Ein historischer Sonntagsspaziergang auf der Hohensyburg

Neues Heft der Denkmalpflege kommt mit Tipps und Infos wie ein Reiseführer daher

v.l. Ralf Herbrich (Leiter Untere Denkmalbehörde), Stefan Thabe (Leiter Stadtplanungs- und Bauordnungsamt), Dr. Henriette Brink-Kloke (Autorin) präsentierten das neue Denkmalheft während eines kleinen Presserundgangs. Foto: Angela Seeger für die Stadt Dortmund

Die 12. Ausgabe des Denkmalheftes kommt diesmal wie ein Reiseführer für einen der spannendsten Ausflüge daher und trägt konsequenterweise auch den Titel „Ein Sonntagsspaziergang auf der Hohensyburg“. Ausflügler:innen und Leser:innen erfahren Spannendes und Wissenswertes zu den bekannten Wahrzeichen, aber auch zu den weniger bekannten Orten im Umfeld.

Sonntagsspaziergang über das Bergplateau mit seinen heute noch erlebbaren historischen Spuren

„Ausflugziel und Brückenkopf, Pilger- und Kontrollstation, Sehnsuchts- und Erinnerungsort – der fast 150 Meter hoch über dem Zusammenfluss von Ruhr und Lenne aufragende Geländesporn des Sybergs im Dortmunder Süden bietet Gelegenheit, Vergangenheit und Gegenwart miteinander in Beziehung zu setzen.“

Das Cover des neuen Denkmalheftes.
Das Cover des neuen Denkmalheftes. Grafik: Stadt Dortmund

Das sind die ersten Worte im neuen Heft der Denkmalpflege „Bausteine und Fundstücke“. Aus Sicht des Denkmalschutzes reihen sich an einem der schönsten Punkte Westfalens, der Hohensyburg, außergewöhnlich viele interessante Orte nahe aneinander.

Durch die Erhaltung der unterschiedlichsten Zeitschichten, die sichtbar in Form von Bau- und Bodendenkmalen sind, ist das Bergplateau mit dem Gesamtensemble auch ein Ort von besonderer Strahlkraft, ein Ort von überregionaler Bedeutung.

Die beiden Autorinnen des „Sonntagsspaziergangs“, die ehemalige Stadtarchäologin und Leiterin der Denkmalbehörde, Dr. Henriette Brink-Kloke und die freie Archäologin M.A. Elke Schneider, haben im Laufe ihrer Tätigkeit zahlreiche Ausgrabungen wissenschaftlich betreut, dokumentiert und für Publikationen aufgearbeitet.

Sie skizzieren einen Sonntagsspaziergang über das Bergplateau mit seinen heute noch erlebbaren historischen Spuren. Unterstützt wurden die Autorinnen von Dr. Mathias Schöpel, der seit 2018 aktives Mitglied im Arbeitskreis Dortmund des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. ist. Er beschreibt im Heft-Kapitel „Mit Schlägel und Eisen“ den an der Syburg gelegenen bergbauhistorischen Rundwanderweg.

Die Entstehungsgeschichte des Kaiser-Wilhelm Denkmals

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Syburg. 
Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Syburg. Archivfoto: Roland Gorecki für die Dortmund-Agentur

Das Plateau wird im Heft sehr lebendig vom Beginn mit Wällen und Gräben zur Zeit Karls des Großen bis hin zum „Kaiser-Wilhelm-Denkmal“ beschrieben.

Es zeigt auf wie die Namensgebung entstanden ist und welche Herrscher den Ort nicht nur mit freundlichen Absichten besucht haben. All dies reichhaltig dokumentiert anhand von ablesbaren Zeugnissen.

Wir erfahren in der Geschichte zur Entstehung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, wie alle Bereiche des damaligen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens zusammen agieren mussten, um es an seinem heutigen Ort zu realisieren.

Das heutige Erscheinungsbild des Denkmals ist nicht nur das Ergebnis des Architektenwettbewerbs aus dem Jahre 1892, sondern auch von politischen Einflüssen und Baustilen jeweils zu seiner Zeit geprägt.

Vincketurm als Ehrung des Freiherrn Ludwig von Vincke

Autorin Dr. Henriette Brink-Kloke. Foto: Christian Schön für die Stadt Dortmund

„Am schönsten Punkt Westfalens (…)“ erreicht man den im Jahre 1857 eingeweihten Vincketurm, welcher zu Ehren des ersten Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Ludwig Freiherrn von Vincke, errichtet wurde.

Dieser thront an der höchsten Stelle des Plateaus, auf 244,63 m über dem Meeresspiegel, ergo 150 m über der Ruhr. Das Baudenkmal ist insgesamt 26 m hoch und hat in 24 m Höhe eine Aussichtplattform. Oben angekommen können die Besucher:innen nicht nur den Blick über das gesamte Bergplateau schweifen lassen, sondern auch die Fernsicht über das Ruhrtal hinaus genießen.

Neben der Baubeschreibung zum Vincketurm, wird in diesem Kapitel auch das große Engagement des Freiherrn von Vincke insbesondere in der Entwicklung der Schule aufgezeigt. Er zeichnete auch verantwortlich für den Bau zahlreicher Verkehrswege zu Wasser und Land. Er ließ Sozial- und Pflegeeinrichtungen errichten und galt als gesetzestreuer Vertreter des preußischen Staates mit bürgernahem Charakter.

Die Steinburg der Herren zu Syburg und der Kopfbahnhof der ersten westfälischen Standseilbahn

In einem weiteren Kapitel wird die Ruine der Steinburg der Herren von Syberg vom Beginn im 12. Jahrhundert bis zu seinem heutigen Erscheinungsbild beschrieben. Die heutige Ruine ist in Teilbereichen bis zu zehn Meter hoch und vermittelt ein Bild von ungestalteter Schönheit und schöne Verunstaltung. Anhand der vorhandenen Mauerreste ist die historische Bauform und Ausgestaltung mit Bergfried, Palas, Türmen und Mauer heute noch ablesbar.

Bei ihrem Sonntagsspaziergang kommen die Autorinnen auch am ehemaligen Standort des Kopfbahnhofes der ersten westfälischen Standseilbahn vorbei, diese wurde 1903 feierlich eröffnet. Die Strecke hinauf zur Hohensyburg war damals zweigeteilt. Der erste Abschnitt führte vom Bahnhof Westhofen zur Talstation des Sybergs im regulären Reibungsbetrieb.

Der zweite Abschnitt von hier bis hinauf zur Hohensyburg erfolgte jedoch in einer Seilzugbahn, die zu jener Zeit als technisches Wunderwerk galt. Die Waggons wurden auf Schienen mittels Drahtseil bergauf gezogen und überwanden so den Höhenunterschied von 93 Meter auf einer Strecke von 445 Meter. Die Antriebsstation befand sich im Gebäude der Bergstation.

St. Peter zu Syburg ist eine der ältesten Kirchen Westfalens und birgt viele historische Schätze

Die Kirche St. Peter zu Syburg ist eine der ältesten Kirchen Westfalens. Foto: Ralf Herbrich für die Stadt Dortmund

Am östlichen Rand des Bergplateaus befindet sich die urkundlich erstmals um 776 erwähnte Kirche St. Peter zu Syburg.

Ihr heutiges Erscheinungsbild ist deutlich jünger und das Ergebnis unterschiedlichster Bauphasen, Erweiterungen, Umbauten und Wiederaufbauten nach Zerstörungen, bis hin zur Erweiterung der Ausstattungsstücke.

Die Kirche wird im Denkmalheft genauso ausführlich dokumentiert, wie auch der Kirchhof von St. Peter zu Syburg mit seinen bedeutenden Grabsteinen und ihren Geschichten. Der Friedhof zählt zu den frühesten im Dortmunder Raum. Hier befinden sich nachweislich einige der ältesten Grabsteine Westfalens aus der Zeit Karls des Großen, heute werden sie in der Kirche aufbewahrt.

Die Kirche St. Peter zu Syburg mit Kirchhof ist ein bedeutendes Gesamtkunstwerk und ein herausragendes Zeugnis der Bau-, Geschichts- und Kunstkultur.

Heftreihe macht Denkmalschutz greifbar

Friedhof St. Peter Foto: Angela Seger für die Stadt Dortmund

Die Heftreihe „Bausteine und Fundstücke – Dortmunder Denkmalheft“ macht Expert:innenwissen zugänglich und trägt das Anliegen von Denkmalschutz verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Gleichzeitig sollen die Veröffentlichungen ein Dankeschön sein für das beeindruckende Engagement der vielen interessierten und zahlreich ehrenamtlich historisch aktiven Bürger:innen und Denkmaleigentümer:innen.

Denkmalheft ist gedruckt und online verfügbar

Das Heft wird kostenlos ab sofort von der Denkmalbehörde im Stadtplanungs- und Bauordnungsamt, vom Museum für Kunst und Kulturgeschichte und vom Stadtarchiv ausgegeben – solange der Vorrat reicht.

Bitte informieren Sie sich über Corona bedingte Öffnungszeiten und Zugangsbeschränkungen. Alle älteren Hefte stehen weiterhin zur Verfügung und können – wie auch das neue Heft – ebenfalls auf der Internetseite denkmalbehoerde.dortmund.de heruntergeladen werden.

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Die evangelische Kirche St. Peter zu Syburg mit historischem Kirchhof im Wandel der Zeit

 

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