SPD-Leuchtturm und Kommunalpolitiker von Herzen: Alt-OB Günter Samtlebe gewürdigt

100. Geburtstag: „Samtlebe war Dortmund und Dortmund war Samtlebe“

Dortmund, 20260225, Rathaus,100 Jahre Günther Samtlebe
Franz Müntefering (SPD) erinnert an seinen „Genossen“ Günter Samtlebe H. Sommer für Nordstadtblogger

Günter Samtlebe war von 1973 bis 1999 Oberbürgermeister der Stadt Dortmund und eine Ikone der Sozialdemokratie in Deutschland. Nun wurde anlässlich des 100. Geburtstags des 2011 Verstorbenen im Dortmunder Rathaus als nahbarer und entschlossener Kommunalpolitiker geehrt. Doch sein Handeln zeige uns auch, wie wir uns heute als Demokraten verhalten sollen, wie Franz Müntefering (SPD) in seiner Festrede ausführte.

„Erst wägen, dann wagen“: CDU-Oberbürgermeister erinnert an Samtlebes Leistung

Samtlebe habe Dortmund „wie kaum ein anderer geprägt“, erklärte Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU). Ein Leitspruch habe sein Handeln durchzogen und dieser sei auf dem Grundstein des Rathauses zu lesen: „Erst wägen, dann wagen.“

Dortmund, 20260225, Rathaus,100 Jahre Günther Samtlebe
Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) im Gespräch mit Franz Müntefering H. Sommer für Nordstadtblogger

„Günter Samtlebe hat abgewogen, zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und sozialer Verantwortung, zwischen Sorgen und notwendigem Mut, hat viel gewagt und viel umgesetzt“, habe Dortmund durch einen Strukturwandel geführt, bilanziert Kalouti das Handeln seines Amtsvorgängers. ___STEADY_PAYWALL___

Kalouti betonte dabei besonders die Rolle Samtlebes beim Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde. Als in den 1990er-Jahren viele Jüdinnen und Juden aus der zerfallenden Sowjetunion nach Dortmund kamen, habe Samtlebe die Gemeinde nach Kräften unterstützt.

„Er wusste ganz genau, was deutsche Geschichte bedeutet und welche Verantwortung daraus erwächst und trug dazu bei, dass jüdisches Leben heute selbstverständlich und normal ist“, so der Oberbürgermeister.

Die SPD-Ikone Samtlebe sei nahbar gewesen, habe es aber nie nötig gehabt, populistisch zu sein. Er sei ein Vorbild für das politische Handeln von heute, da er sich immer der Debatte gestellt und Fehler eingestanden habe. „Keine großen Reden, sondern ehrliche Lösungen“, seien seine Art gewesen, schließt Kalouti seine Rede ab.

Franz Müntefering (SPD): „Du konntest nur etwas von ihm lernen“

Als Festredner adressierte der ehemalige Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) die Gäste in sozialdemokratischer Tradition als „Genossinnen und Genossen“. Generell war seine Rede eine Erinnerung an die Ära der starken Sozialdemokratie im Ruhrgebiet und an den Leuchtturm dieser SPD-Dominanz: Dortmunds Oberbürgermeister Günter Samtlebe.

Dortmund, 20260225, Rathaus,100 Jahre Günther Samtlebe
Bundesminister a.D. Franz Müntefering (SPD) H. Sommer für Nordstadtblogger

Doch wer war Günter Samtlebe eigentlich? Er war „Sozialdemokrat, Gewerkschafter, in der Endphase des Krieges auch noch Soldat, Kommunalpolitiker von Herzen, allgemein und sehr speziell“, beschrieb Müntefering seinen ehemaligen Genossen, den er als glühenden Kommunalpolitiker kennengelernt hatte.

Außerdem ließe sich nur von Samtlebe lernen. „Er war sich seiner gewiss. Das bedeutet: Du hattest keine Chance, ihm etwas zu sagen. Du konntest nur etwas von ihm lernen.“

Die Kommunalpolitik mache gerade herausfordernde Zeiten durch. Sie sei immerzu im Schatten der Bundes- und der Landesebene. Doch die Kommunalpolitik bleibe die Basis der Demokratie. „Das wusste Günter Samtlebe.“ Es sei Aufgabe der Kommunalpolitik, der Bundesebene zu sagen, „wie man in den Städten leben kann“, so Müntefering.

Gegen die, die die Demokratie „nicht so ganz ernst nehmen“

In seiner Rede schlug der ehemalige Vizekanzler den ganz großen Bogen, um den Zusammenhalt aller demokratischen Kräfte in Deutschland gegenüber den gegenwärtigen demokratiefeindlichen Tendenzen zu beschwören.

Dortmund, 20260225, Rathaus,100 Jahre Günther Samtlebe
Es kamen viele alte Weggefährt:innen. H. Sommer für Nordstadtblogger

So habe die Weimarer Republik gezeigt, wie gefährlich es für eine Gesellschaft sein kann, von Leuten regiert zu werden, die zwar demokratisch gewählt werden, aber „es mit der Demokratie nicht ganz so ernst meinen.“

„Es gibt Menschen, die will man nicht anpacken, aber die Würde des Menschen steht trotzdem allen zu“, rief Müntefering aus. Genau diese Haltung hatte Samtlebe verinnerlicht und nach ihr gelebt. Das habe ihm zu einem vorbildlichen Demokraten gemacht.

Samtlebe würde zur Verteidigung der Demokratie rufen

„Samtlebe war Dortmund und Dortmund war Samtlebe“, bringt es Müntefering auf den Punkt. Alle SPD-Verbände beneideten Dortmund um solch einen populären Repräsentanten wie Samtlebe, verriet der ehemalige SPD-Parteivorsitzende.

Dortmund, 20260225, Rathaus,100 Jahre Günther Samtlebe
Ein Nachfolger fehlt: u.a. die Nachfolger Samtlebes, Gerhard Langemeyer (SPD) (ganz rechts), Ullrich Sierau (SPD) (links daneben) und Alexander Kalouti (CDU) H. Sommer für Nordstadtblogger

„Günter Samtlebe ist mir nie aus den Augen und aus dem Sinn gegangen“, er sei eine politische „Ausnahmeerscheinung“ gewesen. Was würde Samtlebe uns heute noch sagen, fragte sich Müntefering.

„Er würde ganz sicher dazu aufrufen, die Demokratie zu stärken und zu verteidigen und dass man Menschen helfen soll, wo es geht.“ Und genau das bedeute eben Kommunalpolitik. Er würde sagen: „Es ist was zu tun, strengt euch an, wir wollen miteinander in eine demokratische Zeit gehen.“


Zum Werdegang von Günter Samtlebe hier mehr:

Zum 100. Geburtstag von Alt-Oberbürgermeister Günter Samtlebe: Ein Mann Dortmunder Prägung


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