
Mit „Köln-Rhein-Ruhr“ bewirbt sich NRW im nationalen Auswahlverfahren als Austragungsort – oder eher Austragungsgebiet – für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. 17 Städte würden laut des Konzepts an der Organisation beteiligt werden. Darunter ist auch Dortmund. Aber die Planung geht nur mit den Städten weiter, deren Bürger:innen die Bewerbung für Olympia unterstützen.
Der Ratsentscheid selbst findet ausschließlich per Briefwahl statt
Um die Unterstützung für den Olympia-Plan zu messen, führen alle 17 Städte am 19. April 2026 einen Ratsbürgerentscheid durch. So können die Bürger:innen direkt mitentscheiden, ob sich ihre Stadt am nationalen Bewerbungsverfahren beteiligen will. Wichtig zu wissen: Selbst wenn eine Mehrheit der Bürger:innen für „Ja“ stimmt, heißt dass nicht, dass die „Köln-Rhein-Ruhr“ Region auch tatsächlich vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für die deutsche Bewerbung beim International Olympic Commitee (IOC) ausgewählt wird. Das heißt, es ist noch nicht klar, ob dann auch tatsächlich 2036, 20240 oder 2044 Olympische und Paralympische Spiele in Dortmund stattfinden.

Der Ratsentscheid selbst findet ausschließlich per Briefwahl statt. Stimmberechtigt sind alle Bürger:innen ab 16, die zum Zeitpunkt der Abstimmung mehr als 16 Tage in Dortmund wohnen und die deutsche Staatsbürgerschaft oder eine andere aus einem Land der Europäischen Union haben.
Norbert Dahmen, der Abstimmungsleiter, präsentiert eine erste Version des Stimmzettels. Dieser kann auch mit der „Wahlschablone NRW“ für sehbehinterte und blinde Menschen ausgefüllt werden. Das soll, zusammen mit einer Anleitung in leichter Sprache, die Stimmabgabe möglichst barriearm gestalten.
Die Stimmzettel werden seit dem 10. März verschickt und können portofrei an die Stadt zurückgeschickt oder im Wahllokal abgegeben werden. Die Unterlagen müssen bis zum 18. April 2026 der Stadt vorliegen. Am 19. April plant die Stadt Dortmund ab 18 Uhr die Auszählung. Die Ergebnissen sollen am selben Abend bekannt gemacht werden. ___STEADY_PAYWALL___
Die Stadt Dortmund spricht sich für Teilnahme aus
„Olympische Spiele bringen immer Investition für Infrastruktur und Sportstätten, von denen wir langzeitig profitieren“, betont der Oberbürgermeister Alexander Kalouti. In der Beschlussvorlage zum Ratsbürgerentscheid heißt es, Olympia sei „eine willkommene Gelegenheit, den Bedarfen und Herausforderungen der Zukunft zu begegnen“.

Olympia und Paralympics würden in Dortmund positive Effekte auf die internationale Sichtbarkeit und somit Dortmund als Wirtschaftsstandort haben. Genauso würden die Infrastruktur und der Tourismus im Rhein-Ruhr Gebiet profitieren.
Die sportlichen Werte „Vielfalt, Integration und Gleichberechtigung“ könnten durch Olympia und Paralympics in Dortmund erlebbar werden. Die Stadt Dortmund sieht die Chance, „den Bewohnenden und Besuchenden Dortmunds unvergessliche Momente zu bescheren“.
Dortmund als optimaler Austragungsort?
In Dortmund würden der Singnal-Iduna-Park und die Westfallenhallen als Spielstätten für Fußball und Handball genutzt werden. Da Dortmund bereits in beiden Sportarten internationale Events ausgetragen hat, kann die Stadt von diesen Erfahrungen profitieren. Durch die Kapazität von 80.000 Plätzen wäre das Dortmunder Stadion außerdem geeignet für die Eröffnungsfeier – auch wenn in den Planungen hinsichtlich der Eröffnungsfeier noch keine Entscheidung gefallen ist.

Was die Kostenkalkulation betrifft, gibt es zum jetzigen Planungsstand noch keine näheren Informationen. Ein Großteil der Kosten würde aber, nach dem bisherigen Konzept, durch Ticketverkäufe und Beiträge des IOC getragen werden. Dennoch rechnet die Verwaltung mit min. 10 Millionen Euro aus Haushaltsmitteln für die Haushaltsjahre je zwei Jahre vor Austragung.
Darüber hinaus können unsichere Faktoren wie nationale und globale Entwicklungen oder sicherheitsrelevante Aspekte die „Kosten- und Organisationsstrukturen erheblich beeinflussen“. Somit kann der potentielle Aufwand für die Stadt Dortmund noch nicht eindeutig eingeschätzt werden.
Ein Großteil des Rates begrüßt die Bewerbung
Auch die Ratsfraktionen positionieren sich zu dem Ratsbürgernetscheid. Für die Bewerbung sprechen sich die Ratsfraktionen von SPD, CDU, Grüne & Volt sowie die Ratsgruppe von FDP/ Bürgerliste aus.
Letztere habe sich „die Entscheidung nicht leicht gemacht“ und Vor- und Nachteile abgewogen. Sie betonen in ihrer Stellungnahme: „Für uns gilt: faire Kostenverteilung, langfristiger Nutzen für Dortmund und verbindliche Klima- und Umweltstandards“ als Vorraussetzung für Olympia und Paralympics. Dennoch sehen sie die Bewerbung als „Chance auf wichtige Investitionen, die Dortmund dauerhaft zugutekommen können“.
Starke Kritik von BSW und Linke
Bedenken erhebt das BSW. Sie heben heraus, „dass die Kosten für Olympia in den letzten Jahrzehnten derart explodiert sind, dass sie vielen austragenden Städten immense Schuldenlasten aufgebürdet haben“.

Dennoch bewerten sie es positiv, „die traditionellen olympischen Werte zu feiern“. Letzendlich sei es richtig, den Bürger:innen die Entscheidung zu überlassen.
Allein die Fraktion Linke und Tierschutzpartei ruft die Bürger:innen eindeutig dazu auf, mit „Nein“ zu stimmen.
„Am Ende tragen Steuerzahler*innen und Städte das Risiko – während Gewinne und Vermarktung beim IOC und großen Sponsoren landen“, bewertet die Fraktion das fehlende Finanzkonzept. Darüber hinaus kritisieren sie die „ungesicherte soziale Auswirkungen und Umweltbelastungen“.
Olympia und Paralympics passen „zu einer Stadt, die Sport lebt“
Trotz der ungeklärten Umsetzung überwiegen für den Großteil die Chancen. Die SPD macht klar, Olympia und Paralympics passen zu Dortmund, „zu einer Stadt, die Sport lebt – vom Bolzplatz bis zum Profistadion“. Auch die CDU unterstreicht: „Wir könnten alle zusammen stolz sein, Austragungsort und damit Teil der Olympischen Spiele zu sein“.
Letzendlich liegt es nun an den Bürger:innen, ob Dortmund weiterhin Teil des „Köln-Rhein-Ruhr“ Konzepts bleibt und im Fall der Fälle Austragungsort für Olympia und Paralympics wird.
Mehr Informationen:
- Bei Fragen steht das Kommunale Wahlbüro der Stadt Dortmund zur Verfügung: Telefon 0231 50-10931 oder per Mail: wahlen@dortmund.de.
- Stellungnahmen der Fraktionen finden Sie hier: Stellungnahmen zum Ratsbürgerentscheid
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Mehr dazu auf Nordstadtblogger:
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Reaktionen
Kosten, Folgen und Chancen: Linke und Tierschaftpartei laden zur Debatte über Olympia-Pläne ins Dortmunder Rathaus (PM)
Die Dortmunder Fraktion Die Linke & Tierschutzpartei sowie die Fraktion Die Linke im Regionalverband Ruhr laden zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über eine mögliche Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele in der Region KölnRheinRuhr ein. Die Veranstaltung findet am Samstag, 28. März, von 14 bis 16 Uhr im Saal Westfalia im Dortmunder Rathaus am Friedensplatz statt.
Die möglichen Spiele könnten im Jahr 2036, 2040 oder 2044 in der Region ausgetragen werden. Auch Dortmund könnte dabei Austragungsort sein, etwa für Fußball- oder Handball-Wettbewerbe. Ob es tatsächlich zu einer Bewerbung kommt, ist jedoch noch offen. Darüber sollen ausschließlich die Bürger*innen in Dortmund sowie in weiteren interessierten Kommunen in Nordrhein-Westfalen im Rahmen eines Ratsbürgerentscheids entscheiden. Die Abstimmung ist für Sonntag, 19. April, vorgesehen. 
Bei der Veranstaltung sollen die sozialen, finanziellen und ökologischen Folgen einer möglichen Olympia-Bewerbung diskutiert werden. Die Veranstalter verweisen darauf, dass bereits die Durchführung der Ratsbürgerentscheide in 17 Kommunen rund zehn Millionen Euro kosten würde, davon etwa 1,8 Millionen Euro in Dortmund. 
Auch die möglichen Gesamtkosten der Spiele stehen im Mittelpunkt der Diskussion. Schätzungen reichen von rund 4,8 Milliarden Euro bis zu etwa 20 Milliarden Euro. Kritiker verweisen zudem auf Erfahrungen aus anderen Austragungsorten, bei denen steigende Mieten, Verdrängung sozial benachteiligter Menschen sowie zusätzliche Schulden für Kommunen beobachtet worden seien. Ebenso sollen mögliche Auswirkungen auf Umwelt, Verkehr und Stadtentwicklung thematisiert werden. 
Zu den Gesprächspartnern gehören unter anderem Paul Alauzy, Sprecher des Pariser Aktionsbündnisses „Le revers de la médaille“, sowie Christoph Harting, Olympiasieger im Diskuswerfen bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro. 
Die Veranstalter bitten um eine kurze Anmeldung per E-Mail an info@flut-do.de.
Mark Kaufmann
Die Diskussion über eine Olympia-Bewerbung für Dortmund wirkt angesichts der aktuellen finanziellen Lage der Städte wenig überzeugend. Olympische Spiele kosten viel Geld – Geld, das in vielen kommunalen Haushalten schlicht nicht vorhanden ist. Am Ende bleibt häufig ein erheblicher Teil der finanziellen Risiken bei den Städten und damit bei den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern.
Dabei liegen die eigentlichen Herausforderungen ganz woanders. Nachhaltige Armutsbekämpfung gelingt vor allem durch die Schaffung von dauerhaften, gut bezahlten Arbeitsplätzen. Neue Arbeitsplätze sind aktive Sozialpolitik – sie schaffen Perspektiven und stärken die wirtschaftliche Basis einer Stadt.
Die Arbeitsplätze, die im Zusammenhang mit Olympischen Spielen entstehen, erfüllen diesen Anspruch jedoch kaum. Sie sind in der Regel zeitlich begrenzt und verschwinden nach der Veranstaltung wieder. Es handelt sich eher um ein kurzfristiges Strohfeuer als um einen nachhaltigen wirtschaftlichen Impuls. Ähnliches gilt für viele der in diesem Zusammenhang angekündigten „Investitionen“, die häufig vor allem auf ein einmaliges Großereignis ausgerichtet sind, statt langfristige wirtschaftliche Strukturen zu stärken.
Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Mittel sollte sich Dortmund daher auf das konzentrieren, was wirklich langfristig wirkt: wirtschaftliche Entwicklung, dauerhafte Beschäftigung und die gezielte Bekämpfung von Armut. Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, dass die Linkspartei die Bewerbung kritisch hinterfragt und eine öffentliche Debatte über Kosten, Nutzen und Prioritäten anstößt.
Wir sind dafür. TSC Eintracht Dortmund macht auf Bedeutung des Ratsbürgerentscheids aufmerksam (PM)
Der TSC Eintracht Dortmund positioniert sich klar für die Bewerbung zur Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele in der Region KölnRheinRuhr und unterstützt die Initiative „Dafür sein ist alles“ des Landessportbundes NRW und des DOSB. Mit dem Motto „Wir sind dafür“ setzt der Verein ein deutliches und starkes Zeichen.
Als größter Breitensportverein Dortmunds mit über 9.000 aktiven Mitgliedern steht der TSC Eintracht Dortmund für Respekt, Vielfalt und Verantwortung. Sport verbindet Menschen und inspiriert Generationen. Mit der Guerilla-Aktion „Wir sind dafür“ positioniert sich der Verein klar für die Bewerbung und ruft seine Mitglieder sowie alle Menschen in der Region dazu auf, sich am Ratsbürgerentscheid zu beteiligen und für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Dortmund und der Region KölnRheinRuhr zu stimmen.
Bis zum 19. April 2026 habt ihr es in der Hand: „Dein Ja schreibt olympische und paralympische Geschichte.“ Diese Botschaft bleibt nicht nur ein Appell. Auf dem gesamten Vereinsgelände wird sie sichtbar: Fassadenfenster, Zäune und Flaggen tragen klare Statements wie: „Gemeinsam für den größten Moment“, „Postwendend Richtung Olympia!“, „Bereit für den großen Sprung“ und „Der Westen ist startklar“. Auch über die Social-Media-Kanäle des Vereins wird die Position des TSC Eintracht Dortmund deutlich kommuniziert.
Unsere Region ist bereit. Nordrhein-Westfalen bietet Athletinnen und Athleten hervorragende Sportstätten und optimale Rahmenbedingungen. Allein im vergangenen Jahrzehnt wurden hier über 30 Welt- und Europameisterschaften ausgerichtet, darunter auch die UEFA EURO 2024. Das zeigt: Dortmund und Nordrhein-Westfalen sind weltoffen, gastfreundlich und sportbegeistert.
Die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele bietet der KölnRheinRuhr-Region eine große Chance, Sport, Infrastruktur und Gemeinschaft nachhaltig zu stärken – weit über die Spiele hinaus. Viele Sportstätten und Infrastrukturen sind bereits vorhanden und können durch die Spiele sinnvoll weiterentwickelt werden.
Olympia lebt von Gemeinschaft, Begeisterung und sportlicher Vielfalt – Werte, die der TSC Eintracht Dortmund täglich lebt. „Unsere Position ist klar: Wir sind dafür“, sagt Lisa Stockkamp, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des TSC Eintracht Dortmund. Der Ratsbürgerentscheid bietet die Chance, gemeinsam ein Zeichen für den Sport, für die Region und für eine nachhaltig starke Zukunft zu setzen.
Ruhr-IHKs sagen Ja zu Olympia: Die IHKs im Ruhrgebiet unterstützen die NRW-Bewerbung „KölnRheinRuhr” (PM)
Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Ruhrgebiet unterstützen die Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 in der Region Köln Rhein Ruhr. „Wir gehen von nachhaltigen positiven Effekten für unsere regionale Wirtschaft aus und sehen große Chancen für wirtschaftliches Wachstum. Besonders stark hervorzuheben ist der langfristige Imagegewinn der gesamten Region, der sich auf die Tourismusbranche auswirken würde“, erläutert Roland Klein, der neue Präsident der IHK zu Dortmund, die in diesem Jahr die federführende Kammer im Ruhrgebiet ist: „Wir appellieren deshalb an die Bürgerinnen und Bürger, sich bis zum 19. April per Briefwahl für eine Bewerbung auszusprechen.”
Ziel ist, dass die Region Köln-Rhein-Ruhr die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 ausrichtet. Die Bewerbung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) hängt von einem positiven Votum des Bürgerentscheids zu den Spielen bis zum 19. April in den beteiligten NRW-Kommunen ab. Der DOSB entscheidet im Anschluss darüber, welche Bewerbung einer Region in Deutschland um die Ausrichtung der Olympischen Spiele beim Internationalen Olympischen Komitee eingereicht wird.
In insgesamt 17 nordrhein-westfälischen Kommunen, die mit ihren Sportstätten Teil der Olympiabewerbung wären, können rund vier Millionen wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger über die Zustimmung abstimmen – im Zuständigkeitsbereich der IHKs im Ruhrgebiet sind es die Städte Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Herten, Oberhausen und Recklinghausen. „Die geplante Bewerbung steht für ein regionales und nachhaltiges Olympiakonzept, das von den Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen wird”, so IHK-Präsident Klein. Im Laufe des März werden die Wahlbenachrichtigungen in den jeweiligen Kommunen versendet.
Ein Großteil der Sportstätten liegt im Ruhrgebiet: Bochum ist für Fußball und Modernen Fünfkampf vorgesehen, Duisburg für Kanu-Rennsport, Rudern, Sportklettern, Essen für Boxen, Fußball, Gewichtheben, Radsport (BMX-Freestyle & Racing) und Schießen, Gelsenkirchen für Schwimmsport, Oberhausen für Volleyball, Recklinghausen und Herten für Radsport (Mountainbike). In Dortmund würden die Disziplinen Fußball sowie Handball ausgerichtet werden. Für die meisten Sportstätten gibt es bereits sehr gute infrastrukturelle Voraussetzungen (kurze Wege und gut ausgebautes ÖPNV- und Straßennetz), sodass von nur geringen zusätzlichen Investitionen auszugehen ist.
„Die Olympischen Spiele und die Paralympics bringen eine weltweite Aufmerksamkeit nach Deutschland und die Region. Die Spiele stärken gerade das Ruhrgebiet als Wirtschafts-, Kultur- und Sportstandort“, ist sich IHK-Präsident Klein sicher. Man könne von positiven Nachfrageeffekte für Bauwirtschaft, Industrie und Handwerk, Handel, Gastronomie und Hotellerie ausgehen. „Wir haben die Möglichkeit, uns internationalen Investoren und Unternehmen zu präsentieren und mehr Sichtbarkeit als Wirtschaftsstandort zu erlangen.“ Der weltweite Imagegewinn könne sich im Anschluss durch positive Effekte auf den Tourismus auswirken. „Wir freuen uns auf die Olympischen Spiele und Paralympics als Impulsgeber für Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und Stadtentwicklung“, so Roland Klein.
Nein beim Ratsbürgerentscheid zu Olympia: Die Linke lädt ein zu Diskussionsveranstaltungen mit Prominenz (PM)
In allen 17 möglichen Ausrichterstädten für Olympischen Spiele in NRW findet ein Ratsbürgerentscheid am 19. April 2026 statt, in dem die Bürgerinnen und Bürger über eine Bewerbung des Landes NRW entscheiden sollen. Öffentlichen Austausch gibt es dazu kaum. Die Linke im RVR hält dagegen und sagt: Nein zu einer Bewerbung für Olympia.
Sie organisiert gemeinsam mit den Linken in Essen, Oberhausen, Bochum die Veranstaltung „NOlympia –Rhein-Ruhr sollte sich nicht um Olympia bewerben“. Sie findet am Freitag, 27. März 2026, um 18 Uhr im Regionalverband Ruhr, Kronprinzenstraße 35 statt.
Eine Veranstaltung in Dortmund ist für Samstag, 28. März, korrekt: 28. März, 14 Uhr, im Rathaus geplant.
Wolfgang Freye, Vorsitzender der Fraktion Die Linke im RVR: „In unserer Kritik an den finanziellen Risiken einer Olympia-Bewerbung, den Belastungen für die Kommunen und fehlender Nachhaltigkeit ist Die Linke nicht allein. In Paris stiegen die Kosten für die Öffentlichkeit von geplanten 2,4 Mrd. Euro auf 6,6 Mrd. Euro. Der einzige Gewinner war das Olympische Komitee.“
Unter anderem kommt Paul Alauzy, der Sprecher des Pariser Aktionsbündnisses „Le revers de la médaille“, als Gesprächspartner zu der Veranstaltung. Das Bündnis macht bis heute die Verwerfungen durch Olympia in der Pariser Stadtgesellschaft sichtbar.
Auch Christoph Harting, Olympiasieger im Diskuswerfen 2016 in Rio und Unterstützer des Volksbegehrens in Berlin gegen Olympia kommt: „Ich komme gern aus Berlin ins Ruhrgebiet, um aus der Sicht eines Leistungssportlers und Olympiasiegers auf die Schattenseiten des Systems aufmerksam zu machen. Am Ende zahlen bei Olympia immer die kleinen Leute drauf. Es muss viel stärker darum gehen, wie man den Sport als Gemeinschaftsgut fördert, den Breiten- und Vereinssport stärkt und Leistungssportler*innen besser vor Risiken schützt, ihnen berufliche Perspektiven bietet.“
· Außer in Essen hat man auch in Duisburg am 26.03.2026 ab 18.30 Uhr im Café Museum,
· in Dortmund am 28.03.2026 ab 14:00 Uhr im Rathaus Saal Westfalia sowie
· in Gelsenkirchen am 29.03.2026 ab 14 Uhr im Werner Goldschmidt Salon
die Möglichkeit für einen Austausch. Interessierte Bürger*innen sind herzlich willkommen! Der Eintritt ist natürlich frei.
Leserbrief von Matthias Sassenberg, Dortmund: „Olympia 2040 – Blindflug ins Verkehrschaos“
„Es ist unverantwortlich von unserer Stadtspitze, mit dem aktuellen Bürgerentscheid die Verantwortung für ein Milliardenprojekt einer breiten Masse zu überlassen. Dieser fehlt schlicht die Kompetenz, die technischen Folgen zu überblicken. Die Politik spielt ein falsches Spiel: Während die Landesregierung ‚schöne Bilder′ liefert, schweigt die Stadtspitze zu den ‚dreckigen Details′ der Umsetzung. Uns soll Olympia verkauft werden, verschwiegen wird aber ein drohendes B1-Baustellenchaos.
Ob der Tunnel kommt oder wir im BVB-Anreiseverkehr ersticken, bleibt vage ‒ doch es ist durchaus berechtigt, einen dauerhaften Verkehrsinfarkt zu befürchten. Werden wir 12 Jahre für ein Luftschloss blockiert? Ich möchte Lebensqualität nicht für ein mehrwöchiges Event opfern. Unser Stadtrat wälzt die Verantwortung wohlkalkulierend von sich ab, um sich später mit dem Argument ‚Ihr wolltet es so′ aus der Affäre ziehen zu können. Mein Kreuz setze ich klar bei NEIN.“
Matthias Sassenberg, Dortmund
Mark Kaufmann
Sehr geehrter Herr Sassenberg,
ich stimme Ihrer Einschätzung in weiten Teilen ausdrücklich zu. Der derzeitige Umgang mit der möglichen Olympiabewerbung wirkt tatsächlich so, als würden zentrale Risiken und Konsequenzen nur unzureichend offen kommuniziert.
Besonders kritisch sehe ich – wie Sie – die völlig unklare Kostenlage. Derzeit ist nicht transparent dargelegt, welche finanziellen Belastungen am Ende tatsächlich auf Dortmund zukommen. Realistisch ist offenbar mindestens von niedrigen zweistelligen Millionenbeträgen über mehrere Jahre auszugehen. Ebenso gut kann sich das Gesamtvolumen jedoch in Richtung 100 Millionen Euro entwickeln. Das würde, grob gerechnet, eine Belastung von rund 150 Euro pro Dortmunder Bürger bedeuten – ohne dass diese Rechnung bereits belastbar widerlegt oder eingeordnet worden wäre.
Vor diesem Hintergrund stellt sich zwangsläufig die zentrale Frage: Was haben die Bürgerinnen und Bürger Dortmunds konkret davon?
Dem stehen absehbar massive Einschränkungen gegenüber: jahrelange Baustellen, Verkehrsbelastungen auf ohnehin kritischen Achsen wie der B1, Staus im Alltags- und Berufsverkehr sowie erhebliche Eingriffe in die Lebensqualität. Und das alles für ein zeitlich begrenztes Großereignis, dessen nachhaltiger Nutzen für die Stadt bislang kaum greifbar ist.
Gerade diese Diskrepanz zwischen Aufwand und dauerhaftem Nutzen bleibt aus meiner Sicht völlig unzureichend beantwortet. Wenn die langfristigen Vorteile für die Stadt nicht klar benannt und belegt werden können, ist die Skepsis vieler Bürgerinnen und Bürger mehr als nachvollziehbar.
Mit freundlichen Grüßen
Mark Kaufmann