Richtlinien schränken Möglichkeiten ein und sorgen nicht für Entlastung

Kita-Träger kritisieren NRW-Landesregierung: „Alltagshelferprogramm ist alltagsuntauglich“

Kindertagesstätte der AWO in der Nortkirchenstraße. Toben in der Turnhalle
Strahlende Kindergesichter – doch dem Personal ist nicht unbedingt immer zum Lachen zumute. (Archivbild) Archivbild: Klaus Hartmann

Die katholischen Kita-Träger aus dem Erzbistum Paderborn kritisieren das neu aufgelegte „Alltagshelferprogramm“ für Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen als „alltagsuntauglich“ und „wenig hilfreich“. Man könne den Eindruck gewinnen, dass der zuständige Minister das Förderprogramm bewusst so aufgelegt habe, dass wenig bis keine Mittel abgerufen werden könnten.

Kritik: Träger dürfen nur zusätzliches oder neues Personal als Hilfskräfte einsetzen

Die Infektionszahlen bei Kindern und Mitarbeitenden sind in der aktuellen Welle deutlich stärker gestiegen als zuvor in der Pandemie, damit steigt auch deutlich der Aufwand in den Kindertageseinrichtungen. Mit der Neuauflage des „Alltagshelferprogrammes“ will die Landesregierung das feste Kita-Personal eigentlich durch zusätzliche Hilfskräfte entlasten, um den jetzt gestiegenen Anforderungen zur Umsetzung der Hygienemaßnahmen durch die Corona-Pandemie Rechnung zu tragen.

Je zuschussberechtigter Kindertageseinrichtung kann der Träger für den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Juli 2022 bis zu 13.200 Euro beantragen, um zusätzliche Hilfskräfte zu akquirieren. Das Vorgängerprogramm war zum Ende des Kindergartenjahres 2020/21 ausgelaufen. Im Gegensatz zur erfolgreichen und für die Kitas sehr hilfreichen Erstauflage des Förderprogrammes des Landes dürfen die Träger dieses Mal aber nur zusätzliches oder neues Personal als Hilfskräfte einsetzen.

Genau an diesem Punkt setzt die Kritik der katholischen Kita gem. GmbH Östliches Ruhrgebiet in Dortmund an: „Wenn die Hilfskräfte unsere Erzieherinnen und Erzieher wirkungsvoll entlasten sollen, dann brauchen wir in erster Linie Kräfte, die sich in der Einrichtung auskennen und somit von Beginn an helfen können“, stellt Thorsten Herrmann, Geschäftsführer der Kita gem. GmbH Östliches Ruhrgebiet fest. Es sei utopisch, jetzt kurzfristig flächendeckend neue Kräfte zu finden, die bereit seien für ein halbes Jahr in den Einrichtungen als Hilfskraft zu arbeiten. Wenn dies im Einzelfall gelinge, sei es wirklich ein Glücksfall für die Mitarbeitenden und die Kinder.

„Das neue ‚Alltagshelferprogramm‘ wird in vielen Einrichtungen leider wirkungslos bleiben“

Kindertagesstätte der AWO in der Nortkirchenstraße. Toben in der Turnhalle
Strahlende Kindergesichter – doch dem Personal ist nicht unbedingt immer zum Lachen zumute. (Archivbild) Archivbild: Klaus Hartmann

Im letzten Kita-Jahr haben viele Träger gute Erfahrung gemacht, in dem man zum Beispiel die Arbeitsstunden der Hauswirtschaftskräfte aufgestockt habe. Dies war im alten Alltagshelferprogramm problemlos möglich. Da das Betätigungsfeld in großen Bereichen deckungsgleich mit den Hilfskräften sei, habe man so in den Einrichtungen für wirkliche Entlastung sorgen können.

„Diese Möglichkeit hat das Ministerium durch die neuen Formulierungen in den Förderrichtlinien aber explizit ausgeschlossen“, stellt Thorsten Herrmann fest und prognostiziert: „Dadurch wird das neue ‚Alltagshelferprogramm‘ in vielen Einrichtungen leider wirkungslos bleiben, weil wir keine Mitarbeitende so kurzfristig finden werden, die unsere Teams entlasten können.“

Die katholischen Kita gem. GmbHs im Erzbistum Paderborn fordern daher von der Landespolitik eine schnelle Nachbesserung. „Politik und Gesellschaftmuten den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Kitas in den Pandemiezeiten eine Menge zu. Krankheitsfälle und Quarantäneanweisungen sorgen vor Ort oftmals dafür, dass die Erzieherinnen und Erzieher an ihre Grenzen stoßen. Trotzdem sind sie für die Kinder und die Familien da“, stellen die Verantwortlichen unisono fest.

Deshalb sei es die Pflicht der Politik, den Teams nun durch wirkungsvolle Maßnahmen den Rücken zu stärken und ihnen keine „Pseudohilfen“ anzubieten. Die massive Kritik kommt von keinem kleinen Träger: In der „Kita gem. GmbH Östliches Ruhrgebiet“ werden in insgesamt 86 Kitas, 4.848 Kinder von 885 Mitarbeitenden betreut.

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Kommentare

  1. FABIDO nutzt Landesprogramm und stellt Alltagshelfer*innen in Kitas ein (PM)

    Der Verwaltungsvorstand hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, dass die Stadt Dortmund die Landesinitiative „#ich helfe mit!“ nutzen wird.

    Durch die während der Corona-Pandemie verstärkten Hygieneauflagen entstehen in den FABIDO-Kitas zusätzliche Belastungen. Daher sollen bis zu 98 Alltagshelfer*innen die Teams in den FABIDO-Kitas unterstützen.

    Die Landesregierung stellt zur Entlastung des pädagogischen Personals aus dem NRW-Rettungsschirm im Rahmen der Corona-Krise kurzfristig und befristet eine finanzielle Unterstützung im Bereich „Alltagshelfer*innen in Kitas“ für die Anstellung von Hilfskräften sowie für Arbeitsschutz- und Hygienemaßnahmen zur Verfügung.

    Ursprünglich war diese Maßnahme bis zum 31. Dezember 2020 befristet und wurde bis zum 31. Juli 2021 verlängert. Das Land NRW hat nun eine Neuauflage des Programms „#ich helfe mit!“ bis zum 31. Juli 2022 beschlossen.

    „Die Alltagshelfer*innen bieten in der belastenden Zeit der Pandemie eine wirksame und schon erprobte Unterstützung in den Kitas. Sie entlasten die Pädagog*innen beispielsweise im Bereich von Hygiene und Desinfektion. Auf diese Weise haben die Erzieher*innen die Chance, sich ganz ihrer Arbeit mit den Kindern zu widmen“, erläutert Jugenddezernentin Daniela Schneckenburger.

    Und weiter: „Wie werden im Sinne der Kontinuität und der Vereinfachung vor allem diejenigen ansprechen, die bereits als Alltagshelfer*innen in den Einrichtungen tätig waren.“ Sollte die Maßnahme über den 31. Juli hinaus verlängert werden, ist die Weiterbeschäftigung der 98 Alltagshelfer*innen vorgesehen.

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