Zwei Tage Post-Punk am Speicher 100: Sonic Waves Festival kehrt an den Hafen zurück

17. und 18. Juli: internationale Underground-Acts und Aftershow-Partys

Nördliche Speicherstraße. Speicher 100 Foto: Klaus Hartmann für nordstadtblogger.de

Das Gelände am Speicher 100 im Dortmunder Hafen wird am 17. und 18. Juli erneut zum Treffpunkt für Fans von Garage-Rock, Post-Punk und Indie. Das Sonic Waves Festival geht nach seiner Premiere im vergangenen Jahr in die zweite Runde und bringt internationale Bands aus den USA, Australien und Europa ans Hafenbecken. Neben Live-Konzerten gehören auch Aftershow-Partys mit DJs und Visual Artists zum Programm. Veranstaltet wird das Festival vom Speicher 100 e. V., der mit dem Open Air bewusst auf unabhängige Kultur und faire Ticketpreise setzt.

Dröhnende Dieselmotoren und Sehnsucht nach Freiheit

Leise ist es am Dortmunder Hafen bekanntlich selten: dort, wo Kräne schwere Container stapeln, LKWs mit dröhnenden Dieselmotoren anrollen und Arbeiter ihre Anweisungen brüllen.

Die italienische Band Giuda.
Die italienische Band Giuda. Foto: Speicher 100 e.V.

Für zwei Tage im Juli allerdings mischen sich schrabbelnde Gitarren und treibende Drums unter die Soundkulisse. Das Sonic Waves Festival kehrt zurück in die nördliche Speicherstraße.

Dabei scheint die Kulisse wie gemacht für das Line-up aus Punk-, Garage- und Indie-Bands: hart und ein wenig abgewetzt, charmant erst auf den zweiten Blick. Aber auch mit jeder Menge Charakter und der Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit, wie sie wohl nur der Blick aufs Wasser wachkitzeln kann. Oder eben die rohe Live-Energie ehrlicher Musik.

Line-up aus internationalen Geheimtipps

Dabei setzt das Sonic Waves nicht auf Namen, die schon auf Dutzenden Festivalbühnen zu sehen waren. Ganz im Gegenteil: Einige der auftretenden Bands kommen nur für diesen einen Auftritt nach Deutschland.

Die australische Band Gee Tee tritt bei den Sonic Wabes auf.
Die australische Band Gee Tee tritt bei den Sonic Wabes auf. Foto: Speicher 100 e.V.

Für Oliver Pilsner vom Organisationsteam liegt genau darin die Stärke des Sonic Waves: „Bei einigen Acts sind wir uns sicher, dass sie in absehbarer Zeit deutlich größere Venues bespielen werden. Bei uns können die Menschen ihre Musik entdecken, bevor der Underground-Charakter vielleicht irgendwo verloren geht.“

Dementsprechend steht der Freitagabend ganz im Zeichen von Garage-Rock und Punk-Attitüde. Mit „Giuda“ aus Italien, „Gee Tee“ aus Australien und „The Schizophonics“ aus den USA treffen drei unterschiedliche Spielarten einer Szene aufeinander, die vor allem von Tempo, Eigenwilligkeit und der Liebe zum rohen Livesound lebt. Dazu gesellen sich die britischen Power-Pop-Spezialisten „The Speedways“ und „The Naggs“ aus Deutschland.

Wenn der letzte Verstärker ausgebrummt hat, ist allerdings noch lange nicht Schluss. Während Besucher:innen anderer Festivals in ihr schlammverkrustetes Zelt kriechen, geht es im Speicher 100 auf der Tanzfläche weiter: Mit „Freckles & Fuzzgun“ aus Leipzig, „Die Öffnung“ aus Dortmund und dem „GLUE TJ Set“ aus Manchester treffen auf der Aftershow-Party die Club-Sounds aus drei verschiedenen Städten aufeinander.

Samstag: von Australien bis Frankreich

Am Samstagnachmittag setzt sich die internationale Reise ungebrochen fort. „Clamm“ aus Australien bringen ihre kantige Mischung aus Post-Punk und Noise-Rock an die Hafenkante, während „Doom Gong“ aus den USA für psychedelische Klänge und eigenwillige Sounds stehen.

Mit „J’cuuzi“ und „Balaclava“ kommen weitere Vertreter der amerikanischen Underground-Szene nach Dortmund. Ergänzt wird der zweite Festivaltag durch „Hyperdog“ aus Österreich, „Teo Wise“ aus Italien und Deutschland sowie „Flippeur“ aus Frankreich.

Und natürlich endet das Sonic Waves auch am zweiten Tag nicht mit dem letzten Akkord, denn wenn die Live-Shows auf der Bühne vorbei sind, wird der Speicher 100 erneut zum Clubraum. „VJ Waysted“ aus Hamburg, bekannt auch durch die Shows von „Deichkind“, bringt mit analogen Video-Performances und Live-Visuals eine ausdrucksstarke Ebene ins Festival, während „Freckles & Fuzzgun“ und das „GLUE TJ Set“ den Abend mit Garage, Punk, Indie und Rock’n’Roll erneut musikalisch weiterführen.

Nicht noch ein Festival von der Stange: Nähe statt Großbetrieb

Obwohl es dem Sonic Waves gelingt, Bands von der anderen Seite der Welt nach Dortmund zu lotsen, steckt hinter dem Event kein großer Veranstaltungsapparat. Drei feste Köpfe vom Speicher 100 e. V. organisieren das Festival, unterstützt von 30 freiwilligen Helfer:innen, die vor, während und nach dem Wochenende mit anpacken.

Nördliche Speicherstraße Foto: Klaus Hartmann für nordstadtblogger.de

Pilsner dazu: „Ohne unsere ‚Helfenden Elfen‘ wären Events wie das Sonic Waves gar nicht möglich. Wer Lust hat, selbst mal in Eventmanagement und -organisation reinzuschnuppern, kann sich gerne bei uns melden.“
Dass die Location inzwischen auch international wahrgenommen wird, ist dabei kein Zufall. In der Indie- und Underground-Szene hat sich der Ort längst einen Namen gemacht, viele Bands fragen selbst an, ob ein Platz im Terminkalender für sie frei ist.

Dabei liegt der Reiz offenbar genau in dem, was sich in großen Produktionen schnell verliert: Nähe, Authentizität und die direkte Verbindung zwischen Künstler:innen, Crew und Publikum.
Genau diese Atmosphäre spiegelt sich auch im Festivalkonzept wider. Das Sonic Waves setzt auf Begegnungen, Kontakt und Austausch. Bands, Helfer:innen und Besucher:innen bewegen sich nicht in getrennten Welten, sondern erleben gemeinsam Konzerte, die eher an eine Clubnacht erinnern als an ein anonymes Massenereignis.

„Kulturelle Teilhabe ist nicht verhandelbar“

Auch bei den Tickets bleibt der Speicher 100 dieser Maxime treu. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die Organisation nicht profitorientiert, sondern versucht, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. „Die großen Festivals werden immer teurer, genau wie der Rest des Lebens. Dazu wollen wir einen Kontrapunkt setzen, denn kulturelle Teilhabe ist nicht verhandelbar“, so Pilsner.

Die US-Band Schizophrenics treten bei den Sonic Waves auf-
Die US-Band Schizophrenics treten bei den Sonic Waves auf- Foto: Speicher 100 e.V.

Wer nun zum Sonic Waves kommt, muss sich um die Verpflegung keine Gedanken machen: Speisen und Getränke gibt es vor Ort. Außerdem dürfen PET-Flaschen mit alkoholfreien Getränken auf das Gelände mitgebracht werden.
Sollte der Juli erneut mit Temperaturen auftrumpfen, für die unsere Städte einfach nicht gemacht sind, stellt das Team zusätzlich kostenlos Wasser bereit: als kühle Dusche und zum Abfüllen, ganz pragmatisch aus dem Feuerwehrschlauch.

Erwähnenswert ist außerdem, dass sich das Festival 2026 nicht nur auf den Speicher 100 beschränkt. Die gesamte nördliche Speicherstraße wird an beiden Veranstaltungstagen zum Festivalgelände und steht ausschließlich den Besucher:innen offen. Das mag den Autoverkehr nicht freuen, die Festivalgäste dafür umso mehr. Denn so entsteht zwischen Backsteinbau und Hafenbecken noch mehr Platz für Begegnungen, Musik und das ganz besondere Flair des Sonic Waves.


Sonic Waves Festival 2026 auf einen Blick

  • Was:
 Zweitägiges Open-Air-Festival mit internationalen Bands aus den Bereichen Garage-Rock, Punk und Indie sowie Aftershow-Partys mit DJs und Visual Artists.
  • Wann:
 Freitag, 17. Juli 2026 (Einlass 16:00 Uhr, Start 17:00 Uhr)
Samstag, 18. Juli 2026 (Einlass 15:00 Uhr, Start 15:30 Uhr)
  • Wo:
 Speicher 100 und nördliche Speicherstraße, Dortmunder Hafen
  • Wieviel:
 Kombiticket für beide Tage: 60 Euro
 Ermäßigtes Kombiticket: 55 Euro (unter anderem für Studierende, Auszubildende und Empfänger:innen von Sozialleistungen)
Tagestickets: 35-40 Euro
Ermäßigtes Tagesticket: 25 Euro
  • Die Tickets gibt es hier.

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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