100 Jahre Hauptfriedhof Dortmund – vom strauchlosen Gelände zur Parklandschaft – Jubiläum am heutigen Freitag

Als „strauchlos“ wurde das Gelände des Hauptfriedhofs 1921 beschrieben. Fotos: Friedhofverwaltung
Als „strauchlos“ wurde das Gelände des Hauptfriedhofs 1921 beschrieben. Fotos (3): Friedhofverwaltung

Am heutigen Freitag (16. Juli 2021) jährt sich zum 100. Mal der Tag, an dem der Hauptfriedhof Dortmund durch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Ernst Eichhoff offiziell eingeweiht wurde. Die Erinnerung an diesen Tag ist Anlass für einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des heute drittgrößten Friedhofs Deutschlands. Erstaunlich Wenigen ist bekannt, dass er gleichzeitig die größte Grünfläche Dortmunds ist, deutlich größer als der Westfalen- und der Rombergpark. Diese Entwicklung wurde schon mit seiner Planung angelegt und mit seiner Eröffnung manifestiert.

Bereits in Jahr 1905 setzen die Planungen für einen neuen Zentralfriedhof ein

Ein kurzer Rückblick in die Geschichte verdeutlicht, aus welchen Gründen ein Friedhof dieser Größenordnung notwendig wurde. In der Zeit der Hochindustrialisierung, die historisch mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs ab 1871 einsetzte, hat die Stadt Dortmund ein starkes Bevölkerungswachstum erlebt.

Zählte die Stadt 1871 noch rund 44.000 Einwohner*innen, so hatte sich die Zahl zur Jahrtausendwende 1900 schon fast verdreifacht und lag bei rund 142.000. Diese Entwicklung führte zu einer nahezu vollständigen Belegung der in der Zeit von 1811 bis 1897 gegründeten vier kommunalen Friedhöfe: Westentotenhof (heutiger Westpark), Ostfriedhof, Südfriedhof und Nordfriedhof. Bereits 1905 setzen daher die Planungen für einen neuen Zentralfriedhof ein.

Im Jahr 1908 wurde die Gründung eines Zentralfriedhofs auf einem Gelände in „Brackel-Süd“ beschlossen. Im Jahr 1912 erfolgten weitreichende Beschlüsse zur Weiterentwicklung des Friedhofswesens. In der industriell geprägten Stadt fehlten seinerzeit Grün- und Parkanlagen als notwendige Erholungsstätten für die Bevölkerung.

Vor diesem Hintergrund sahen die Beschlüsse vor, „Friedhöfe parkartig und landschaftlich zu bepflanzen und als Erholungsstätten für das Publikum liegen zu lassen“. Es wurden auch Mittel für die Finanzierung der Vorarbeiten für den neuen Friedhof, den Hauptfriedhof, bereitgestellt.

Die gärtnerische Herrichtung begann mit dem Einsatz von 100 Notstandarbeitern im Oktober 1920

Der 1. Weltkrieg (1914–1918) unterbrach die ambitionierten Planungen. Erst im April 1919 wurde ein öffentlicher Ideenwettbewerb unter in Deutschland ansässigen Gartenkünstlern und Architekten ausgeschrieben. Aus 68 vorgelegten Entwürfen wurden zwei für die weitere Entwurfsplanung ausgewählt. Mit der späteren Realisierung sind die Namen der Architekten Strunck und Wentzler, des Gartenarchitekten Allinger, des Stadtbaurats Strobel und des Gartendirektors Nose untrennbar verbunden.

Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen des 1. Weltkriegs und die damit verbundene Mangelsituation prägte auch die Umsetzung der Planungen. Die gärtnerische Herrichtung des als „strauchlos“ beschriebenen Geländes am seinerzeitigen Rand der Stadtgrenze begann mit dem Einsatz von 100 Notstandarbeitern im Oktober 1920.

Der Hauptfriedhof in Dortmund heute. Bild: Alex Völkel
Der Hauptfriedhof heute: Ein „echter“ Park – und eindeutig nicht mehr strauchlos. Archivbild: Alex Völkel

In seiner Eröffnungsansprache am 16.07.1921 stellte Oberbürgermeister Eichhoff mit seinen einleitenden Worten deshalb auch heraus „dass die Einweihung des Dortmunder Hauptfriedhofes im Wesentlichen die Bedeutung einer Grundsteinlegung hat. Das Werk des Hauptfriedhofes steht noch nicht fertig vor unseren Augen, sondern ist erst in den Anfängen des Werdens und wird noch Jahrzehnte im Werden sein.”

Die Jubiläumsveranstaltungen soll es bis zum bis Jahresende geben

OB Eichhoff skizzierte gleichzeitig ein klares Bild davon, in welche Richtung sich „das Werden“ des Hauptfriedhofs entwickeln sollte: „(…) so wird auch er selbst nicht nur eine würdige und stimmungsvolle Stätte zur Aufnahme der Toten und zur Erhebung und Erbauung trauender gebeugter Seelen, sondern auch ein Gefilde sein, das Tausenden und Abertausenden von Menschenkindern ausgiebige Erholung in frischer, freier Luft, die sehnlichst gesuchte Gelegenheit zur Selbstbesinnung und Verinnerlichung und ungetrübten Genuß vom Schönen und Edlen in Kunst und Natur schenken wird.“

Der 100. Jahrestag seit der Einweihung des Hauptfriedhofs ist sicher ein guter Anlass, sich davon zu überzeugen, welche Taten den Worten gefolgt sind. Die „Friedhöfe Dortmund“ sind sich sicher, dass sich der Hauptfriedhof heute als würdige und stimmungsvolle Park-und Gartenlandschaft mit einem großzügigen historischen Gebäudeensemble und einer ganz eigenen ruhigen und beruhigenden Atmosphäre präsentiert. Sie laden herzlich zum Besuch ein, um die besondere Stimmung dieses Ortes zu erspüren.

In der zweiten Jahreshälfte 2021 werden regelmäßig anregende Veranstaltungen mit verschiedenen Themenaspekten angeboten, die ein „begleitetes Entdecken“ ermöglichen. Die Reihe startet direkt am Jahrestag, am 16. Juli 2021 und schon in den Folgetagen werden verschiedene kostenlose Führungen stattfinden. Nähere Informationen zu Inhalten und Anmeldemodalitäten bietet der Veranstaltungskalender auf Homepage der Friedhöfe Dortmund (www.friedhoefe-dortmund.de).

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Kommentare

  1. Geführter Spaziergang über den Hauptfriedhof (PM)

    Der Dortmunder Hauptfriedhof zählt zu den größten deutschen Friedhöfen und wurde wie ein Gesamtkunstwerk geplant und gestaltet. Die 1921 eröffnete Anlage ist eng verknüpft mit dem damaligen Stadtbaurat Hans Strobel. Ein Spaziergang über den 135 ha großen Friedhof würdigt seine Arbeit und gibt Einblick in die Friedhofskultur der Zeit. Los geht es am Sonntag, 12. September, 14 Uhr am Haupteingang, Am Gottesacker 25. Die Führung übernimmt Marco Prinz.

    Bei der 90-minütigen kunsthistorischen Führung werden vor allem einzelne, kunstvolle Grabmalgestaltungen vorgestellt. Besondere Beachtung soll erhält aber auch die Geschichte des Friedhofes und die Eingangsarchitektur.

    Tickets (8 Euro, ermäßigt 4 Euro) gibt es ausschließlich an der Kasse des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastraße 3, Telefon (0231) 50-25525. Es besteht keine Möglichkeit, am Tag der Tour vor Ort eine Karte zu erwerben.
    Die Dortmunder Spaziergänge und Radtouren zur Kunst im öffentlichen Raum können auch separat gebucht werden, zum Beispiel für eine Geburtstagsfeier, einen Betriebsausflug oder für externe Gästegruppen. Infos unter Telefon (0231) 50- 24876.

  2. 100 Jahre Hauptfriedhof: Starke Veranstaltungen in dieser Woche (PM)

    Der Hauptfriedhof begeht in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Noch in dieser Ferienwoche warten spannende Veranstaltungen, für die es auch noch freie Plätze für Kurzentschlossene gibt:

    · Am Donnerstag, 14. Oktober 21, ist nach dem großen Erfolg im Sommer erneut die „Schwarze Witwe“ zu Gast. Sie erzählt auf einem tiefgründigen, aber auch amüsanten Spaziergang auf dem Friedhofsgelände über historische Bestattungsbräuche. Der stimmungsvolle Spaziergang startet in der Dunkelheit – um 20 Uhr.

    · Ein geführter Spaziergang im herbstlichen Blätterwald mit dem Baumexperten Gerhard Hettwer startet am Freitag, 15. Oktober 2021, um 15 Uhr. Der unterhaltsame und informative zweistündige Spaziergang über das Friedhofsgelände führt zu besonderen Baumexemplaren, die zu dieser Jahreszeit besonders schöne Laubfärbungen zeigen.

    · Ebenfalls am Freitag, 15. Oktober 2021, bietet der Hauptfriedhof eine Lesung der ganz besonderen Art an – in der großen Trauerhalle. Die Kunsthistorikerin Dr. Anja Kretschmer, die am Tag zuvor noch als „Schwarze Witwe“ über den Hauptfriedhof geführt hat, lädt zu einem interessanten, lehrreichen und rührenden Abend ein. Präsentiert wird eine vielfältige Auswahl von Geschichten aus historischen Überlieferungen, Sagengeschichten auf der Basis wundersamer Begegnungen mit dem Tod und der Zwischenwelt. Die imposante große Trauerhalle bildet dafür einen eindrucksvoll passenden Rahmen.

    · Am Sonntag, 17. Oktober 2021, führt die Theatergruppe “artscenico” aus Dortmund ihre Produktion „Alice im Gräberland“ auf. Die Produktion orientiert an Motiven von Roland Schimmelpfennigs „Alice im Wunderland“. Zu erleben sind charismatische und absurde Figuren, die ausgewählte Stationen auf dem Hauptfriedhof als Kulisse in ihre Darbietung einbeziehen.

    Alle Veranstaltungen finden unter den Bedingungen der aktuellen Coronaschutzverordnung statt – es gilt die 3-G-Regel. Und man muss sich vorher anmelden. Weitere Informationen zum Programm und Kontaktdaten zur Anmeldung finden sich auf der Homepage der Friedhöfe Dortmund: https://www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/umwelt/friedhoefe/start_friedhoefe/index.html.

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