesaugt:

  • Schulen, Tageseinrichtungen für Kinder (TEK) und Kinderspielplätze
  • Sportplätze und Freibäder
  • andere öffentliche Gebäude
  • Grünanlagen und Parkwälder
  • Straßenbäume

Daneben finden bei der Priorisierung aber auch geplante Großveranstaltungen sowie nicht aufschiebbare betriebliche Termine (zum Beispiel Beisetzungen auf Friedhöfen) Berücksichtigung. Die Stadt kann nur auf den eigenen Flächen eingreifen. Andere Eigentümer*innen stehen auf ihren Arealen selbst in der Pflicht.

Das betrifft nicht nur die privaten Gärten, sondern auch Flächen, die zum Beispiel von Wohnungsgesellschaften, Straßen.NRW, Deutsche Bahn, Emschergenossenschaft und Lippeverband betreut werden. Diese werden aktiv von der Stadt angeschrieben, informiert und zu eigenen Maßnahmen aufgerufen. Gleiches gilt ebenso für Krankenhäuser und Seniorenheime von freien Trägern, Kirchengemeinden, sowie weitere Grundstücksbesitzer*innen mit größerem Baumbestand.

Arnulf Rybicki: „Wir werden nicht mit Insektiziden arbeiten.“

Der Rat wählt Arnulf Rybicki zum neuen Dezernenten für Bauen und Infrastruktur in Dortmund.

Dezernent für Bauen und Infrastruktur Arnulf Rybicki, in dessen Zuständigkeit auch die Maßnahmen des neuen Grünflächenamtes fallen. Foto: Alex Völkel/Archiv

Als Alternative zum Absaugen wurden folgende weitere Beseitigungsmöglichkeiten geprüft, aber aus den folgenden Gründen nicht in Erwägung gezogen:

Heißschaum: Die Beseitigung durch Heißschaum ist technisch bedingt nur bis zu einer Höhe von vier Meter möglich. Damit wäre ein Einsatz in einer Vielzahl der Fälle nicht möglich. Darüber hinaus beläuft sich die Beschaffung eines Gerätes auf rund 60.000 Euro, was im Vergleich zu einem Industriestaubsauger und Schutzanzügen unverhältnismäßig und unwirtschaftlich ist.

Insektizide: Der Einsatz von Insektiziden und Bioziden wird als sehr kritisch eingeschätzt, da sie nicht artspezifisch wirken, sondern eine Gefahr für eine größere Bandbreite von Faltern darstellen, die damit in Kontakt kommen.

Bereits während der EPS-Saison 2019 wurde die Idee verworfen, die Nester abzuflämmen. Der Feuerstrahl der Flammgeräte erfolgt mit hohem Druck. Dies hätte zur Folge, dass die Nester förmlich auseinander bersten und eben nicht verbrennen. Stattdessen besteht gerade in trockenen Sommern die Gefahr, dass ein ganzer Baum entflammt.

 

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