Klein: „Ich sehe es als soziale Verpflichtung, der Gesellschaft etwas zurückzugeben“

Der neue IHK-Chef über Verantwortung, Bürokratie & Wirtschaftspolitik

IHK-Präsident Roland Klein (mi.) mit Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber (re.) und dem stellv. Hauptgeschäftsführer
Wulf-Christian Ehrich (li.). Foto: Stephan Schuetze für die IHK Dortmund

Roland Klein ist neuer Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund. Beim Kennenlernen mit der Presse machte der 62-jährige Unternehmer schnell deutlich, was ihn antreibt. „Meine Motivation ist ganz klar die Stärkung des Allgemeinwohls“, sagte Klein. Unternehmer würden davon profitieren, dass viele Menschen für sie arbeiten, dass Geschäfte laufen und Märkte funktionieren. „Ich sehe es als soziale Verpflichtung eines Unternehmers, dass er der Gesellschaft etwas zurückgibt.“

Verantwortung für Wirtschaft und Gesellschaft

Dass er nun Präsident der IHK ist, kam für ihn dennoch nicht über Nacht. Schon im vergangenen Jahr habe ihn sein Vorgänger Heinz-Herbert Dustmann angesprochen. „Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in die volle Verantwortung zu gehen“, berichtete Klein.

Heinz-Herbert Dustmann im Porträt-Foto.
Vorgänger Heinz-Herbert Dustmann Foto: Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Trotzdem habe er sich Zeit gelassen. „Ich habe monatelang überlegt, was ich sagen würde, wenn die Frage wirklich kommt.“ Die entscheidende Rolle spielte schließlich seine Familie.

„Meine Frau und meine Töchter haben nicht nur zugestimmt, sie haben mich regelrecht dazu gedrängt: Natürlich machst du das.“ Dieser Rückhalt sei wichtig, sagte Klein: „So kann ich das Amt auch wirklich lastfrei ausführen.“

Unternehmer mit langer IHK-Erfahrung

Ganz neu ist die Rolle für ihn allerdings nicht. Klein war bereits zehn Jahre lang Vizepräsident der IHK. „Ich habe die gesamte Amtszeit von Heinz-Herbert Dustmann begleitet und weiß zumindest ein Stück weit, was auf mich zukommt“, sagte er. Gleichzeitig rechne er damit, dass noch viele zusätzliche Termine und Aufgaben auf ihn warten.

Geschäftsführer aus Überzeugung: „Wir bilden sehr viel aus. Man hat Verantwortung für die nächste Generation.“ Foto: Stephan Schuetze für die IHK Dortmund

Beruflich steht Klein seit mehr als drei Jahrzehnten an der Spitze der Herbert Heldt KG. „Ich bin seit 1994 alleiniger geschäftsführender Gesellschafter“, erklärte er. Das Unternehmen ist Großhändler für Gebäudetechnik und beliefert unter anderem Installations- und Handwerksbetriebe. „Wir kaufen bei der produzierenden Industrie ein und verkaufen an das einbauende Handwerk“, beschrieb er das Geschäft.

Rund 300 Beschäftigte arbeiten im Unternehmen. Etwa zehn Prozent davon sind Auszubildende. „Wir bilden sehr viel aus“, betonte Klein. Für ihn sei das selbstverständlich. „Man hat Verantwortung für die nächste Generation.“

Auch sein Weg in die IHK begann über das Thema Ausbildung. „Ich bin 1994 in den Prüfungsausschuss gekommen und habe Auszubildenden die Prüfung abgenommen“, erzählte er. „So bin ich überhaupt in die IHK-Arbeit hineingerutscht.“

Klare Worte zur Bürokratie und der Forderung nach deren Rückbau

Inhaltlich nannte der neue Präsident mehrere Themen, die ihm besonders wichtig sind. Dazu gehört der Bürokratieabbau. „Bürokratieabbau ist in aller Munde – aber da muss wirklich erheblich etwas passieren“, sagte Klein.

Klein: „Uns fehlen rund 1,5 Millionen Wohnungen in Deutschland. Das hat sozialen Sprengstoff.“ Foto: Stephan Schuetze für die IHK Dortmund

Neue Gesetze und Vorschriften würden oft einfach hinzugefügt. Sein Vorschlag ist deutlich: „Wenn neue Regeln kommen, müssen mindestens zwei alte wegfallen. Nur so kommen wir irgendwann wieder in die richtige Richtung.“

Gerade im Bauwesen sei die Situation besonders problematisch. „Ich komme aus der Baubranche und weiß, wie viele Vorschriften es inzwischen gibt“, sagte Klein. Diese Regeln machten Projekte teurer und komplizierter. Gleichzeitig fehle Wohnraum. „Uns fehlen rund 1,5 Millionen Wohnungen in Deutschland. Das hat sozialen Sprengstoff.“

Seine Forderung: Bund, Länder und Kommunen müssten das Bauen deutlich vereinfachen. „Wir brauchen schlankere Verfahren und am Ende bezahlbare Mieten.“

Kritik an unfairen Wettbewerbsbedingungen

Auch beim Online- und Plattformhandel sieht Klein Probleme. Produkte aus dem Ausland würden häufig unter Bedingungen verkauft, die heimische Unternehmen nicht hätten. „Da wird Ware zu Rahmenbedingungen angeboten, die ich einfach unfair finde“, sagte er.

„Die gleichen Regeln müssen auch für Importe gelten – bei Steuern, bei Menschenrechten und bei Produktionsstandards.“ Foto: Stephan Schuetze für die IHK Dortmund

Wenn über Steuern, Zölle oder Produktionsbedingungen gesprochen werde, dürfe es keine Unterschiede geben. „Die gleichen Regeln müssen auch für Importe gelten – bei Steuern, bei Menschenrechten und bei Produktionsstandards.“

Der Einfluss der IHK sei zwar begrenzt. Trotzdem wolle er die Stimme der Wirtschaft an dieser Stelle erheben. „Ich kann nur die Stimme der IHK vertreten. Aber der stete Tropfen höhlt den Stein.“

Eigene Erfahrungen mit dem Mangel an Gewerbeflächen

Auch beim Thema Gewerbeflächen sprach Klein aus eigener Erfahrung. Zwar ist sein Unternehmen weiterhin in der Dortmunder Nordstadt ansässig. „Der Firmensitz der Herbert Heldt KG ist in der Burgholzstraße“, stellte er klar. Sein Arbeitsplatz befindet sich jedoch inzwischen in Bergkamen.

Ansicht des Stammsitzes
Der Firmensitz der Herbert Heldt KG ist in der Burgholzstraße in der Nordstadt. Doch es fehlten die Erweiterungsmöglichkeiten. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Der Grund liegt in einer ebenso langen wie erfolglosen Suche nach geeigneten Flächen in Dortmund. „Wir haben sechs Jahre lang in Dortmund nach einem Grundstück gesucht“, sagte Klein. Trotz intensiver Gespräche sei kein passender Standort zustande gekommen. „Und in Bergkamen hat es dann vom ersten Gespräch bis zur Unterschrift vier Wochen gedauert.“

Die Wirtschaftsförderung in Dortmund habe sich bemüht, betonte er. „Die haben sich wirklich das Bein ausgerissen.“ Das Problem sei ein anderes gewesen. „Die Stadt hatte schlicht keine eigenen Grundstücke. Sie konnte nur vermitteln.“ Für Klein zeigt diese Erfahrung, wie entscheidend verfügbare Flächen für unternehmerische Entscheidungen sind.

Klein sieht sich als Stimme der Wirtschaft – aber nicht als Lautsprecher

IHK-Präsident Roland Klein: „Ich werde meine Stimme erheben, aber nicht laut.“ Foto: Stephan Schuetze für die IHK Dortmund

Sein eigenes Amtsverständnis formulierte der neue Kammerpräsident am Ende recht nüchtern. Eine große politische Offensive plane er nicht. „Ich werde meine Stimme erheben, aber nicht laut“, sagte er. Wichtiger sei Kontinuität. „Beständig – das ist das richtige Wort.“

Die IHK sehe er zudem nicht nur als Kritikerin, sondern auch als Partnerin der Politik. Gespräche mit Vertreter:innen aus Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna sollen deshalb zeitnah stattfinden. „Der Kammerbezirk umfasst alle drei Regionen, und die möchte ich gleichwertig wahrnehmen.“

Blick nach vorne – auch persönlich

Neben der IHK bleibt Klein weiterhin Unternehmer. Sein Vertrag als persönlich haftender Gesellschafter endet allerdings 31. Dezember 2028. „Dann ist für mich in der Geschäftsführung Schluss“, sagte er. Das eröffne mehr Zeit für die IHK, aber auch für seine Hobbys, für die schon jetzt wenig Zeit bleibe.

Klein engagiert sich seit Jahrzehnten bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Außerdem reist er gern, fährt Ski, wandert und macht Motorsport. Langweilig werde ihm also sicher nicht. Oder wie er es selbst formulierte: „Langeweile kommt in meinem Leben eigentlich nicht vor.“


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