
Die DSW21 stellt den Ticketverkauf in ihren Bussen und Bahnen nahezu vollständig auf bargeldloses Bezahlen um. Damit folgen sie einer Verordnung des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Die Ticketautomaten werden bis zum Ende des Jahres ausgetauscht. An vereinzelten Verkaufsstellen soll Bargeldzahlung allerdings weiterhin möglich sein.
Digitaler Bezahlvorgang folgt „Lebensrealität“ der meisten Menschen
Menschen, die Bargeldzahlung vorziehen, sind mittlerweile zu Exot:innen in der breiten Gesellschaft geworden. Die DSW21 folgt nun dieser Bewegung und digitalisiert den Bezahlvorgang. Damit wolle man „die Lebensrealität“ der meisten Fahrgäste widerspiegeln, sagt Sprecherin Andrea Engelke aus dem Kundenmanagement der DSW21. Jetzt hat die städtische Verkehrsgesellschaft über die Umstellung informiert.

Die Ticketautomaten an den Stadtbahn-Haltestellen und in den Stadtbahnlinien U43 und U44 werden im Laufe des Jahres ausgetauscht. Ein Ersatz der meisten Automaten sei aufgrund von Altersschwäche ohnehin geplant gewesen, so Engelke.
Bereits jetzt wurden 52 neue Automaten aufgestellt, an denen eine Bezahlung nur noch mit Debit- oder Kreditkarte, Smart-Watch oder Handy möglich ist. Weitere 81 Automaten werden im Laufe des Jahres ausgetauscht.
Bis 2028 verbleiben 40 Automaten mit Bargeld-Funktion
Für eine Übergangszeit bis etwa 2028 verbleiben 40 stationäre Ticketautomaten, die weiterhin Bargeld annehmen. Diese befinden sich vor allem entlang der Haltestellen der U-Bahnlinie U41 sowie an den Verkehrsknotenpunkten Kampstraße, Reinoldikirche, Hauptbahnhof und Stadtgarten.

Die größte Umstellung für die Fahrgäste erfolgt dagegen in den Bussen. Zuvor wurden Tickets nach dem Einstieg direkt beim Fahrpersonal gekauft. In 190 Bussen der DSW21 und weiteren 100 Bussen von externen Verkehrsunternehmen werden nun bargeldlose Ticketautomaten installiert.
Die Fahrer:innen sind somit nicht mehr in den Ticketverkauf involviert, wodurch sich Engelke mitunter positive Auswirkungen auf den Fahrbetrieb erhofft. Verspätungen könnten damit reduziert werden. „Die Fahrer:innen können sich dann wieder auf ihre Hauptaufgabe, das Fahren, konzentrieren“, sagt sie.
DSW21 bietet Schulungen für ältere und eingeschränkte Fahrgäste an
90 Prozent der DSW21-Fahrgäste seien Abokund:innen und ohnehin nicht von der Umstellung betroffen, erläutert Pressesprecher Marc Wiegand. Einwände gegen die Änderung gibt es im Hinblick auf ältere oder eingeschränkte Fahrgäste.
Dazu hat sich die DSW21 im Vorfeld mit dem Seniorenbeirat und dem Behindertenpolitischen Netzwerk zusammengesetzt und bietet Schulungen zu den Automaten an. Das Bezahlen mit Bargeld wird zudem in DSW21-Kundencentern und rund 40 externen Verkaufsstellen weiterhin möglich sein.
Weitere Infos gibt es auf der Website der DSW21: www.bus-und-bahn.de/bargeldlos
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Reaktionen
Udo Stailer
Die Entscheidung der DSW21, den Ticketverkauf nahezu vollständig auf bargeldloses Bezahlen umzustellen, ist ein fatales Signal. Nicht, weil bargeldloses Zahlen grundsätzlich falsch wäre – im Gegenteil: Es ist bequem, schnell und für viele Menschen selbstverständlich. Aber es darf keine Einbahnstraße werden.
Hier geht es um mehr als nur eine technische Modernisierung. Es geht um Teilhabe.
Öffentlicher Nahverkehr ist Teil der Daseinsvorsorge. Die DSW21 agiert faktisch als Monopolist und erhält erhebliche öffentliche Zuschüsse. Gerade deshalb muss sie allen Bürgerinnen und Bürgern einen diskriminierungsfreien Zugang ermöglichen. Wer Bargeld nutzen möchte – aus Altersgründen, aus Gewohnheit, aus Datenschutzbedenken oder schlicht aus Überzeugung – darf nicht faktisch ausgeschlossen werden.
Es sind nicht nur ältere Menschen, die mit digitalen Bezahlmethoden fremdeln. Es sind auch Kinder und Jugendliche ohne eigenes Konto, Menschen mit eingeschränktem Zugang zu Bankdienstleistungen oder Personen, die bewusst keine digitale Bezahlspur hinterlassen möchten. Bargeld ist in Deutschland ein gesetzliches Zahlungsmittel – und für viele ein Stück Selbstbestimmung.
Natürlich ist es für das Unternehmen einfacher, Bargeld abzuschaffen: weniger Wartung, weniger Störungen, weniger Aufwand. Aber Bequemlichkeit der Verwaltung darf nicht über den Wünschen und Bedürfnissen der Bürger stehen. Wenn 90 Prozent Abokunden sind, wie argumentiert wird, dann reden wir immer noch über zehntausende Menschen, die Einzeltickets kaufen. Diese einfach auf digitale Zahlung zu verpflichten, ist kein Fortschritt, sondern Bevormundung.
Hinzu kommt: Der öffentliche Nahverkehr in Dortmund kämpft seit Jahren mit Problemen. Immer wieder berichten Fahrgäste von unangenehmen Situationen, Verschmutzung, Geruchsbelästigung und Sicherheitsproblemen. Anstatt hier sichtbar zu investieren und die Aufenthaltsqualität zu verbessern, wird nun ausgerechnet beim Zugang weiter eingeschränkt. Das erzeugt Frust statt Vertrauen.
Für mich persönlich ist das ein weiterer Grund, öffentliche Verkehrsmittel nur noch zu nutzen, wenn es gar nicht anders geht. Wer Bürgerinnen und Bürger zur Nutzung bewegen will, sollte Hürden abbauen – nicht neue errichten.
Digitalisierung darf kein Zwang sein. Fortschritt bedeutet Wahlfreiheit. Und genau diese Wahlfreiheit wird hier Stück für Stück abgeschafft.
Carsten Klink
Das Menschen, die Bargeld vorziehen mittlerweile Exotinnen und Exoten sind, stimmt schlicht und einfach nicht. In der Lebensrealität der meisten Fahrgäste dominiert das Bargeld!
Drei von vier Deutschen nutzten 2025 am liebsten Bargeld – mehr als 2024. Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov ergab, dass 73 Prozent der befragten Erwachsenen in Deutschland im Dezember 2025 angaben, am häufigsten bar zu zahlen. Der Anteil stieg damit im Vergleich zur Vorjahreserhebung um 4 Prozentpunkte.
Im August 2025 hat sich die Europäische Zentralbank für eine weitreichende und strafbewehrte Annahmepflicht für Bargeld ausgesprochen: „Die EZB befürwortet auch die Annahme von Bargeld im öffentlichen Sektor, insbesondere im Verkehrsbereich und bei anderen öffentlichen Dienstleistungen. (…) Da öffentliche Behörden häufig die einzigen Anbieter wesentlicher Dienstleistungen sind, sollten sie Beschränkungen nur sparsam und nur dann anwenden, wenn dies unbedingt erforderlich ist. Beispielsweise sollten öffentliche Verkehrsbetriebe Inklusion als Priorität betrachten und wirksame Barzahlungsoptionen beibehalten. (…) Die jüngsten Naturkatastrophen und geopolitischen Spannungen haben deutlich gemacht, wie dringend es ist, den Bargeldkreislauf aufrechtzuerhalten, um das Vertrauen und die wirtschaftliche Stabilität in Krisenzeiten zu stärken.“
DSW21 sollte Wahlfreiheit gewähren und zumindest dauerhaft für einen einfachen, flächendeckenden Ticketverkauf gegen Bargeld sorgen, da die aktuelle Entscheidung eben nicht die Lebensrealität der Dortmunder Bürgerinnen und Bürger widerspiegelt.
Am besten wäre natürlich ein fahrscheinloser Öffentlicher Nahverkehr…