Nordstadtblogger

Projekt „Hochschule vor Ort“ der Dortmunder FH  zeigt mit seiner Ausstellung „12 Frauen“ das Potenzial der Nordstadt

Ausstellung Jobcafe Dortmund von Sabrina Richmann in der Nordstadtgalerie. Fotografin Sabrine Richmann, mitte, weinrotes Sweatshirt, und ihre portraitierten Frauen

Fotografin Sabrine Richmann (mitte, weinrotes Sweatshirt) und ihre portraitierten Frauen bei der Eröffnung der Ausstellung in der Nordstadtgalerie. Foto: Klaus Hartmann

Von Leonie Krzistetzko

„Wir dachten eigentlich es käme anders und wir dachten nicht, dass alle Frauen so viel Potenzial haben“, sagte Stefanie Braunstein. Sie ist die Leiterin des Projektes „Hochschule vor Ort“ in der Dortmunder Nordstadt. Sie sprach hierbei über das aktuelle Fotografie-Projekt „12 Frauen“, das bis nächsten Donnerstag in der Nordstadtgalerie der FH Dortmund zu sehen sein wird.

Die Förderung von Erwachsenen ist dem Projekt „Hochschule vor Ort“ wichtig

Ausstellung Jobcafe Dortmund, Nordstadtgalerie, Mai 2015. Fotos: Sabrina Richmann

Bild aus der Ausstellung Foto: Sabrina Richmann

Hochschulferne Menschen in die Hochschule locken – das ist das Ziel von Hochschule vor Ort.
Doch hierbei müsse der Fokus nicht allein auf die Jugendlichen gelegt werden. „Es gibt viele Erwachsene mit großem Potenzial und vielen Talenten, die ihre Chancen nur nicht sehen oder nicht mit ihnen konfrontiert werden“, so Braunstein.

„Mir war es wichtig, in den Fotos, die Persönlichkeit der Frauen zu erfassen und zu zeigen wie sie sich selber sehen wollen“, sagte Sabrina Richmann. Sie wurde gefragt, die Portraits für die Ausstellung zu machen.

Die zwölf Frauen selber haben die Fotos geschenkt bekommen, und einige von Ihnen wünschen sich auch die großen Ausstellungstücke.

Die Idee zum Projekt entwickelte sich im Rahmen der MAI-Jobcafés

Die Idee eine Ausstellung ist durch die Kooperation mit den MAI-Jobcafés entstanden, die die letzten zwei Jahre wöchentlich vom Dachverband der Migrantenselbstorganisationen (VMDO) veranstaltet und vom Jobcenter gefördert wurden.

MAI ist die Abkürzung für Mobile Aktivierungs- und Integrationsbegleitung von Frauen mit Migrationshintergrund. Im Jobcafé in der Dortmunder Nordstadt konnte sich eine Frauengruppe über berufliche Möglichkeiten beraten lassen und sich gegenseitig austauschen. Im Mai sind dem Format allerdings die Fördermittel ausgelaufen.

Die porträtierten Frauen stammen aus Syrien, der Türkei und aus Russland. Die MAI-Jobcafés seien immer thematisch gewesen, aber in der Nordstadt gab es das Bedürfnis eines internationalen Jobcafés. „Hier treffen sich eben die meisten Nationen“, sagte Richmann. Ziel der Ausstellung sei es auch die Nordstadt anders darzustellen als sie oftmals wahrgenommen wird.

„12 Frauen“ zeigt Schicksale der Teilnehmerinnen

Ausstellung Jobcafe Dortmund, Nordstadtgalerie, Mai 2015. Fotos: Sabrina Richmann

Ausstellung Jobcafe Dortmund, Foto: Sabrina Richmann

An einer Wand der Nordstadtgalerie hängen die Interviews der Frauen. Viele Geschichten ähneln sich stark. Doch ist jede für sich eine andere. Alle Frauen vermissen ihre Heimat, da ihre Familie dort noch lebt.

Sie vermissen ihre Natur und wünschen sich, dass es im Heimatland bald Frieden geben wird. Manche von ihnen sind gerade erst aus Syrien geflohen, manche leben schon 20 Jahre in Deutschland.

Auffällig ist, dass es zwölf Interviews aber nur elf Portraits zu sehen gibt. „Eine Frau wollte sich ungern fotografieren lassen, dennoch hat sie uns ihre Geschichte erzählt. Deshalb ist sie auch ein Teil der Ausstellung“, sagte Richmann.

Die Beteiligten freuen sich über die Offenheit der Teilnehmerinnen.

Die Interviews und die dazugehörigen Fotos für die Ausstellung haben nur einen Tag im Mai gebraucht. Die Frauen seien allesamt sehr offen gewesen und freuten sich über das große Interesse und über jemanden, der ihnen zuhört.

„Anfangs waren alle noch ein wenig angespannt, aber dann öffneten sie sich und es war erstaunlich wie herzlich die Atmosphäre doch war“, sagte Richmann. Die Fotos und Interviews sind alle anonym ausgestellt, um die Privatsphäre der Frauen nicht zu gefährden. Das Zusammensein mit Frauen in ähnlichen Situationen habe den Beteiligten sehr stark geholfen.

Das Projekt ermöglicht den Austausch von Erfahrungen

Ausstellung Jobcafe Dortmund, Nordstadtgalerie, Mai 2015. Fotos: Sabrina Richmann

Ausstellung Jobcafe Dortmund, Foto: Sabrina Richmann

Die Arbeit mit den Frauen war aber nicht nur für die Frauen selbst etwas Besonderes.

„Es war sehr spannend die persönlichen Geschichten der Frauen zu hören. Im Alltag ist es schon schwierig in Kontakt mit den Menschen zu treten. Dafür bietet sich ein solches Projekt sehr gut an“, sagte Richmann.

Berührend seien vor allem ihre Schicksale und Erfahrungen, die die zwölf Frauen in den Interviews erzählt haben. Viele bangen um ihre Verwandtschaft im Heimatland und wünschen sich nichts mehr als Frieden und eine gute Zukunft.

„Es war schon ein eigenartiges Gefühl zu bemerken, dass die Teilnehmerinnen ganz andere aktuelle Probleme haben als ihre berufliche Zukunft“.

Der Zugang zu höherer Bildung sei vielen der Frauen verwehrt
Alle Frauen seien sehr motiviert und begabt. Viele von ihnen haben in ihrem Heimatland sehr gute Abschlüsse erlangt.
Das einzige Problem, das ihnen bei der Verwirklichung im Weg stehe, sei der Zugang zu höherer Bildung und besseren Jobs.

„Es ist schon schockierend zu sehen, dass Frauen in ihrem Heimatland Bauingenieurinnen waren und hier für ihr Geld putzen müssen“, sagte Braunstein.

Es wird neben der Vernissage auch eine Abschlussveranstaltung am kommenden Donnerstag, 08.10. geben, bei der die Frauen noch einmal interviewet werden.

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