Stadt dreht KOBER den Geldhahn zu – doch die Beratung für Prostituierte geht auf Landesebene weiter

Ravensberger Straße, ehemaliger Straßenstrich hinter Hornbach
Verlassen: Seit Mai 2011 ist der Straßenstrich auf der Ravensburger Straße in der Nordstadt geschlossen – die Beratungsstelle von Kober verwaist. Foto: Klaus Hartmann

Einschneidende Veränderungen erlebt die KOmmunikations- und BERatungsstelle für Prostituierte (KOBER) in der Nordstadt: Die vom Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Dortmund getragene Einrichtung in der Nordstraße muss mehr als die Hälfte der Stellen abbauen, nachdem die Stadt ihr zum Jahresende den Geldhahn zudreht.

200.000 Euro für die Prostituiertenarbeit – Stadt spart 58.000 Euro ein

KOmmunikations- und BERatungsstelle für Prostituierte (KOBER
Ein Bild aus früheren Tagen: Das Team vor dem damals neuen Beratungscontainer. Foto: Kober

Die Stadt hat die Prostituiertenarbeit neu ausgeschrieben und will ab 2014 den alleinigen Auftrag im Umfang von 200.000 Euro pro Jahr an die Mitternachtsmission vergeben. Bislang teilten sich die Mitternachtsmission und Kober den Kuchen – die Einrichtung an der Dudenstraße bekam bislang 112.000 Euro, das Team in der Nordstraße 146.000 Euro. Künftig will die Stadt aber ein Angebot aus einer Hand. Eine Kooperation beider Träger kam jedoch nicht zustande.

„Alle Träger konnten sich bewerben”, macht Stadt-Sprecherin Anke Widow deutlich. „Gefragt war ein Konzept aus einem Guss.” Beide Einrichtungen hätten auch ein gemeinsames Konzept vorlegen können. Dazu gab es auch Gespräche mit den beiden bisherigen Trägern – „extern moderiert und begleitet durch das Gesundheitsamt”, verdeutlicht Widow. Doch eine Kooperation kam nicht zustande.

Während die Mitternachtsmission schwerpunktmäßig die Linienstraße mit ihren Bordellen und für bordellähnliche Betriebe zuständig war, hatte sich Kober um den Straßenstrich auf der Ravensberger Straße gekümmert. Doch diesen hatte die Stadt im Mai 2011 schließen lassen. Kober hatte zwar darauf reagiert und die Arbeitsschwerpunkte verändert: Sie machten in der ganzen Nordstadt aussuchende Sozialarbeit: Auf der Straße, aber auch in Clubs und Gaststätten kümmerten sie sich vor allem um bulgarische Frauen.

Kober sieht weiterhin Notwendigkeit für Streetwork

Anders als Stadt und Polizei sieht Elke Rehpöler, Leiterin von Kober, weiterhin eine Notwendigkeit für Streetwork. Denn auch nach der Schließung des Straßenstrichs gebe es weiter Frauen, die in den Straßen der Nordstadt anschaffen gingen. Die Stadt operiere leider weiterhin mit falschen Zahlen: Weder die Zahl von 700 Frauen, die gleichzeitig dort angeschafft haben sollen – damit wurde die Schließung begründet – stimme. „Wir haben dort maximal 100 bis 120 Frauen angetroffen, die zur gleichen Zeit angeschafft haben“, so Rehpöler.

Noch die Aussage, Straßenprostitution sei kein Thema mehr, stimme: Angeblich sollen nur nur noch 20 bis 30 Frauen aus dem Drogenmilieu in der Nordstadt anschaffen. „Seit der Schließung des Straßenstrichs hatten wir aber mit 120 verschiedenen Frauen Kontakt, die weiterhin auf der Straße anschaffen“, berichtet Rehpöler. „Zwei Drittel sind Bulgarinnen, nur ein Drittel drogensüchtige deutsche Frauen.“ Vor allem um die ausländischen Frauen kümmerte sich Kober verstärkt: Die Beratungs- und Hilfsangebote sowie das Kober-Café in der Nordstraße seien gut angenommen worden, berichtet Rehpöler. Ihr Team machte viele Angebote, auch dank ihrer von der Stadt gestellten Sprachmittlerin.

Vielfältige Hilfsangebote für betroffene Frauen

KOmmunikations- und BERatungsstelle für Prostituierte (KOBER
Elke Rehpöler leitet Kober. Foto: Alex Völkel

Die Beraterinnen begleiteten die Frauen zu Behördengängen und zu Ärzten. Denn die Not habe zugenommen. „Die Frauen sind heute kränker und haben mehr Probleme“, weiß die Leiterin. Denn sie müssten nun im Sperrbezirk oder an unsicheren Orten anschaffen. „Das bedeutet unglaublich viel Stress.“ Auch sei es schwieriger, Kunden zu finden. „Daher lassen sie sich auch auf unsicherere Praktiken ein“, weiß Rehpöler. Für die bulgarischen Frauen – viele von ihnen sind Analphabeten – hatten sie grundlegende Sprach- und Hygieneangebote gemacht. Damit wird künftig Schluss sein. „Das können wir dann nicht mehr leisten“, macht Rehpöler deutlich.

Kober konzentriert sich auf Landesprojekt

Zwei Beraterinnenstellen und die Stelle für die Sprachmittlerin werden zukünftig wegfallen. „Unser Team wird auseinandergerissen“, bedauert die Kober-Chefin. Sie hätten gerne mit der Mitternachtsmission kooperiert. Doch das sei nicht gewünscht gewesen. Doch ein Ende der Einrichtung in der Nordstadt bedeutet das Ende der städtischen Föderung nicht: „Wir werden uns auf das Landesprojekt konzentrieren“, verdeutlicht Rehpöler. „Dort haben wir einen guten Stand.“

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