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Aus der Vergangenheit lernen – Mahngang und Gedenken für die Opfer der US-Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki

Der Mahngang durch die Dortmunder Innenstadt erinnerte an die Atombombenabwürfe auf Japan 1945. Die IPPNW und die Deutsch-Japanische Gesellschaft haben die Gedenkveranstaltung organisiert. Fotos: Karsten Wickern

„Angst, Hass, Rache und Lust am Experiment ließen Feuer vom Himmel fallen“, so lautet ein Gedicht, das bei dem Mahngang zum Gedenken an die Opfer der beiden Atombombenabwürfe über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki vorgelesen wurde. Die jährliche Veranstaltung soll an die Gräuel der nuklearen Zerstörung erinnern und sich für die Abrüstung von atomaren Waffen einsetzen.

Trommelwirbel für bessere Zukunft – „Taiko“-Darbietung begleitet Mahngang durch Dortmunder Innenstadt

Starke „Taiko“-Vorstellung der Musikgruppe „Senryoko“ vor dem Dortmunder Rathaus.

Die Gedenkveranstaltung startete auf dem Platz von Hiroshima, wo sich diverse AktivistInnen und Interessierte versammelten und austauschten. Vertreten waren die „International Physicians for the Prävention of Nuclear War “ (kurz: IPPNW), die „International Campaign for the Abolition of Nuclear War“ (kurz ICAN) und die Deutsch-Japanische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft, welche die Veranstaltung auch zusammen leiteten.

Dann erklangen Trommeln aus dem japanischen „Taiko“. Das Trommeln ist ein Ritual aus dem Shintoismus und soll Götter zufrieden stimmen. Während der musikalischen Darbietung legten viele der BesucherInnen auch Blumen auf dem Denkmal der „Mutter Hiroshima“ nieder.

Nachdem die Musik verhallte, machten sich die Anwesenden zum Mahngang Richtung Rathaus und dem dort gepflanzten Ginkobaum auf. Der Baum wurde vom im März 2017 verstorbenen japanischen Mediziner Dr. Shuntaro Hida an die Stadt Dortmund gespendet, der zu den Überlebenden des Atombombenabwurfs über Hiroshima gehörte. Die Stadt Dortmund zeigt schon seit langer Zeit Solidarität mit Hiroshima und setzt sich für die nukleare Abrüstung in Deutschland und weltweit ein.

Friedensnobelpreisträger ICAN stellt Fortschritte und Arbeit zur nuklearen Abrüstung vor

Lena Theunissen und Clara Sonneberg von ICAN stellen im Rathaus die Fortschritte in der Abrüstungsdebatte vor.

Ein wichtiger Gast der Gedenkfeier war auch die internationale Organisation ICAN, die kürzlich noch den Friedensnobelpreis für ihre Kampagne zur nuklearen Abrüstung erhielten.

Die Anti-Atomwaffen-Kampagne hatte maßgeblich durch effektive Lobbyarbeit am UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen mitgewirkt. Durch diesen Vertrag sollen Nuklearwaffen zum Einen international geächtet werden, andererseits bis 2020 jegliche Atomarsenale abgeschafft werden.

Dem Vertrag sind viele Nationen beigetreten, doch alle NATO-Staaten enthielten sich der Unterzeichnung, darunter Deutschland sowie die Atommächte USA, Frankreich und Großbritannien.

Was die Vorgehensweise von ICAN gegenüber den bisher erfolglosen Kampagnen auszeichnet, ist laut der Vertreterinnen der Vereinigung, dass auch Staaten ohne Atomwaffen in die Diskussionen involviert waren. „Wir müssen uns entfernen von der Idee, dass die Atommächte an einen Tisch zusammenkommen und das Problem lösen werden; jedoch ist der Einbezug von nicht-nuklearen Mächten wichtig, um den internationalen Druck zu erhöhen“.

Keine graue Vergangenheit – OrganisatorInnen setzen sich für fortgesetztes Engagement in Atom-Debatte ein

Die VeranstalterInnen wollen die Aufmerksamkeit der Bevölkerung wieder auf die Atom-Debatte lenken. „Nach dem kalten Krieg und dem Zusammenbruch der Sowjetunion schwand das Interesse an Aktivismus zur Abrüstung nuklearer Arsenale vor allem bei den jüngeren Generationen“, merkt Hanspeter Schmitt, Leiter der Veranstaltung und Mitglied in der IPPNW seit 1984, an.

Besonders jetzt, zu Zeiten von erneut hitzigem politischen Klima, sei es wichtig, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die stetige Gefahr von nuklearen Waffen zu lenken. Weiterhin werden sich die OrganisatorInnen für Abrüstung auch über die Veranstaltung hinaus engagieren.

In die Zukunft blicken alle hoffnungsvoll. Denn ICAN erfährt besonders nach dem jüngstem Erfolg bei der Nobelpreisvergabe einen starken Zuwachs an jüngeren AktivistInnen, die sich für die Sache der Organisation einsetzen wollen.

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