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Rüttelt nicht am Ruhetag! Allianz macht mit Plakataktion in Dortmund auf 1700 Jahre Sonntagsschutz aufmerksam

Dortmunder Arbeitskreis Sonntagsschutz am Westenhellweg – v.l. Benedikt van Acken (KAB), Reiner Kajewski (ver.di), Thomas Renneke (kath. Stadtkirche) u. Pfarrer Friedrich Stiller (Ev. Kirchenkreis. Foto: Stephan Schuetze

Von Gina Thiel

Heute vor 1700 Jahren hat der römische Kaiser Konstantin den Sonntag zum reichsweiten Feiertag erklärt. Das ist er bis heute geblieben. Der Sonntag ist den Deutschen heilig, er ist Familien-, Freizeit- und Ruhetag. Für viele Familien der einzige Tag, an dem alle beisammensitzen können. Damit das in Zukunft auch so bleibt, setzt die „Allianz für den freien Sonntag“ bundesweit heute verschiedene Aktionen um. Mit einer Plakataktion machen die katholische Stadtkirche, der evangelische Kirchenkreis, ver.di und die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) in Dortmund auf das Jubiläum aufmerksam.

Zeitreise ins Jahr 321: Was am 3. März des Jahres zum gesetzlichen Sonntagsschutz führte

Darstellung der Kreuzigung in der Grabeskirche in Jerusalem. Foto: Alex Völkel

Darstellung der Kreuzigung in der Grabeskirche in Jerusalem. Foto: Alex Völkel

Es war der 3. März im Jahr 321 als Kaiser Konstantin einen Erlass verkündete, nach dem an Sonntagen alle Richter, die Stadtbevölkerung und die Betriebe aller Gewerbe ruhen sollten. Ab sofort war die Arbeit an diesem Tag untersagt. Damit würdigte Kaiser Konstantin den höchsten christlichen Feiertag und räumte ihm eine besondere Bedeutung im römischen Reich ein.

Dies tat er nicht nur aus Sympathie gegenüber den Christen, sondern vor allem um seine eigene Macht zu sichern. Nichtsdestotrotz wird bis heute in weiten Teilen Europas und in Deutschland an diesem Sonntagsschutz festgehalten. Muslime heiligen ihren Freitag, die Juden heiligen den Samstag und die Christen ihren Sonntag. Alles lässt sich zurückführen auf die „Entstehungsgeschichte der Welt“.

Der Sonntag ist für viele Christen deshalb ein so wichtiger Tag, weil mit ihm der Grundstein für das Christentum gelegt wurde. Am Sonntag ist Jesus Christus nach dem neuen Testament von Gott erweckt worden und von den Toten auferstanden. Deshalb schreiben Christen diesem Tag eine besondere Bedeutung zu, viele besuchen sonntags den Gottesdienst und huldigen Gott. Auch das Judentum hat seinen Beitrag dazu geleistet, dass der Sonntag für uns heute ein Ruhetag ist.

Jüdische Gemeinde hat einen eigenen Kindergarten - und feiert dort natürlich auch eine Shabbat-Feier.

Shabbat-Feier im Kindergarten der Jüdischen Gemeinde. Foto: Alex Völkel / Archiv

Das geht zurück auf die Schöpfungsgeschichte, an die sowohl die Juden, wie auch die Christen glauben. Sie gab früher die Ordnung der Welt und des Lebens vor und wurde bis heute beibehalten. Laut Schöpfungsgeschichte hat Gott die Welt an sechs Tagen erschaffen und am siebten ruhte er sich aus. Nach diesem Vorbild haben schon die Juden ihre Woche gestaltet.

Für sie ist der Samstag der höchste Tag der Woche. Für 24 Stunden feiern sie den Sabbat und legen ihre Arbeit nieder. Die Christen haben dieses Prinzip später übernommen, legten aber den Sonntag als heiligen Tag der Woche fest, da die Auferstehung Jesus Christus für sie den Beginn einer neuen Zeit markierte und damit auch den Beginn einer neuen Woche.

 „Allianz für den freien Sonntag“ macht sich dafür stark, dass der Sonntag auch weiter besonderen Schutz genießt

Plakataktion zum arbeitsfreien Sonntag der „Allianz für den freien Sonntag“ Foto: Evangelischer Kirchenkreis Dortmund

Bis heute hat der Sonntag für viele Menschen in Deutschland seine Wichtigkeit beibehalten, wenn auch nicht unbedingt aus religiösen Gründen. Das soll auch zukünftig so bleiben. Dafür setzt sich die „Allianz für den freien Sonntag“ ein. Den heutigen Tag nehmen sie zum Anlass und möchten erneut aufmerksam darauf machen, welchen hohen Stellenwert dieser Tag in der Gesellschaft hat und warum er schützenswert bleibt.

„Wir brauchen den Sonntagsschutz mehr denn je, damit die Menschen sich regelmäßig erholen können. Damit sie sich zuverlässig verabreden können, in ihren Familien, mit Freunden und mit Gruppen, die sich gemeinsam für unsere Gesellschaft engagieren. Und damit sie wieder zu sich selber finden können. Am Sonntag können Menschen Dinge tun, die ihnen und anderen guttun“, so Stefan Eirich, Bundespräses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Deutschlands (KAB).

Der ursprüngliche Plan einer Straßenaktion konnte aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation nicht umgesetzt werden. Stattdessen hat man sich für eine symbolische Plakataktion unter dem Motto „Der Sonntag muss SONNTAG bleiben“ entschieden. Auf dem Plakat sind 52 Liegestühle auf dem Westenhellweg aufgestellt. Diese stehen symbolisch für 52 Wochen, also ein volles Jahr ohne Sonntagsöffnungen.

Das Plakat soll im Rahmen der Aktion in Kirchen und Betrieben ausgehängt werden. Es kann per Mail bei der Katholischen Stadtkirche und dem Evangelischen Kirchenkreis, bei der KAB und ver.di bestellt oder auf den Internetseiten  heruntergeladen werden (alle Links finden Sie im Anhang des Artikels). Die „Allianz für den freien Sonntag“ ist sich durchaus bewusst, dass dieses Jahr eine Sondersituation darstellt und für 2021 wieder Sonntagsöffnungen geplant sein werden. Ein Vorschlag über diese verkaufsoffenen Sonnte liegt derzeit dem Rat vor. Widersprüche seitens ver.di, KAB oder der Kirchen gab es dazu bisher nicht.

In Deutschland gibt es strenge Vorgaben für die Verkaufsöffnungen an Sonntagen

Dortmund will sich auch künftig auf drei verkaufsoffene Sonntage beschränken.

Verkaufsoffener Sonntag in Dortmund. Foto: NSB-Archiv

Bisher halten sich die Obergerichte an die angemessenen Anlässe, die nach Artikel 140 des Grundgesetzes erfüllt sein müssen, um eine Sonntagsöffnung durchzusetzen.  Angemessene Anlässe sind unter anderem: Traditionsmärkte und örtliche Kulturveranstaltungen.

Ziel der Dortmunder Aktion ist vor allem: „dass die Anzahl an vier verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr beibehalten und nicht erhöht wird“, sagt Benedikt van Acken von der katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB).

Das ist nicht nur ein wichtiges Ziel für das Jahr 2021, sondern auch für die kommenden. Die „Allianz für den freien Sonntag“ lobt die Arbeit der Obergerichte, die angemessene Gründe für Sonntagsöffnungen streng überwachen und den Sonntag als Ruhetag damit weiterhin schützen.

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