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Meilenstein am Hauptbahnhof: Abschluss von Bauarbeiten für neuen Zugang zur Stadtbahn mit Treppe und Aufzug

Interessierte Beobachter an den Gleisen (v.l.): Sylvia Uehlendahl, Ullrich Sierau, Hubert Jung. Foto (4): Thomas Engel

Nun ist es endlich so weit – die mittlere Zugangsanlage auf der Westseite des Hauptbahnhofs ist ab sofort in Betrieb. Von nun an ist eine flüssigere Hauptverknüpfung des Fern- und Nahverkehrs im Verbindungsnetz der Deutschen Bahn mit dem lokalen Nahverkehr möglich. In puncto Barrierefreiheit und optischer Gestaltung ist der Neubau einer Zugangsanlage zur Stadtbahn dem Standard der restlichen Verteilerebene des Bahnhofs um Längen voraus. Selbstverständlich wurde der gerade fertiggestellte Teilabschnitt an der Großbaustelle auch offiziell eingeweiht.

Eine der allerwichtigsten Haltestellen in Dortmund – OB Sierau: „Wir packen jetzt auf jeden Fall an“

Seit nunmehr fünfeinhalb Jahren wurde auf der Baustelle ständig gearbeitet und währenddessen stellte sich immer klarer heraus: das Bauvorhaben würde komplizierter, als zuvor erwartet. Ursprüngliche Planvorhaben für einen Umbau des Dortmunder HBF – wie das UFO-Projekt von der Universität Dortmund, Fakultät Raumplanung, oder das 3DO-Projekt, die einmal realisiert werden sollten – scheiterten.

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Besonders zeitfordernd waren die Herstellung der Wandverkleidungen, Leuchten und der individuelle Zuschnitt jedes einzelnen Bauteils. Die Baumaßnahme sei hinsichtlich Schwierigkeitsgrad ein herausforderndes „Unikat“, so Sylvia Uehlendahl, Leitung Tiefbauamt. Es wurde unter Beibehaltung des normalen Stadtbahn- und DB-Verkehrs gearbeitet, denn man könne den Stadtbahnbetrieb schließlich nicht für einen Tag unterbrechen, so Hubert Jung, Vorstand DSW21.

Des Weiteren stellte eine Schwierigkeit, die die rechtzeitige Fertigstellung des gesamten Umbauprojekts am Hauptbahnhof bedeutend herauszögerte, die zu gewährleistende Zugänglichkeit der Stadtbahngleise dar. Es mussten zu jedem Zeitpunkt jeweils zwei Zu- und Abgänge zu den Bahnsteigen nutzbar sein, was bedeutete: ein gleichzeitig laufender Umbau an verschiedenen Stellen war nur begrenzt möglich. Die Kosten des gesamten Projekts belaufen sich auf rund 41 Millionen Euro – eine Landesförderung über 90 Prozent kam ihm dabei zugute.

Mut für mehr – weitere Umbauarbeiten laufen bereits

Trotzdem versicherte Uehlendahl: „Wie treffen zu jeder Zeit vorbereitende Arbeiten für die Verbindung zwischen Stadtbahntunnel und der sogenannten Nordmall (DB-Anlage).“ Derzeitig laufen Arbeiten für die Wandverkleidung des Tunnels und für den Umbau der südlichen Zugangsanlage.

Vielen Bürger*innen fehle die Transparenz während der Umbau- und Erweiterungsarbeiten, so der OB. Beunruhigend sei gewesen, dass die Fertigstellung der Bauarbeiten eigentlich schon für 2019 terminiert war, die Arbeitsschutzwände jedoch jegliche Einsicht in den Stand der Umbauarbeiten verhindert haben und es keine Möglichkeit gab, mal „hinter die Kulissen zu gucken“. Umso wichtiger sei es, dass „wir jetzt heute und hier sehen: es geht voran“.

„Das vorgesehene Bauende ist nicht vor Ende 2022 angesetzt“, fährt er fort. Die Aussage impliziert, dass das genaue Ansetzen eines Fertigstellungstermins unter vorherrschenden Umständen nicht möglich ist. Eine diplomatische und gleichzeitig unverbindliche Äußerung diesbezüglich, findet Sierau und betont, er wolle keine Versprechungen tätigen, die er nicht einhalten könne. „Nichtsdestotrotz arbeiten wir kontinuierlich an dem Ziel, nah am Ende 2022 fertig zu werden – das ist unser gestecktes Ziel“, so Sylvia Uehlendahl ambitioniert.

Hubert Jung: „Der Charme der Verteilerebene gleicht nunmehr dem eines alten Hallenbads.“

Not the most beautiful: die aktuell zugängliche Verteilerebene in Blickrichtung zum Gleis-Aufgang der DB. Foto: Karsten Wickern

Die überholte 70er-Jahre Aufmachung und Bauweise des Bestandes soll in eine moderne, hellere und kompatiblere verwandelt werden. Hubert Jung, Vorstand DSW21 bezieht Stellung: Der Charme der alten Verteilerebene gliche eher dem eines alten Hallenbads und würde den Ansprüchen an eine stärker fahrgastorientierte Nahverkehrsanbindung – mit Wohlfühlfaktor – nicht gerecht. Zumal die ursprüngliche Konzeption für ein geringeres Fahrgastaufkommen entworfen war. Vor allem sei der erste Schritt in Richtung eines zeitgemäßen Bahnhofs – der einen generellen Wohlfühlstandard erreicht, energetisch effizient ist und Barrierefreiheit für alle Bürger*innen gewährleistet – getan.

Ziele des Projekts sind vorrangig die Modernisierung der Anlage und die Steigerung der Attraktivität durch den Einbau von hellen und freundlichen Gestaltungselementen. So sollen kunstvolle Glassäulen , ausgewählt durch einen Contest mit verschiedenen Künstler*innen, den Bogen über der Verteilerebene spannen. Die Zugangsanlage wird den Vorkehrungen des Brandschutzes gerecht und ist im Hinblick auf Verbesserung energetischer Gesichtspunkte und Effizienz fortschrittlicher.

Der U-Bahnhof wurde dem gestiegenen Fahrgastaufkommen – alle zwei Minuten findet ein Fahrgastwechsel statt – nicht mehr gerecht, dafür sei er nicht konzipiert gewesen, erklärt Ullrich Sierau. In puncto Kapazitätssteigerung und Verbesserung der Aufenthaltsqualität wurden die Bahnsteige um mehr als die Hälfte vergrößert. Der vorherig vier Meter breite Bahnsteig wurde in seiner Breite verdoppelt auf neuneinhalb Meter: „Nun braucht niemand mehr Angst haben, auf den Gleisen zu landen.“

Eine direkte und verbesserte Verbindung zwischen der Fahr- und Verteilerebene sowie zwischen der Stadtbahn und der Anlage der DB sei durch die ergänzende Treppenanlage und die Erweiterung der südlichen Zugänge gewährleistet. Außerdem soll die neu erbaute Aufzuganlage Rollstuhlfahrern, Menschen mit Kinderwagen und Reisenden mit Gepäck ihre Durchreise vereinfachen. Bei der Aufzuganlage handelt es sich um einen „Durchlader“, das heißt das umständliche Rangieren im Rollstuhl ist nicht notwendig. Man kann ganz einfach auf einer Seite einsteigen und auf der anderen Seite den Fahrstuhl verlassen.

 

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Ein Gedanke zu “Meilenstein am Hauptbahnhof: Abschluss von Bauarbeiten für neuen Zugang zur Stadtbahn mit Treppe und Aufzug

  1. Umbau und Erweiterung der Stadtbahnanlage Hauptbahnhof – Fahrtreppe an der südöstlichen Zugangsanlage wird ausgebaut (PM)

    Umbau und Erweiterung der Stadtbahnanlage Hauptbahnhof –
    Fahrtreppe an der südöstlichen Zugangsanlage wird ausgebaut

    Am Mittwoch, den 16. September 2020 wird das Tiefbauamt die alte Fahrtreppe an der südwestlichen Zugangsanlage ausbauen lassen. Sylvia Uehlendahl, Leiterin des Tiefbauamtes erklärt: „Ich freue mich, dass die Arbeiten so gut vorangeschritten sind, dass die Baufirma im Laufe des morgigen Tages die letzten Vorbereitungen für den Ausbau der alten Fahrtreppe abschließen kann. Dann wird – voraussichtlich in den ruhigen Betriebsstunden oder in der Nacht – die alte Fahrtreppe herausgezogen und damit die Grundlage für den weiteren Ausbau geschaffen.“

    Erst nachdem die neue mittlere Zugangsanlage am 21.08.2020 in Betrieb genommen wurde, konnten die Umbauarbeitern auch an der südöstlichen alten Zugangsanlage begonnen werden – denn den Fahrgästen müssen aus Sicherheitsgründen immer zwei Zugangsanlagen zur Verfügung stehen. Beide südlichen Zugangsanlagen werden im Ganzen breiter gestaltet und erhalten jeweils 2 Fahrtreppen und einen neuen Treppenabgang.

    „Dann wird der Bereich durch eine Schutzwand gesichert, damit die Arbeiten ohne Beeinträchtigungen für die Fahrgäste und Nutzer*innen der Fußgängeranlage weiter erfolgen können“ so Sylvia Uehlendahl. Im Anschluss an die Demontage der Fahrtreppe geht es weiter an der nordöstlichen Aufzugsanlage – auch sie wird demontiert.

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