„Haus der Dortmunder Geschichte“ beschäftigt die Politik – Machbarkeitsstudie fürs Stadtarchiv lässt auf sich warten

Die Union-Vorstadt im Dortmunder Hafen ist hinter dem Hafenamt zu erkennen. Archivbild: Sammlung Klaus Winter, Dortmund
Die Union-Vorstadt im Hafen ist hinter dem Hafenamt zu erkennen. Archivbild: Sammlung Klaus Winter

Das Thema ist nicht ganz neu: Seit der Überlegung, den Kronenturm umzubauen und als Stadtarchiv zu nutzen, ist auch das „Haus der Dortmunder Geschichte“ – möglicherweise sogar auch im Kronenturm, andiskutiert worden. Während die städtische Vorlage für das Stadtarchiv weiter auf sich warten lässt, haben die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und CDU mittlerweile den Antrag, die Dortmunder Museumslandschaft durch die Einrichtung eines „Haus der Dortmunder Geschichte“ zu ergänzen, gestellt.

Grüne und CDU wollen einen Schwerpunkt auf 200 Jahre Migrationsgeschichte

Matthias Dudde (Grüne)

„Ein zeitlicher Schwerpunkt des ,Hauses der Dortmunder Geschichte’ muss der Zeitraum der vergangenen 200 Jahre sein, in dem Dortmund zur industriellen Großstadt wurde. In dieser Zeit wuchs die Bevölkerung von rund 4.500 zu Beginn der 1820er Jahre auf über 600.000 Menschen heute, sodass ein thematischer Schwerpunkt in der Migrationsgeschichte liegen soll“, begründete Matthias Dudde (Grüne) den Vorschlag. ___STEADY_PAYWALL___

Heute lebten Menschen aus 180 Nationen in der Stadt. Die Anlässe und Gründe in den vergangenen zwei Jahrhunderten nach Dortmund zu kommen seien vielfältig gewesen: „Die Menschen brachten ihre Persönlichkeit und ihre Arbeitskraft mit und bereicherten damit die städtische Gesellschaft ihrer jeweiligen Zeit. Damit würde ein ,Haus der Dortmunder Stadtgeschichte’ gut die industrielle Dortmunder Museumslandschaft mit Hoesch Museum, Brauereimuseum und Zeche Zollern II/IV ergänzen“, so Dudde. 

„Gerade wesentliche Veränderungen der wirtschaftlichen Struktur, der Zuwanderung und das veränderte städtebauliche Bild Dortmunds zeigen, dass die Realität in Dortmund keinen Niederschlag findet in der örtlichen Museumsausrichtung. Der Phoenix-See, Phoenix-West oder Hohenbuschei – um nur einige zu nennen – zeigen, dass sich das Gesicht Dortmunds in den letzten Jahren sehr stark verändert hat“, ergänzt Ute Mais, kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. Wo einst noch die Kohle- und Stahlindustrie vorzufinden war, finden sich heute Technologie, Universität und Industrie.

Aufwertung der Angebote zu einer „Dortmunder Museumsmeile“ als Idee

Ute Mais ist neue 3. Bürgermeisterin der Stadt Dortmund. Foto: Leopold Achilles
Ute Mais (CDU). Foto: Leopold Achilles

„Dortmund hat es als fast einzige Ruhrgebietsstadt verstanden, einen industriellen Wechsel zu vollziehen und dabei alle anderen Herausforderungen – wie beispielsweise die Zuwanderung – zu meistern. Genau diese Entwicklung sollte in einem ,Haus der Dortmunder Geschichte’ aufgezeigt und dargestellt werden, damit allen BürgerInnen die gesamte historische Entwicklung Dortmunds aufgezeigt wird“, so Mais.

Das Interesse an Dortmunder Geschichte und Museen sei groß. Das belege das Interesse an der „Dortmunder Museumsnacht“ jedes Jahr neu. Eine Verbindung der oben genannten Museen zu einer „Dortmunder Museumsmeile“ würde den Museen in der City noch einmal einen höheren Stellenwert zukommen lassen und könnte über die Grenzen Dortmunds hinaus beworben werden. „So wird Kultur erlebbarer und ereignisreicher“, betonen die Fraktionen in ihrem Antrag,

Im Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit wurde weitgehend wohlwollend diskutiert – kontrovers war nur der Punkt ob dies in einem eigenen neuen Museum passieren solle. Dies wies Mais jedoch zurück: Vielmehr solle ein bereits bestehendes Museum – zum Beispiel das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte – erweitert werden. 

Kritik gab es nur von der AfD – sie stellte den Schwerpunkt Migration in Frage. Der Ausschuss befürwortete den Antrag von Grünen und CDU und gab ihn als Prüfauftrag weiter. Die Stadtverwaltung soll entsprechende Vorschläge machen, wie ein solches Haus realisiert werden sollte.

Ergebnisse der Machbarkeits-Studie zum Kronenturm noch unter Verschluss

Der Brauerei-Turm wartet auf eine neue Nutzung.
Der Kronen-Brauerei-Turm wartet weiter auf eine neue Nutzung. Archivbild: Alex Völkel

Ob und wie es mit dem Stadtarchiv und der Nutzung des Kronenturms weitergeht, ist weiterhin offen. Im November 2018 war die Idee bei einem Ortstermin vorgestellt worden. Innerhalb eines Jahres könne eine Machbarkeitsstudie auf dem Tisch liegen, hieß es damals aus den Kulturbetrieben. Doch daraus wurde nichts. Auch die Ankündigung, dass der Rat „bis Anfang 2021“ entscheiden solle, ist vergessen.

Bis heute liegt den politischen Gremien kein entscheidungsreifes Papier vor. „Die Machbarkeitsstudie zum Kronenturm wird derzeit aufbereitet und dann mit Ergebnissen und daraus folgenden Empfehlungen in eine Vorlage an die Politik münden. Ein Zeitpunkt dafür ist noch nicht absehbar, eine Zeitschiene wollte Stadtdirektor Jörg Stüdemann auch nicht nennen, hieß es auf Nachfrage von Nordstadtblogger. 

Dementsprechend könnte der Vorschlag, die freien Flächen im Stadtarchiv für eine Ausstellung für Dortmunder Stadtgeschichte zu nutzen, noch eingearbeitet werden. Diesen Vorschlag hatte Heimatforscher Klaus Winter im vergangenen Jahr in Form eines flammenden Appells gemacht. 

Er findet den Vorschlag für ein „Haus der Dortmunder Geschichte“ gut, fragt aber, warum es eine Begrenzung des neuen Hauses auf eine zweihundertjährige Migrationsgeschichte geben soll. „Bereits seit Jahrzehnten wird immer wieder mal ein stadthistorisches Museum für Dortmund gefordert – bisher vergeblich“, erinnert Winter. 

Appell: Bringen wir Stadtarchiv und Stadtgeschichtliches Museum unter ein Dach

Kaiserzeitliches Dortmund im Ausstellungsbereich "Die Neue Stadt" im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK), Dortmund
Kaiserzeitliches Dortmund im Ausstellungsbereich „Die Neue Stadt“ im MKK. Foto: Klaus Winter

„Wer Stadtgeschichte sehen will, muss sich im Museum für Kunst und Kulturgeschichte auf eine ausgiebige Suchexpedition einstellen. Die Ergebnisse sind oft wenig befriedigend, um nicht zu sagen: enttäuschend“, kommentiert der Heimatforscher.

„Es besteht jetzt die Chance, im Kronenturm an der Märkischen Straße geeignete Räume für das Stadtarchiv einzurichten. Es bleibt bei solcher Nutzung ausreichend Raum für andere Zwecke. Warum sollte ein solcher Zweck nicht ein stadtgeschichtliches Museum sein“, erneuert er seinen Appell. 

Selbstverständlich könne das Hauptaugenmerk dieses neuen Museums auf den vergangenen zweihundert Jahren liegen. Das ergebe sich aus der Frage nach der Beschaffung der Exponate vermutlich zwangsläufig von selbst.

„Machen wir aber bitte doch einen echten Schritt vorwärts: Entwirren wir den Mischmasch im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, indem wir dort allein der Kunst und Kulturgeschichte ihren Raum geben, die darin vorhandenen stadtgeschichtlichen Exponate aber in ein eigenes, neues Museum im Kronenturm überführen“, so Winter.

„Und bringen wir Stadtarchiv und Stadtgeschichtliches Museum unter ein Dach, um ein echtes Haus der Dortmunder Geschichte zu schaffen, mit dem kurzen Weg zwischen unterschiedlichen stadtgeschichtlichen Quellen. Die Chancen dafür waren noch nie so gut wie jetzt! Nutzen wir sie doch“, appelliert der bekannte Dortmunder Heimatforscher.

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Kommentare

  1. Björn Wrocklage

    Es ist mehr als beschämend, dass Dortmund im Gegensatz zu vielen anderen Städten, kein eigenes Museum für die Geschichte der Stadt hat. Die kleine Ausstellung zur Dortmunder Stadtgeschichte im Museum für Kunst und Kulturgeschichte kennen nur die wenigsten Geschichtsinteressierten Dortmunder. Ein „Haus der Dortmunder Geschichte“ ist daher schon lange überfällig.

    Wie Klaus Winter halte auch ich es allerdings für nicht nachvollziehbar, warum in einem „Haus der Dortmunder Geschichte“ nur die letzten 200 der über 1100 Jährigen Stadtgeschichte gezeigt werden sollen. In seiner langen Geschichte hat Dortmund bereits viele Brüche und Wandel erlebt. Von der Königspfalz zur hochangesehenen Hansestadt. Nach der Zeit der Hanse eine Art Dornröschenschlaf als Ackerbürgerstadt. Mit der Anbindung an das Bahnnetz wurde Dortmund zu einer Industriestadt, die lange vom Dreiklang aus Kohle, Stahl und Bier geprägt war. Inzwischen befindet sich Dortmund wieder im Wandel zu einem Standort für Logistik, Technologie und Dienstleistungen. In einem Stadtgeschichtlichen Museum sollte schon die gesamte Stadtgeschichte gezeigt werden.

    Einzig beim möglichen Standort für ein solches Museum würde ich Klaus Winter widersprechen. Ein Stadtgeschichtliches Museum sollte schon einen eigenständigen, vom Stadtarchiv unabhängigen Standort haben. Aus meiner Sicht gäbe es für ein Stadtgeschichtliches Museum keinen besseren Standort als ein wiederaufgebautes Altes Rathaus am Alten Markt, das wie kein anderer Bau für die Geschichte dieser Stadt stehen würde. Die Ausstellung könnte man so einrichten, dass man direkt vom Mittelalter (alter Ratssaal) bis über die Zeit der Industriellen Revolution (Krone am Markt) bis in die Neuzeit wandeln könnte. Ähnlich wie im Alten Rathaus von Leipzig, dass ebenfalls als Stadtgeschichtliches Museum genutzt wird. Den Wiederaufbau des Alten Rathauses als Stadtgeschichtliches Museum könnte man mit Spenden finanzieren. Mit einem Wiederaufbau des Alten Rathauses als Stadtgeschichtliches Museum könnte man die wohl größte Fehlentscheidung der Stadtgeschichte, das älteste steinerne Rathaus nördlich der Alpen abzureißen, korrigieren und den Alten Markt deutlich attraktiver gestalten.

    Es wäre eine Mutige, aber auch richtige und überfällige Entscheidung, das Alte Rathaus als „Haus der Dortmunder Geschichte wiederaufzubauen. Diesen Mut sollte man haben. Er würde sich auszahlen.

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