
Die Urban Skechters Dortmund sind Teil einer weltweiten Community, die Städte zeichnet – ohne kommerzielle Ansprüche bilden die Mitglieder ab, was sie wahrnehmen. In Dortmund gründete Guido Wessel vor zehn Jahren eine Ortsgruppe. Dieses Jubiläum feiern sie mit einem SketchDay: Neben zwei Sketch-Touren, die für alle offen und kostenlos sind, laden die Sketcher herzlich zum Grillen ein.
Gründung der Urban Skechters Dortmund
Guido Wessel führte vor 10zehnJahre noch den Museumsshop Artus vom Museum für Kunst und Kultur (MKK). Dort hatte er bereits eine Zeichengruppe ins Leben gerufen, die sich regelmäßig im Café nebenan traf. Diese Gruppe sei aber noch „weit weg vom Stadtzeichnen“ gewesen, berichtet Wessel. Rein zufällig sei er damals beim Recherchieren auf die Urban Skechters Community gestoßen, die ihn direkt begeisterte.

„Was mich am meisten fasziniert hat, war, dass die Zeichnungen aus Japan und Hamburg sich kaum unterschieden haben“, erinnert sich Wessel. Nachdem er selbst an einem Online-Sketching teilnahm, organisiert Wessel ein erstes Treffen in Dortmund: Trotz Unwetter-Warnung fand sich eine Gruppe von 15 Interessierten zusammen, die das Stadtzeichnen ausprobieren wollten.
„Es war ein herrlicher Tag zum Zeichnen“, erzählt Wessel von dem Tag, an dem die Wetterprognose falsch lag und kein Gewitter das Stadtzeichnen störte.
„Hier meckert keiner an irgendwelchen Bildern herum“ – Wessel
Seither treffen sich die Urban Sketchers Dortmund donnerstags um 18 Uhr am MKK und ziehen los – in einem zehn Minuten Umkreis wird spontan entschieden, wo es die Gruppe hinzieht. Mal sind es fünf Personen, mal 20, die in etwa zwei Stunden Dortmund aus ihrem Blickwinkel portraitieren. Mittlerweile sind 140 Personen teil des E-Mail-Verteilers und einige Ehemalige haben andere Ortsgruppen im Ruhrgebiet gegründet – denn vor den Urban Sketchers Dortmund war die Community noch nicht im Pott vertreten.

Dabei ist eines zentral für die Urban Sketchers: Alle sind willkommen, unabhängig von der Erfahrung die sie mitbringen. Jedes Treffen ist offen und alle können ohne Anmeldung dazustoßen.
„Hier meckert keiner an irgendwelchen Bildern herum“, betont Wessel. „Du musst auch nicht zeichnen – du kannst auch nur gucken oder fotografieren“. Genauso sind den Materialien keine Grenzen gesetzt – gesketcht werden darf mit allem: Kugelschreiber, Bleistift, Aquarell oder Collage-Technik – was einem gefällt.
Das Ziel sei eigentlich immer „möglichst raus und mitten ins Leben, um genauer hinzuschauen und auch mal die kleinen Dinge zu betrachten“, stellt Wessel fest. Aber wenn das Wetter oder die kalte Jahreszeit die Gruppe in den Innenraum treibt, geben sie einander Workshops und teilen ihr Wissen.
Skizzenbücher wie Tagebücher
Die Urban Sketcher Community folgt einem Manifest aus acht Punkten. Für Anne Pieper, die seit 2017 Mitglied der Gruppe ist, bedeutet das Manifest „die Identifikation mit dem, was man um sich herum hat“. Dabei müsse man „keine fotorealistischen Zeichnungen“ fabrizieren.

Für Pieper seien ihre Skizzenbücher „wie ein Tagebuch“, in dem man stöbert und „guckt, was man vor 10 Jahren gemacht hat“. Aber das Wichtigste sei „das Zusammenzeichnen und die Gruppe.“
Auch Wessel sieht das so: „Die kollegiale Stimmung ist für mich ganz wichtig. Du kannst jeden fragen, nach einem Stift oder wie jemand die Perspektive gemacht hat“. Es habe ihn bereichert, so viele Menschen kennenzulernen – Sketchers und Fremde, die die Gruppe ansprechen und erfahren wollen, was sie mit ihren Skizzenblöcken so machen.
Urban Sketchers Dortmund organisieren Ausstellungen
So ist auch Pieper an die Urban Sketchers geraten – in einem Schaufenster lagen Zeichenmaterialien, Wessel hat die interessierte Passantin gesehen und ihr gleich die Community vorgestellt. Obwohl Pieper „immer schon gezeichnet“ hat, entdeckte sie mit den Sketchern etwas Neues.

„Normalerweise zeichnete ich Tierchen und Blümchen“, erzählt sie. Heute organisiert sie als zentrales Mitglied der Gruppe die Treffen und Veranstaltungen mit.
Einer der Grundsätze der Urban Sketcher Community ist, ihre Bilder zu veröffentlichen. Selbstverständlich ist das kein muss, aber wer will, kann seine Skizzen hochladen. So entstanden auch mehrere Ausstellungen mit Zeichnungen der Urban Skechters Dortmund zum Beispiel im Hoesch-Museum oder Baukunstarchiv NRW.
Dabei wurden auch einzelne Werke nach dem Druck verkauft, obwohl der „Verkauf überhaupt nicht im Vordergrund steht“, unterstreicht Wessel. Die Gruppe bleibt dem Ansatz treu, keine kommerzielle Kunst zu betreiben.
SketchDay untder dem Motto „Dortmund schwarz/weiss“
Heute sind die Urban Sketchers Dortmund ein eingetragener Verein und veranstalteten 2022 das deutschlandweite Netzwerktreffen der Urban Sketchers. Auch ihre Treffen haben sich erweitert – neben dem wöchentlichen Stadtzeichnen ist das Nature Sketching dazu gekommen. Termine für dieses unregelmäßige Wochenendeangebot werden auf der Website der Urban Sketchers Dortmund veröffentlicht.

Mit dem SketchDay am 30. Mai 2026 wollen die Sketcher nun ihr 10-jähriges Bestehen feiern. Zwischen 11 und 13 Uhr startet an der Treppe vorm Phoenix des Lumières eine SketchTour durch den Phoenix West. Am Nachmittag trifft sich eine zweite Gruppe von 15 bis 17 Uhr zu einer Tour durch die Gartenstadt am Kreisverkehr Lübkestraße.
Unter dem Motto „Dortmund schwarz/weiss“ empfehlen die Sketcher als Material ein DIN A3 Papier und Kohlestifte oder schwarze Tinte, um gemeinsame Industrie-Collagen zu zeichnen.
Das ist allerdings nur ein Vorschlag – wer lieber nach seinem eigenen Stil zeichnen will, ist trotzdem willkommen bei den Touren. Denn: „Der Phantasie ist keine Grenzen gesetzt“, wie Pieper betont. Zum Abschluss lädt Anne Pieper ab 17 Uhr zum Ausklingen und zu Grillwürstchen in der Freiligrathstraße 9 ein.
Weitere Informationen:
- Das Programm zum SktechDay, weitere Termine und Informationen zu den Urban Sketchers Dortmund finden Sie auf der Website: Urban Sketchers Dortmund
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