Neues Musiklable aus Dortmund: Rondoprinz und Förderturm Records setzen auf Eigeninitiative

Zwischen Streamingdiensten, Konzertalltag und Strukturwandel

Christian Bigos Lebenslauf ist musikalisch geprägt. Finn Tayfun Wieschermann | Nordstadtblogger

Das Album war fertig, die Songs aufgenommen, gemischt und bereit für die Veröffentlichung. Doch die Suche nach einem passenden Label zog sich in die Länge. Viele Telefonate, zahlreiche Anfragen und wenig handfeste Ergebnisse. Ende 2025 entschieden Christian Bigos und Dagmar Kurth deshalb, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Mit Förderturm Records wurde in Dortmund ein eigenes Musiklabel gegründet. Zunächst für die Veröffentlichung des Albums „Gartentagebau“ von Rondoprinz, perspektivisch aber auch als Plattform für weitere kulturelle Projekte.

Aus der Not eine Tugend gemacht: Bedingungen für kleine Artists werden schwieriger

Als Bigos über die Entstehung von Förderturm Records spricht, hört sich das nicht nach einem lange geplanten Geschäftsmodell an. Vielmehr erzählt er von einem Album, das fertig war, aber keinen passenden Veröffentlichungsweg fand.

Dagmar Kurth und Christian Bigos haben in Dortmund mit Förderturm Records ein Musiklable gegründet – der Aufwand ist hoch. Finn Tayfun Wieschermann | Nordstadtblogger

Gemeinsam mit Kurth schrieb er Labels an, führte Gespräche und telefonierte quer durch Deutschland, immer zwischen Hoffnung und erneuter Enttäuschung. „Das hält einen auch gefangen“, beschreibt Bigos diese Zeit rückblickend. Am Ende stand die Erkenntnis, dass die Bedingungen oft nicht zu den eigenen Vorstellungen passten.

Mit Förderturm Records gründeten beide kurzerhand ihr eigenes Label. Damit gingen jedoch viele organisatorische Aufgaben einher. Die Anmeldung, die Vorbereitung von Veröffentlichungen sowie das Schaffen der technischen Voraussetzungen gestalteten sich mitunter als herausfordernd für ein Zwei-PersonenTeam. „Man nimmt erst einmal viel Geld in die Hand, um dann vielleicht ein bisschen davon wiederzubekommen“, beschreibt Kurth die wirtschaftliche Realität kleiner Musikprojekte.

Der Musiker hinter dem Lable

Musik begleitet Bigos seit seiner Jugend, mit 14 Jahren begann er Gitarre zu spielen. Nach dem Zivildienst entschied er sich, Musik an der TU Dortmund zu studieren. An der damaligen musikpädagogischen Ausbildung traf der Folk- und Rockmusiker auf einen stark klassisch geprägten Lehrplan.

Daraus entstand die Idee, ein Rocktutorium zu organisieren. Studierende wurden in Bands eingeteilt, probten gemeinsam und präsentierten ihre Stücke bei Abschlusskonzerten. Aus dem Tutorium entwickelte sich ein fester Bestandteil des studentischen Lebens. „Da kam die halbe Fakultät“, erinnert sich Bigos.

Seit den 90ern steht Bigos auf der Bühne. Ab 2000 veröffentlicht er Musik als Rondoprinz. Dagmar Kurth

Während des Studiums wechselte er in die Sonderpädagogik. Als Lehrer betreute er unter anderem Schulbands sowie Radio- und Hörspielprojekte der Schüler:innen. Die Musik blieb stets ein wichtiger Teil seines Lebens.

Erste musikalischen Erfahrungen sammelte Bigos während der Schulzeit. Da ihm das Spielen von Coversongs nicht ausreichte, begann er früh, eigene Stücke zu komponieren. Mit Gleichgesinnten gründete er später die Band Your Finest Drops.

Eine besondere Erinnerung verbindet er mit einem Konzert in der Kölner Live Music Hall vor über fünftausend Zuschauer:innen, das zweite Konzert der Band! Eigentlich sollte Your Finest Drops vor einigen hundert Menschen auftreten. Durch einen Zufall gelangten sie zuvor jedoch in das Vorprogramm der damals aufstrebenden Irischen Band The Cranberries.

In den 90er Jahren folgten weitere Auftritte sowie ein Plattenvertrag. Später spielte Bigos als Gitarrist gemeinsam mit den Flowerpornoes auf Konzerten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Viele Kontakte aus dieser Zeit bestehen bis heute. Mit Rondoprinz verfolgt Bigos seit dem Jahr 2000 seine eigene musikalische Handschrift. Mehrere Alben sind in dieser Zeit entstanden.

Kulturarbeit im Zeitalter von Streaming und Social Media

Wer heute Musik veröffentlicht, braucht mehr als nur fertige Songs. Für die Veröffentlichung des aktuellen Albums „Gartentagebau“ von Rondoprinz von 2026 mussten technische Kennungen beantragt, Pressearbeit organisiert und Kontakte zu Radiosendern aufgebaut werden. Insgesamt wurden Informationen an mehrere hundert kleine Stationen und Redaktionen verschickt.

Gleichzeitig haben sich die Rahmenbedingungen verändert. Einnahmen über Tonträger sind selten geworden, Streaming bringt für viele unabhängige Projekte nur geringe Erlöse. Umso passender wirkt die Zusammenarbeit mit dem kleinen Berliner Kassettenlabel „Froh & Munter Records“, dass das Album „Gartentagebau“ zusätzlich in einer limitierten Auflage auf Kassette veröffentlicht, ein Format, das gerade bei Liebhaber:innen und Sammler:innen wieder stärker gefragt ist.

Auch Live-Auftritte sind schwieriger zu kalkulieren. „Die Leute neigen dazu, Künstler nur noch auf Hut spielen zu lassen“, erklärt Bigos. Für Bands wird es dadurch oft schwer, kostendeckend zu arbeiten. Das nächste Live Konzert ist für den 12. Juni 2026 im Subrosa in Dortmund geplant.

Das Ruhrgebiet bietet musikalisch mehr als Bergbau-Nostalgie

Der Name Förderturm Records verweist bewusst auf das Ruhrgebiet. Bigos und Kurth stammen beide aus Arbeiterfamilien, die den Strukturwandel ihrer Region über Jahrzehnte miterlebt haben. Diese Erfahrungen fließen indirekt in ihre Arbeit ein, ohne dass klassische Bergbau-Nostalgie im Vordergrund steht.

Ein gutes Beispiel für gelungenen Strukturwandel in Dortmund: der Phoenix-See in Hörde. Foto: Roland Gorecki für die Dortmund-Agentur

Stattdessen geht es um Veränderung, Alltag und Beobachtungen aus dem Leben. Für Bigos liegt der Kern seiner Musik darin, scheinbar kleine Themen in vielschichtige Bilder zu übersetzen. Hinter einfachen Motiven stehen oft Fragen nach Identität und Wandel.

Förderturm Records möchte diese Motive erlebbar machen. Noch steht dabei die Veröffentlichung eigener Musik im Mittelpunkt. Gleichzeitig können sich die beiden vorstellen, künftig auch andere Musiker:innen aus der Region zu unterstützen.

Alles Wichtige im Überblick:

  • Das Album „Gartentagebau“ von Rondoprinz ist im Januar 2026 auf CD, Kassette und allen Streaming-Portalen erschienen
  • Am 12. Juni spielt Rondoprinz live im Subrosa, Gneisenaustraße 56, 44147 Dortmund. Der Eintritt ist frei, Einlass ab 19 Uhr, Beginn ab ca. 20 Uhr
  • Wer noch mehr von Rondoprinz hören möchte, kann in den Dortmunder Musikpodcast Dortmund Unplugged reinhören: https://open.spotify.com/episode/65vFD2Pn6shPYqMfvWiw9G

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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