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Das Ende einer Ära: Nach 35 Jahren verabschiedet sich Helga Kranz von „ihrem“ Dietrich-Keuning-Haus

Am Freitag wird Helga Kranz, die langjährige Leiterin des Deitrich-Keuning-Hauses, verabschiedet.

Am Freitag wird Helga Kranz, die langjährige Leiterin des Dietrich-Keuning-Hauses, verabschiedet.

Eine Ära geht zu Ende: Diese Phrase wird sehr oft bemüht und häufig überstrapaziert. Doch dieses Mal ist es gerechtfertigt: Helga Kranz, die langjährige Leiterin des Dietrich-Keuning-Hauses, wird am Freitagabend in den Ruhestand verabschiedet. Über 35 Jahre arbeitete sie für das und im Kultur- und Stadtteilzentrum der Nordstadt. Schon seit der Planung des Hauses ist sie dabei. Jetzt geht die ebenso resolute wie beliebte Leiterin in den Ruhestand.

Nach Dietrich Keuning kümmert sie sich jetzt um ihren „richtigen“ Ehemann

Bis zum letzten Tag laufen die täglichen Abstimmungen mit ihrem Bauleiter.

Bis zum letzten Tag laufen die täglichen Abstimmungen mit ihrem Bauleiter. Fotos: Alex Völkel

„Es ist eine Achterbahn der Gefühle“, gesteht die 65-Jährige. „Es schwingt eine Menge Wehmut mit.“ Denn sie hat das Haus mit viel Begeisterung und Herzblut mitaufgebaut und Jahrzehnte geleitet. „Aber ich freue mich auf eine neue Lebensphase. Auf das, was lange zu kurz gekommen ist.“

Damit ist vor allem ihr „zweiter“ Mann gemeint: Denn für das nach Dietrich Keuning benannte Haus musste ihr Ehemann Armin Janzen-Kranz häufig zurückstecken. Er selbst ist seit 1. August im Ruhestand, seine Frau offiziell seit dem 1. September.

Trotz Ruhestand ging die Arbeit vorerst weiter

Doch auch wenn sie ihr Büro schon geräumt hat, gibt sie erst Freitagabend ihre Schlüssel ab. Denn sie war noch jeden Tag im Haus. Sie wollte die Brandschutzsanierung noch zu Ende bringen und ihren Nachfolger so etwas entlasten. Vier Jahre liefen die Vorbereitungen und die Sanierung in drei Abschnitten.

Ganz fertig ist der Umbau nicht, wenn Helga Kranz verabschiedet und das Haus wiedereröffnet wird. Einige wenige Restarbeiten werden anschließend noch stattfinden.

1,4 Millionen Euro für Sanierung: „Ich habe das Haus zwei mal im Rohbau gesehen“

Für die Brandschutzsanierung wurde das Haus teilweise in den Rohbauzustand zurückversetzt.

Für die Brandschutzsanierung wurde das Haus teilweise in den Rohbauzustand zurückversetzt.

„Ich habe das Dietrich-Keuning-Haus quasi zwei Mal im Rohbau gesehen“, sagt Helga Kranz, als sie durch „ihr“ Haus geht. Denn für die 1,4 Millionen Euro teure Brandschutzsanierung wurde das Gebäude in Teilen regelrecht entkernt und zusätzliche Brandschutzabschnitte eingebaut. „In 32 Jahren haben sich viele Gesetze und der Stand der Technik verändert.“

Daher ist vor allem hinter den Kulissen gearbeitet worden. Die komplette Elektrik ist erneuert, ebenso wie die Brandschutztechnik. Auch die Beschallungsanlage in der Agora wurde ersetzt. Alle diese Investitionen sind mehr oder weniger „unsichtbar“. Doch auch einiges Neues werden die zahlreichen Gäste der Wiedereröffnungs- und Verabschiedungsfeier sehen können.

Das grell-markante Grün in der Halle ist Geschichte

Im Dietrich-Keuning-Haus laufen die letzten Aufräum- und Sanierungsarbeiten.

Im Keuning-Haus laufen die letzten Arbeiten.

Die deutlichste Veränderung springt aber genau deshalb nicht (mehr) ins Auge: Das grell-markante Grün in der Eingangshalle ist verschwunden – die Deckenverstrebungen des Mero-Systems, die Geländer und Lampenständer wurde neu und dezent gestrichen.

Neues Motiv in der Agora mit viel Lokalkolorit

Auch das große Eingangsbild in der Agora wurde erneuert. Zu sehen ist eine Collage mit prägenden Motiven aus der Nordstadt und der City: Sie wollten zeigen, dass sie einerseits das Staddteilzentrum der Nordstadt seien, sich aber gleichzeitig der Gesamtstadt verpflichtet fühlten, verdeutlicht Kranz.

Künstlerisch gestaltet wurde die Trennwand von Erich Kran und Sebastian van den Akker.

Kinder- und Jugendbereich wurde ebenfalls modernisiert: Alles wirkt heller und freundlicher

Im Dietrich-Keuning-Haus laufen die letzten Aufräum- und Sanierungsarbeiten.

Im Dietrich-Keuning-Haus laufen die letzten Aufräum- und Sanierungsarbeiten.

Vor allem im Kinder- und Jugendbereich hat sich viel getan: Die alten Holzdecken und Fußböden sind verschwunden – freundlich, hell und größer wirken die Räume dadurch. „Ich bin gespannt, wie die Kinder und Eltern reagieren“, sagt die scheidende Chefin.

Wenn alles planmäßig verläuft, macht der Kinderreich am kommenden Dienstag auf. Verschwunden sind endlich auch die Holzverschläge, in denen sich das Stuhllager befand: Es wurde nach 32 Jahren erneuert – als gemauerte Variante.

In den vergangenen Tagen wurde noch fieberhaft gearbeitet, um „Klar Schiff“ zu machen. Ganze Putzgeschwader waren unterwegs, um den Baustaub aus den vergangenen Wochen herauszubekommen.

Strenge „Zuchtmeisterin“ in Sachen Sauberkeit und Ordnung geht

Die Pflanzen werden erneuert und auch außen soll endlich wieder Ordnung und Sauberkeit herrschen. Dies war ein Steckenpferd von Helga Kranz, die damit ihr Team zur Weißglut treiben konnte.

Zwei Mal am Tag wurde draußen gereinigt. Graffiti mussten sofort entfernt werden. „Ich war da unerbittlich. Meine Leute haben sich immer beschwert, dass hier ein höherer Standard herrscht als in der City“, räumt sie ein. Dieses „Generve“ werden sie ab Morgen nicht mehr von ihr Hören.

Wunschkandidat als Nachfolger – viele personelle Veränderungen

Im Dietrich-Keuning-Haus laufen die letzten Aufräum- und Sanierungsarbeiten.

Im Dietrich-Keuning-Haus hat Gernot Rehberg die Leitung übernommen.

Wahrscheinlich wird es ihnen dann aber fehlen. Doch Helga Kranz geht mit einem guten Gefühl: „Ich habe in Gernot Rehberg und das Team vollstes Vertrauen.“

Mit Rehberg hat der Wunschkandidat von Kranz ihre Nachfolge angetreten: „Er war seit Jahren meine wichtigste rechte Hand.“ Auf ihn wartet nun noch mehr Arbeit. Denn sein Posten – er war bisher Programmleiter – ist vorerst unbesetzt. Die Stelle wird noch ausgeschrieben.

Die Aufgabe als „Vize“ übernimmt Verwaltungsleiter Egon Schefers zusätzlich. Doch dieser geht auch in Kürze in Rente. Zeitgleich mit Kranz ist zudem Helga Rüzgar ausgeschieden – sie war für Programmplanung sowie Pressearbeit zuständig. Für sie hat gerade eine neue Mitarbeiterin begonnen.

Haus war über Wochen nicht zugänglich

Dennoch hat die Programmplanung gelitten: Neben den personellen Wechseln war das Haus in der Umbauphase kaum zu nutzen. Nur die Büros mit Außentüren waren zugänglich. Allerdings fehlte häufig Strom. Wer unbedingt benötigt wurde, fand in der benachbarten Musikschule einen Unterschlupf.

Viele Kolleginnen und Kollegen haben die umbaubedingte Schließung genutzt, um Urlaub zu nehmen oder Überstunden abzubauen. Nicht so Helga Kranz: Sie hat – wie immer – Extraschichten geschoben. Sie hinterlässt ein gut bestelltes Haus. Am 30. September hat sie dort den letzten dienstlichen Termin: Dann übergibt sie auch die Geschäftsführung des Fördervereins an ihren Nachfolger.

Helga Kranz wird sich vorerst rar machen – Abstand ist wichtig

Der Skatepark erfreut sich landesweit großer Beliebtheit.

Der Skatepark erfreut sich landesweit großer Beliebtheit.

Anschließend wird sie sich rar machen: Sie brauche etwas Abstand, um sich in die neue Rolle zu finden, räumt sie ein. Außerdem will sie nicht den Eindruck erwecken, dass sie ihren Nachfolgern ständig auf die Finger gucken wolle.

Dabei hatten viele Nutzer gehofft, dass sie sich jetzt auch häufiger bei den Veranstaltungen und der Terminen der unzähligen Gruppen sehen lasse, die regelmäßig das Haus benutzen.

Erfolgreiche Partizipationsprojekte

Gerne schaut sie auf die Zeit an der Leopoldstraße zurück. Vor allem die partizipativen Projekte und die ständige Fortentwicklung des Hauses waren ihr von Anfang an wichtig. Dies fing schon bei der Bürgerbeteiligung bei der Gründung des Hauses an und reichte bis hin zur Neugestaltung des Spielgartens.

Eines ihrer  sehr gelungenen „Babys“ ist die Umwandlung der Eishalle in einen Skatepark. Dank ihrer Beharrlichkeit ist es gelungen, kreative Individualisten in eine Vereinsstruktur einzubinden und ihnen die Trägerschaft für die Anlage zu übertragen. Der Verein zur Förderung der Jugendkultur trägt hier jetzt die Verantwortung.

Rückschläge für die DKH-Familie: Viele Kollegen sind gestorben

Die Jury-Sitzung für das Carla-Chamäleon-Buch.

Die Jury-Sitzung für das Carla-Chamäleon-Buch im November 2004. Archivbild: Völkel

Einer der schönsten Momente war es, als sie mit den Kindern des Carla-Chamäleon-Projekts den Kinder- und Jugend-Literatur-Preis des Landes entgegennehmen konnte. An ihrer Seite stand Jürgen „Kalle“ Wiersch – einer von allein fünf aktiven oder ehemaligen Kollegen des Hauses, die in den vergangenen Jahren an Krebs erkrankt und gestorben sind.

Ein weiteres Erfolgsbeispiel war die Vorreiterrolle des Hauses für HipHop, Break- und Streetdance. Vor 25 Jahren fing das Haus mit dem Angebot an, was ihnen am Ende sogar die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften im Streetdance einbrachte. Motor war hier ihr Mitarbeiter Cezmi Akturan – leider ebenfalls schwer erkrankt.

Für das Team des Dietrich-Keuning-Hauses waren und sind dies herbe Rückschläge: „Wir sind hier wie eine Familie“, berichtet Kranz. Nun geht die „Mutter der Kompanie“ von Bord.

Wir als Nordstadtblogger sagen Danke und alles Gute.

 

 

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