
Der öffentliche Nahverkehr in Dortmund steht vor milliardenschweren Aufgaben. Bis zum Jahr 2040 rechnet DSW21 in Dortmund mit einem zusätzlichen Investitionsbedarf von rund 700 Millionen Euro. Hintergrund sind geplante Modernisierungen, neue Fahrzeuge und der Ausbau der Infrastruktur. Gleichzeitig wächst das Defizit des Unternehmens deutlich. DSW21 fordert deshalb mehr Unterstützung von Bund und Land.
Der Finanzierungsbedarf ist hoch – und wird weiter steigen
„Ein Konzept ist das eine, die Finanzierung etwas anderes“ erklärte Ulrich Jaeger, Verkehrsvorstand der Dortmunder Stadtwerke AG (DSW21), mit Blick auf eine aktuelle Studie des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Diese untersucht die zukünftige Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland und wurde von DSW21 auf Dortmund heruntergebrochen.

So lagen die Gesamtausgaben für den ÖPNV in NRW im Jahr 2024 bei rund sieben Milliarden Euro. Etwa 35 Prozent davon wurden durch Fahrgeldeinnahmen gedeckt. Weitere Einnahmen, etwa durch Werbung, spielten mit rund 140 Millionen Euro nur eine vergleichsweise kleine Rolle.
Der restliche Finanzierungsbedarf von rund 4,5 Milliarden Euro wurde durch öffentliche Mittel gestemmt. Dazu gehören kommunale Zuschüsse, Förderprogramme von Bund und Land sowie Ausgleichszahlungen für das Deutschlandticket.
VDV-Studie: Zwei Konzepte sollen den ÖPNV bis 2040 verändern
Im Zentrum der Studie stehen zwei langfristige Konzepte. Das sogenannte „Deutschlandangebot 2040“ soll den Nahverkehr deutlich ausbauen. Geplant sind schnellere Verbindungen, bessere Anschlüsse und ein dichteres Angebot im Stadt- und Regionalverkehr.

Mit dem Projekt „Modernisierung 2040“ soll außerdem die bestehende Infrastruktur erneuert werden. So sollen Gleise und Anlagen saniert werden. Gleichzeitig ist die Umstellung auf elektrische und hybride Antriebe bei Bussen und Bahnen geplant.
Dafür steigen die Kosten deutlich an: Bundesweit soll der Finanzbedarf für den ÖPNV von aktuell 26 Milliarden Euro bis 2040 auf rund 35,5 Milliarden Euro anwachsen. Allein für den Ausbau des Angebots rechnen die Verkehrsunternehmen mit zusätzlichen Kosten von rund 3,4 Milliarden Euro pro Jahr. Für Modernisierungen kommen weitere 1,4 Milliarden Euro jährlich hinzu.
NRW muss deutlich mehr Geld investieren
Die steigenden Kosten betreffen dabei den gesamten Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen. So wird der zusätzliche Finanzbedarf in NRW in den kommenden Jahren laut der VDV-Studie deutlich anwachsen. Für die Modernisierung des bestehenden Nahverkehrs rechnen die Verkehrsunternehmen in NRW mit zusätzlichen Kosten von rund 250 Millionen Euro pro Jahr.

Mit geschätzt 700 Millionen Euro pro Jahr wird der geplante Ausbau des Angebots im Rahmen des „Deutschlandangebots 2040“ noch teurer. Trotz der hohen Summen hält DSW21 die Investitionen für notwendig.
Man wolle ein „gutes und verlässliches Angebot auf die Beine stellen“, erklärt Verkehrsvorstand Jaeger. Nach Angaben des VDV bringe jeder investierte Euro langfristig rund drei Euro zurück. Außerdem sichere der Nahverkehr Arbeitsplätze. Diese könnten sich laut der Studie bis 2040 trotz Automatisierung und künstlicher Intelligenz nahezu verdoppeln.
700 Millionen Euro an Investitionen: Stadt plant neue Bahnen und Elektrobusse
Auch in Dortmund stehen in den kommenden Jahren mehrere große Projekte an. Der größte Einzelposten ist dabei das sogenannte B-Wagen-Projekt. Für rund 300 Millionen Euro soll die bestehende Stadtbahnflotte modernisiert werden.

Hinzu kommt die Elektrifizierung der Busflotte. Dafür rechnet DSW21 mit Kosten von rund 200 Millionen Euro. Außerdem sollen Betriebshöfe erweitert und modernisiert werden. Kostenpunkt: weitere 100 Millionen Euro.
Auch die Infrastruktur selbst verursacht hohe Kosten. Für den Knotenpunkt Reinoldikirche wird ein neues Stellwerk benötigt. Die Kosten dafür liegen laut DSW21 bei rund 60 Millionen Euro. Zudem soll die H-Bahn an der Technischen Universität Dortmund bis zum Theodor-Fliedner-Heim verlängert werden. Dieses Projekt wird auf rund 40 Millionen Euro geschätzt.
Krisen beeinflussen die Kosten: Die finanziellen Herausforderungen nehmen zu
Neben den Investitionen belasten auch steigende Betriebskosten das Unternehmen. Laut Jaeger haben sich die finanziellen Probleme seit der Corona-Pandemie deutlich verschärft. „Seit Corona fliegen uns die Kosten um die Ohren“, erklärte der Verkehrsvorstand.

Besonders stark wirken sich höhere Energiepreise und steigende Tarifabschlüsse aus. Für das Jahr 2026 rechnet DSW21 allein wegen gestiegener Spritpreise mit zusätzlichen Kosten zwischen 0,5 und 2,7 Millionen Euro. Ursache seien unter anderem die Auswirkungen der aktuellen Krisen im Nahen Osten.
In der Folge ist das Defizit des Unternehmens ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Lag es im Jahr 2020 noch bei rund 55 Millionen Euro, rechnet DSW21 für 2025 bereits mit etwa 99 Millionen Euro Defizit. Deshalb müsse man künftig stärker priorisieren, welche Projekte zuerst umgesetzt werden können.
Mehr Unterstützung für Kommunen: Verkehrspolitik muss sich an den Menschen orientieren
Eine zentrale Herausforderung sei die langfristige Finanzierung und Instandsetzung des ÖPNV betont die DSW21. Für Jaeger sei es nicht ausreiche, weiterhin vor allem Tickets zu subventionieren. Vielmehr müssten Investitionen in Fahrzeuge, Infrastruktur und Modernisierung priorisiert werden.
Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf eigene Spar- und Modernisierungsmaßnahmen. So soll bargeldloses Bezahlen weiter ausgebaut werden. Auch neue Technologien wie künstliche Intelligenz sollen helfen, Abläufe effizienter zu gestalten.
Aktuell würden die Kommunen rund die Hälfte der Kosten tragen. Hier seien Bund und Land gefordert sich stärker zu beteiligen. „Wenn wir dieses Rückgrat der Mobilität erhalten und ausbauen wollen, reicht ein ‚Weiter so‘ nicht“, erklärte Jaeger. Verkehrspolitik müsse sich stärker an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!
Mehr dazu auf Nordstadtblogger:
„Das Dortmund der Zukunft“: DSW21 strengt einen Strategieprozess mit Realitätscheck an
Sanierung: In Dortmund sollen 320 Millionen Euro in die Stadtbahn-Infrastruktur fließen

