
Auf Social Media wirken sie oft wie aus einer heilen Welt: „Tradwives“ zeigen Bilder von Familie, Haushalt und einem scheinbar einfachen Leben. Der Begriff steht für „traditional wives“, also Frauen, die sich bewusst an einem traditionellen Rollenbild orientieren. Doch hinter den schönen Bildern steckt mehr als nur ein neuer Internettrend – das Phänomen #Tradwife wirft handfeste gesellschaftliche und politische Fragen auf. Welche Vorstellungen von Familie und Geschlechterrollen vermitteln die Beiträge? Welche Sehnsüchte sprechen sie an? Und welche Folgen kann ein solches Rollenbild für Gleichstellung und Selbstbestimmung haben?
Zwischen Familienidyll und gesellschaftlicher Realität
Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Soziologin Viktoria Rösch in ihrem Vortrag am Mittwoch, 2. September, von 18 bis 20 Uhr im Rathaus am Friedensplatz, Saal Westfalia. Die Teilnahme ist kostenlos.
Tradwives stellen traditionelle Rollen gerne als bewusste, selbstbestimmte Entscheidung dar: Der Mann sorgt für das Einkommen, während die Frau sich um Haushalt, Kinder und Familie kümmert. In sozialen Medien verbinden sie dieses Bild häufig mit aufwendig gestalteten Fotos und Videos – so entsteht der Eindruck eines harmonischen, sorgenfreien Lebens.
Fragen nach finanzieller Abhängigkeit oder nach der Verteilung von Arbeit innerhalb der Familie treten dabei leicht in den Hintergrund, wie die Referentin herausarbeitet. Wer dauerhaft den größeren Teil der Hausarbeit und Kinderbetreuung übernimmt, hat häufig weniger Möglichkeiten für eine eigene berufliche Entwicklung und ein eigenes Einkommen – das kann die persönliche Unabhängigkeit einschränken.
Warum der Trend gesellschaftlich wichtig ist
In ihrem Vortrag arbeitet Viktoria Rösch heraus, dass das Bild der traditionellen Familie nicht nur für eine bestimmte Art zu leben steht. Es taucht auch in antifeministischen und rechten Erzählungen auf, wo es häufig als Gegenbild zu Gleichstellung, Vielfalt und unterschiedlichen Formen des Zusammenlebens dient.

Deshalb wirft sie einen genauen Blick auf das Tradwife-Phänomen: Die Beiträge in sozialen Medien greifen demnach auch gesellschaftliche Unsicherheiten und Krisenerfahrungen auf und vermitteln die Vorstellung, ein traditionelles Familienbild könne Orientierung und Sicherheit geben.
Die Veranstaltung fragt deshalb auch danach, welche Bedürfnisse hinter diesen Erzählungen stehen und warum sie gerade in sozialen Medien auf Interesse stoßen. Die Soziologin Viktoria Rösch arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt zu Geschlechterverhältnissen und zeitgenössischen extremen Rechten an der Frankfurt University of Applied Sciences.
Gemeinsam über Gleichstellung und Vielfalt sprechen
Der Abend bietet Gelegenheit, den Tradwife-Trend kritisch zu betrachten und besser zu verstehen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Bewertung einzelner persönlicher Lebensentscheidungen, sondern die Frage, welche gesellschaftlichen Vorstellungen sich hinter dem Trend zeigen und welche Wirkung sie entfalten können.
Die Veranstaltung gehört zum Projekt „DEMOKRATIE FÜR ALLE!“. Organisiert wird der Abend gemeinsam mit der Integrationsagentur der AWO UB Dortmund und dem Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund. Gefördert wird die Veranstaltung durch das Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“.
Die Veranstaltung ist kostenfrei. Die Veranstaltenden bitten um Anmeldung über das Beteiligungsportal: beteiligung.nrw.de/portal/dortmund/beteiligung/themen/1026816

