Nordstadtblogger

Lang anhaltender Applaus für die letzte Rede von Ullrich Sierau auf dem Neujahrsempfang als Oberbürgermeister

Der Neujahrsempfang der Stadt Dortmund im Konzerthaus war gut besucht. Fotos: Roland Gorecki

Von Joachim vom Brocke

Soviel lang anhaltenden und starken Beifall hat es bei Neujahrsempfängen im Konzerthaus selten gegeben. Einmal applaudierten die rund 1200 Besucher*innen der letzten Neujahrsansprache von Oberbürgermeister Ullrich Sierau zu einem ganz großen Teil sehr lang anhaltend und wohl vorwiegend zustimmend zu. Denn Sierau, der sich nicht erneut zur Wahl stellt, wird nächstes Jahr nicht mehr in Amt und Würden sein. Im September wird ein neuer Rat, ein neuer OB gewählt. Zum anderen setzten die blendend aufgelegten Dortmunder Philharmoniker unter Leitung von Gabriel Feltz mit der Ouvertüre zu „Candide“ von Leonard Bernstein, „Rhapsodie in Blue“ für Klavier und Orchester von George Gershwin (Solistin am Flügel: Beatrice Berrut) und dem „Bolero“ von Maurice Ravel spannende musikalische Höhepunkte.

Dank den vielen Evakuierungshelfer*innen – allen Prognosen zum Trotz wächst Dortmund

Natürlich stand zu allererst – einen Tag nach der gut verlaufenen Großevakuierung und der gelungenen Entschärfung von zwei Kriegsbomben – ein offizielles herzliches Dankeschön an die vielen hundert Helfer*innen im Mittelpunkt.

Das Bürgermeister-Trio: OB Ullrich Sierau mit Bürgermeisterin Birgit Jörder und Bürgermeister Manfred Sauer.

Im vergangenen Jahr sei  ein „Geist des Aufbruchs, der Veränderung, der Neugestaltung deutlich spürbar“ gewesen, bilanzierte OB Sierau rückblickend: „Der Wandel von der Montanstadt zur Wirtschafts- und Dienstleistungsmetropole ist uns gelungen. Dennoch haben wir unsere Wurzeln bewahrt; die Stärken der Vergangenheit nehmen wir mit in die Zukunft“. Die Stadt sei weiter ein „wichtiger Standort für Innovationen und neue Technologien sowie Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit“.

Dazu zähle die Nutzung alter Industrieflächen und nannte beispielhaft die zweite Feuerbeschichtungsanlage, die ThyssenKrupp auf dem Gelände der Westfalenhütte errichtet. Ebenso der neue Digital-Campus im Hafen, das World of Walas-Projekt auf Phoenix-West sowie „Smart Rhino“, das auf dem ehemaligen HSP-Gelände im Unionviertel entstehen soll. OB Sierau: „Wir aktivieren vergessene Stadträume und schaffen neue Perspektiven durch innovative Ideen“. All dies habe positive Auswirkungen für die Wirtschaft. „Allen skeptischen Prognosen zum Trotz wächst Dortmund“, sagte der Oberbürgermeister. Dies sowohl bei der Bevölkerung als auch auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote liege bei zehn Prozent.

Deutlich gestiegen sei die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die im Mai 2019 bei knapp 247 000 lag. Dortmund festige seinen Standort als „attraktiver  Wirtschaftsstandort weiter und damit gibt es auch immer mehr hochqualifizierte Arbeitsplätze in unserer Stadt“. Viele nationale und internationale Wirtschaftsunternehmen, Firmen und Einrichtungen haben sich in der Stadt niedergelassen „dank der Arbeit der Wirtschaftsförderung, die im letzten Jahr den Preis für die innovativste Wirtschaftsförderung Deutschlands erhalten hat“, gratulierte Sierau Thomas Westphal, seinem SPD-Nachfolgekandidaten.

603.609 Personen sind gemeldet – und Dortmund hat mehr Studierende als in Heidelberg oder Harvard

OB Ullrich Sierau begrüßt BVB-Präsident Reinhard Rauball.

Dortmund wächst weiter. Ende 2019 waren 603.609 Personen gemeldet – die höchste Zahl seit 1994. Dringend müsse bezahlbarer geförderter Wohnraum geschaffen werden. 2018 seien 1649 Wohnungen gebaut worden und bis September 2019 wurden 1567 Baugenehmigungen erteilt. Doch die Nachfrage nach Wohnraumfördermitteln des Landes NRW sei gering. Lediglich 19 von 39 Millionen des für die Stadt geltenden Budgets waren bewilligungsreif. Gleichwohl wurde in den verschiedensten Stadtteilen gebaut und modernisiert.

Herumgesprochen habe sich, so Sierau im Konzerthaus, „dass Dortmund ein exzellenter Studienstandort ist“. Rund 54.000 junge Menschen seien an den sieben Hochschulen eingeschrieben. „Das sind mehr als in der vermeintlichen Studierendenhochburg Heidelberg und mehr als in Harvard in den USA“, unterstrich der Oberbürgermeister.

Die Dortmunder Forschung spiele heute in der Champions League mit. Wo „neue Ideen geboren werden“, müsse auch die Lebensqualität für  Familie, Freizeit, Sport, Kultur stimmen. Investiert werde kräftig in den Sport: 100 Millionen Euro seien für Sport- und Turnhallen sowie Außensportanlagen von 2011 bis 2021 veranschlagt.

Als Beispiele nannte Sierau das Leichtathletikstadion in Hacheney, das in der ersten Stufe fast fertig ist und die laufende Planung einer Ballsporthalle mit 3500 Zuschauerplätzen am Dortmunder U. Weitere Sporthallenneubauten in Hörde, der Gartenstadt und im Dortmunder Norden seien auf den Weg gebracht worden. Der Start des Neubaus „Westbad“ in Wischlingen sei für Frühjahr 2020 geplant.

Gegen Rassismus, Antisemitismus, Extremismus – Im Klimaschutz schon über 30 Jahre aktiv

Neujahrsempfang der Stadt Dortmund im Konzerthaus. Foto: Roland Gorecki

Ganz deutlich sprach sich OB Ullrich Sierau in seiner Rede gegen Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus oder Extremismus aus: „Dortmund ist und bleibt eine bunte Stadt, die sich von Hetzern und Spaltern nicht auseinanderdividieren lässt“. Menschen aus rund 180 Nationen leben in der Stadt, die den Alltag kulturell, religiös, kulinarisch und sprachlich bereichern. Oberstes Ziel sei es, allen Dortmunder*innen ein „gutes Leben zu ermöglichen“. Das sei zwar nicht immer leicht und manche Hürde müsse noch genommen werden. Doch habe man 2019 deutliche Zeichen gesetzt.

Im Klimaschutz sei die Stadt bereits seit über 30 Jahren aktiv. Die Kommunen seien die wahren „Macher und Umsetzer der Nachhaltigkeitsziele“. Dortmund bewege sich im „Nachhaltigkeitsviereck“, bestehend aus den Dimensionen Ökonomie, Ökologie, Soziales und Zivilgesellschaft. „Wir sollten uns alle aufgerufen fühlen, die Nachhaltigkeitsziele noch viel mehr in unser tägliches Tun und Handeln zu integrieren“, forderte Sierau zum Mitmachen auf.

Mit der „Allianz Smart City Dortmund“, einer Kooperation von 150 Firmen und Institutionen stelle sich die Stadt den digitalen Herausforderungen der Zukunft. Die „Allianz Smart City“ wurde auf Initiative der Stadt, der Industrie- und Handelskammer, der Leitstelle Energiewende und der Cisco Systems GmbH gegründet. Darin vernetzt sind Unternehmen mit Verbänden und Institutionen, Wissenschaft mit Politik und Verwaltung und sei bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Beim Digitalgipfel der Bundesregierung in Berlin sei „Dortmund bundesweit als erfolgreicher Digital-Standort wahrgenommen worden“.

Ganz besonders würdigte OB Sierau die Arbeit von Ehrenamtlichen in den verschiedensten Lebensbereiche. Seit dem stadteigenen Modell zur „Förderung der Anerkennungskultur“ wurden 287 Ehrenamtskarten vergeben. Das Ehrenamt sei die Stütze der Zivilgesellschaft. Etwa 300 Ehrenamtliche waren zum Neujahrsempfang als besonderes Zeichen des Dankes eingeladen worden.

Es gibt eine Fülle von Veranstaltungen in diesem Jahr in Dortmund

Neujahrsempfang der Stadt Dortmund im Konzerthaus. Foto: Roland Gorecki

„Dortmund ist und bleibt eine Stadt in Bewegung“, betonte Ullrich Sierau beim Ausblick auf das Jahr 2020. Dazu gehöre die Eröffnung des neuen Wilo-Campus im April ebenso wie die Übergabe der Nortkirchenstraße. Dann die Neueröffnung des Naturmuseums Dortmund im Sommer. Die Stadt wird Gastgeber des Deutschen Braumeistertages und organisiert den „Beethoven-Marathon“.

Bewährte Höhepunkte im Jahresverlauf sind das E-Bike-Festival, das Stadtfest DORTBUNT!  und die Cityring-Konzerte, die alle fünfjähriges Bestehen feiern. Am 10. Juni 2020 gibt es eine internationale Veranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit und Digitalisierung. „Hier geben wir den Startschuss für ein weiteres Dekadenprojekt, das wir bis ins Jahr 2030 erörtern wollen“, betonte der OB. Für weitere bedeutende Ereignisse werde schon Vorarbeit geleistet als da sind: die Nordwärts-Zwischenpräsentation auf dem Weg nach 2025, die Welt Roboter Olympiade 2021, die Fußball-EM 2024 oder die Internationale Gartenausstellung IGA 2027.

Für die Kommunalwahlen am 13. September 2020 forderte Ullrich Sierau die Bürger*innen dazu auf, sich demokratisch einzubringen und denjenigen ihre Stimme geben, bei denen sie die Zukunft Dortmunds in den besten Händen wissen. „Die künftigen Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam lösen. Hier kommt es auf die Gespräche, Begegnungen, Diskussionen und Verhandlungen zwischen Menschen an, die sich mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen und Brücken zueinander bauen“, sagte der OB.

Mehr Informationen

  • Unter den Gästen war Kai Hennig, der als Dortmunder Junge in die Welt gegangen ist und als stellvertretender Botschafter in Bukarest Kooperationen mit der Stadt Cluj ermöglicht hat. Außerdem Pia Findeiß, Oberbürgermeisterin der Partnerstadt Zwickau, die kürzlich mit der „Statue B“ vom Internationalen Auschwitz Komitee für ihr Engagement gegen den rechten Hass und für Vielfalt der Demokratie ausgezeichnet wurde.
  • Gespendet werden konnte bei diesem Jahresempfang für das Projekt „Mentor“. Dies hat sich zur Aufgabe gemacht, die Sprach- und Lesekompetenz von Grundschulkindern zu verbessern. Jedes teilnehmende Kind erhält einen Mentor*in, der sich mindestens ein Jahr lang eine Stunde pro Woche um das Grundschulkind kümmert und mit ihm gemeinsam altersgerechte Texte liest.
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