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Chanukka in Dortmund: Jüdische Gemeinde feiert trotz Antisemitismus ihr Lichterfest am Phoenixsee

Die Channukka-Feier am Phönixsee trotze dem Regen und war einen Besuch wert. Fotos: L. Achilles und C. Pingel

Mit einer großen Freiluftveranstaltung hat die jüdische Kultusgemeinde den achten und letzten Abend des Lichterfestes („Chanukka“) auf der Kulturinsel am Phoenixsee in Hörde gefeiert. Trotz schlechten Wetters waren 100 Menschen aus der Stadtgesellschaft gekommen. Während andere Gemeinden wegen der verstärkten antisemitischen Anfeindungen öffentliche Veranstaltungen absagten oder veränderten, war das für die Dortmunder eigentlich kein Thema.

Chanukka-Feierlichkeiten auf der Kulturinsel am Phoenixsee

Rabbiner Baruch Babaev bei der Chanukka-Feier

Sie wollen weiterhin mit Menschen aller Religionen und Nationen Chanukka feiern. Superintendent Ulf Schlüter (Evangelische Kirche), Pfarrer Ansgar Schocke (Katholische Stadtkirche) und Ahmad Aweimer (Rat der muslimischen Gemeinden) entzündeten auf der Feier jeweils eine Kerze.

Zu Beginn der Veranstaltung setzte starker Nieselregen ein. Rabbiner Baruch Babaev begrüßte die Anwesenden und bedanke sich für das rege Erscheinen. Wie viele an diesem Tag erinnerte auch der Dortmunder Rabiner an den IS-Terroranschlag in Berlin vor genau einem Jahr.

Auch der jüdischen Gemeinde schlage Hass entgegen, sagte Babaev weiter. Vor allem die Entscheidung Donald Trumps, Jerusalem als Hauptstadt des Staates Israel anzuerkennen, hatte anti-israelische und und anti-jüdische Ressentiments neu entfacht.

Zeichen für Toleranz, Verständigung und gegenseitigen Respekt

Auch Dortmunds Bürgermeister Manfred Sauer entzündete  auf der Kulturinsel eine der Kerzen.

Die Kultusgemeinde wollte die Veranstaltung auf jeden Fall durchziehen, thematisierte dies aber im Vorfeld im Dialogkreis der Abrahamreligionen in Dortmund. Gemeinsam sprach man sich für die Durchführung aus.

„Wir setzen ein Zeichen für Toleranz, Verständigung und gegenseitigen Respekt sowie gegen Antisemitismus. Der Gesellschaft zeigen wir, dass der Islam eine friedliebende Religion ist und mit Hass und Gewalt unvereinbar. Wir bitten, unsere Religion nicht aufgrund der Untaten der Fanatiker zu beurteilen“, sagte Aweimer.
Rabbiner Babaev bedankte sich für die Zusage und verwies auf die gemeinsame Kampagne „Wir ALLE sind Dortmund“. Sie sei wichtiger denn je und zeige, dass die Religionsgemeinschaften in Dortmund auf eine gute Tradition der Zusammenarbeit blicken. Auch in den Vorjahren hatte Aweimer als Sprecher der Dortmunder Muslime am Lichterfest als Gast teilgenommen und auf Bitten der Kultusgemeinde sogar ein Licht des Chanukkaleuchters angezündet.
 
Erfreut zeigten sich die christlichen Vertreter im Dialogkreis, die Pfarrer Ansgar Schocke und Friedrich Stiller, über den Verlauf. Das öffentliche Lichterfest sei mittlerweile ein fester Termin im Stadtkalender und ein wichtiger Baustein im Interreligiösen Dialog, so die Kirchenleute.

Die Lichter am 9-armigen Leuchter stehen für Hoffnung

Etwa 100 Menschen waren auf der Kulturinsel am Phönixsee zusammen gekommen, um das jüdische Lichterfest zu begehen. Die Juden feiern das ewige Licht. Entstanden ist Chanukka 150 Jahre vor Christus, zum Dank für die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels, nachdem dort zwischenzeitlich der hellenistische Zeuskult gepflegt worden war. Beim jüdischen Lichterfest geht es um die jüdische Identität und um Religionsfreiheit.
Als Höhepunkt der Feier wurden auch an diesem Abend wieder der neunarmige Leuchter und und seine Lichter entzündet. Anders als beim Symbol des Staates Israel  – dem siebenarmigen Leuchter (Menorah) – kommt beim Chanukka-Fest ein achtarmiger Leuchter zum Einsatz. Dieser hat zudem einen neunten Arm für das Helferlicht.
Es gab Musik, Tanz und natürlich koschere Speisen und Getränke.
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