I-Index misst die Präsenz der Inflation in den Medien

Team der TU Dortmund erforscht die Inflationsberichterstattung per Algorithmus

Der Inflationswahrnehmungsindikator (IPI), kurz I-Index, misst die mediale Präsenz der Inflation und liefert neue Einblicke, wie die Inflation in der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Foto: Depositphotos.com

Das Dortmund Center for data-based Media Analysis (DoCMA) hat anhand von Millionen Zeitungsartikeln einen Inflations-Index entwickelt, dessen Auswertungen ab sofort regelmäßig im Handelsblatt erscheinen. Dabei erfasst ein Algorithmus, wie präsent das Thema Inflation in der Wirtschaftsberichtserstattung ist. Der I-Index kann so als Frühwarnsystem für Inflation dienen.

Wie wird die Inflation in der Öffentlichkeit wahrgenommen?

Die Inflation ist zurück in Deutschland – vor allem in der deutschen Medienberichterstattung. Nach mehreren Jahrzehnten moderater, niedriger und zeitweise negativer Teuerungsraten scheinen die aktuellen Inflationszahlen jenseits der fünf Prozent sowohl Ökonom:innen wie Journalist:innen in Aufruhr zu versetzen.

Ähnlich der Preisdynamik selbst steigt die mediale Prominenz der Inflation in einem lange nicht mehr beobachteten Maß. Die Wissenschaftler:innen des DoCMA haben nun in monatelanger Arbeit einen Index entwickelt, der mithilfe von IT-gestützten Verfahren Kommunikationswissenschaften und Ökonomik zusammenbringt.

Der Inflationswahrnehmungsindikator (IPI), kurz I-Index, misst die mediale Präsenz der Inflation und liefert neue Einblicke, wie die Inflation in der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Die Ergebnisse sind nun in einem Working Paper veröffentlicht worden.

Rückschlüsse auf kausale Zusammenhänge der Berichterstattung möglich

Projektleiter Prof. Henrik Müller ist Professor für Wirtschaftspolitischen Journalismus an der TU Dortmund. Foto: Felix Schmale für die TU Dortmund

Mithilfe eines dynamischen Topic-Modelling-Verfahrens isoliert das Forschungsteam um Projektleiter Prof. Hendrik Müller vom Institut für Journalistik der TU Dortmund die in den Medien kursierenden Inflationsnarrative und zeichnet ihre Aufmerksamkeitszyklen über die Zeit nach.

Dabei wird nicht nur nach dem Begriff „Inflation“ gesucht: Die Algorithmen können nach verwandten Begriffen suchen, Verknüpfungen herstellen und bilden Cluster, die die Erzählungen über die Teuerung bestimmen können. Die Ergebnisse erlauben so Rückschlüsse auf kausale Zusammenhänge der Berichterstattung.

Beispielsweise zeigt der I-Index, wie zum Ende des Untersuchungszeitraumes die Rohstoffpreise ganz oben auf die Inflations-Agenda rutschen – ausgelöst durch den russischen Krieg gegen die Ukraine und die darauffolgenden Sanktionen.

I-Index bildet den Durchschnitt der veröffentlichten Meinung ab

Die Analyse basiert auf rund 2,9 Millionen Artikeln, die zwischen Januar 2001 und Februar 2022 in der Süddeutschen Zeitung, der Welt und dem Handelsblatt erschienen sind. „Die ,Süddeutsche‘ steht im wirtschaftspolitischen Diskurs Mitte-links, die ,Welt‘ Mitte-rechts, und das Handelsblatt bildet die spezifische Wirtschaftsberichterstattung ab“, sagt Prof. Henrik Müller.

Der I-Index könne daher den Durchschnitt der veröffentlichten Meinung abbilden. „So entgehen wir der Gefahr, dass die Ergebnisse durch lautstark geäußerte Extrempositionen verfälscht werden, die es beim emotionalen Thema Inflation ohne Zweifel gibt.“

Um fortlaufend messen zu können, wie und in welchem Maße Medien über die Inflation berichten, wird der Indikator regelmäßig aktualisiert. Die Erstberechnung sowie alle künftigen Updates werden voraussichtlich einmal im Quartal im Handelsblatt veröffentlicht. Die Autor:innen hoffen, mithilfe des I-Index für die Ökonomik wichtige Impulse zur Erforschung der Eigendynamik der Inflation zu liefern.

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