Weniger Abgase und mehr E-Mobilität: Stadt Dortmund plant millionenschwere Investitionen in den städtischen Fuhrpark

Auch die Stadtspitze setzt auf E-Autos. Doch eigentlich erfüllen sie die Kriterien nicht mehr.
Auch die Stadtspitze setzt auf E-Antrieb. Doch eigentlich erfüllen die Hybrid-BMW der Stadt die E-Kriterien nicht mehr.

Die Stadt Dortmund plant eine große Investitionsoffensive für den städtischen Fuhrpark. Die genutzten Autos sollen in den nächsten vier Jahren weitestgehend auf Elektroantrieb umgestellt werden. Zudem sollen die größeren Nutzfahrzeuge Schritt für Schritt auf moderne bzw. schadstoffärmere Antriebssysteme umgestellt werden – auch die Diesel sollen künftig die EURO6-Norm erfüllen. Ein zweistelliger Millionenbetrag ist dafür vorgesehen.

Die Hybrid-BMW des Verwaltungsvorstandes erfüllen die E-Auto-Kriterien nicht mehr

Ein gutes und richtiges Zeichen. Allerdings erfüllen die meisten Fahrzeuge des Verwaltungsvorstands die eigenen Maßgaben nicht mehr. Die geleasten Hybrid-Fahrzeuge aus der 5er Serie von BMW fahren zwar mit einem E-Kennzeichen. Doch AutobesitzerInnen, die sich ebenfalls für das BMW-Modell entscheiden, erhalten das E-Kennzeichen, welches auch zum Parken an Ladesäulen berechtigt, nicht mehr. 

Der Grund: Seit 1. Januar 2018 gelten strengere Anforderungen. Die rein elektrische Reichweite muss mindestens 40 Kilometer betragen und/oder einen CO2-Ausstoß darf nicht mehr als 50g/Kilometer betragen. Bei beiden Kategorien patzt der BMW. Da die Wagen bereits im Herbst 2017 zugelassen wurden, dürfen die die begehrten E-Kennzeichen behalten. 

Laut Angaben vom Werk soll sich das vielleicht zum Jahresende hin wieder ändern, wenn die neuen Abgasnormen Umsetzung finden werden. Doch das steht jedoch noch nicht fest“, teilt die BMW-Niederlassung auf Anfrage mit. Die Stadt muss sich daher für die Neuanschaffungen Gedanken machen und sich wahrscheinlich für andere Modelle entscheiden. Jedes Jahr werden im Rahmen des Behördenleasing neue Fahrzeuge geordert.

80 Prozent Elektro-Pkw im städtischen Pkw-Fuhrpark – Aufbau weiterer Ladeinfrastruktur

Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind auch weiterhin in der Nordstadt präsent.
Der städtische PKW-Fuhrpark soll zu 80 Prozent auf Elektromobilität umgestellt werden.

Doch dieser „Schönheitsfehler“ ändert natürlich nichts ander Gesamtstrategie. Der städtische Pkw-Fuhrpark innerhalb der nächsten vier Jahre weitestgehend auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Der Verwaltungsvorstand befasste sich mit dem konkreten Stand der Umsetzung. 

Zielmarke ist eine 80 Prozent Elektro-Pkw im städtischen Pkw-Fuhrpark – Aufbau weiterer Ladeinfrastruktur.  Im Rahmen der Umsetzung wird der Anteil der Elektrofahrzeuge, der bereits heute rund 25 Prozent (23 von 91 Fahrzeugen) beträgt, auf rund 80 Prozent, also 73 Fahrzeuge, erhöht. 

Das vom stadteigenen Mobilitätszentrum entwickelte Konzept sieht damit nicht nur die Integration von rund 50 Elektrofahrzeugen in die Flotte als Ersatz für Verbrenner-Fahrzeuge, sondern auch den Aufbau der entsprechenden Ladeinfrastruktur zum Betrieb der E-Fahrzeuge vor. Ziel dieser Umstellung ist es, den Ausstoß der städtischen PKW-Flotte an CO2 und schädlichen Luftschadstoffen deutlich zu reduzieren.

Smart City Dortmund: Förderung von 550 Ladepunkten in Aussicht 

Bereits Ende Mai hatte der Verwaltungsvorstand die Dortmunder Beteiligung am Förderaufruf „Errichtung von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zur Kenntnis beschlossen. Damit könnte ein massiver Ausbau der Ladeinfratstruktur einher gehen. 

Die Zahl der Ladestationen in Dortmund soll durch einen Förderaufruf massiv erhöht werden. Foto: Gerd Wüsthoff

Seit 2009 wurden gemeinsam mit Unternehmenspartnern bereits über 180 Ladepunkte im Stadtgebiet im öffentlichen und halböffentlichen Raum aufgebaut. Nun soll die Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut werden.

Gemeinsam mit den Städten Schwerte und Iserlohn sowie mehreren Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft stellt die Stadt Dortmund einen Projektantrag im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft 2017 bis 2020“. Ist der Projektantrag erfolgreich, können für das Gesamtkonsortium fast sechs Millionen Euro Fördermittel eingeworben werden. 

Mindestens 750 neue Ladepunkte sollen aufgebaut werden, rund 550 davon in Dortmund. Insbesondere Privatpersonen, die keine Lademöglichkeit auf dem eigenen Grundstück haben, und Dienstwagen, Flotten und Fuhrparks können hieraus einen Nutzen ziehen. Klares Ziel ist die Wiedererreichung der zulässigen Stickoxidwerte in den Kommunen und somit die Verbesserung der Luftqualität für deren BewohnerInnen.

Beschleunigte Erneuerung der leichten und schweren Nutzfahrzeuge  

Darüber hinaus hat der Rat der Stadt Dortmund in seiner Sitzung am 17. Mai 2018 zwei sofortige Investitionsmaßnahmen im Segment der leichten und schweren Nutzfahrzeuge zur nachhaltigen Reduktion des Schadstoffausstoßes beschlossen.

Bei den beiden nachstehend beschriebenen Maßnahmen handelt es sich nicht nur um eine sukzessive Verjüngung der Flotte der Nutzfahrzeuge, vielmehr handelt es sich nach Aussagen der Stadtspitze unter wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten um ein nachhaltiges Fuhrpark-Konzept. 

Durch die kontinuierliche Ersatzbeschaffung werden fortlaufend Fahrzeuge mit einem hohen CO2– und Schadstoffausstoß durch deutlich umweltfreundlichere Fahrzeuge ersetzt.

220 leichte städtische Nutzfahrzeuge sind im Einsatz – Erneuerung bis 2022

Der bereits durch das städtische Mobilitätszentrum 2017 angestoßene Prozess zur kontinuierlichen Erneuerung der rund 220 städtischen leichten Nutzfahrzeuge (zulässiges Gesamtgewicht um 2,8 – 3,5 Tonnen) wird im Hinblick auf heute bereits verfügbare verbesserte Antriebstechnologien und Reduktion des Schadstoffausstoßes durch die sofortige Verdopplung der jährlichen Investitionen erheblich beschleunigt. 

Damit wird die schadstofftechnische Erneuerung der Flotte in diesem Fahrzeugsegment nicht erst 2027, sondern bereits in 2022 abgeschlossen sein. Die Erhöhung der Investitionen ist auf vier Jahre angelegt.

56 schwere Nutzfahrzeuge im Einsatz – 17 besonders dreckige werden ausgetauscht

Moderne Fahrzeug- und Lagerhallen für 30 Lkw und 16 Arbeitsmaschinen wurden in Wambel gebaut.
Die schweren Nutzfahrzeuge von Stadt und Stadttöchtern werden schrittweise ausgetauscht.

Innerhalb der Stadtverwaltung sind derzeit 56 schwere Nutzfahrzeuge (zulässiges Gesamtgewicht ab 5,9 Tonnen) im Einsatz. Diese Fahrzeuge weisen ein Durchschnittsalter von 10,4 Jahren auf. Weiterhin verfügen 17 der 56 Fahrzeuge lediglich über veraltete Abgasstandards und damit über einen verhältnismäßig hohen Schadstoffausstoß.

Mit Blick auf die aktuellen Diskussionen über den Ausstoß von Luftschadstoffen sollen zur Verringerung des Ausstoßes die zuvor genannten 17 besonders dreckigen Nutzfahrzeuge im Rahmen einer Sofortmaßnahme umgehend – also bereits in 2018 – neu beschafft werden. 

Die Lieferung der neuen Fahrzeuge wird voraussichtlich Anfang 2019 erfolgen. Im Anschluss an diese Sofortmaßnahme soll eine weitergehende kontinuierliche Erneuerung der schweren Nutzfahrzeuge erfolgen.

Rahmenvertrag über zunächst 30 E-Fahrzeuge sowie 30 schwere Nutzfahrzeuge

Der Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften soll zur Umsetzung der Konzepte über einen Rahmenvertrag über zunächst 30 Elektrofahrzeuge sowie einen Rahmenvertrag über 30 (schwere) Nutzfahrzeuge entscheiden.

Der Verwaltungsvorstand erhofft sich dadurch einerseits eine höhere Flexibilität der Fahrzeuge hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten innerhalb der Stadtverwaltung durch einheitliche Standards und will gleichzeitig von besseren wirtschaftlichen Konditionen durch die Rahmenverträge profitieren.

Für die Beschaffung von leichten Nutzfahrzeugen wird bereits ein Rahmenvertrag mit noch freien Kontingenten vorgehalten.

Umfangreiche technische Modernisierungen bei der Dortmunder Feuerwehr 

Bei der Feuerwehr sollen elf Drehleitern, ein Teleskopmast und sechs Löschfahrzeuge ersetzt werden.

Das sind nicht die einzigen Investitionen, die der Verwaltungsvorstand der Stadt Dortmund plant. Auch für die Beschaffung neuer Löschfahrzeuge und neuer Drehleiterfahrzeuge für die Feuerwehr Dortmund gab die Stadtspitze grünes Licht.

Die Löschfahrzeuge werden zur Brandbekämpfung und Hilfeleistung sowie bei technischen Hilfeleistungen eingesetzt. Es sollen insgesamt sechs Löschfahrzeuge ersatzweise beschafft werden, die dann bei der Freiwilligen Feuerwehr Dortmund in Dienst gehen. 

Die Drehleiterfahrzeuge sowie Teleskopmasten – sogenannte Hub-Rettungsgeräte – werden zur Menschenrettung, Brandbekämpfung und Hilfeleistung sowie zur technischen Hilfeleistung eingesetzt. Bei der Feuerwehr Dortmund werden die vorhandenen elf Drehleitern und ein kleiner Teleskopmast vorrangig für besondere Aufgaben und Einsatzlagen, beispielsweise zur Rettung von Menschen und Tieren aus höher und tiefer liegenden Ebenen, zur Brandbekämpfung und Hilfeleistung beispielsweise bei Sturmeinsätzen genutzt.

Fahrzeuge entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik – Umrüstung unwirtschaftlich

Die vorhandenen Fahrzeuge entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand der Technik und eine Umrüstung, beziehungsweise Reparatur, ist nicht mehr wirtschaftlich. Aus diesem Grund ist eine Ersatzbeschaffung unausweichlich. 

Im Falle der Löschfahrzeuge wird der Ausschuss für Bürgerdienste, öffentliche Ordnung, Anregungen und Beschwerden in seiner Sitzung am Dienstag, 10. Juli über die nächsten Schritte entscheiden. Stimmt er der Vorlage zu, können die Ausschreibungen erfolgen und die Löschfahrzeuge beschafft werden. 

Im Falle der Drehleitern soll nach erfolgtem Gremienlauf und Empfehlungen der Fachausschüsse im Weiteren der Rat der Stadt Dortmund in seiner Sitzung am Donnerstag, 12. Juli, über die nächsten Schritte entscheiden. Stimmt er der Vorlage zu, können die Ausschreibungen erfolgen und die Drehleitern beschafft werden.

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