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Nachruf zum Tode des ehemaligen Direktors des Museums für Naturkunde in Dortmund, Dr. Wolfgang Homann 

Geologe Dr. Wolfgang Homann (Mitte) mit einer Manganknolle. Links: Dr. Karl Lauschke, Vorsitzender des Fördervereins, rechts Museumsleiter Michael Dückershoff.

Geologe Dr. Wolfgang Homann (Mitte) mit einer Manganknolle im Hoesch-Museum. Links von ihm Dr. Karl Lauschke, Vorsitzender des Fördervereins, rechts der ehemalige Museumsleiter Michael Dückershoff. Foto: Archivbild 2016

Nach schwerer Krankheit verstarb der ehemalige Direktor des Museums für Naturkunde, Dr. Heinz Wolfgang Homann, am 22. November im Alter von nur 78 Jahren. Im Namen der Stadt Dortmund, der Kulturbetriebe, der Städtischen Museen und des Teams des Museums für Naturkunde veröffentlicht Kulturdezernent und Stadtdirektor Jörg Stüdemann folgenden Nachruf.

Kulturdezernent Jörg Stüdemann über das bewegte Leben des passionierten Forschers

Die ehemalige Wirkungsstätte von Dr. Homann, das Museum für Naturkunde am Fredenbaum. Foto: Alex Völkel

Am 22. November 2019 verstarb Dr. Wolfgang Homann, ehemaliger Direktor des Museums für Naturkunde, im Alter von 78 Jahren. Dr. Wolfgang Homann studierte Geologie, Paläontologie, Mineralogie und Zoologie an der Technischen Hochschule Darmstadt und in Graz. 

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Er war am Hessischen Landesmuseum in Darmstadt sowie am Senckenberg-Museum in Frankfurt tätig und wirkte beim Aufbau eines Regionalmuseums in Erdbach im Dillkreis mit. Im Anschluss an die Promotion 1970 war er im Geologischen Landesamt NRW tätig.

Am 1. Januar 1973 übernahm er die Leitung des Museums für Naturkunde, das damals noch am heutigen Friedensplatz ansässig war. Mit der Übernahme der Leitung belebte er auch wieder die Einrichtung des Kindermuseums, eine Idee, die 1961 vom damaligen Museumsdirektor Dr. Hermann Scholtz erstmalig in Deutschland verwirklicht wurde.

Homanns größtes Vermächtnis: eine lebensgroße Rekonstruktion eines Iguanodon-Sauriers

Zudem trieb Dr. Homann den Neubau des Naturkundemuseums stark voran. In Zusammenarbeit mit dem Architektenehepaar Gastreich-Moritz entstand am Fredenbaumpark im Dortmunder Norden ein neues Museumsgebäude mit etwa 2.000 qm Ausstellungsfläche, einem Süßwasseraquarium, einer Schauschleiferei und einem Anschauungsbergwerk.

1980 wurde das Museum mit großer Resonanz der Dortmunder Bevölkerung eröffnet. Aus dieser Zeit stammt auch sein größtes Vermächtnis: eine fünf Meter hohe, lebensgroße Rekonstruktion eines Iguanodon-Sauriers, dessen Bau Homann wissenschaftlich begleitete.

Schon kurz vorher, in den Jahren 1975 bis 1978, nahm er umfangreiche Rettungsgrabungen in der Grube Messel vor. Die Grube Messel bei Darmstadt, heute UNESCO-Weltnaturerbe, sollte damals als Mülldeponie genutzt werden. Bei den Grabungen sicherte er Hunderte wertvoller Fossilien, darunter ein vollständiges Urpferd.

Homann war von der Seltenheit und Schönheit von Gold fasziniert

Wolfgang Homann war passionierter Goldsucher. Foto:

Zum 75-jährigen Jubiläum des Museums im Jahr 1987 konnte Dr. Homann zahlreiche neue Exponate einwerben, beispielsweise einen Rosenquarz-Brocken von 9,4 t Gewicht für den Außenbereich des Museums und ein Goldnugget von 1,1 kg Gewicht.

Seine Leidenschaft galt dem Gold; ihn faszinierten dessen Seltenheit und „die Schönheit unter dem Mikroskop“. Über 40 Jahre zog er mit Sieb, Waschrinne und Waschpfanne durch Deutschland und Europa, um in Bächen nach Gold und anderen Mineralien zu suchen. Proben aus bislang mehr als 3.000 Waschstellen hat er genommen und analysiert.

Er hielt Vorträge darüber und nahm auch regelmäßig an Landes-, Europa- und Weltmeisterschaften der Goldschürfer teil. 1982 wurde Dr. Homann außerdem mit der Leitung des neu eröffneten Brauerei-Museums Dortmund betraut. Das Museum wurde in Räumen der Dortmunder Kronen-Brauerei an der Märkischen Straße eingerichtet. 

Umfangreiches Engagement auch im Brauerei-Museum und im Hoesch-Museum

Brauereimuseum in der Steigerstraße

Blick in das Maschinenhaus des Brauerei-Museums.

Dr. Homann hat die Ausstellungskonzeption mit erarbeitet und den ersten Museumsführer verfasst. Es war sein Verdienst, dass schon bald nach der Eröffnung neben der Schausammlung regelmäßig Sonderausstellungen gezeigt werden konnten.

1991 erweiterte er die Schausammlung um die Dauerausstellung „5.000 Jahre Kulturgeschichte des Bieres“. Im folgenden Jahr konnte ein Maschinenpavillon eröffnet werden, der mit Dampf- und Kältemaschine sowie einem Generator das historische Brauerei-Maschinenhaus-Ensemble zeigte, das heute im neuen Brauerei-Museum an der Steigerstraße zu sehen ist.

Obwohl sich Dr. Homann nach dem Verkauf und der Schließung der Kronen-Braustätte 1996 sehr für dessen Fortbestand einsetzte, musste das Museum zum Ende des Jahres 2000 geschlossen werden. Durch die Entwicklung des Kronen-Geländes mit den umfangreichen Abriss- und Neubaumaßnahmen war das Brauerei-Museum in eine isolierte Insellage geraten.

Im Jahr 2000 trat Dr. Homann gesundheitsbedingt frühzeitig in den Ruhestand. Doch auch im Ruhestand blieb er den Dortmunder Museen treu und engagierte sich bis zuletzt im Förderverein „Freunde des Hoesch-Museums e.V.“.

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