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Dortmund reagiert auf antisemitische Angriffe in Halle: Demo und erhöhte Sicherheit für jüdische Einrichtungen

In der Dortmunder Innenstadt gab es am Abend eine spontane Demo gegen Antisemitismus.

Die wahrscheinlich rechtsextremistische Tat in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) am 9. Oktober 2019 löst auch in Dortmund traurige Reaktionen aus. So gab es bereits am Abend eine spontane Demo durch die Dortmunder Innenstadt, an der sich rund 150 Menschen beteiligten. Sie setzten damit ein Zeichen gegen die mutmaßlich antisemitisch geprägten Anschläge. Die Polizei hat bundesweit die Sicherheitsmaßnahmen an jüdischen Einrichtungen erhöht – so auch in Dortmund.

Die wahrscheinlich rechtsextremistische Blutat in Halle sorgt international für Schlagzeilen

Die Dortmunder Synagoge wird von zusätzlichen Polizeikräften bewacht. Fotos: Karsten Wickern

Am Mittwoch hat ein Täter zwei Menschen im Umfeld der Synagoge in Halle erschossen. Zuvor hatte er versucht, in das jüdische Gotteshaus einzudringen, war daran aber gescheitert. In der Synagoge befanden sich zu dem Zeitpunkt etwa 80 Menschen, die den höchsten jüdischen Feiertag – Jom Kippur – feierten. 

Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte, man müsse von einem antisemitischen Angriff ausgehen. Der Generalbundesanwalt sieht ausreichend Anhaltspunkte für einen rechtsextremistischen Hintergrund und hat die Ermittlungen übernommen.

Auch die Dortmunder Polizei ist durch den Vorfall alarmiert. Sie hat die Sicherheitsmaßnahmen an jüdischen Einrichtungen in Dortmund verstärkt. Es gebe aber weiterhin keine konkreten Hinweise zu geplanten Anschlägen in Dortmund. Vor der Dortmunder Synagoge bleibt es laut Polizei bislang ruhig.

Spontane Demonstration durch die City zum Platz der alten Synagoge

Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot endete die Demo am Platz der alten Synagoge.

In der Dortmunder Innenstadt kamen etwa 150 Menschen zu einer spontan angemeldeten Demonstration  zusammen. Mit einem Gang vom Hauptbahnhof zum Platz der alten Synagoge forderten sie das Ende jedes Antisemitismus.

„Geistigen Brandstiftern wie Björn Höcke“ geben sie eine Mitschuld an der Tat. Solche Leute würden den ideologischen Untergrund für Taten wie in Halle bauen, sagte ein Redner. Es gäbe viele Menschen, die bereit seien, den Brandstifter-Reden Taten folgen zu lassen, ist er überzeugt. 

Eine Forderung der DemonstrantInnen: Rechtsextremisten müssten endlich die Waffen abgenommen werden. Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten habe immer noch nicht zu ausreichenden Taten der Behörden gegen Rechtsextremisten geführt.  

Klar gegen Rechtsextremismus positionierte sich das Theater Dortmund.

Reaktionen in den Sozialen Medien:

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Der Dortmunder Rabbiner Baruch Babaev ist erschüttert.


Das Dortmunder Netzwerk zur Bekämpfung von Antisemitismus verurteilt die Tat.

Auch die KlimaaktivistInnen von Fridays for Future denken an die Opfer der Tat.

Auch beim Länderspiel in Dortmund wurde den Opfern gedacht:

https://www.instagram.com/p/B3aOqNWCCxC/

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3 Gedanken über “Dortmund reagiert auf antisemitische Angriffe in Halle: Demo und erhöhte Sicherheit für jüdische Einrichtungen

  1. Grünen-Kreisverband Dortmund (Pressemitteilung)

    GRÜNE DORTMUND: Solidarität mit den Jüdischen Gemeinden

    Die menschenverachtenden Morde sowie die Angriffe auf die Synagoge in
    Halle erschüttern uns zutiefst. Unsere Gedanken sind bei den
    Hinterbliebenen der Ermordeten, aber auch bei den Mitgliedern der
    dortigen jüdischen Gemeinde, die den Jom-Kippur-Tag in Todesangst in
    ihrer Synagoge erleben mussten. Ihnen allen gilt unser tiefes Mitgefühl
    und unsere aufrichtige Anteilnahme.

    Für uns GRÜNE in Dortmund ist es unerträglich, dass Jüdinnen und Juden
    in Deutschland angegriffen werden. Die Angriffe und Morde von Halle,
    jeder Angriff auf jüdische Menschen und Einrichtungen sind Angriffe auf
    uns alle und auf die Werte unserer freien Gesellschaft. Antisemitismus
    ist deshalb mit aller Kraft und Härte zu bekämpfen, auch in Dortmund. Es
    ist nicht hinnehmbar, dass auch in Dortmund Neonazis immer wieder mit
    antisemitischen Parolen und dem Ruf „Nie wieder Israel“ durch die
    Straßen ziehen. Diese Rufe sind der verbale Aufruf für antisemitische
    Taten und Täter in Halle oder sonst wo.

    Wir fordern alle Verantwortlichen auf, dies mit allen rechtsstaatlichen
    Mitteln zu unterbinden. Antisemitismus, Rassismus und jede Form von
    Menschenfeindlichkeit dürfen nirgendwo, nicht in Deutschland, nicht in
    Dortmund, einen Platz haben.

    Der GRÜNE Kreisverband steht solidarisch an der Seite der Jüdischen
    Gemeinden.

    Katja Bender (Sprecherin)
    Julian Jansen (Sprecher)

  2. Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (GBA)

    GBA: Mitteilung zum Stand der Ermittlungen im Ermittlungsverfahren wegen des Anschlages in Halle (Saale) am 9. Oktober 2019

    Karlsruhe. Die Bundesanwaltschaft hat heute (10. Oktober 2019) beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gegen den deutschen Staatsangehörigen Stephan B. wegen Verdachts des zweifachen Mordes und des versuchten Mordes in mehreren Fällen (§§ 211, 212, 22, 23, 52, 53 StGB) sowie weiterer Straftaten gestellt. Der Beschuldigte wurde gestern (9. Oktober 2019) vorläufig festgenommen.

    Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten im Wesentlichen folgenden Sachverhalt vor:

    Stephan B. plante aus seiner rechtsextremistischen und antisemitischen Gesinnung heraus einen Mordanschlag auf Mitbürger jüdischen Glaubens. Zu diesem Zweck bewaffnete er sich mit insgesamt
    vier Schusswaffen, darunter zumindest eine vollautomatische Schusswaffe, und mehreren Sprengsätzen und fuhr am 9. Oktober 2019 mit einem Mietfahrzeug zur Synagoge in der Humboldtstraße in Halle (Saale). Der Beschuldigte wollte sich zu dem Gotteshaus Zutritt verschaffen und möglichst viele Personen jüdischen Glaubens töten. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich in der Synagoge anlässlich der Feierlichkeiten des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur 51 Gläubige auf.

    Da der Beschuldigte die Eingangstüre verschlossen vorfand, wollte er ein Doppel-Flügel-Tor zu einer Zufahrt des Anwesens aufsprengen. Der gezündete Sprengsatz verfehlte allerdings die von ihm erhoffte Wirkung. Unmittelbar danach richtete er die vollautomatische Schusswaffe auf eine zufällig vorbeikommende Passantin und gab einen Feuerstoß mit vier Schüssen in deren Rücken ab. Die Frau hatte ihn zuvor auf sein Verhalten angesprochen. Nachdem er erkannt hatte, dass sein Sprengversuch gescheitert war, lief er auf das leblos am Boden liegende Opfer zu und gab einen weiteren Feuerstoß auf sie ab. Die 40
    Jährige erlag noch vor Ort ihren Verletzungen.

    Danach wollte er sich durch einen Hinterhof Zutritt zu dem Anwesen der jüdischen Gemeinde verschaffen. Auch dies gelang ihm nicht. Wieder auf der Straße wurde er nunmehr von einem Fahrer eines
    Kleinlieferwagens angesprochen. Auch auf diesen richtete er daraufhin die vollautomatische Waffe, konnte jedoch wiederholt keinen Schuss abgegeben, da die Waffe eine Ladehemmung hatte.

    Im Anschluss versuchte er wiederum erfolglos ein letztes Mal, sich Zutritt zu der Synagoge zu verschaffen, indem er drei Schüsse auf die Eingangstüre abgab und gegen den Türgriff trat. Dann kehrte
    er zu dem Fahrzeug zurück, entnahm diesem vier Sprengsätze, zündete sie an und warf sie über die Mauer des Anwesens der jüdischen Gemeinde.

    Frustriert über diesen weiteren Misserfolg fasste der Beschuldigte den Entschluss, den Ort des Geschehens zu verlassen und Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund zu töten. Nach einer kurzen Fahrt durch die Stadt hielt er vor einem Döner-Imbiss, stieg aus und schoss auf eine im Türrahmen des Lokals stehende männliche Person. Der Mann flüchtete, vom Beschuldigten verfolgt, in das Lokal. Dort hielten sich zu diesem Zeitpunkt zwei weitere Personen auf, die beim Anblick des bewaffneten Beschuldigten ebenfalls zu flüchten versuchten. Der Beschuldigte wollte auch auf diese Personen schießen, was ihm aufgrund einer erneuten Ladehemmung misslang. Diese Gelegenheit nutzte eine der Personen zur Flucht aus dem Geschäftsraum. Der Mann, der zuvor im Türrahmen gestanden hatte und auf den der Beschuldigte den ersten Schuss abgegeben hatte, blieb zusammengekauert in der Nische auf Getränkekästen liegen. Der Beschuldigte ließ die vollautomatische Waffe fallen, ergriff nunmehr eine andere Schusswaffe und feuerte erneut auf ihn. Danach verließ er das Ladenlokal, entnahm dem Fahrzeug eine andere Waffe und gab auf einen weiteren Passanten einen Schuss ab, der diesen jedoch verfehlte.

    Nach kurzer Zeit kehrte er zum Döner-Imbiss zurück. Auf dem Weg dorthin gab er auf zwei zufällig vorbeikommende Handwerker zwei Schüsse ab, die ohne Folgen blieben. Anschließend betrat er den Döner-Imbiss, suchte zielstrebig die bereits verletzte und immer noch in der Nische hinter den Kühlschränken liegende Person und tötete diese mit mehreren Schüssen.

    Danach flüchtete er in seinem Mietfahrzeug vom Ort des Geschehens. Als er nach wenigen Metern erkannte, dass ein Polizeifahrzeug die Weiterfahrt versperrte, stieg er aus und eröffnete sofort das Feuer auf die Polizeibeamten. Bei dem anschließenden Schusswechsel wurde der Beschuldigte am Hals getroffen.

    Sodann setzte er seine Flucht fort. In Landsberg-Wiedersdorf versuchte er, sich in den Besitz eines Pkws zu bringen. Dabei verletzte er zwei Passanten durch mehrere Schüsse. Schließlich bemächtigte er sich eines Taxis und fuhr über die Bundesautobahnen 14 und 9 sowie die Bundesstraße 91 in südliche Richtung. Nachdem es mit dem Taxi zu einem Unfall ohne Fremdeinwirkung gekommen war, konnte der Beschuldigte durch Polizeibeamte schließlich festgenommen werden.

    Wie von Anfang an geplant, filmte der Beschuldigte das vollständige Tatgeschehen mit einer Kamera und verbreitete die Aufnahmen im Wege eines Live-Streams im Internet.

    Die weiteren Ermittlungen werden sich insbesondere auch mit der Frage befassen, ob Personen in die Vorbereitung oder Durchführung des Anschlags eingebunden waren oder im Vorfeld Kenntnis hiervon hatten.

    Bislang fehlen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte an eine rechtsterroristische Vereinigung angebunden war oder ein sonstiger Zusammenhang mit einer solchen Vereinigung besteht.

    Es ist noch unklar, ob der Beschuldigte die von ihm mitgeführten Waffen und Sprengsätze selbst hergestellt oder sich auf andere Weise verschafft hat. Die kriminaltechnische Untersuchung dieser
    Gegenstände ist noch nicht abgeschlossen.

    Der Beschuldigte wird im Laufe des heutigen Abends dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, der über die Anordnung von Untersuchungshaft entscheiden wird.

  3. ACK-NRW (Pressemitteilung)

    ACK-NRW: Solidaritätsbekundung mit den jüdischen Gemeinden

    Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Nordrhein-Westfalen (ACK-NRW) hat nach dem Angriff auf eine Synagoge in Halle/Saale in einem Schreiben an die jüdischen Gemeinden ihre Solidarität mit den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern bekundet.

    Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens,

    im Namen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Nordrhein-Westfalen (ACK-NRW) möchte ich Ihnen hiermit unsere Solidarität bekunden. Wir, die Vertreter und Vertreterinnen der 36 zur ACK – NRW zusammengeschlossenen christlichen Kirchen und Gemeinden, sind entsetzt über die brutale Tat in Halle/Saale.

    Unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen. Es beunruhigt uns sehr, dass in unserem Land ein solch infamer Angriff auf eine Synagoge stattfinden konnte. Wir möchten Ihnen allen daher unser Mitgefühl zum Ausdruck bringen.

    Kaum vorstellbar ist für uns der psychische Druck, der auf Ihnen lastet, wenn Sie nun verstärkt erleben müssen, dass jüdisches Leben in Deutschland nicht ohne Polizeischutz möglich ist. Dass die Tat an Ihrem höchsten Feiertag geschah, verschlimmert das Gefühl des Ausgeliefertseins und der Verwundbarkeit wahrscheinlich noch mehr.

    Wir sind uns dessen bewusst, dass wir als Teil der Zivilgesellschaft Verantwortung tragen für das gesellschaftliche Klima, das den Nährboden darstellt für einen verstärkt auftretenden Antisemitismus sowie einen wachsenden Extremismus. Der Anschlag von Halle rüttelt uns wach und mahnt uns daran, mutiger aufzustehen und hörbarer Partei zu ergreifen, wenn Menschen aufgrund ihrer Religion, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung diffamiert und diskriminiert werden.

    Als Christinnen und Christen sind wir aufgrund unseres Glaubens mit den jüdischen Gemeinden in besonderer Weise verbunden. Wir sind dankbar, dass es nach der Shoah wieder lebendige jüdische Gemeinden in Deutschland gibt, und versichern Ihnen, dass wir solidarisch an Ihrer Seite stehen, um gemeinsam für eine offene und freiheitliche Gesellschaft einzustehen, in der Hass und Gewalt keinen Platz haben.

    Gemeinsam vertrauen wir auf Gott, der verspricht: „Es werden wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade wird nicht von Euch weichen und der Bund meines Friedens wird nicht hinfallen.“ (Jesaja 54,10). Wir wünschen Ihnen heute von Herzen „Schabbat Schalom“. Am Sonntag werden wir Sie in unsere Fürbitte einschließen.

    Mit herzlichen Grüßen

    Ihre Annette Muhr-Nelson
    (Pfarrerin, Vorsitzende der ACK-NRW)

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