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Ungleiche Startchancen: „Frühe Hilfen“ für Kinder, Jugendliche und Familien in sozio-ökonomisch schwierigen Verhältnissen

Im Fritz-Heßler-Haus fand die Auftaktveranstaltung statt. Fotos: Carmen Körner

Im Fritz-Henßler-Haus fand die Auftaktveranstaltung zu den Frühen Hilfen statt. Fotos: Carmen Körner

Von Thomas Engel

Bei Zuständigkeiten und AnsprechpartnerInnen für Unterstützungsbedarfe von jungen oder werdenden Familien in einer schwierigen sozialen Lage gab es bislang mitunter Lücken. Das wollen die  Netzwerke der Bundesinitiative Frühe Hilfen perspektivisch ändern. Mit ihnen sollen Entwicklungsstörungen bei Kindern aus benachteiligten Milieus möglichst präventiv verhindert werden. Die Angebote in Dortmund sind nun um ein Online-Portal erweitert worden.

Frühe Hilfen: Ein Netzwerk für multiprofessionelle, psychosoziale Angebote

Soziale Benachteiligung hat viele Facetten. Besonders bedrückend ist es, wenn Kinder von klein auf darunter leiden, finden sie in ihrem Elternhaus keine bedürfnisgerechten Lebensbedingungen vor. In sozioökonomisch benachteiligten Familien aufwachsend, weisen solche Kinder überdurchschnittlich häufig frühkindliche Entwicklungsverzögerungen und Gesundheitsstörungen auf.

Hier setzt die Bundesinitiative Netzwerk Frühe Hilfe an. Entstanden sei die Idee der Frühen Hilfen, so Désirée Frese, von der Landeskoordinierungsstelle Frühe Hilfen (LK Frühe Hilfen) NRW, weil Hilfsinstitutionen für junge Familien immer wieder feststellen mussten: Wir kommen zu spät! Damit ist gemeint: Es haben sich bei kleinen Kindern bereits unerwünschte Verhaltensmuster verfestigt oder es sind vielleicht gar (nahezu) irreversible (physische oder psychische) Schäden entstanden.

Seit dem Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes 2012 formal institutionalisiert, ist das Ziel der Frühen Hilfen, präventive Versorgungsstrukturen für werdende Eltern und Familien mit Kleinkindern auf- und auszubauen, um insbesondere in belastenden Lebenslagen möglichst frühzeitig über ein Netzwerk koordinierte und multiprofessionelle psychosoziale Unterstützung anbieten zu können.

Es gibt Regionen, in denen die Chancen Heranwachsender deutlich ungleich sind

Daniela Schneckenburger ist Dezernentin für Jugend und Familie in Dortmund.

Insbesondere in Regionen, in denen die Chancen Heranwachsender durch soziale Gefälle deutlich ungleich sind, bilden Frühe Hilfen für junge Familien oder solche, die es werden möchten, ein niederschwelliges Hilfsangebot. Daher natürlich auch in Dortmund; und ab jetzt zudem mit einem Online-Portal für Hilfesuchende.

Durch die routinemäßigen Schuleingangsuntersuchungen seitens des Gesundheitsamtes könne festgestellt werden, so Daniela Schneckenburger, Dezernentin für Jugend und Familie, bei der Vorstellung des Online-Portals, dass von den jährlich eingeschulten Kinder in Dortmund 36,6 Prozent eines Einschulungsjahrgangs „in Sozialräumen leben, die eine überdurchschnittlich hohe soziale und gesundheitliche Belastung aufweisen“.

Da ein Zusammenhang zwischen sozialer Lage und gesundheitlicher Entwicklung nicht von der Hand so weisen sei, erläutert Schneckenburger die Konzeption, sei es wichtig, gerade „an schwierigen Gelenkstellen“ rechtzeitig Unterstützung dort zu leisten, wo junge oder werdende Familien – aus welchen Gründen auch immer und auf sich allein gestellt – ihr Leben (oder Teile davon) nicht mehr bewältigen können.

Also etwa, wenn sich viel, fast alles im Familienalltag durch die Geburt eines Kindes ändert. Um den dann Heranwachsenden auch unter schwierigen Umständen durch professionelle, im Netzwerk aufeinander abgestimmte Hilfen bessere Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten bereitzustellen.

Kommunale Präventionskette zur frühzeitigen Unterstützung von Familien

Aber auch jenseits der durch sozioökonomische Benachteiligung gekennzeichneten Lebenslagen gibt es manchmal Bedarf nach Hilfen. Désirée Frese von der LK Frühe Hilfen NRW weist darauf hin, dass es schwierige Situationen im Leben einer jeden jungen Familie geben könne, in denen die Angebote der Frühen Hilfen passende Unterstützungsangebote bereitstellten.

Sie selbst habe in ihrer Elternzeit einmal diese Möglichkeiten in Anspruch genommen, als ihr kleiner Sohn untergewichtig zu sein schien.

Mittlerweile gibt es in allen 186 Jugendamtsbezirken in NRW ein flächendeckendes Angebotsportfolio. Die Landeskoordinierungsstelle begleitet die betreffenden Jugendämter und deren Kooperationspartner beim Aufbau und in der Weiterentwicklung von Netzwerken und Angeboten zur frühzeitigen Unterstützung von werdenden Eltern und Familien mit Kindern von 0 bis 3 Jahren.

Diese stellen dabei den ersten wichtigen Baustein im Rahmen einer kommunalen Präventionskette zur frühzeitigen Unterstützung von Familien mit Kindern bis zu 18 Jahren dar. Solche Präventionsketten werden in NRW derzeit systematisch in 18 Kommunen im Rahmen des Modellvorhabens „Kein Kind zurücklassen – Kommunen in NRW beugen vor!“ der Landesregierung erprobt.

Engagierte BürgerInnen schenken Zeit und können bei Engpässen aushelfen

Die frühen Hilfen in Dortmund gliedern sich in vier Bereiche. In das Netzwerk selbst, in dem Fachkräfte Unterstützung für alle Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren anbieten. Oder dort, wo ihnen die nötigen Kompetenzen fehlen, Hilfesuchende an andere KollegInnen weitervermitteln können.

Zu diesem Netzwerk gehört ebenfalls das nun offiziell freigeschaltete Online-Portal „Frühe Hilfen“. Dort können alle Unterstützungsangebote suchenden Familien in verschiedenen Lebens- und Problemlagen über eine Suchmaschine passende Institutionen, Initiativen, Beratungsmöglichkeiten usw. in ihrer Nähe finden.

Zweitens die aufsuchende Hilfe der Gesundheitsfachkräfte: das sind Familienhebammen und Familiengesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen, welche die Kinder und ihre Eltern zuhause besuchen.

Das Ehrenamt: Engagierte BürgerInnen schenken Familien ihre Zeit und können bei Engpässen aushelfen. Zum Beispiel gehen sie mit den Kindern spazieren, um Eltern die Möglichkeit zu geben, sich einmal mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Viertens schließlich die sozialräumlichen Angebote in jedem Stadtteil wie Krabbel- oder Eltern-Kind-Gruppen.

Weitere Informationen:

  • Online-Portal „Frühe Hilfen“ für Dortmund: hier
  • Bundesinitiative „Frühe Hilfen“ in NRW: hier

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