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Kinoprogrammpreis NRW: 22.000 Euro Programmprämie teilen sich das Roxy, die Schauburg und das sweetSixteen-Kino

Die Dortmunder Kinolandschaft hat mehr zu bieten als Hollywood-Popcorn-Blockbuster. Drei Kinos aus Dortmund erhielten Preisgelder für ihre außergewöhnlichen Programme abseits des Mainstreams.

Jedes Jahr im Herbst zeichnet die Film- und Medienstiftung NRW Kinos aus, die im Vorjahr mit ihrem Programm und ihrer Auswahl an deutschen und europäischen Filmen und besonderen Kinder- und Jugendfilmen überzeugen konnten. In diesem Jahr wurden 64 Filmtheater aus 39 Städten Nordrhein-Westfalens mit der bisherigen Höchstfördersumme der Filmstiftung NRW in Höhe von 450.000 Euro prämiert. Insgesamt 22.000 Euro davon gehen an drei Kinos in Dortmund. Zwei davon befinden sich in der Nordstadt. Die Schauburg auf der Brückstraße, das Roxy-Kino in der Münsterstraße und das SweetSixteen-Kino im Dortmunder Depot konnten die Jury von der Qualität ihrer Programme überzeugen und dürfen sich nun über großzügige Fördersummen freuen.

Die altehrwürdige Schauburg verfügt über modernste Projektionstechnik

Die Schauburg ist das älteste Dortmunder Kino. Foto: Schauburg

Bereits zum 28. mal wurde Anfang November der Kinoprogrammpreis NRW verliehen. Prominente Paten aus der Filmbranche waren bei der Prämien-Vergabe anwesend, um den KinobetreiberInnen ihre Urkunden zu überreichen, darunter Schauspieler Joachim Król, Emilio Sakraya, Maximilian Brückner, Hans Löw und Ricarda Seifried und viele mehr.

Die Schauburg auf der Brückstraße blickt auf eine über hundert Jahre alte Geschichte zurück. Bereits 1912 als Lichtspielhaus unter dem Namen Corso-Lichtspiele eröffnet, kam es im Jahr 1921 zur Namensänderung im Zuge von Modernisierung- und Renovierungsarbeiten.

Im Jahre 1944 wurde das Gebäude bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört und mit dem Greta Garbo-Film „Die Frau mit den zwei Gesichtern“ offiziell wiedereröffnet. In den 70er Jahren teilte man das Kino in zwei Vorführräume auf, die in den 90er Jahren im Zuge der Neugestaltung der Fassade des historischen Gebäudes auf den neuesten Stand der Technik gebracht wurden.

Heute verfügt die Schauburg über zeitgemäße 4K-Projektoren, die hochauflösende Bilder auf die Leinwand zaubern und macht sich mit seinem Programm, das vor allem auch viele Veranstaltungen für Familien, Kinder und Schulen parat hält einen guten Namen. Im Rahmen der Preisverleihung wurde das allgemeine Programm für Erwachsene mit 5.000 Euro prämiert, während die Kinder- und Jugendprogrammprämie 1000 Euro beträgt.

Klein aber fein: Das Roxy-Kino bietet Anspruchsvolles und Experimentelles abseits des Mainstreams

Das Roxy-Kino in der Münsterstraße. Foto: Klaus Hartmann

Jeder Nordstädter kennt das Roxy-Kino auf der Münsterstraße. Im Jahr 1932 erbaut, 1943 durch eine Bombe beschädigt und 1950 schließlich wiedereröffnet, ist der Name „Roxy“ für mehrere Generationen von DortmunderInnen ein Synonym für die Faszination bewegter Bilder auf der großen Leinwand.

Der letzte Betreiberwechsel fand 2010 statt. Seitdem bietet das Kino seinen ZuschauerInnen täglich Anspruchsvolles, Unterhaltsames, Kurioses, Intelligentes oder Experimentelles aus aller Welt – aktuell und meist zum Bundesstart.

Vor allem da weniger die großen Hollywood-Blockbuster gehypt werden, sondern ganz im Gegenteil der Fokus des Programms auf kleinen Independent-Produktionen ruht, die künstlerisch und inhaltlich wesentlich anspruchsvoller sind als das Popcorn-Kino der großen Häuser, bevorzugen viele Film-Enthusiasten das kleine aber feine Kino in der Nordstadt, das von der Jury des Kinoprogrammpreises mit einer Programmprämie von 5.000 Euro bedacht wurde.

Ehrenamtliches Engagement macht sweetSixteen zur attraktiven Alternative für Film-Enthusiasten

Schauspieler Hans Löw, Dortmunder Kinobetreiberin Susanne Solbach (sweetSixteen), Thomas Schöneborn vom Scala Leverkusen, Peter Fotheringham (sweetSixteen) und Schauspieler Emilio Sakraya. Foto: Claudia Ast

Auch das sweetSixteen Kino im Kulturort Depot hat sich seinen Namen durch Filmvorführungen abseits des Mainstreams gemacht. Allein im Jahr 2017 wurden hier 328 Filme in 984 Vorstellungen an 359 Spieltagen präsentiert. Für das stets facettenreiche Programm arbeiten die ehrenamtlichen BetreiberInnen eng mit über 13 Kooperationspartnern zusammen. Ganze 66 Prozent der Filme waren Dokumentationen und 72 Prozent waren deutschsprachige Produktionen.

Neben dem normalen Programm gibt es immer wieder Sonderveranstaltungen wie Previews oder Stummfilmvorstellungen. Darüber hinaus gibt es regelmäßig Programme für Schulen und Kinder. Das sweetSixteen setzt bei seinen Vorstellungen auf altbewährte analoge Technologie, auch wenn digitales Equipment vorhanden ist. Um diese zu erhalten ist Pflege und Archivierung notwendig, die vom 16mm-Filmarchiv erledigt wird.

Die BetreiberInnen des sweetSixteen, Peter Fotheringham und Suse Solbach, erhielten für ihr ehrenamtliches Engagement unter anderem den „Engel der Nordstadt“ und waren 2016 nominiert für den Deutschen Engagementspreis des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 

Kino in der Brotfabrik in Bonn als bestes Programmkino in NRW prämiert

Auch das Programm wurde schon mehrfach prämiert. Dass dieses qualitativ hochwertig  und künstlerisch wertvoll ist, sah auch die Jury des Kinoprogrammpreises so und prämierte das Erwachsenenprogramm des sweetSixteen mit 10.000 Euro und das Kinder- und Jugendprogramm mit einer Summe von 1000 Euro.

Die Spritzenpreise der 28. Verleihung gingen an das Kino in der Brotfabrik in Bonn (14.000 Euro), die Filmpalette in Köln (16.000 Euro) und das Cinema in Münster (18.000 Euro). Eine Liste aller prämierten Kinos finden Sie im Anhang des Artikels.

Die Jury für den Kinoprogrammpreis 2018 setzte sich in diesem Jahr wie folgt zusammen: Emma Klopf (Prokino Filmverleih, München), Felix Bruder (AG Kino – Gilde e.V., Berlin), Stephan Holl (Rapid Eye Movies, Köln), Rainer Flaskamp (Splendid Film, Köln) und Britta Lengowski (Film- und Medienstiftung NRW).

Der Kinoprogrammpreis NRW fand als feierlicher Abschluss des Film- und Kinokongress statt, welchen die Film- und Medienstiftung NRW am 6. November im Kölnischen Kunstverein als eintägiges Event veranstaltete. Schwerpunkt war die Zukunftsgestaltung für das Kino.

Weitere Informationen:

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