
Die Gewerkschaft ver.di ruft im Rahmen der laufenden Tarifverhandlungen im kommunalen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen zu einem zweitägigen Warnstreik auf. Betroffen sind rund 30.000 Beschäftigte der kommunalen Verkehrsunternehmen. Auch in Dortmund müssen sich Fahrgäste auf deutliche Einschränkungen einstellen.
Am Dienstag stehen erneut die Busse und Stadtbahnen still
Am Montag, 16. März, sind vor allem Beschäftigte in Verwaltungen und Kundenzentren der Nahverkehrsunternehmen zum Warnstreik aufgerufen. In Dortmund bleiben deshalb die KundenCenter von DSW21 geschlossen. Der Bus- und Stadtbahnverkehr soll an diesem Tag jedoch regulär fahren.
Am Dienstag, 17. März, weitet sich der Warnstreik auf den Fahrdienst aus. In Dortmund und Castrop-Rauxel werden Busse und Stadtbahnen von DSW21 von der frühesten Frühschicht bis zur spätesten Spätschicht nicht verkehren. Der Betrieb von S-Bahnen und Regionalzügen ist von der Tarifrunde nicht betroffen.
DSW21 kündigte an, dass sämtliche Stadtbahn- und Buslinien am Dienstag vom Betriebsbeginn gegen 3.30 Uhr bis zum Betriebsende gegen 1.30 Uhr am Mittwoch ausfallen. Auch die NachtExpress-Linien, die gegen 0.15 Uhr und 0.45 Uhr von der Haltestelle „Reinoldikirche“ in die Stadtteile starten, sind betroffen.
Auch H-Bahn, ExpressBuslinie und Servicezentren betroffen
Darüber hinaus entfallen Busverbindungen von DSW21 in den Nachbarstädten Castrop-Rauxel und Schwerte. Auch Fahrten auf der gemeinsam mit der Vestischen betriebenen ExpressBuslinie X13 zwischen Dortmund, Waltrop und Datteln fallen aus. Einzelne Fahrten der Vestischen können jedoch stattfinden.

Die H-Bahn fährt an beiden Streiktagen regulär. Ebenfalls nicht betroffen sind die miteinander verknüpften Flughafen-Sonderlinien AirportExpress, AirportShuttle und die Linie 490, die unabhängig vom übrigen DSW21-Linienbetrieb organisiert werden.
Die KundenCenter „Petrikirche“, „Hörde Bahnhof“ und „Castrop Betriebshof“ bleiben am Montag geschlossen, öffnen jedoch am Dienstag wieder. Weitere Bereiche von DSW21, etwa die Hauptverwaltung an der Deggingstraße und am Westfalendamm, sind ebenfalls vom Warnstreik betroffen. Für Fahrgäste hat dies jedoch keine direkten Auswirkungen.
Nach zwei Verhandlungsrunden liegt kein verhandlungsfähiges Angebot vor
Hintergrund der Arbeitsniederlegungen sind die Tarifverhandlungen zwischen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und dem Kommunalen Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen (KAV NW). Nach zwei Verhandlungsrunden liegt nach Angaben der Gewerkschaft bislang kein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeber vor.

„Oft sieht man bei ÖPNV-Unternehmen nur den Fahrdienst, der aufgrund seiner hohen Belastung dringend eine Arbeitszeitreduzierung braucht. Aber auch die Verwaltung ist von hoher Arbeitsverdichtung durch immer mehr Aufgaben bei gleichbleibendem Personal stark belastet“, erklärt ver.di-Gewerkschaftssekretärin Kirsten Rupieper.
Der öffentliche Personennahverkehr funktioniere nur, weil viele Berufsgruppen täglich zusammenarbeiten – vom Fahrdienst über die Werkstätten bis zur Verwaltung.
Die Beschäftigten erwarteten in der dritten Verhandlungsrunde ein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeber. „Warnstreiks sind kein Selbstzweck, sondern das einzige Mittel, um den berechtigten Forderungen der Beschäftigten Nachdruck zu verleihen“, so Rupieper. Für die erneuten Einschränkungen für Fahrgäste habe man Verständnis.
Fahrgäste sollten sich vor Fahrtantritt in der elektronischen Fahrplanauskunft auf der Internetseite von Bus und Bahn oder in der DSW21-App über aktuelle Verbindungen informieren.


Reaktionen
Ergänzung zu den Warnstreiks am 16./17.3. (PM DSW21)
Hinsichtlich der Auswirkungen des ver.di-Warnstreiks am 16./17. März haben sich bei den KundenCentern von DSW21 noch Änderungen ergeben.
– Das KundenCenter »Petrikirche« bleibt am Montag (16.3.) ganztägig geschlossen und ist am Dienstag (17.3.) wieder geöffnet.
– Das KundenCenter Hörde bleibt am Montag (16.3.) und Dienstag (17.3.) geschlossen.
– Das KundenCenter in Castrop-Rauxel ist am Montag (16.3.) geöffnet und bleibt am Dienstag (17.3.) geschlossen.
– Der HaltePunkt in der Stadtbahn-Haltestelle »Kampstraße« ist am Montag (16.3.) geöffnet und bleibt am Dienstag (17.3.) geschlossen.
Diekhans
So langsam reicht es mit dem Streiken
Iris Basler
Ich als Seniorin und chronisch Schmerzkranke ohne Auto. Das immer ganz schlimm – könnt ihr nicht paar Tage warten, bis man sich einigt ? Kenne viele, denen es so geht wie mir und immer wichtige Arzttermine absage. Habe echt kein Verständnis mehr dafür. Sorry. Wir sollten auch mal streiken. Wegen des Tickets, das wir monatlich bezahlen – und das nicht wenig. Sorry musste alles mal raus.
Harry Harburg
Der DSW21 sind die Kunden vermutlich egal.
Man schaue sich nur die Online-Bewertungen des Unternehmens an: Durchschnittlich 1,5 Sterne. Die allermeisten Bewertungen mit einem Stern – das ist die Mindestbewertung.
Meine persönliche Vorgehensweise: keine Produkte oder Dienstleistungen mit weniger als vier Sterne kaufen.
Die DSW21 kann sich die schlechten Bewertungen anscheinend erlauben. Ja, denn sie ist Monopolistin…
Vorschlag: alle, die unter dem Streik leiden, vergeben eine weitere Ein-Sterne-Bewertung. Dann steht die DSW21 bald bei durchschnittlich 1,4 Sternen.
Nordstadtblogger-Redaktion
Nicht DSW21 streikt, sie werden bestreikt.
Harry Harburg
„Nicht DSW21 streikt, sie werden bestreikt.“ Das ist formal richtig – praktisch trägt jedoch trotzdem DSW21 die Verantwortung dafür, dass an diesen Tagen der komplette Bus- und Stadtbahnverkehr in Dortmund ausfällt.
DSW21 setzt im Busverkehr seit Jahren Subunternehmer ein, die einen erheblichen Teil der Leistungen erbringen. Dazu gehören beispielsweise TRD Reisen, Zeretzke Reisen, Baumeier Busbetrieb, Quecke Reisen und Breitenbach Bus. Diese Unternehmen fahren mit eigenem Personal und eigenen Fahrzeugen und erbringen zusammen ungefähr ein Viertel der Busleistungen im Netz.
Es wäre daher grundsätzlich möglich, diese Subunternehmer zumindest während der Streiktage weiter fahren zu lassen und mit einem Notfahrplan wenigstens einen Teil der Mobilität im ÖPNV sicherzustellen. Selbst wenn nur die von Subunternehmern betriebenen Umläufe gefahren würden, könnte ein Teil des Busverkehrs weiter stattfinden. Bei entsprechender Disposition wäre vielleicht sogar ein deutlich größerer Anteil des Busverkehrs aufrechtzuerhalten – zumal es sich bei Warnstreiks in der Regel nur um wenige Tage handelt.
Ein weiterer Aspekt ist, dass sich erfahrungsgemäß nicht immer alle Beschäftigten eines Unternehmens an einem Streik beteiligen. Insbesondere Mitarbeiter, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind, erhalten für Streiktage kein Streikgeld und müssen deshalb mit Lohnausfällen rechnen. Wenn es gelingen würde, solche Mitarbeiter gezielt zu motivieren, ihren Dienst dennoch anzutreten, ließe sich möglicherweise ein zusätzlicher Teil des Verkehrs aufrechterhalten. Gerade im Stadtbahnbereich, wo jeder verfügbare Fahrer unmittelbar eine Linie bedienen kann, könnte dies einen spürbaren Unterschied machen.
DSW21 entscheidet sich jedoch dafür, den gesamten Bus- und Stadtbahnverkehr komplett einzustellen. Für die Fahrgäste bedeutet das: Sie zahlen ihre Monats- oder Deutschlandtickets ganz normal weiter, erhalten aber an diesen Tagen keinerlei Leistung.
Darüber hinaus wirbt DSW21 mit einer Mobilitätsgarantie. Diese soll es ermöglichen, bei großen Verspätungen beispielsweise ein Taxi zu nutzen. Allerdings gilt diese Garantie gerade in Situationen wie Streik, außergewöhnlichen Ereignissen oder ähnlichen Störungen nicht. Für viele Fahrgäste ist das schwer nachvollziehbar. Aus Nutzersicht ist es letztlich egal, aus welchem Grund eine Fahrt ausfällt – entscheidend ist, dass man zuverlässig von A nach B kommt.
Gerade deshalb wäre es aus meiner Sicht sinnvoll gewesen, zumindest einen reduzierten Notbetrieb aufrechtzuerhalten. Das würde zeigen, dass der Nahverkehr auch in Konfliktsituationen handlungsfähig bleibt und die Interessen der Fahrgäste stärker berücksichtigt werden.
Bruno
Na toll.
Ein Aufruf für Streikbrecher?!
Streik soll weh tun, sonst kann er gleich unterbleiben, und jegliche Arbeitsbedingungen müssten klaglos hingenommen werden.
Deshalb: Solidarität mit den Streikenden!
Harry Harburg
Hallo Bruno,
„Streik soll weh tun, sonst kann er gleich unterbleiben […]“ – nun, weh tut der Streik, aber nicht dem Arbeitgeber, der bekommt die Ticketeinnahmen über die Zeitkarten so oder so. Der Streik trifft im Wesentlichen die Kunden, so wie Frau Basler (s.o.). Schade, dass Sie anscheinend kein Mitgefühl für die Situation von Frau Basler aufbringen.
Meine Argumente, warum nicht die DSW21 sondern die Kunden die Leidtragenden des Streiks sind: https://www.nordstadtblogger.de/am-montag-erneut-keine-busse-und-bahnen-der-warnstreik-trifft-dsw21-in-dortmund/#comment-168251
Daher: Ja zu Streikbrechern und ja zu negativen Online-Bewertungen für die DSW21, die nichts tut, um die Streikfolgen für die Kunden abzumildern.
N. Schneider
Der Streik in der heutigen Zeit, wo die großen Unternehmungen Tausende Mitarbeiter entlassen und die Wirtschaft keine Gewinne mehr erwirtschaftet , kann man einen Streik
nicht für sinnvoll halten!
Die Leidtragenden sind alte Menschen, Behinderte, Schüler und alle Personen, die ein Deutschlandticket erworben haben!
Die Personen, die es treffen sollte und die Einfluss haben , die tangiert es nicht, sie fahren wie immer mit ihrem geheizten Auto zur Arbeit und zum Shopping in die City !
Das da die Politik noch die Füße stillhält, kann niemand verstehen !
Hier zeigt sich die Verbrüderung von Gewekscbaften mit den Sozis!
Der Erhalt der Arbeitsplätze und des Wohlstands ist für sie nicht wichtig, sie wollen nur ihre
Macht ausspielen!
Till Strucksberg
Liebe Streikbrecher-Befürworter,
„Erhalt der Arbeitsplätze und des Wohlstandes“? Alles schon vergessen? Wie sind denn (einigermaßen) würdige Arbeitsplätze und Wohlstand erreicht worden? Nur dadurch, dass man sich zusammengeschlossen hat und gemeinsam für auskömmlichen Lohn bei guten Arbeitsbedingungen gekämpft hat. Die öffentlichen Arbeitgeber (Bund, Länder) verweigern Lohnerhöhung zum Ausgleich der Preissteigerungen und minimale Verbesserung der Situation der Beschäftigten. Aber gleichzeitig spendieren sie Milliarden für Rüstung und tun nichts dagegen, dass Superreiche immer reicher werden. Ein guter ÖPNV – und dazu gehören auch die Beschäftigten – ist für die Energiewende von höchster Bedeutung!
Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.
Harry Harburg
Schöne Sonntagsrede über Klassenkampf und Energiewende – aber mal ehrlich: Die Beschäftigten bei DSW21 & Co. haben einen sicheren Job mit beamtenähnlicher Absicherung, betrieblicher Altersvorsorge und oft schon überdurchschnittlicher Bezahlung im Vergleich zu vielen anderen Branchen. Trotzdem wird hier mit vollem Programm gestreikt – und das schon seit Wochen.
Klar, Schichtarbeit ist hart – aber viele andere Berufe (Krankenpflege, Pflegeheime, Logistik, Einzelhandel, Handwerk) arbeiten auch hart, oft für deutlich weniger Geld und ohne die Sicherheit eines kommunalen Arbeitgebers. Und die streiken nicht jedes Mal gleich den gesamten Nahverkehr lahm.
Am Ende trifft es wieder die Schwächsten: Senioren, Kranke, Schüler, Azubis, Menschen ohne Auto – genau die, die auf den ÖPNV angewiesen sind und brav ihr Deutschlandticket bezahlen. Die „Superreichen“ und Politiker, die du ansprichst, merken davon null Komma nichts – die fahren weiter mit Dienstwagen oder Privat-PKW.
Streik ist ein Recht, ja. Aber wenn man in einer Branche sitzt, die schon jetzt Fachkräftemangel hat und ständig über zu wenig Personal jammert, dann sollte man vielleicht mal überlegen, ob „mehr, mehr, mehr“ bei gleichzeitig weniger Leistung wirklich der Weg ist, um den ÖPNV attraktiver zu machen.
Solidarität ist wichtig – aber nicht auf Kosten der eigenen Kunden, die den Laden mitfinanzieren.