Nordstadtblogger

Deutsch-Internationales Wirtschaftszentrum Nordstadt fördert lokale Firmen bei der Erschließung neuer Märkte

Hadet Kovacevic ist Projektmanager des neuen Deutsch-Internationalen Wirtschaftszentrums Nordstadt.

Von Sascha Fijneman

Die Nordstadt ist der internationalste Stadtteil Dortmunds. Das zeigt sich sowohl an den mehr als 60.000 BewohnerInnen wie auch an den zahlreichen Firmen. Von insgesamt 4500 Unternehmen im Stadtbezirk Innenstadt-Nord wird fast die Hälfte von MigrantInnen geführt. Da liegt es auf der Hand, ein Deutsch-Internationales Wirtschaftszentrum genau dort anzusiedeln – und daher trägt es „Nordstadt“ auch im Namen.

Das Konzept des DIWN verfolgt drei wichtige Aufgabenbereiche der ethnischen Ökonomie

Gefördert wird das Deutsch-Internationale Wirtschaftszentrum Nordstadt (DIWN) mit Mitteln der Stadt, des Landes und der EU. Es will ausländischen UnternehmerInnen den Weg nach Dortmund ebnen und hier ansässigen ExistenzgründerInnen und Firmen die Geschäftsanbahnung in ausländischen Märkten erleichtern.

Wirtschaftsförderer Thomas Westphal begrüßte die Gäste der offiziellen Eröffnung des DIWN.

Die Nordstadt bietet dafür den richtigen Rahmen. Denn Wirtschaftsförderer Thomas Westphal sieht in der ethnischen Wirtschaft in der Nordstadt ein enormes Wachstumspotenzial. Deshalb sollen hier Unternehmen und Firmen begleitet werden, um ein Netzwerk verschiedenster wirtschaftlicher Akteure zu schaffen und um das „Besteck der Wirtschaftsförderung voll auszuschöpfen“.

„Mann vor Ort“ ist Hadet Kovacevic. Der Projektmanager kennt schon die Probleme und Herausforderungen, vor denen „seine Kundschaft“ steht. Oft sind es bürokratische Fragen – zum Beispiel TÜV- oder CE-Zertifikate, Wareneinfuhrbestimmungen, Steuern, Zölle und Vorschriften aller Art – mit denen sich die zumeist Solo-Selbständigen und Existenz-GründerInnen abmühen, erklärt Kovacevic.

Ihnen bei der Lösung zu helfen, ist eine der Aufgaben des Projektmanagers. Dies gilt in beide Richtungen – den DortmunderInnen bei der Erschließung neuer Märkte im Ausland zu helfen wie auch ausländischen Interessierten bei der Ansiedlung zu helfen. Beide Vorhaben sind mit vielen ebenfalls bürokratischen Hürden verbunden.

Schon rund 60 Betriebe haben von den Dienstleistungen des DIWN profitiert

Rund 60 Betriebe haben bisher Gebrauch vom noch jungen Angebot des DIWN gemacht. Einer von ihnen ist Amet Bekir, Sohn einer jugoslawischen Einwandererfamilie aus Mazedonien. Sein Vater lebt seit den sechziger Jahren in Dortmund und holte seine Familie 1992 im Zuge des jugoslawischen Bürgerkriegs zu sich in die neue Heimat.

Amet Bekir und William Sawyer sind Nachbarn im Zentrum – und vielleicht auch bald Geschäftspartner.

Sohn Amet arbeitete nach Schule, Ausbildung und Berufstätigkeit zuletzt acht Jahre als Außendienstler für verschiedene Schweiß- und Stahlunternehmen in sämtlichen Balkanländern sowie in der Türkei.

„Es gibt keine Schweißfirma auf dem Balkan, in der ich noch nicht war“, sagt der Nordstädter lachend. Beste Voraussetzungen also, diese Kontakte für seine Existenzgründung zu nutzen – zumal er fließend Deutsch, Englisch, Türkisch und Sprachen des ehemaligen Jugoslawien spricht.

Er ist seit einem halben Jahr als Berater im Stahl- sowie im Schweißzubehörbereich aktiv und knüpft Verbindungen von Deutschland auf den Balkan und in die Türkei. Mit seiner Firma VBBB (Vertrieb, Beratung Betreuung, Beschichtung) hat er sich in den Räumlichkeiten des neu entstandenen Zentrums in der Speicherstraße 56 am Dortmunder Hafen niedergelassen – Tür an Tür mit dem Wirtschaftszentrum und der Firma von William Sawyer.

Es geht um die beiderseitige Vermittlung von Fachwissen und den Aufbau eines Kontaktnetzwerks

Sawyer besitzt das gleichnamige Transport- und Logistikunternehmen. Er organisiert Überfahrten von Gütercontainern und Fahrzeugen vom Hamburger Hafen aus in über 15 nord- und westafrikanische Länder. Er hat sich bereits 2012 selbstständig gemacht – damals noch in Regensburg. Allerdings bietet das Ruhrgebiet für sein Geschäftsfeld deutlich mehr potenzielle Kunden. Daher zog es ihn nach Dortmund. Nachdem er zunächst sein Büro zu Hause eingerichtet hatte, ist auch er jetzt in das Gebäude im Hafen eingezogen, wo das DIWN sitzt.

Bleiben am Ball: Thomas Westphal v.l., Hadet Kovacevic h.l., Volkan Baran h.r. und Dr. Ludwig Jörder v.r.

Und wenn er einmal nicht weiter weiss, hat er direkt vor Ort, zentral im Gebäude, die Möglichkeit, sich an Ansprechpartner des DIWN  zu wenden. Nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten läuft das Geschäft mittlerweile sehr gut.

Im Idealfall kann es in absehbarer Zeit nun schon zur Kooperation zwischen Bekins Firma VBBB und Sawyers Transport & Logistic kommen. Denn Bekin hat einen potentiellen Kunden, der Kraftwerke in Afrika bauen möchte. Werkstoffe und Materialien müssen verschifft werden. Zudem gilt es, die Reglementierungen und Richtlinien des jeweiligen afrikanischen Staates zu kennen und zu befolgen.

Was läge da für Bekin näher, als sich im selben Gebäude an seinen Nachbarn William Sawyer zu wenden, der als Afrikaner und Transportlogistiker für ihn die beste Wahl darstellt und vor allem über das nötige fachliche Know-How verfügt.

So kann es und soll es unter dem Dach des DIWN zukünftig zu den verschiedensten internationalen Geschäftsbeziehungen kommen. Das Zentrum dient den Firmen als Kontaktbörse, Beratungsstelle, Förderer und Partner und öffnet ihnen die Tür zu internationalen Märkten.

Für Landtagsabgeordneten Volkan Baran (SPD) gibt es keinen besseren Standort, als die Nordstadt

Der SPD-Landtagsabgeordnete Volkan Baran sprach ein Grußwort  zur Eröffnung des DIWN.

Genau das macht den Charme und die Möglichkeiten der Nordstadt aus: „Nirgends in Dortmund wäre dieses Wirtschaftszentrum besser angesiedelt als in der Nordstadt, die – wie viele ihrer BewohnerInnen- selbst Migrationshintergrund hat“, sagt der heimische SPD-Landtagsabgeordnete Volkan Baran.

Noch heute seien die nördlichen Teile der Innenstadt Hafen, Nordmarkt, Borsigplatz gekennzeichnet durch hochverdichtete Wohngebiete, große Industrieanlagen und viele kleine Unternehmen verschiedenster Branchen und Nationen.

Er betont die Aufwertung des Stadtteils durch das Projekt Nordwärts, welches durch seine unermüdliche Arbeit enorm zum kreativen Wachstumswandel des Viertels beigetragen habe. Besonders am Hafen und am Nordmarkt finde eine Verjüngung der Bevölkerung statt.

Es kommt auf das Zusammendenken von Wirtschaft, Sozialem und Nachbarschaftlichem an

Blick vom Standort des Internationalen Wirtschaftszentrums auf den Hafen. Fotos: Alex Völkel

Die Nordstadt gewinne als Industriestandort immer mehr an Bedeutung. Und hierfür sei vor allem das Zusammendenken von Wirtschaft, Sozialem und Nachbarschaftlichem von fundamentaler Bedeutung.

„Bisher gab es trotz der erheblichen Anzahl an ethnischen Unternehmen in der Nordstadt kein Beratungszentrum für ethnische Gründerinnen. Diese Lücke wird nun endlich geschlossen“, so Baran. Der Nordstädter freut sich, auch Mitglied im Beirat der neuen Institution zu sein.

Es soll dort in absehbarer Zukunft Coachings, Qualifizierungsberatung für UnternehmerInnen und Unterstützung bei der Vermietung von Geschäftsräumen geben, kündigt Wirtschaftsförderer Thomas Westphal an. Das Zentrum solle als Schnittstelle zwischen lokalen Unternehmen und internationalen Geschäftskontakten dienen. Es werde kontinuierliche, langfristige Unterstützungsangebote geben. Ziel sei es, ein Netzwerk externer Partner zur besseren Erschließung neuer Märkte zu errichten.

Übersicht über das Serviceangebot des DIWN:

  • Beratung in Finanz-, Personal- oder Marketingfragen
  • Entwicklungsberatung nach Unternehmensneugründungen
  • Unterstützung bei der Gewinnung von Kunden im In- und Ausland
  • Hilfe bei der Gewinnung zusätzlicher Fachkräfte
  • Unterstützung bei der Suche nach Geschäftsräumen und Gewerbeflächen
  • Verweis auf Fördermittel und deren Beantragung
  • Passgenaue Qualifizierungsmöglichkeiten
  • Netzwerk- und Informationsveranstaltungen
  • Alle Serviceangebote des Zentrums sind kostenfrei. 

Mehr Informationen:

 

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