Hilfe in schwierigen Lebensphasen: „Nimm dir, was du brauchst“, fordert das Krisenzentrum Dortmund auf

Mechthild Glaser, Ronja Schweer und Birgit Gössner klebten die Postkarten, auf das viele von den Passantinnen mitgenommen.
Mechthild Glaser, Ronja Schweer und Birgit Gössner klebten die Postkarten. Fotos: Susanne Schulte

Von Susanne Schulte

Manchmal muss man beherzt zugreifen, um das zu bekommen, was man braucht: Hilfe in Krisensituationen. Die gibt es in Dortmund seit 38 Jahren: schnelle Termine und kostenlose Gesprächsangebote. Weil sich aber immer noch viele Menschen nicht trauen, das zu nehmen, was sie brauchen, hat das Krisenzentrum Dortmund anlässlich des Tages der Suizid-Prävention das zugreifen leicht gemacht.

Kartenaktion statt Info-Stand – Auch so kommt die Information an die Menschen

So klebten die MitarbeiterInnen an drei Stellen in der Stadt, an den U-Bahn-Haltepunkten Reinoldi-Kirche und Stadtgarten sowie vor der Selbsthilfe-Kontaktstelle am Friedensplatz Einsteckpostkarten auf mit der Aufforderung: „Nimm dir, was du brauchst!“

Nahm man die eingesteckte Karte heraus, las man Vertrauen oder Hoffnung. Auf der noch klebenden Postkarte, selbstverständlich zum Abnehmen gedacht, standen Postadresse des Krisenzentrums sowie die Telefonnummer.

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Die Idee auf einen Info-Stand zu verzichten und sich eher im Hintergrund zu halten, hatte Ronja Schweer. Schweer ist Kommunikationsdesignerin, hatte ihre Bachelorarbeit zu dieser Art von Werbung geschrieben und das Krisenzentrum-Team mit der Idee überzeugt – die in Münster schon erfolgreich umgesetzt wurde.

Nun standen Birgit Gössner und Mechthild Glaser in Sichtweite des Pylons, hofften, dass die Karten abgenommen wurden und waren auch bereit, Menschen anzusprechen – wenn sie denn das Gefühl hatten, es komme gelegen.

Ein Griff im Vorbeigehen –die Hilfe
ist nur einen Anruf weit entfernt

„Ein Infostand“, so sagte Birgit Gössner, „kann Leute schon davon abhalten, sich zu informieren.“ Denn über Lebenskrisen zu reden, unter Depressionen zu leiden, sei immer noch ein Stigma.

Und wer wollte schon beim samstäglichen Stadtbummel von KollegInnen oder FreundInnen als Interessierter an einem Stand des Krisenzentrums gesehen werden? Da sei die Kartenaktion sehr viel niederschwelliger und nicht weniger erfolgreich.

Im Krisenzentrum an der Wellinghofer Straße 21 in Hörde gibt es innerhalb weniger Tage nach Anruf einen Gesprächstermin bei Fachleuten. Dieser und auch weitere Termine sind für die Rat- und Hilfesuchenden aus Dortmund kostenlos.

Oft würden schon wenige Gespräche den Frauen und Männern helfen, für sich einen Weg aus ihrer verzweifelten Lage zu finden, so Gössner. „Bei jedem läuft es manchmal nicht ganz rund. Wenn du Rat brauchst, sind wir da!“, hieß die Aufforderung, sich das Angebot zu nehmen, auf den Karten.

Mehr Infos:

  • Die Telefonnummer des Krisenzentrums: 0231/43 50 77.
  • Auf der Seite www.nimm.dir.de gibt es weitere Information zur Arbeit der Einrichtung.

Krisenzentrum kann Wege aus der Ausweglosigkeit zeigen – Gesprächsabend zur Suizidprävention im Depot

 

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Kommentare

  1. Krisenzentrum

    Internationaler Tag der Suizidprävention – das Krisenzentrum Dortmund informiert zu diesem Anlass auch in diesem Jahr über Hilfen in der suizidalen Krise.

    Anlässlich des Internationalen Tages der Suizidprävention wird das Krisenzentrum Dortmund, das sich seit fast 40 Jahren schwerpunktmäßig der Suizidprävention und –bewältigung verschreibt, am Samstag, den 09. September 2017 zwischen 10 und 16 Uhr in der Dortmunder Innenstadt auf Hilfemöglichkeiten für Menschen in akuten Krisen aufmerksam machen
    Mit Unterstützung von dsw 21 werden an den Standorten

    U-Bahn-Haltestelle Stadtgarten
    U-Bahn-Haltestelle Reinoldikirche

    in der Innenstadt hunderte Karten mit Aufklebern aushängen, um Betroffene und deren Angehörige niederschwellig zu erreichen. MitarbeiterInnen des Krisenzentrum stehen als Ansprechpartner bereit, um persönlich weiterführende Info`s zu geben.

    Nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben weltweit jährlich ungefähr eine Million Menschen durch Suizid. In Deutschland nehmen sich jedes Jahr etwa 10.000 Menschen selbst das Leben, mehr als 100.000 versuchen es. Es sterben daher in Deutschland nach wie vor mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten, illegale Drogen und Aids zusammen.
    In Dortmund töten sich jährlich etwa 60 Bürgerinnen und Bürger selbst. Nach Schätzungen der Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO hinterlässt jede dieser Selbsttötungen etwa fünf bis sieben Menschen, die direkt von dem Ereignis betroffen sind. Ein Suizid erfolgt häufig plötzlich, so dass die Hinterbliebenen davon völlig überrascht werden und ihnen die Möglichkeit fehlt, sich von dem Verstorbenen zu verabschieden.

    Die Bewältigung des Suizids einer nahestehenden Person verläuft sehr unterschiedlich. Oft fällt sie den Betroffenen jedoch sehr schwer, so dass Unterstützung in unterschiedlicher Form notwendig sein kann.
    Weitere Informationen finden sie unter http://www.krisenzentrum-dortmund.de und unter http://www.welttag-suizidpraevention.de

    Der Internationale Tag der Suizidprävention wird in diesem Jahr zum 15. Mal von der International Association for Suicide Prevention (IASP) und der Weltgesundheitsorganisation WHO veranstaltet. Durch ihn wird auf die weitgehend verdrängte Problematik der Suizidalität aufmerksam gemacht.

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