Massive Auswirkungen auf Wirtschaft und Pendler:innen im Ruhrgebiet

Brückenschäden: Die Sauerlandlinie bleibt bei Lüdenscheid für mindestens fünf Jahre gesperrt

Die Sperrung der Sauerlandlinie hat auch auf die Dortmunder Wirtschaft massive Auswirkungen. Reise- und Logistikströme sind unterbrochen.
Die Sperrung der A45 hat auf die Dortmunder Wirtschaft massive Auswirkungen. Reise- und Logistikströme sind unterbrochen. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Die Sperrung der Talbrücke Rahmede der A 45 bei Lüdenscheid ist auch für Dortmund – Wirtschaft, Pendler:innen und Reisende – seit Anfang Dezember 2021 eine massive Belastung. Wegen Brückenschäden ist die wichtige Sauerlandlinie gesperrt. Doch daran wird sich nichts ändern: Die Sperrung wird nicht aufgehoben – stattdessen muss die Brücke abgerissen werden. Bis die „Hauptschlagader“ zwischen Frankfurt und dem Ruhrgebiet wieder freigegeben werden kann, werden mindestens fünf Jahre vergehen.

Heike Marzen: „Das wird den Arbeits- und Logistikmarkt beeinflussen“

Autos und Lkw müssen massive Umwege und Staus in Kauf nehmen.
Autos und Lkw müssen massive Umwege und Staus in Kauf nehmen. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Nun ist die letzte Hoffnung zerplatzt. Rund sechs Wochen liefen die Untersuchungen. Doch das Ergebnis ist niederschmetternd: Nicht einmal für den Autoverkehr kann die Brücke freigegeben werden. Sie muss abgerissen und neu gebaut werden. Das wird mindestens fünf Jahre dauern.

„Ich halte die Sperrung der A45 als Lebensader für den Märkischen Kreis und für die ganze Region für ein Drama. Die Sperrung wird ganz sicher Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette haben – von der Lieferkette bis hin zum Pendlerverhalten“, betont Heike Marzen, die neue Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Dortmund.

„Das wird sicher auch den Arbeits- und Logistikmarkt beeinflussen. Inwieweit sich dieser wirtschaftliche Schaden auf die Region und somit auch auf Dortmund als Oberzentrum auswirkt, soll aktuell in einer Studie des Instituts für Wirtschaft in Köln ermittelt werden. Dieser Studie schaue ich mit Spannung entgegen.“

Stefan Schreiber: „Eine mehrjährige Sperrung kostet Arbeitsplätze und Wertschöpfung“

Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Auch bei der IHK Dortmund schlägt diese schlechte Nachricht ein wie eine Bombe: „Ich bin erschüttert über die Nachricht, weil mir bewusst ist, dass eine mehrjährige Vollsperrung Arbeitsplätze und Wertschöpfung kosten wird, auf die wir dringend angewiesen sind“, kommentiert Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund.

„Unsere Region ist zwar große Autobahnbaustellen gewohnt, aber in diesem Fall werden Unternehmen nicht einfach nur auf die Zähne beißen, sondern Investitionen verschieben, Standorte verlagern und Fachkräfte werden sich andere Jobs suchen“, fürchtet Schreiber.

Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Die A45 hat 1972 als „Königin der Autobahnen“ Maßstäbe positive Maßstäbe gesetzt. 59 Talbrücken mit Spannweiten bis über 1.000 Metern auf NRW-Seite sind eine Meisterleistung gewesen. Doch bei Planungs- und Bauzeiten für den Ersatz der Rahmede-Talbrücke gilt das offenbar nicht (mehr).

„Ich würde mir wünschen, dass erneut internationale Maßstäbe gesetzt werden mit einem intelligenten und schnellen Ersatzneubau. Die Verfahrensdauer bei Planungs- und Genehmigungsverfahren für die Wirtschaft hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Das zeigt, wie groß die Herausforderung ist.“

Stefan Peltzer: „Südwestfalen wird förmlich vom Ruhrgebiet abgeschnitten“

Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

„Der Bedarf der Wirtschaft nach schneller und überregionaler Erreichbarkeit rechtfertigt große Infrastrukturinvestitionen in Autobahnen. Leider wird uns der Wert dieser Investitionen mit der Sperrung der A45 nun schlagartig vor Augen geführt, indem eine ganze Region mit den konkreten Konsequenzen kämpfen muss“, macht Stefan Peltzer, IHK-Verkehrsexperte und Geschäftsführer des Verkehrsverbandes Westfalen e.V. deutlich.

Südwestfalen wird förmlich vom Ruhrgebiet abgeschnitten. Für Unternehmen und Pendler:innen steigen Kraftstoffverbrauch und Reisezeiten. CO2- und Schadstoffemissionen steigen und werden vor allem für die Anrainerkommunen zum Problem, die wie die Stadt Schwerte nur mit Mühe die EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid einhalten konnten.

Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

„Leider ist auch mit erhöhten Unfallzahlen zu rechnen. Deshalb darf das Augenmerk nicht nur auf den Neubau, sondern auch auf das intelligente Management der Verkehre über die Ausweichrouten gelegt werden“, so Peltzer.

„Der Verkehrsverband Westfalen e.V. möchte die Schäden für die Wirtschaft klar beziffern, die jeden Tag, jede Woche und jeden Monat der Sperrung entstehen. Aus diesem Grund hat der Verkehrsverband das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln mit einer Analyse beauftragt. Wir möchten damit deutlich machen, dass für die Wirtschaft jeder Monat zählt“, so der Verkehrsexperte.

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Kommentare

  1. Digitale Podiumsdiskussion des Verkehrsverbandes Westfalen: Herausforderung Verkehrswende – Mehr Mobilität in Westfalen!? (PM IHK)

    Welche Investitionen in den Verkehr haben Zukunft? Wie werden neue Mobilität und Sanierung nebeneinander gemanagt? Diesen Fragen stellen sich die neue Ministerin für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Ina Brandes, und weitere Gäste bei einer virtuellen Podiumsdiskussion des Westfalen e.V. und des Verkehrsverbandes Westfalen e.V., dessen Geschäftsstelle bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund angesiedelt ist.

    Unter dem Titel „Herausforderung Verkehrswende – mehr Mobilität in Westfalen?!“ diskutieren sie am Montag, 7. Februar, von 18:00 bis 19:30 Uhr digital per Livestream unter http://www.dortmund.ihk24.de/mehrmobilitaet. Weitere Gäste sind willkommen und die Möglichkeit, per Live-Chat Fragen an die Ministerin und die anderen Diskutierenden zu richten.

    Die Vorsitzenden von Westfalen e.V. und des Verkehrsverbandes Westfalen, Manfred Müller und Marc Simon, stellen zum Auftakt der Veranstaltung Ziele und Anforderungen für eine Verkehrswende in Westfalen vor, ehe Prof. Dr.-Ing. Alex Vastag vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik Thesen und Trends für mehr Mobilität in Westfalen aufzeigt.

    NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes nimmt mit den anderen Diskussionsteilnehmern die Anforderungen für die Wirtschaft in den Fokus. Trotz gesperrter Brücken müssen Firmenstandorte und Innenstädte erreichbar bleiben. Trotz der Rekordpreise an den Zapfsäulen müssen Pendler ihre Arbeitsplätze erreichen. Die Verkehrsministerin stellt sich direkt den Fragen aus dem Chat, die vom Moderator und Geschäftsführer des Verkehrsverbandes Westfalen, Stefan Peltzer gesammelt und gebündelt werden. Ein Fazit der Veranstaltung nebst Ausblick zieht zum Abschluss Andreas Grotendorst, Geschäftsführer von Westfalen e.V.

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