24. Bundesfachtagung Bekämpfung der Schwarzarbeit

Tagung bei der HWK Dortmund: „Schwarzarbeit ist eine Gefahr für Wirtschaft und Gesellschaft“

(v.l.): Niklas Dziemba, HWK Dortmund, Marco Kersting, HWK Münster, Marco Kowolik, HWK Dortmund, Enrico Pohl, HWK Dortmund, Henrik Himpe, Stv. Hauptgeschäftsführer HWK Dortmund, Berthold Schröder, Präsident HWK Dortmund, Wolfgang Stein, Stadt Recklinghausen, Yvonne Grathenauer, Landkreis Saalekreis, Lothar Kauch, HWK Dortmund
(v.l.): Niklas Dziemba, HWK Dortmund, Marco Kersting, HWK Münster, Marco Kowolik, HWK Dortmund, Enrico Pohl, HWK Dortmund, Henrik Himpe, Stv. Hauptgeschäftsführer HWK Dortmund, Berthold Schröder, Präsident HWK Dortmund, Wolfgang Stein, Stadt Recklinghausen, Yvonne Grathenauer, Landkreis Saalekreis, Lothar Kauch, HWK Dortmund Foto: HWK Dortmund

Mitarbeitende der kommunalen Ordnungsbehörden und Handwerkskammern trafen sich jetzt in den Räumlichkeiten der Handwerkskammer (HWK) Dortmund zur 24. Bundesfachtagung Bekämpfung der Schwarzarbeit. Motto der zweitägigen Veranstaltung war „Gemeinsam #FürFaireArbeit“. Rund 100 Teilnehmende aus ganz Deutschland folgten der Einladung ins HWK-Bildungszentrum Hansemann nach Dortmund. Vertreterinnen und Vertreter des Landkreises Saalekreis, der Stadt Recklinghausen und der Handwerkskammer Münster organisierten die Fachtagung.

Dem Staat entgehen wichtige Steuereinnahmen in Milliardenhöhe

Persönlich begrüßt wurden die Teilnehmenden von Berthold Schröder, Präsident der HWK Dortmund. In ihrer Videobotschaft machte Mona Neubaur, Stv. Ministerpräsidentin und Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes NRW, deutlich, wie wichtig es ist, dass die für die Bekämpfung von Schwarzarbeit zuständigen Behörden ihren gesetzlichen Aufgaben nachkommen können. Ihr Engagement und die Vernetzung untereinander seien dabei von großer Bedeutung.

„Schwarzarbeit ist eine Gefahr für Wirtschaft und Gesellschaft“, so Henrik Himpe, Stv. Hauptgeschäftsführer der HWK Dortmund. „Wer schwarzarbeitet oder Personen illegal beschäftigt, zahlt keine Sozialabgaben und Steuern. So entgehen dem Staat wichtige Steuereinnahmen in Milliardenhöhe und damit Geld für wichtige Bereiche wie Bildung, Soziales und Gesundheit.“

Das Statistik-Portal Statista prognostiziert für das Jahr 2024 einen Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland in Höhe von rund 481 Milliarden Euro. „Wir müssen Gesetze und Vorschriften konsequent umsetzen, die Zusammenarbeit zwischen den Behörden und Netzwerkpartnern verbessern und die öffentliche Aufklärung über die negativen Auswirkungen von Schwarzarbeit verstärken. Schwarzarbeitsbekämpfung muss bei den Verantwortlichen wieder einen höheren Stellenwert erhalten“, forderte Himpe.

Das Handwerk ist besonders anfällig für Schwarzarbeit

Foto: HWK Dortmund

Das Handwerk ist verhältnismäßig stark von den Auswirkungen illegaler wirtschaftlicher Tätigkeiten, wie unerlaubter Handwerksausübung, Schwarzarbeit und unlauterer Werbung, betroffen. Gleichzeitig ist das Handwerk wichtiger Motor für Wachstum und Wohlstand in Deutschland.

„Daher kommt der Bekämpfung der Schwarzarbeit und dem Schutz der fair arbeitenden Betriebe im Handwerk eine herausragende Bedeutung für unsere Gesellschaft zu. Diese Aufgabe kann nur dann effektiv bewältigt werden, wenn alle Beteiligten eng zusammenarbeiten. Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland bietet wichtige Impulse für faire Arbeit und mehr Chancengleichheit“, verdeutlichte Marco Kowolik, Gruppenleiter für den Bereich Handwerksrecht, Gewerberecht, Wettbewerbsrecht der HWK Dortmund.

In seinem Vortrag stellte der Gruppenleiter das 2021 von der HWK Dortmund ins Leben gerufene Projekt Gemeinsam #FürFaireArbeit vor. Es bündelt eine Vielzahl von Maßnahmen, um Schwarzarbeit im Handwerk effektiv und nachhaltig bekämpfen zu können. Dazu gehören etwa eine umfangreiche Kommunikation, eine Resolution oder Netzwerktreffen und die Unterstützung von Ordnungsbehörden bei Betriebs- und Baustellenkontrollen. „Einige Netzwerkpartner zeigten auf der Bundesfachtagung großes Interesse und möchten sich unserem Projekt anschließen bzw. in ihren Regionen ähnliche Maßnahmen anstoßen.“

Gewerbliche Betätigung von kriminellen Großfamilien ist ein Thema

Rene Land, Servicebereichsleiter Gewerbeangelegenheiten bei der Stadt Cottbus, berichtete über die Erfahrungen mit der gewerblichen Betätigung von kriminellen Großfamilien in seinem Kreis. Diese sind beispielsweise mit der strafbaren Bewerbung von handwerklichen Tätigkeiten wie Sanierungen, Gebäudereinigung oder Dacharbeiten ins Blickfeld der Schwarzarbeitsbekämpfung geraten.

Die Mitglieder dieser Familien seien sehr gut miteinander vernetzt, besäßen keine Gewerbeanmeldung und seien auch nicht in die Handwerksrolle eingetragen. Rene Land setzt auf regelmäßige Kontrollen, persönliche Ansprache und gute Öffentlichkeitsarbeit, um Verbraucher zu schützen.

Marvin Dinges von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Frankfurt am Main e.V. vertiefte das Thema Zivilrechtliche Rechtsverfolgung im Handwerk. Ziele des Selbstkontrollinstituts sind der faire Wettbewerb unter Unternehmen und die Verminderung unlauterer geschäftlicher Handlungen, wie etwa die unerlaubte Handwerksausübung. Die unerlaubte Handwerksausübung sei Schwarzarbeit und läge vor, wenn der Eintrag in die Handwerksrolle fehle. Die Zulassungspflicht im Handwerk sichere Qualität, Unbedenklichkeit und Sicherheit im Handwerk.

Weitere Informationen zum Projekt Gemeinsam gibt es online: #FürFaireArbeit

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Reaktionen

  1. Vorsicht: Gefälschte Meisterbriefe! Handwerkskammer Dortmund warnt vor Urkundenfälschungen (PM)

    Kammerbezirk. Die Handwerkskammer (HWK) Dortmund warnt vor Urkundenfälschungen. „Die Bandbreite reicht von eigenmächtig verbesserten Arbeitszeugnissen über nachgemachte Lehrgangszertifikate bis hin zu gefälschten Gesellen- und Meisterbriefen“, sagt Vivien Gravenstein vom Justiziariats-Team der HWK.

    „Im Verdachtsfall sollte direkt der jeweilige Aussteller des Zeugnisses kontaktiert werden“, empfiehlt die Assessorin. Auch bei der HWK Dortmund seien gerade in den vergangenen Monaten auffällig viele gefälschte Meisterbriefe bei der versuchten Betriebseintragung in die Handwerksrolle eingereicht worden.

    In allen Fällen habe die Handwerkskammer Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft erstattet. Denn: Wer eine unechte Urkunde herstellt, eine echte Urkunde verfälscht oder eine unechte oder verfälschte Urkunde gebraucht, macht sich strafbar und es drohen ernste rechtliche Konsequenzen wie eine Geld- oder sogar Gefängnisstrafe. Außerdem können gefälschte Angaben oder Dokumente dazu führen, dass sie von Vertragspartnern angefochten und Verträge damit unwirksam werden. Über die rechtlichen Konsequenzen hinaus birgt eine fehlende Meisterqualifikation auch erhebliche Risiken. Nicht nur das Vertrauen von Kunden oder des Arbeitgebers steht auf dem Spiel. Mangelhafte Handwerksleistungen können sogar Leben gefährden.

    Eindringlich warnt Gravenstein vor Internetportalen wie zum Beispiel berufsdiplom.com oder betrügerischen Webseiten chinesischer Unternehmen, die das kostenpflichtige Erstellen von Zeugnissen anbieten und dafür ohne Genehmigung Logos zum Beispiel auch von Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern verwenden. „Angesichts von Preisen unter zehn Euro für ein Meisterprüfungszeugnis mit täuschend echt aussehendem Siegel und Unterschriften befürchten wir, dass die Zahl gefälschter Zeugnisse in Zukunft noch weiter zunimmt“, so Gravenstein.

    Tipp
    Die Echtheit von Dokumenten kann meist ohne größeren Aufwand überprüft werden, indem der jeweilige Aussteller wie z. B. die Handwerkskammer direkt kontaktiert wird. Darüber hinaus bietet die App „Zeugnischeck“ die Möglichkeit, ein vorgelegtes Meisterprüfungszeugnis oder einen Meisterbrief schnell und einfach auf Echtheit zu überprüfen. Stellt sich heraus, dass es sich um eine Fälschung handelt, sollte die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft übergeben werden.

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