Nordstadtblogger

„Zwischen den Welten“ beim 7. „Klangvokal“-Musikfestival

Noemi Waysfeld kommt am 5. Juni nach Dortmund. Foto: Veranstalter

Bei seiner siebten Auflage bietet das „Klangvokal“-Musikfestival Dortmund unter dem Thema „Zwischen den Welten“ wieder einen Monat lang erlesene Konzerte mit Oper, Chor-, Welt- und Popmusik jenseits des „Standard“- Repertoires.

Das internationale Dortmunder Musikfestival für Vokalmusik aller Genres führt herausragende Künstler aus aller Welt nach Dortmund und trägt mit zahlreichen Entdeckungen und Erstaufführungen neue musikalische Impulse in die Region. Dabei sind die Preise auch in diesem Jahr wieder moderat: Die Mehrzahl der Eintrittskarten kostet unter 30 Euro, bereits ab 9 Euro ist ein Besuch bei Klangvokal möglich.

Vom 29. Mai bis 28. Juni gibt es 22 Aufführungen, davon 15 Eigenveranstaltungen

Das Ensemble Correspondances ist am 4. Juni zu erleben. Foto: Veranstalter

Die hochkarätigen Künstlerinnen und Künstler aus 20 Ländern legen bei ihrer Reise durch 1500 Jahre Musikgeschichte eindrucksvoll Zeugnis ab von der Faszination und Kraft der Vokalmusik.

Dabei setzt das Festival auch 2015 auf aufregende Entdeckungen aus aller Welt – und zeigt sie in Eigenproduktionen, internationalen Koproduktionen oder als Deutschland-Premieren.

Ein großes Anliegen ist Festivaldirektor Torsten Mosgraber der Bezug des Festival- Programms zu gesellschaftlich aktuellen Themen: „Gerade in einer Zeit kriegerischer Auseinandersetzungen gilt es, Brücken zwischen den Kulturen zu bauen und dafür Sorge zu tragen, dass wir uns gegenüber Menschen aus anderen Kulturen öffnen“.

Traditionell sind die Festival-Veranstaltungen thematisch eingebunden. Das diesjährige Thema „Zwischen den Welten“ steht insbesondere für den Dialog zwischen den Kulturen, aber auch für den musikalischen Dialog zwischen den verschiedenen Musikgenres.

 130 Ensembles mit rund 4.000 Dortmunder Sängerinnen und Sängern beim Fest der Chöre

Eine weitere Festival-Tradition: Am 20. Juni steht wie in den Vorjahren die reiche Dortmunder Chorlandschaft im Mittelpunkt: Am 7. siebten Fest der Chöre sind rund 130 Ensembles mit rund 4.000 Dortmunder Sängerinnen und Sängern beteiligt.

Sie treten auf Open-Air-Bühnen, an Singhaltestellen, in Kirchen, in der U-Bahn und in Geschäften in der Dortmunder Innenstadt auf.

Dortmund präsentieren sie ein breites Spektrum vokaler Ausdrucksformen: vom klassischen Volkslied und Chorsatz bis zum Schlager, Shanty, Jazz- und Popsong.

Um 12 Uhr wird OB Ullrich Sierau das Fest der Chöre auf dem Alten Markt mit dem traditionellen gemeinsamen Singen eröffnen. Um 20 Uhr lockt dann das Abschlusskonzert noch einmal auf den Alten Markt. Das gesamte Bühnenprogramm wird Mitte Mai veröffentlicht.

Musikalische Geschichten: Oper und Lied – Die Brückstraße wird zum Broadway

Wayne Marshall tritt am 31. Mai auf. Foto: Edgar Brambis/Veranstalter

Die Brückstraße wird zum Broadway, wenn der britische Dirigent Wayne Marshall und die internationalen Topsänger in der „American Night“ mit Auszügen aus „Porgy and Bess“ und „West Side Story“ zwei musikalische Juwelen aus dem Mutterland des Musical zum Leuchten bringen.

Mit „Summertime“ oder „It ain‘t necessarily so“ schuf George Gershwin Klassiker des Great American Songbook. Leonard Bernsteins „West Side Story“ begeistert durch packende Tanzrhythmen und ergreifend schöne Songs wie „Tonight“, „Maria“ oder „Somewhere“ (31. Mai, Konzerthaus Dortmund).

Die Dortmunder Philharmoniker ergänzen das Festival-Programm unter der Leitung von Gabriel Feltz mit der konzertanten Aufführung des 3. Aufzuges aus Richard Wagners Oper „Siegfried“ (2./3. Juni, Konzerthaus), an der namhafte Solisten wie Petra Lang und Andreas Schager beteiligt sind.

Simone Kermes tritt am 11. Juni auf. Foto: Veranstalter

Ein ungewöhnlicher Liederabend erwartet das Festivalpublikum im Orchesterzentrum|NRW: Star-Sopranistin Simone Kermes.

Bisher vor allem bekannt für ihre hingebungsvollen Barock-Interpretationen bekannt, lockt mit einem abwechslungsreichen Programm mit deutschem, englischem und französischem Liedrepertoire vom Barock bis ins 20. Jahrhundert – u.a. mit Kompositionen von Purcell, Rossini, Strauss und Hahn (11. Juni, Orchesterzentrum|NRW).

Ein besonderer Leckerbissen für Opernfans ist die Italienische Operngala im Westfalenpark: Italiens Sängerin des Jahres Maria Agresta ist erstmals in Nordrhein- Westfalen zu erleben.

Maria Agresta ist am 28. Juni zu erleben. Foto: IMG Artists/Veranstalter

Gemeinsam mit ihrem Landsmann Giorgio Berrugi und dem von Alexander Joel geleiteten Funkhausorchester des WDR Köln stimmt sie Opern-Highlights der großen Italiener Bellini, Verdi und Puccini an und verwandelt die Seebühne mit edlem Timbre und strahlender Höhe in eine klangvolle Opernarena (28. Juni, Seebühne im Westfalenpark).

Der diesjährige Ausklang des Festivals wird auch in diesem Jahr mit einem Feuerwerk unter freiem Himmel begangen.

Barocke Schätze aus Frankreich, Italien und Spanien

Auch ein musikalischer Barockreigen mit bekannter und unbekannter Musik des Barock unter Mitwirkung international führender Ensembles hat sich bei Klangvokal zu einer schönen Tradition entwickelt: Ein vierteiliger Zyklus setzt sich in diesem Jahr mit musikalischen Kostbarkeiten aus Frankreich, Italien und Spanien von 1600 bis 1730 auseinander, die in den Dortmunder Innenstadtkirchen zur Aufführung gelangen.

So reist beispielsweise das Ensemble Correspondances aus Frankreich, eine der aufregendsten Neugründungen der letzten Jahre, mit erlesener Musik von de Boësset, Moulinié, Rossi und Landi im Gepäck von Paris nach Rom (04. Juni, St. Reinoldikirche).

Die italienischen Musiker der Accademia Bizantina konnten bereits beim Abschlusskonzert von Klangvokal 2012 begeistern und geben sich auch in diesem Jahr die Ehre: Unter ihrem musikalischen Leiter Ottavio Dantone werden sie mit der exzellenten schwedischen Mezzosopranistin Ann Hallenberg und der deutschen Sopranistin Lydia Teuscher ein italienisches Programm mit Musik des frühen 18. Jahrhunderts gestalten.

Ann Hallenberg tritt am 19. Juni auf. Foto: Veranstalter

Neben Kantaten von Alessandro und Domenico Scarlatti erklingen Werke, die der junge Händel in Italien komponierte oder die ihm – wie Ferrandinis „Il pianto di Maria“ – lange Zeit zugeschrieben wurden (19. Juni, St. Reinoldi).

Rinaldo Alessandrini und sein hochkarätiges Ensemble Concerto Italiano haben speziell für Klangvokal und die Dortmunder Barockliebhaber ein neues Programm mit Madrigalen von Monteverdi, Marenzio und Zeitgenossen im Gepäck (26. Juni, St. Bonifatiuskirche). Unter Maestro Alessandrini – der Monteverdi in dieser Saison auch an der Mailänder Scala dirigiert – klingt diese meisterliche Musik überirdisch schön und doch so natürlich wie ein Windhauch.

Und last but not least präsentieren das spanische Kult-Barockensemble Al Ayre Español und die temperamentvolle Sopranistin Raquel Andueza bei ihrer Deutschlandpremiere spanische Kantaten von José de Torre, dessen Manuskripte der musikalische Leiter Eduardo López Banzo auf abenteuerliche Weise in Guatemala entdeckte (21. Juni, St. Marienkirche).

Die Kunst des A Cappella-Gesangs

Eines der berühmtesten Vokalmusikensembles unserer Zeit – die Tallis Scholars aus England – wird bei einem seiner seltenen Deutschland-Auftritte mehrstimmige Meisterwerke aus der Renaissance von Thomas Tallis und John Sheppard sowie Sakralwerke von Arvo Pärt anstimmen, die von einer archaischen Frömmigkeit künden.

Das Tallis Scholars-Ensemble tritt am 7. Juni auf. Foto: Veranstalter

Der Gesang der zehn Meistersängerinnen und -sänger hat etwas Reines, Meditatives, gerät durch das nuancierte Farbspiel der Stimmen nie eintönig, und verspricht einen großen Kunstgenuss (07. Juni, Propsteikirche).

Bei dem musikalischen Zwiegespräch zwischen der libanesischen Sängerin Fadia Tomb El-Hage und dem berühmten korsischen Vokalensemble A Filetta begegnen sich die musikalischen Traditionen Korsikas und des Orients und gehen eine geradezu mystische Verbindung ein. In diesen sakralen wie traditionellen Melodien aus Korsika und dem Libanon liegt ein besonderer Glückszauber verborgen (12.06., St. Marienkirche).

Das 19. Sparkassen-A-Cappella-Festival wird in diesem Jahr erstmals gemeinsam vom Westfalenpark und dem „Klangvokal“-Musikfestival Dortmund organisiert. Mit dabei beim beliebten Fest zu Pfingsten auf der Festwiese sind renommierte Gruppen aus Deutschland, den Niederlanden und Ungarn (24./25. Mai, Westfalenpark).

Das Klanguniversum der Welt- und Popmusik

Für Tigran – einen der gefeiertesten jungen Jazzpianisten unserer Tage – durchdringt die Liebe zu seiner Heimat Armenien jede einzelne seiner Noten.

So ist es keine Überraschung, dass der Gewinner des Montreux Jazz Festival Klavierpreises sein aktuelles Programm dem 100. Jahrestag des armenischen Genozids widmet: Bei der feierlichen Eröffnung von „Klangvokal“ in der stimmungsvollen St. Marienkirche werden Tigran, der armenische Chor Yerevan Chamber Choir und der Kammerchor der TU Dortmund armenische Sakralmusik des 5. bis 19. Jahrhunderts mit neuem Leben füllen.

Die universelle Sprache dieser berührenden Musik soll den Boden bereiten für einen inneren Dialog und die weltweite Anerkennung des armenischen Leidens.

Aynur Dogan singt am 27. Juni. Foto: Veranstalter

Ins domicil lockt eine ungewöhnliche musikalische Melange: Jüdische Musik trifft bei der Klangreise der jungen Pariserin Noëmi Waysfeld nach Lissabon auf portugiesischen Fado. Auf zarte, berührende Weise feiern die Sängerin und ihre Musiker die Kraft des Gesangs, die stärker ist als alle kleinen und großen Dramen des Lebens – eine Deutschland-Premiere (05. Juni, domicil).

Ein ebenso einzigartiges Zusammentreffen ist es, wenn die tunesische Sängerin Dorsaf Hamdani Chansons der großen Französin Barbara und der libanesischen Gesangsdiva Fairuz interpretiert: ein aufregender Ausflug in die Welt des französischen Chansons und der arabischen Sangeskunst und eine Hommage an die beiden großen Diven dies- und jenseits des Mittelmeeres. Im Foyer werden libanesische Speisen angeboten (14. Juni, Orchesterzentrum|NRW).

Die kurdische Sängerin Aynur Doğan und ihre exzellenten drei Instrumentalisten – die Kamancheh-Legende Kayhan Kalhor (Iran), der Jazz-Pianist Salman Gambarov (Aserbaidschan) und der kurdische Tambur-Spieler Cemîl Qoçgirî – sind Erneuerer der zeitgenössischen arabischen Weltmusik: Ihre musikalische Reise führt sie durch das kulturelle Erbe ihrer Heimatländer, das sie mit meisterlichem Können und Improvisationskunst um eine neue Dimension bereichern (27. Juni, domicil).

Julia Biel ist am 18. Juni in Dortmund zu Gast. Foto: Veranstalter

Eine Kooperation von SOUNDZZ, dem Kinder- und Jugendprogramm des domicil, mit „Klangvokal“: Die mongolischen und iranischen Musiker von SEDAA entführen im Familienkonzert mit ihren Stimmen und Instrumenten in die weiten Steppen der Mongolei.

Das liegt auch an den von ihnen benutzten traditionellen Gesangstechniken Kargyraa (Untertongesang) und Höö-mii (Kehlgesang), bei denen ein Mensch mehrere Töne zugleich hervorbringt (14. Juni, domicil).

Mit ihrer elektrisierenden, leicht rauchigen Stimme baut die britische Sängerin, Songwriterin und Musikerin Julia Biel im domicil Brücken zwischen dem goldenen Zeitalter des Jazz und zeitgenössischen Folk- und Pop-Strömungen (18. Juni, domicil).

Vorverkauf startet ab sofort

Der Vorverkauf startet ab sofort bei Dortmund-Tourismus (gegenüber dem Hauptbahnhof), an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im Internet. Informationen zu Karten und Abonnements unter www.klangvokal.de.

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