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Brok: „Nationalismus entsteht aus Minderwertigkeitsdenken und Angst, abgehängt und vergessen zu werden“

Die CDU Dortmund lädt traditionell anlässlich des Tages der Deutschen Einheit zum festlichen Empfang ein.

Die CDU Dortmund lädt traditionell anlässlich des Tages der Deutschen Einheit zum festlichen Empfang ein.

Von Roland Klecker

In Erinnerung an den historischen Moment der Vollendung der Deutschen Einheit im Herbst 1990 lädt die CDU Dortmund traditionell anlässlich des Tages der Deutschen Einheit zum festlichen Empfang in den Westfälischen Industrieklub ein. Ehrengast und Festredner war dieses Mal der Vorsitzende des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments, Elmar Brok (MdEP).

Überbordender Nationalismus in Deutschland und in den Nachbarländern

CDU-MdEP Elmar Brok.

CDU-MdEP Elmar Brok. Fotos: Roland Klecker

Brok eröffnet seine Rede mit einem Zitat von Helmut Kohl: „Meine Heimat ist die Pfalz, Eure Heimat ist Westfalen, Deutschland ist unsere Nation und Europa unsere Zukunft.“ Im Geist dieser Worte stand dann auch seine überraschend aktuelle Rede. Wer tragende Worte und einen langen Rückblick erwartete wurde angenehm enttäuscht.

Er mahnte, dass es wohl in Vergessenheit geraten sei, wie und warum es zur deutschen Einheit kam. Seine Rede bezog sich meistenteils auf den überbordenden Nationalismus, sowohl bei Deutschlands Rechten als auch in den Nachbarländern.

„Nationalismus entsteht aus Minderwertigkeitsdenken und Angst. Angst abgehängt und vergessen zu werden, Angst als zu gering dazustehen um gesehen zu werden“, so Brok. Die Wähler von AfD, Pegida, aber auch des Brexit oder von Donald Trump kämen letztlich alle aus dem gleichen Lager. „Es muss uns gelingen, diese Menschen wieder abzuholen und sie mitzunehmen.“

Europa ist eine Gemeinschaft von Gleichen – unabhängig von der Größe

CDU-MdEP Elmar Brok.

„Da gibt es natürlich auch noch die anderen, die immer gegen alle Vernunft sind. Die mit den breiten Rücken und starken Muskeln, die heute die Straßen bevölkern, das sind letztlich die die Deutschland schon immer verraten haben“, betonte der CDU-Politiker.

Die Katastrophe von 1945 sei eine direkte Folge solcher, die sich mit den Nachbarn nicht verständigen konnten oder wollten. „Unsere Versuche den Kontinent zu beherrschen, hat schon immer zur Katastrophe geführt. Deutschland ist zu klein für die Herrschaft über Europa, aber zu groß, um Balance zu halten.“

Das Wiedererstarken Deutschlands nach der Vereinigung hat anderen Ländern Angst gemacht. Ein starkes, verbundenes Europa schafft die Balance zwischen den Mächten.  Helmut Kohl habe schon immer gesagt: „Europa ist eine Gemeinschaft von Gleichen, egal wie groß oder klein der Einzelne ist.“

Elmar Brok forderte die Versorgung der Flüchtlinge in der Türkei

CDU-EmpfangDie Türkei hat drei Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen: „Es gibt im Süden der Türkei Städte, da sind 30 Prozent der Einwohner oder mehr syrische Kriegsflüchtlinge“, so Brok.

„Es ist unsere Aufgabe die Menschen dort direkt zu versorgen, damit sie sich nicht auf die Reise nach Europa machen. Deshalb ist es wichtig und richtig die Türkei in dieser Angelegenheit zu unterstützen. Jeder Euro, der dort ausgegeben wird, spart fünf Euro hier“, machte der Europapolitiker deutlich.

Dank eines gemeinsamen Europas habe man diese Flüchtlingskrise überhaupt in einigermaßen geordnete Bahnen lenken können. Mit einzelnen Nationalstaaten wäre das nicht möglich gewesen – genau so wenig wie die Bewältigung der Weltwirtschaftskrise.

„Die hat einige mehr getroffen, andere weniger, aber ohne ein gemeinsames Europa hätte es uns alle hart getroffen und unbeschreibliche Auswirkungen gehabt“, so Brok. „Wer von einem Scheitern der EU spricht, der hat die nähere Geschichte nicht verstanden.“

Nationalstaatliche Lösungen können die Probleme nicht bewältigen

CDU-MdEP Elmar Brok.

CDU-MdEP Elmar Brok.

Auch die Probleme der Zukunft könne der deutsche Nationalstaat nicht alleine lösen: Jean Claude Juncker sagte, dass  er als Luxemburger sehr gut wisse, dass es in Europa kleine und große Staaten gäbe.

„Aus Sicht von Washington oder Peking sind wir aber alle klein, das haben einige der größeren Staaten noch nicht begriffen. Nur der Zusammenhalt macht uns stark.“

Das geeinte Europa sei ganz wichtig für die Einheit in Sicherheit, Steuern, Gesetzen: „Nur so kann man verhindern, dass uns die Großkonzerne wie die Apples und Googles dieser Welt nicht auf der Nase herumtanzen“, so Brok.

„Die glauben doch heute schon über dem Gesetz zu stehen und spielen uns alle gegeneinander aus. Es nutzt da nichts in Deutschland Gesetze zu erlassen, die interessiert ein in Irland sitzendes Unternehmen einfach nicht.“

Elmar Brok ist Mitglied des EP seit 1980 und damit dienstältester Abgeordneter.

Der Präsident des Europätischen Palaments, Martin Schulz (SPD) würdigte Brok in diesem Jahr mit den Worten „Man wird in Brüssel oder Straßburg kaum einen versierteren und erfahreneren Außenpolitiker treffen, der über alle Parteigrenzen hinweg große Anerkennung und Wertschätzung genießt“.

Langjährige Mitglieder und Wegbegleiter der Dortmunder CDU geehrt

Im Rahmen der Veranstaltung wurden auch langjährige Mitglieder geehrt

Im Rahmen der Veranstaltung wurden auch langjährige Mitglieder geehrt

Im Rahmen der Veranstaltung wurden auch langjährige Mitglieder geehrt: Die Schwestern Wilma Schiffer (Ortsunion Aplerbeck, Jahrgang 1924) und Christel Schlüter (Ortsunion Schüren, Jahrgang 1925) sowie Wilhelm Weier (Ortsunion Südost/Westfalendamm, Jahrgang 1924) sind 70 Jahren Mitglied der CDU.

Prof. Dr. Hans-Georg Kirchhoff (Ortsunion Aplerbeck, Jahrgang 1930) ist seit 65 Jahren dabei. Dr. Helmut Eiteneyer (Ehrenvorsitzender Ortsunion Wambel, Jahrgang 1937) und Gerhard Grunwald (Ortsunion Wickede, Jahrgang 1929) blicken auf 60 Jahre Mitgliedschaft zurück.

Ein halbes Jahrhundert in der CDU sind, Karl Apel (Ortsunion West), Wolfgang Bergstermann (OU Hombruch, Barbara Böse, OU Aplerbeck), Hans Hassel (OU Hombruch), Theo Lichte (OU Wellinghofen) Heribert Meyer (OU Süd),  Edgar Müller, Ehrenvorsitzender der Ortsunion Wickede, Tillmann Neinhaus (OU Löttringhausen), Klaus Ritterbecks (OU Aplerbeck), Bürgermeister Manfred Sauer (OU Mitte) und Margot Schlieper (OU Höchsten/Holzen/Syburg).

Den musikalischen Rahmen gestaltet der Knabennachwuchschor der Chorakademie am Konzerthaus Dortmund unter Leitung von Dietrich Bednarz.

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