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Wenn Eltern psychisch gestört sind: Fachtag zu Gefahren für die Entwicklung von betroffenen Kindern und Jugendlichen

TeilnehmerInnen an dem Fachtag, v.l.n.r.: Autorin Claudia Gliemann, Pilar Wulff (Jugendamt), Prof. Silvia Denner (FH), Stadträtin Birgit Zoerner, sowie Uta Nagel und Stephan Siebert vom Gesundheitsamt.

Wenn Kinder in einem sozialen Umfeld aufwachsen, in dem primäre Bezugspersonen psychisch gestört sind, besteht die Gefahr, dass sie selbst klinisch relevante Reaktionsbildungen zeigen, seien sie psychisch oder psychosomatisch. Um betroffenen Familien besser gezielt helfen zu können, hat das Gesundheitsamt Dortmund am Donnerstag, den 19. April, einen Fachtag mit professionell beteiligten Akteuren im Fritz-Henßler-Haus organisiert.

Psychische Störungen Erwachsener können das Kindeswohl während der gesamten Entwicklung gefährden

Zu den häufigsten und langwierigsten Erkrankungen bei Erwachsenen gehören psychische oder Persönlichkeitsstörungen. Nach einer Studie des Berliner Robert Koch-Instituts zur psychischen Gesundheit in der Bundesrepublik leidet etwa ein Drittel der Erwachsenen über ein Jahr gerechnet an einer oder mehreren klinisch relevanten Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens oder Verhaltens.

Kinder, die in Familien mit psychisch gestörten Eltern leben, sind in ihrer gesunden Entwicklung insofern gefährdet, als bei vielen dieser Störungen deutliche Verhaltensänderungen der betroffenen primären Bezugspersonen dazu führen, dass für die Kinder ein signifikant höheres Risiko besteht, selbst psychisch beeinträchtigt zu werden oder psychosomatische Reaktionsweisen ausbilden.

In Deutschland leben geschätzt drei Millionen Kinder in einem solchen Risikoumfeld. Dies zeigt die Bedeutung des Themas, dem sich am Donnerstag, 19. April, zum zweiten Mal ein „Fachtag zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ widmet. Die Federführung hat das Gesundheitsamt, das für die Veranstaltung mit dem 2008 gegründeten Netzwerk KAP-Do (Kinder als Angehörige psychisch kranker Eltern) kooperiert.

AkteurInnen der beteiligten Professionen diskutieren am Fachtag über Hilfsangebote

Mit dem Netzwerk „Frühe Hilfen“ sollen frühzeitig Entwicklungsstörungen verhindert werden.

Um betroffene Familien erfolgreich und rechtzeitig unterstützen zu können, müssen Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, der Jugendhilfe, Tagesbetreuung und Schule interdisziplinär und über verschiedene Träger hinweg zusammenarbeiten.

An 14 Tischen von ExpertInnen werden die Fragen von TeilnehmerInnen beantwortet und Hilfsangebote vorgestellt. Daneben besteht natürlich die Gelegenheit, sich untereinander zu vernetzen.

Die Workshops sind nach Altersgruppen bzw. Lebensphasen der Kinder und Jugendlichen unterteilt, denn spezifische Vulnerabilitäten wie ihr Ausmaß sind teilweise altersabhängig. Sie dienen ebenfalls dem Erfahrungsaustausch, so dass immer wieder Praxisbezüge hergestellt werden können, wodurch die Sicherheit des sozialtherapeutischen und bei anderen Formen des Alltagshandelns seitens der beteiligten Professionen erhöht wird.

Der Fachtag stieß auf große Resonanz und war bereits im Vorhinein ausgebucht. Unter den 315 Angemeldeten sind SchulsozialarbeiterInnen, LehrerInnen, ErzieherInnen, Akteure der Jugendhilfe sowie des psychiatrischen Versorgungssystems, Tages- und Pflegeeltern, Hebammen, weitere Fachkräfte und Interessierte. Die Begrüßung übernimmt Sozial- und Gesundheitsdezernentin Birgit Zoerner.

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