„Das freundliche Gesicht des NS“ aus Dortmund: AfD-Bundestagskandidat Helferich zum Rapport in Berlin geladen

AfD-Bundestagskandidat Matthias Helferich hat sich in der Partei viele Feinde gemacht. Foto: Alex Völkel
AfD-Bundestagskandidat Matthias Helferich hat sich in seiner Partei nicht nur Freunde gemacht. Foto: Alex Völkel

Von Rainer Roeser

Als die Nordstadtblogger zuletzt ausführlich über Matthias Helferich berichteten (Link zum Bericht am Ende) kommentierte der Bundestagskandidat der Dortmunder AfD: „Der Nordstadtblogger scheint manches zu wissen, aber nicht alles.“ Seine Aussage ergänzte er mit dem Emoticon eines lächelnden Gesichts. Das Lächeln freilich könnte ihm in der vorigen Woche vergangen sein. Ehemalige und noch in der AfD aktive „Parteifreunde“ bemühen sich, Wissenslücken über die Vergangenheit des künftigen Abgeordneten zu schließen.

Schlangengrube AfD: Gegenseitiger Hass im Schachern um Macht und bezahlen Posten

Matthias Helferich (li.) und Heiner Garbe kandidieren für den Bundestag - Helferich auf einem aussichtsreichen Listenplatz.
Matthias Helferich (li.) und Heiner Garbe kandidieren in Dortmund für den Bundestag – Helferich auf einem aussichtsreichen Listenplatz. Foto: Alex Völkel

In alten Chatbeiträgen Helferichs sind sie fündig geworden. Mögliche Belege für mutmaßliche NS-Affinitäten Helferichs beförderten sie ans Tageslicht, um sie an AfD-Landeschef Rüdiger Lucassen und den Bundesvorstand in Berlin weiterzureichen. ___STEADY_PAYWALL___

Damit aber noch nicht genug: In der Hoffnung, das könnte die parteiinternen Gegner – in diesem Fall Lucassen und Helferich – möglichst final beschädigen, lieferte ein „Parteifreund“ respektive eine „Parteifreundin“ den Mitschnitt einer Landesvorstandssitzung, in der es um Helferich ging, eiligst beim WDR ab. 

Die AfD im Allgemeinen ist mit all dem gegenseitigen Hass, der in ihren Reihen kursiert, mit der Gier nach interner Macht, bezahlten Posten und Mandaten, dem Wutbürgertum, das sich Feinde auch in den eigenen Reihen sucht, eine Schlangengrube. Ihr nordrhein-westfälischer Landesverband ist – wäre dies möglich – die Steigerung einer solchen Schlangengrube.

Matthias Helferich hat sich viele Feinde im NRW-Landesvorstand gemacht

Eine AfD-Veranstaltung, bei der NRW-Landeschef Rüdiger Lucassen mit dem „Flügel“-Obersten Björn Höcke auf der Bühne stand, sorgte für Verwerfungen. Bild: AfD
Eine AfD-Veranstaltung, bei der NRW-Landeschef Rüdiger Lucassen mit dem „Flügel“-Obersten Björn Höcke auf der Bühne stand, sorgte für Verwerfungen. Bild: AfD

Helferich hat sich dort viele Feinde gemacht. Bei den Leuten des alten „Flügels“, weil er einer von denen war, die dafür sorgten, dass sie ihre Positionen in der NRW-AfD restlos verloren. Aber auch bei den angeblich „Gemäßigten“ in der Partei: Sie erkannten, dass sie einen gefördert hatten, der sich verbal zwar von jenem „Flügel“ absetzt, tatsächlich aber kaum weniger radikal tickt.

Zu den Besonderheiten der Schlangengrube NRW-AfD gehört, dass dort eigentlich unvereinbare Koalitionen gebildet wurden. Konkret: ein Bündnis zwischen vorgeblich „Gemäßigten“, die vor allem aus der Nachbarstadt Bochum dirigiert werden, und den alten Björn-Höcke-Fans. Geholfen hat die Zweck-Liaison freilich wenig.

Als die Landes-AfD im Mai bei zwei Parteitagen in Siegen die lukrativen Listenplätze für die Bundestagswahl vergab, gingen die, die moderater auftreten, weitgehend leer aus. Lucassen wurde Spitzenkandidat, Helferich setzte sich mit einer satten Zwei-Drittel-Mehrheit auf Listenplatz 7 gegen einen „Gemäßigten“ durch. 

Der Kornblumen-Züchter und seine Verweise auf österreichische Nationalsozialisten

Die Kornblume hat er mittlerweile abgelegt - aber er züchtet sie noch. Archivfoto: Leopold Achilles
Die Kornblume hat er mittlerweile abgelegt – aber er züchtet sie noch. Archivfoto: Leopold Achilles

Es war nur eine Frage der Zeit, wann die Verlierer von Siegen zum Gegenschlag ausholen würden. Nun – kurz vor dem 19. Juli, wenn die Kandidatenlisten final dem Landeswahlleiter vorliegen müssen – ist es so weit.

Über die Vorwürfe berichtete der Westdeutsche Rundfunk, dem nach eigenen Angaben Auszüge eines Chats mit Helferichs Äußerungen, offenbar aus den Jahren 2016 und 2017, vorliegen.

Laut WDR habe Helferich ein Foto von sich mit AfD-Flyer in der Hand gepostet und darunter geschrieben: „das freundliche gesicht des ns“. (Fehler im Original – Link zum WDR-Bericht am Ende des Artikels)

Zu einem Foto, das eine Vase mit einer blauen Kornblume zeigt, notierte Matthias Helferich demnach: „Die kornblumen: geheimes symbol der nationalsozialisten während des verbots in österreich.“ Er züchte sie im Garten. Mit jener Kornblume verbinde ihn die Erinnerung an „die Erschießung der österreichischen Staatsführung“. 

Matthias Helferich wollte gerne „den ,demokratischen Freisler’ geben“

In einem weiterem Chat-Auszug, so der WDR, bezeichne Helferich einen Parteifreund als „bullen-tucke“ und kündige an, er nehme ihn sich persönlich vor. Über einen Landeskongress – mutmaßlich der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“ – ist zu lesen, er, Helferich, habe dort „den ‘demokratischen Freisler’ geben“ wollen. Helferich habe nicht bestritten, dass die Chat-Einträge von ihm stammen, meldete der WDR, er habe das aber auch nicht bestätigen wollen. 

In die Bredouille gerät derweil auch Landeschef Rüdiger Lucassen. Einmal mehr wird deutlich, wie zerrüttet sein Landesvorstand ist, aus dem nun auch schon Tonaufnahmen den Weg in die Öffentlichkeit finden. Der WDR zitiert den AfD-Landeschef mit der Aussage: „Ich werde über den Fortgang in der Causa Helferich in keiner Weise mehr unseren LaVo unterrichten, geschweige denn über mein weiteres Vorgehen in Kenntnis setzen.“

Am kommenden Freitag sind Lucassen und Helferich zum Rapport beim Bundesvorstand in Berlin geladen.

 

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