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Denkmal des Monats Februar 2020: Neue Heimat in der Gartenstadt – das Wohnhaus im Kortumweg

Kortumweg 4 in der Dortmunder Gartenstadt (roter Punkt). Quelle: geoportal.ruhr

Im letzten Jahr hat das Einfamilienhaus Kortumweg 4 in der Gartenstadt Dortmund-Mitte neue Eigentümer gefunden. Nach einer denkmalgerechten Sanierung konnten sie nun ihr neues Heim beziehen – Anlass für die Denkmalbehörde Dortmund, das Objekt als Denkmal des Monats Februar 2020 vorzustellen.

Gartenstadt bei ihrer Gründung 1910: ein sozialpolitisches Novum in Dortmund

Das Denkmal des Monats in der Gartenstadt, Kortumweg 4. Foto (2): Michael Holtkötter.

Das Haus ist Teil der Dortmunder Gartenstadt, die bei ihrer Gründung 1910 ein sozialpolitisches Novum war: Zum ersten Mal traten nicht Firmen, Genossenschaften oder Bauunternehmer, sondern einzelne Bauherren aus dem Bürgertum als Initiatoren eines Siedlungsprojektes auf.

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Konzept und Gesicht der neuen Gartenstadt unterschieden sich grundlegend von bisherigen Anlagen: Bereits der erste Plan für die Gartenstadt sah vor, „die Häuser zu malerischen und interessanten Gruppen zusammenzufassen“, um „städtebaulich schöne Perspektiven zu erzeugen“.

So wecken Vor- und Rücksprünge der Bebauungslinien, unregelmäßig angelegte Straßen und der Wechsel zwischen verschiedenen Haustypen den Eindruck einer organisch gewachsenen Kleinstadt. Attraktive Blickpunkte als Abschluss von Sichtachsen, mehrere kleinere und größere Plätze sowie wechselnder Straßenbelag und Baumbepflanzungen verstärken den Charme der Anlage.

Entwurf vom Dortmunder Architekturbüro der Brüder Dietrich und Karl Schulze

Der Erste Weltkrieg und die anschließenden Krisenjahre der Inflationszeit führten fast zum Baustopp. Danach begann aber eine rege Bautätigkeit, die ihren Höhepunkt im Jahr 1927 erreichte. Am 5. Februar 1927 begeisterte sich die Dortmunder Zeitung: „Ohne Zweifel ist der Flecken am Westfalendamm als die beste und gesündeste Wohnanlage Dortmunds zu betrachten.“

Das denkmalgechützte Gebäude an Wittekindstraße 98. Foto: Michael Holtkötter.

Das denkmalgechützte Gebäude vom Theodor-Fliedner-Altenheim, Wittekindstraße 98, wurde ebenfalls von D & K Schulze entworfen.

Die städtebauliche Oberleitung für die Gartenstadt lag damals beim Dortmunder Architekturbüro der Brüder Dietrich und Karl Schulze. Prägnante Dortmunder Bauten wie das große Verwaltungsgebäude an der Rheinischen Straße, das Theodor-Fliedner-Altenheim an der Wittekindstraße oder die expressionistische Wohnanlage Lenteninsel in der östlichen Innenstadt gehen auf dieses zwischen 1901 und 1929 tätige Büro zurück. In der Gartenstadt Dortmund-Mitte entwarfen D & K Schulze insgesamt 67 Hauseinheiten.

Auch das 1927 gebaute Einfamilienhaus Kortumweg 4 entstand nach ihren Entwürfen. Es zeigt die für das Büro typische traditionelle Behandlung des Baukörpers mit expressionistischer Formensprache im Detail. „Eigentlich bin ich eher der Innenstadtbewohner“, sagt der neue Eigentümer.

„Aber die Gartenstadt fand ich immer schon sehr interessant. Wenn ich auf dem Weg zum Tennisclub Rot-Weiß dort vorbeikam, dachte ich: ‚Hier ein Haus zu finden, wäre schön‘. Und nun hat es geklappt. Dabei bin ich im Grunde eher ein Freund von Bauhaus-Architektur. Andererseits habe ich zu Studienzeiten in einem denkmalgeschützten älteren Haus in Würzburg gewohnt und fand die Atmosphäre des Nicht-Verwechselbaren sehr wohltuend.“

Erhaltung und Aufarbeitung mit Liebe zum historischen Detail

Zwar war das Haus während seines ganzen Bestehens immer gut gepflegt worden. Vor dem Einzug der neuen Eigentümer waren aber doch eine Reihe von erhaltenden Maßnahmen nötig. Mit sensiblem Blick für die historischen Details wurden noch aus der Erbauungszeit stammende Elemente wie Dielen, Rollläden und Fenster nicht ausgetauscht, sondern erhalten und aufgearbeitet. Eine zweite Fensterreihe im Inneren hinter den alten Fenstern dient ebenso einer verbesserten Energiebilanz wie die Dämmung von Keller- und Dachgeschossdecken.

Besonders erfreut sind die neuen Bewohner über den Erhalt der schönen alten Holztreppe. Mit unterstützender Beratung der Denkmalpflege konnte die inzwischen in eine leichte Schräglage gerutschte Treppe durch einen Tischler mit Restaurator-Diplom gerichtet, aufgearbeitet und wieder leicht begehbar gemacht werden. Das nun bald hundert Jahre alte Haus wird nach dieser Grundsanierung und weiterer guter Pflege auch die nächsten Jahrzehnte gut bestehen und seinen Bewohnern Freude bereiten.

 

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