Zum Welttag der Feuchtgebiete: So schützt Dortmund seine Moore, Seen und Auen langfristig

Naturschutz zwischen Artenvielfalt, Klimaschutz und Nutzungskonflikten

Blick ins Naturschutzgebiet
Im Landschaftsplan der Stadt Dortmund sind 65 Biotope aufgeführt, auch der Lanstroper See gehört dazu. Foto: Stadt Dortmund / Stefanie Kleemann

Feuchtgebiete sind zentrale Lebensräume für Tiere und Pflanzen und spielen eine wichtige Rolle für den Klima- und Naturschutz. Der Welttag der Feuchtgebiete (2. Februar) macht jedes Jahr darauf aufmerksam. In Dortmund werden zahlreiche Biotope geschützt und gepflegt. Nicht immer stoßen diese Schutzmaßnahmen auf Verständnis, etwa wenn Menschen in der Natur Ruhe und Erholung suchen.

Lebensräume mit besonderer Bedeutung für Natur und Klima

Feuchtgebiete oder Feuchtbiotope sind Landschaften, die überwiegend durch einen hohen Grundwasserstand geprägt sind, aber auch trockene Phasen erleben können. Dazu gehören Auen, Bruchwälder, Feuchtwiesen, Moore, Sümpfe und auch flache Kleingewässer. Sie sind unverzichtbare Lebensräume für (Wasser-)Vögel, Amphibien, (Wasser-)Insekten und spezifische Pflanzenarten.

Blick ins Naturschutzgebiet
Ein Feuchtbiotop im Naturschutzgebiet Alte Körne Foto: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Die genaue Anzahl an Feuchtgebieten in Dortmund lässt sich schwer beziffern, denn sie kann variieren. Im Landschaftsplan der Stadt sind 65 Biotope verzeichnet, die zum Teil mehrere Kleingewässer umfassen. Häufig sind es Bergsenkungen, naturnahe Niederungen sowie zunehmend auch naturnah gestaltete Hochwasserrückhaltebecken, etwa in Mengede, Ellinghausen oder Scharnhorst. Als Landschaftsbestandteile – ob geschützt oder nicht – sind sie inzwischen von hoher Bedeutung für den Feuchtgebietsschutz.

Zu den Bergsenkungsgebieten und Seen im Dortmunder Stadtgebiet zählen unter anderem Auf dem Brink, der Beerenbruch, die Hallerey, der Lanstroper See, der Mastbruch und der Pleckenbrinksee. Weitere Feuchtgebiete und Bruchwälder finden sich An der Panne, in der Bolmke, in den Erlensundern und im Groppenbruch. Naturnahe Niederungen und Bachtäler sind etwa die Alte Körne, das Dellwiger Bachtal, der Bereich Im Siesack sowie das Wannebachtal mit dem Buchholz.

Der Pleckenbrinksee als bedeutendes Sekundärbiotop

Zu den mittlerweile bedeutendsten Feuchtgebieten in Dortmund zählt das Gebiet rund um den Pleckenbrinksee in Wickede. Als See in einem Bergsenkungsgebiet ist er ein sogenanntes Sekundärbiotop, also ein Lebensraum, der durch menschliche Einflüsse entstanden ist. Der Pleckenbrinksee wurde 2007 auf einer ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche angelegt.

Blick ins Naturschutzgebiet
Der Pleckenbrinksee in Wickede Stadt Dortmund / Britta Perschbacher

Gemeinsam mit dem angrenzenden feuchten Grünland bietet der See wichtige Rast- und Nahrungsräume für Zug- und Rastvögel, die urbane Räume sonst meiden. Feuchtgebiete sind für diese Tiere essenziell, um auf ihren oft langen Reisen „aufzutanken“, Nahrung aufzunehmen und neue Kräfte zu sammeln. Besonders im Frühjahr und Herbst lassen sich hier mit etwas Glück seltene Arten wie Kiebitz, Flussregenpfeifer oder Grünschenkel beobachten. Wege entlang des Weidezauns ermöglichen Besucher:innen eine Beobachtung aus für die Tiere akzeptablem Abstand.

Auch Kleingewässer spielen eine wichtige Rolle für den Naturschutz. Sie fungieren als sogenannte Trittstein-Biotope und vernetzen Lebensräume in der Landschaft. Während solche Gewässer früher häufig natürlich entstanden, gehen viele heutige Blänken und Tümpel auf menschliche Einflüsse zurück. In Dortmund stehen sogar ehemalige Bombentrichter als Kleingewässer unter Naturschutz. Im Naturschutzgebiet alte Körne, östlich des Pumpwerks oder entlang der Straße Am Wirksfeld, nördlich der Gleisanlagen, lassen sich ein paar Kleingewässer gut von den Wegen aus beobachten.

Rücksichtnahme schützt sensible Lebensräume

Der Schutz von Feuchtgebieten erfordert auch ein respektvolles Verhalten der Besuchenden. In Naturschutzgebieten sollen ausgewiesene Wege nicht verlassen werden, , um die Tiere nicht zu stören. Hunde sind anzuleinen und dürfen nicht in Gewässern baden, da sich Laich seltener Amphibien im Fell verfangen kann, wodurch die Population an Ort und Stelle nicht überdauern kann. Amphibien dürfen nicht berührt und Gewässer nicht betreten werden.

Wanderer im Naturschutzgebiet
Im Naturschutzgebiet – hier am Lanstroper See – bitte immer auf den Wegen bleiben Foto: Stadt Dortmund / Stefanie Kleemann

Auch zu seltenen Vogelarten ist ausreichend Abstand zu halten, ein Fernglas wird empfohlen. Nach dem Besuch sollten Schuhsohlen mit 70-prozentigem Ethanol gereinigt und desinfiziert werden, um die Ausbreitung der sogenannten Salamanderpest zu verhindern.

Die Salamanderpest gefährdet seit einigen Jahren Dortmunder Amphibien. Dabei handelt es sich um den Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans, der bei Salamandern und Molchen häufig tödlich verläuft. Der Schutz, die Pflege und die Weiterentwicklung von Feuchtbiotopen sind daher zentral für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Dortmund.

Feuchtbiotope im Dortmunder Stadtwald

Auch Feuchtwälder tragen wesentlich zu einem stabilen Wasserhaushalt, zum Klimaschutz und zur Artenvielfalt bei. In der Vergangenheit wurden im Stadtwald vielerorts Entwässerungsgräben angelegt, um die forstwirtschaftliche Nutzung zu erleichtern. Heute wird geprüft, ob und in welchem Umfang Entwässerungsgräben wieder geschlossen werden können.

So verbessert sich die Wasserversorgung der Bäume und sie werden widerstandsfähiger gegenüber Trockenperioden. Feuchte Waldböden können zudem mehr Kohlenstoff speichern – ebenfalls ein positiver Beitrag zum Klimaschutz. Auch die Artenvielfalt kann davon profitieren.

Dennoch ist das Umweltamt sicher, dass ein vollständiger Grabenverschluss nicht überall sinnvoll ist, da grund- und stauwasserempfindliche Baumarten wie die Rotbuche Schaden nehmen könnten. Auch Waldwege und angrenzende Flächen könnten betroffen sein. Als Pilotprojekt sollen daher zunächst kleinräumig Entwässerungsgräben im Kurler Busch und im Siesack verschlossen, fachlich begleitet und ausgewertet werden.

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