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Virtuelles Holocaust-Gedenken: Film erinnert an erste große Deportation aus Dortmund – Ausstellung im DFB-Museum

mehr als eine Million Menschen wurden von den nazis allein in Auschwitz-Birkenau ermordet.

Mehr als eine Million Menschen wurden von den Nazis allein in Auschwitz-Birkenau ermordet. Aufgrund der aktuellen Situation verlagert sich das diesjährige Gedenken größtenteils ins Internet. Foto: Alex Völkel /Archiv

Der 27. Januar ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Was im Normalfall mit einer großen zentralen Veranstaltung durch die Stadt Dortmund gewürdigt wird, muss pandemiebedingt in diesem Jahr etwas anders gestaltet werden. Es werden zwar Kranzniederlegungen in verschiedenen Stadtteilen durch Vertreter*innen der Stadtgesellschaft an diversen Orten der Erinnerung in Dortmund vorgenommen – aber zumeist ohne Gäste und Publikum. Um dem wichtigen Termin zur Aufarbeitung und Erinnerung dennoch gerecht zu werden, verlagert sich das Gedenkgeschehen an diesem Tag in den digitalen Raum. 

An die nach wie vor mörderische Präsenz des Antisemitismus erinnern – Film statt Präsenzveranstaltung

Der 27. Januar 1945 ist der Tag der Befreiung von Auschwitz. Pandemiebedingt kann das zentrale Gedenken der Stadt Dortmund in diesem Jahr nicht wie gewohnt ablaufen – geplant war eine Veranstaltung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, in dem parallel die Ausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ hätte eröffnen sollen. Die Ausstellung wurde verschoben, da das Museum coronabedingt geschlossen ist.

Um ein Gedenken dennoch zu ermöglichen, hat sich der Vorbereitungskreis entschlossen, einen Film zu produzieren. Gedreht wurde er im ehemaligen Dortmunder Polizeigefängnis, der heutigen Gedenkstätte Steinwache. In unmittelbarer Nähe der Steinwache nahmen vor genau 79 Jahren Deportationen der jüdischen Bevölkerung aus Dortmund ihren Anfang.

Sammlung der zu Deportierenden auf dem Eintracht-Sportplatz, heute Ruhrallee. Foto: Stadtarchiv Dortmund

Sammlung der zu Deportierenden auf dem Eintracht-Sportplatz, heute Ruhrallee. Foto: Stadtarchiv Dortmund

Der Film startet mit Grußworten von Oberbürgermeister Thomas Westphal und Pfarrer Ralf Lange-Sonntag von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Anschließend liest die Schauspielerin Tirzah Haase Passagen aus dem Bericht von Jeanette Wolff über die erste große Deportation aus Dortmund am 27. Januar 1942. Jeanette Wolff wurde von den Nationalsozialisten politisch verfolgt und war nach dem Krieg u.a. Mitbegründerin der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Außerdem ist in dem Film Dr. Felix Klein zu hören. Der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus spricht über die Aktualität des Themas und vertritt die These, dass das Gedenken an den Holocaust und seine Opfer nicht in der Vergangenheit stehen bleiben darf, sondern an die nach wie vor mörderische Präsenz des Antisemitismus erinnern muss. Der Film ist ab morgen (27. Januar) online abrufbar. Der Link finden Sie im Anhang des Artikels.

Deutsches Fußballmuseum zeigt zum Holocaust-Gedenktag neue Wanderausstellung im Digitalformat 

Das Deutsche Fußballmuseum zeigt zum internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust am Mittwoch Auszüge seiner neuen Wanderausstellung „Im Abseits. Jüdische Schicksale im deutschen Fußball“ als Digitalformat auf seiner Website fussballmuseum.de. Vorgestellt werden die Lebensgeschichten von elf jüdischen Fußballspielern, die in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur Opfer des NS-Terrors wurden und nach dem Holocaust in Vergessenheit gerieten.

Das Meistertrikot von Max Girgulski aus dem Jahr 1936 ist im DFM zu sehen. Seine Geschichte ist Teil der digitalen Ausstellung zum Holocaust-Gedenktag.

Mit der Wanderausstellung startet das Deutsche Fußballmuseum seinen Themenschwerpunkt zum jüdischen Fußball im Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Die digitale Ausstellungseröffnung wird von dem Online-Vortrag „Antisemitismus im Fußball“ von Micha Neumann am Donnerstag, den 28. Januar, flankiert. Beginn der digitalen Veranstaltung, die in Kooperation mit der LAG Fanprojekte NRW und der Initiative „!Nie wieder. 17. Erinnerungstag im deutschen Fußball“ stattfindet, ist um 19 Uhr.

„Am Holocaust-Gedenktag wird Corona das geschlossene Deutsche Fußballmuseum nicht zum Schweigen bringen. Wie schon in den vergangenen Jahren werden wir an die Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes erinnern. Doch Erinnerung ist nichts für Gedenktage allein. Erinnerung ist jeden Tag“, betont Museumsdirektor Manuel Neukirchner.

„Daher bildet unsere neue Wanderausstellung auch nur den Anfang für eine ganze Reihe von Beiträgen und Veranstaltungen zum Thema Fußball und Antisemitismus in diesem Jahr. Wir wollen ebenso die noch viel zu wenig beachtete Pionierleistung jüdischer Fußballspieler und Funktionäre zu Beginn des 20. Jahrhunderts herausstellen. Diese Zusammenhänge in inhaltlichen Formaten aufzuarbeiten, ist längst überfällig“, so Neukirchner.

Nach dem Ende der allgemeinen Corona-Beschränkungen wird die Wanderausstellung „Im Abseits. Jüdische Schicksale im deutschen Fußball“ mit begleitenden Beiträgen und Inhalten landesweit in Schulen und Bildungseinrichtungen zu sehen und ebenso Bestandteil des Bildungsprogramms im Deutschen Fußballmuseum sein.

Dezentrale Kranzniederlegungen und Gedenkaktionen zumeist ohne Gäste 

An verschiedenen dezentralen Orten wird es heute Kranzniederlegungen und Gedenkaktionen geben, die aber zumeist ohne Gäste auskommen müssen. So wird beispielsweise die Bezirksvertretung Innenstadt-West der Opfer des Holocaust mit einer Kranzniederlegung am Jüdischen Mahnmal in Dorstfeld gedenken. Auf die öffentliche Feier muss jedoch leider – wie schon am 9. November – aus Infektionsschutzgründen verzichtet werden.

Nur das „Bündnis Dortmund gegen Rechts“ lädt zu einer Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung zum Gedenkstein  an der Ecke Weißenburger/ Gronaustraße. Hier wurden 150 Sinti vom ehemaligen Ostbahnhof nach Auschwitz deportiert. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr mit Reden, Musik und dem Niederlegen eines Gestecks – in Zeiten von Corona nicht nur mit Anstand, sondern auch Abstand.

Weitere Informationen:

Hier geht’s zum Film der Stadt Dortmund: www.dortmund.de/holocaustgedenktag

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2 Gedanken über “Virtuelles Holocaust-Gedenken: Film erinnert an erste große Deportation aus Dortmund – Ausstellung im DFB-Museum

  1. Ula Richter

    Bündnis Dortmund gegen Rechts lädt zum Gedenken an die Opfer des Naziregimes anlässlich des Erinnerns an die Befreiung von Ausschwitz durch die Rote Armee am 27.Januar 1945 am Mittwoch, den 27. Januar 2021

    Treffpunkt ist der Gedenkstein für 150 Sinti, die hier vom ehemaligen Ostbahnhof nach Auschwitz deportiert wurden. Der Gedenkstein liegt an der Ecke Weißenburger/ Gronaustraße. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr – kurze Reden, Musik und Niederlegen eines Gestecks.

    Bündnis Dortmund gegen Rechts: Erklärung zum Holocaust-Gedenktag 2021

    27. Januar 1945
    Die Befreiung des KZ und Vernichtungslager Auschwitz/Birkenau durch die Rote Armee

    Bei ihrem Eintreffen in Auschwitz fanden die sowjetischen Soldaten 7600 Überlebende und 650 Leichen, sowie 843.000 Herrenmäntel, 877.000 Frauenmäntel und Kleider und 7,7 Tonnen menschliches Haar. Kurz vor dem Eintreffen der Roten Armee hatten die Nazi-Mörder die Vernichtungslager gesprengt und über 50.000 Überlebende auf die Todesmärsche getrieben, die nur wenige überlebten.

    Über eine Million Menschen wurde hier fabrikmäßig gemordet. Die größte Opfergruppe waren die europäischen Juden, aber auch Sinti und Roma, Menschen aus slawischen Ländern, russische Kriegsgefangene, Widerstandskämpfer*innen, alle die nicht in das rassistische Weltbild der Faschisten passten. Das Giftgas Zyklon B wurde zuerst 1941 an sowjetischen Gefangenen getestet, bevor es ab 1942 zum Massenmord benutzt wurde.

    „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“
    „ Die Geschichte berichtet von keinem Verbrechen, das jemals gegen so viele Opfer gerichtet und mit so viel berechneter Grausamkeit begangen wurde“, so der Chefankläger der Nürnberger Prozesse. Neben dem Vergiften wurde erschlagen, erschossen, durch medizinische Experimente, durch Hunger und Kälte getötet.

    Tod durch Arbeit
    Großkonzerne betrieben 47 Nebenlager, in denen die halb verhungerten Häftlinge zur Schwerst-arbeit gezwungen wurden. Die Lebenserwartung in den Arbeitslagern betrug drei Monate.

    Sieg über den Faschismus
    Die Befreiung von Auschwitz war das Signal für die Befreiung Deutschlands, Europas, der ganzen Welt von der Bestie des Hitlerfaschismus. Auf der Brücke von Torgau gaben sich Rotarmisten und die von Westen kommenden US-Soldaten am 25. April 1945 die Hände. Der Sieg war zum Greifen nah.„Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ war am 8. Mai die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft.

    Aus der Geschichte nichts gelernt?
    Heute wird weltweit aufgerüstet und obwohl der Vertrag zum Verbot von Atomwaffen steht, wird deren Einsatz nicht ausgeschlossen. Die “westliche Wertegemeinschaft“ führt Krieg gegen arme, aber an Rohstoffen reiche Länder des Südens und ist mit NATO-Truppen an Russlands Grenzen aktiv. Der alte Gegner im Osten wird neben China wieder zum Feindbild aufgebaut. Im Mai steht das nächste Großmanöver vor Russlands Haustür an. Mit 31.000 Soldaten soll der Kriegseinsatz geprobt werden. Deutschland ist mit Soldaten, Waffen und Logistik beteiligt.

    Deutsche Soldaten wieder auf dem Weg nach Osten, wo die deutsche Wehrmacht schrecklichste Verbrechen begangen hat und die Sowjetunion ihren Sieg mit mehr als 27 Millionen Toten bezahlen musste ?

    Die Befreiung von Auschwitz mahnt, dies nie zu vergessen.
    Statt aufzurüsten ist Abrüsten das Gebot der Stunde!
    Frieden mit Russland!

  2. Holocaustgedenkveranstaltung und Zeitzeugengespräch (PM Auslandsgesellschaft.de.e.V.

    Holocaustgedenkveranstaltung und Zeitzeugengespräch

    Mittwoch, 27. Januar 2021
    Holocaustgedenkveranstaltung

    https://www.dortmund.de/holocaustgedenktag

    Erstmals seit Beginn kann die zentrale Holocaustgedenkveranstaltung in Dortmund am 27. Januar pandemiebedingt nicht in ihrer gewohnten Form stattfinden.Um sie nicht einfach ausfallen zu lassen, haben wir uns entschlossen, als Ersatz einen Film zu produzieren, um so trotzdem ein situationsgerechtes Gedenken zu ermöglichen. Mit dem ehemaligen Dortmunder Polizeigefängnis, der heutigen Gedenkstätte Steinwache, haben wir einen Ort gewählt, in dessen unmittelbarer Nähe einige der Deportationen der jüdischen Bevölkerung der Stadt ihren Anfang nahmen – unter anderem vor genau 79 Jahren.

    Grußworte:
    Oberbürgermeister Thomas Westphal
    Pfarrer Ralf Lange-Sonntag, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit

    Tirzah Haase liest Passagen aus dem Bericht Jeanette Wolffs über die erste große Deportation aus Dortmund am 27. Januar 1942.

    Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, spricht über die Aktualität des Themas.

    Donnerstag, 28. Januar 2021, 18:00 Uhr
    Zeitzeugengespräch mit Sally Perell

    Veranstaltungslink
    Mit seiner verfilmten Autobiographie „Ich war Hitlerjunge Salomon“ hatte Sally Perel in den frühen 1990er Jahren internationale Bekanntheit erlangt. Er entkam dem Holocaust in der Uniform der Nazis und überlebte als Hitlerjunge Jupp Perjell.

    Auf eindringliche Weise berichtet Sally Perel in seinem Buch von den aberwitzigen Erlebnissen und der inneren Zerrissenheit dieses Doppellebens, das ihn sowohl in die Rolle des Opfers wie in die des Täters zwang. Das Buch von Sally Perel ist ein Plädoyer für das Recht des Menschen auf Leben – jenseits aller Ideologien und Glaubensformen.

    Sally Perel wird am 21. April 1925 im niedersächsischen Peine geboren. Seine Eltern sind fromme Juden, die 1935 zunächst nach Polen flüchten. Sally flieht weiter in die Sowjetunion bis nach Minsk, wo er 1941 deutschen Truppen in die Hände fällt. Er gibt sich als Volksdeutscher aus und wird nach einem Jahr bei der deutschen Wehrmacht an der Ostfront in eine HJ-Schule nach Braunschweig gebracht, wo er bis zum Kriegsende bleibt.

    1948 wandert Perel nach Israel aus und baut sich dort eine neue Existenz auf. Mehr als vier Jahrzehnte nach seiner Rettung bei Kriegsende schildert er seine Erlebnisse als „jüdischer Hitlerjunge“ in der Autobiographie „Ich war Hitlerjunge Salomon“. Sally Perel lebt in Israel.

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