
Ein Insolvenzverfahren hatte die Modernisierung der Dortmunder Stadtbahn im vergangenen Jahr fast zum Erliegen gebracht. Nun kann das rund 300 Millionen Euro schwere „B-Wagen“-Projekt weitergehen: Der Aufsichtsrat von DSW21 stimmte am 30. Juni 2026 der Fortsetzung grundsätzlich zu und beauftragte den Vorstand, eine Fertigstellungsvereinbarung auszuhandeln.
Ein Insolvenzverfahren brachte das Projekt an den Rand des Scheiterns
Ausgelöst hatte die Krise die Insolvenz eines der Auftragnehmer, der Leipziger Heiterblick Straßenbahnen GmbH (HBS). Das Vorhaben stand zeitweise komplett auf der Kippe. Inzwischen ist das polnische Unternehmen PESA als strategischer Investor bei HBS eingestiegen, das Insolvenzverfahren wurde aufgehoben.

Anfang Mai unterzeichnete DSW21 mit HBS und PESA eine Absichtserklärung. Auch die Kiepe Electric GmbH, die für die elektronische Ausstattung der Fahrzeuge zuständig ist, erklärte darin ihre Bereitschaft, das Vorhaben fortzuführen. Auf dieser Grundlage soll nun die Fertigstellungsvereinbarung verhandelt werden.
DSW21-Verkehrsvorstand Ulrich Jaeger verwies auf die Absichtserklärung von Anfang Mai, in der HBS, PESA und Kiepe ihre Bereitschaft zur Fortführung bekräftigt hätten. Betriebsleiter Ralf Habbes nannte die Entwicklung „eine richtig gute Nachricht“ für den ÖPNV, die Fahrgäste und die Mobilitätswende in der Stadt.
Neubau und Modernisierung: ein Vorhaben über rund 300 Millionen Euro
Bereits 2018 hatte DSW21 die Firmen Heiterblick und Kiepe mit dem Bau von zunächst 26 Neufahrzeugen und der Modernisierung der 64 Fahrzeuge umfassenden Bestandsflotte beauftragt. Später kamen acht weitere Neufahrzeuge hinzu.

Nach Angaben des Unternehmens ist es bundesweit das erste Projekt, bei dem neue und modernisierte Stadtbahnwagen dieselbe Ausstattung erhalten. Für das Konzept erhielt DSW21 den Nachhaltigkeitsaward in Silber der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK).
Wirtschaftlich begründet DSW21 das Vorgehen mit den Kosten: Die Modernisierung eines Sechsachsers kostet rund 2,3 Millionen Euro, ein Neufahrzeug mit etwa 4,5 Millionen fast doppelt so viel.
26 neue Wagen fahren, die Modernisierung soll bis 2033 laufen
Die Auslieferung der Neufahrzeuge war im Juli 2025 nach 24 von 34 Wagen gestoppt worden, als das Insolvenzverfahren gegen HBS eröffnet wurde.
Auf Basis einer Fortführungsvereinbarung von Ende des vergangenen Jahres läuft die Produktion wieder. 26 Fahrzeuge sind inzwischen in Dortmund im Linienbetrieb, das letzte soll im Frühjahr 2027 geliefert werden.
Von den 64 Hochflurwagen, die auf den Linien U41, U42, U45, U46, U47 und U49 fahren, ist bislang erst einer modernisiert. Er durchläuft derzeit die Typprüfung, also das Zulassungsverfahren. Die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) hat die Frist für die Abnahme verlängert.
Kommt in den finalen Verhandlungen eine Einigung zustande, soll sich die Modernisierung der Bestandsflotte direkt an das letzte Neufahrzeug anschließen und 2033 abgeschlossen sein. Gegenüber dem Ursprungsplan wäre das trotz Corona und Insolvenzverfahren eine Verschiebung um zwei Jahre.
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