
Ein neuer Rekord, aber dennoch wenig gute Nachrichten: So viele Fördermittel in einem Jahr wie noch nie zuvor sind im vergangenen Jahr nach Dortmund in den öffentlich geförderten Wohnungsbau geflossen. Das Amt für Wohnen hat mithilfe der Gelder des Landes NRW erneut einen Rekord aufgestellt. Doch erstmals konnten nicht alle förderfähigen Projekte finanziert werden. In diesem Jahr könnte es sogar noch enger werden. Und trotz der Rekordsummen sinkt die Zahl der mietpreisgebundenen Wohnungen weiter.
Deutlicher Schub: 110 statt 40 Millionen Euro ausgeschüttet
Rund 110 Millionen Euro für 72 Einzelprojekte mit insgesamt 604 Wohnungen konnte die Stadt bewilligen. Darunter fielen Neubauten, die Modernisierung von Wohnraum, der Ankauf von Eigentumsobjekten sowie Maßnahmen, um bezahlbare Mieten und Belegungsbindungen langfristig zu sichern.

Das Problem: Die Baukosten steigen immer weiter. Trotz Rekordsummen steigen die Zahlen der öffentlich geförderten Wohnungen nicht an – im Gegenteil: Es fallen trotz in den vergangenen Jahren intensivierten Neubaus weiterhin mehr Wohnungen aus der Mietpreisbindung als neue hinzu kommen.
Das zeigen zwei Zahlen: Der geförderte Wohnungsbestand in Dortmund zum 31. Dezember 2025 beläuft sich auf 20.879 geförderte Wohnungen 19.871 Mietwohnungen und 1.008 Eigentumsmaßnahmen). Im Laufe des Jahres 2025 sind die Belegungsbindungen für 996 geförderte Mietwohnungen und für 73 geförderte Eigentumsmaßnahmen ausgelaufen.
Zu Jahresbeginn 2025 standen der Stadt Dortmund zunächst 40 Millionen Euro Wohnraumfördermittel des Landes NRW zur Verfügung. Doch für die vielen Anträge reichte das nicht aus. Daher wurden der Stadt im Jahresverlauf zusätzliche Finanzmittel zugewiesen. Für die Bewilligung musste die Bauherrschaft eine ganze Reihe von Kriterien erfüllen.
Der Rekord aus dem Vorjahr wurde nochmals übertroffen
Die öffentliche Wohnraumförderung des Landes Nordrhein-Westfalen hat zum Ziel, qualitätsvollen, energieeffizienten und barrierefreien Wohnraum zu fördern, der für Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen bezahlbar ist.

Die Bautätigkeit ist rückläufig und die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau sind allgemein schwer, unter anderem wegen hoher Baukosten, hoher Kapitalmarktzinsen und wegen des Fachkräftemangels. Dennoch konnte in Dortmund im Jahr 2025 das Rekordergebnis des Vorjahres (93 Millionen Euro) nochmals übertroffen werden.
Der Fokus der Wohnraumförderung lag 2025 auf dem Neubau dringend benötigter Mietwohnungen. 87 Prozent der bewilligten Förderdarlehen, also rund 95 Millionen Euro, entfielen darauf – insgesamt können so 390 neue Wohnungen entstehen.
Hier macht sich die Quotenregelung für den geförderten Mietwohnungsneubau bemerkbar. Es zahlt sich aus, dass die Stadt kontinuierlich Planrecht geschaffen hat – die Wirkung entfaltet sich nun nach und nach.
Die Stadt Dortmund hat besondere Zielgruppen im Blick
Um die Wohnraumversorgung für besondere Zielgruppen zu verbessern, wurden für sie gezielt Angebote gefördert. Es können jetzt unter anderem 26 Mieteinfamilienhäuser für kinderreiche Haushalte, sieben für Rollstuhlfahrende sowie 74 Wohnheimplätze für Auszubildende und Studierende entstehen.

Besonders hoch blieb die Nachfrage nach Fördermitteln für Eigenheime und Eigentumswohnungen. Gerade wenn die Kapitalmarktzinsen hoch sind, ist die Eigentumsförderung für Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu den eigenen vier Wänden.
27 Förderzusagen mit Förderdarlehen in Höhe von ca. sechs Millionen Euro wurden für den Neubau bzw. den Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum erteilt. Darüber hinaus fließen zwei Millionen Euro in die Modernisierung von 15 Eigentumsobjekten.
Trotz Rekordsumme: Die Nachfrage war noch viel höher
Erstmals seit Jahrzehnten konnte die Stadt zum Ende des Förderjahres 2025 nicht für alle bewilligungsreifen Anträge Förderzusagen erteilen. Der Fördertopf des Landes war ausgeschöpft, so dass von dort keine weiteren Mittel mehr für Dortmunder Projekte zur Verfügung gestellt werden konnten. Diese Projekte können nun erst im neuen Förderjahr 2026 ab Mitte Februar bewilligt werden.

„Wir kommen in eine Situation, wo wir Projekte nicht mehr bedienen können. Das ist 2025 noch nicht so ganz deutlich geworden. 14 Projekte im Volumen von 31 Millionen Euro wurden nicht bestätigt – sie werden in 2026 vorgezogen, weil sie förderreif gewesen sind“, berichtet der zuständige Dezernent Stefan Szuggat.
Für die betroffenen Projekte sei das noch kein Problem: „Sie haben eine Zeitverzug von mehreren Monaten. Für die Projekte ist das aushaltbar“, so Szuggat. Denn wenn das neue Globalbudget im März vom Land angewiesen werde, würden diese Projekte prioritär beschieden, weil diese ja schon 2025 förderreif gewesen seien.
Anträge für 2026 ergeben schon jetzt 300 Millionen Euro
Doch das Problem wird sich im Lauf des Jahres verschärfen: Das Interesse an Wohnraumfördermitteln steigt immer weiter an. Aktuell liegen dem Amt für Wohnen für 2026 weitaus mehr Anträge vor als zum Vergleichszeitraum im Vorjahr. Und weitere Bauvorhaben befinden sich in der Planungs- und Qualifizierungsphase.

„Würde man alles bewilligen wollen, benötigte man für 2026 schon jetzt ein Fördervolumen von rund 300 Millionen Euro“, so Szuggat. Selbst wenn erneut das Rekordvolumen von 110 Millionen Euro nach Dortmund gehen würden, müssten schon jetzt fast zwei Drittel der Anträge abgelehnt werden.
„Frau Minister Scharrenbach weiß, dass wir in Dortmund sehr viele Projekte haben“, so der Dortmunder Dezernent für Planen und Wohnen. Das Land NRW hatte im Dezember 2025 mitgeteilt, dass 2026/2027 dank zusätzlicher Mittel des Bundes für die Wohnraumförderung insgesamt noch einmal 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen werden.
Trotzdem wird die Budgetsituation landesweit sehr angespannt bleiben, denn die für Dortmund beschriebene Situation trifft in unterschiedlichen Ausprägungen auf den Großteil der Städte und Kreise in NRW zu.
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Reaktionen
Studie: Nordrhein-Westfalen braucht pro Jahr 17.900 neue Sozialwohnungen – Jüngere und Ältere sind die Verlierer auf dem Wohnungsmarkt in Dortmund (PM IG BAU)
Jüngere und ältere Menschen gehören zu den Verlierern, wenn es ums Wohnen geht: „Etliche der rund 10.900 Azubis in Dortmund wohnen noch bei ihren Eltern. Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten“, sagt Gabriele Henter von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Das Wohnen werde gerade auch für Azubis mehr und mehr zum Problem. Das zeigt, so die IG BAU Bochum-Dortmund, der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ vom Pestel-Institut, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat.
„Tragisch ist es, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist. Etwa dann, wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe des Ausbildungsbetriebs bezahlen können“, so Gabriele Henter. Die Bezirksvorsitzende der IG BAU Bochum-Dortmund warnt: „Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben“, so Gabriele Henter.
Deshalb sollten der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen den Neubau von Azubi-Wohnungen unterstützen – vor allem im Umfeld von Ausbildungszentren. Gabriele Henter spricht sich dabei auch für Steueranreize aus, wenn ein Betrieb dafür sorgt, dass seine Auszubildenden ein Dach über dem Kopf bekommen. Probleme auf dem Wohnungsmarkt hätten auch Studierende. „Deshalb muss es auch in Universitätsstädten eine gezielte Förderung für den Neubau von Studi-Wohnungen geben“, so Henter.
Darüber hinaus warnt die IG BAU Bochum-Dortmund vor „Wohnarmut im Alter“. Sie hat dabei die geburtenstarken Jahrgänge im Blick: rund 65.300 Baby-Boomer in Dortmund, die nach Berechnungen des Pestel-Instituts bis 2035 komplett in Rente sein werden. „Viele der Baby-Boomer in Dortmund bekommen nur eine niedrige Rente. Denn sie haben oft Phasen von Arbeitslosigkeit hinter sich. Außerdem haben sie ganz häufig auch für niedrige Löhne gearbeitet. Wenn die Baby-Boomer in den nächsten Jahren in Rente gehen, werden etliche sich ihre bisherige Wohnung kaum oder gar nicht mehr leisten können: Sie wohnen sich regelrecht arm“, sagt Gabriele Henter.
Die IG BAU warnt vor einer weiteren Verschärfung auf dem Wohnungsmarkt. „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das muss sich ändern. Wir brauchen wieder sinkende und damit bezahlbare Mieten“, fordert IG BAU-Bezirkschefin Henter. Ein wichtiger Schritt, um dahin zu kommen, seien mehr Sozialwohnungen. „Nur mehr günstiger Wohnraum sorgt für Druck auf die Mieten am Markt. Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache und zur Sache der politischen Vernunft werden“, so Gabriele Henter.
Der „Soziale Wohn-Monitor“ vom Pestel-Institut nenne dabei eine erste Zielmarke: die Verdopplung von derzeit 1 auf 2 Millionen Sozialwohnungen bundesweit bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts. Für Nordrhein-Westfalen bedeute das konkret: „Bis 2035 muss es in ganz Nordrhein-Westfalen 454.900 Sozialwohnungen geben“, so Gabriele Henter. Der „Soziale Wohn-Monitor“ lege damit eine deutliche Messlatte: 17.900 zusätzliche Sozialwohnungen für Nordrhein-Westfalen pro Jahr.
Um diese Zielmarke bei den Sozialwohnungen zu erreichen, sei eine intensive Förderung durch den Bund und das Land Nordrhein-Westfalen notwendig. „Die Fördergelder des Bundes müssen dabei schon gleich zum Baubeginn bereitstehen. Sie dürfen nicht erst über Jahre verteilt ausgeschüttet werden“, fordert Henter.
Ein wichtiger Punkt seien auch die Baukosten: Um günstiger bauen zu können, biete der Regelstandard „Erleichtertes Bauen“ eine ideale Lösung. „Es geht darum, einfacher zu bauen – und damit fürs gleiche Geld mehr Sozialwohnungen bauen zu können. Und das trotzdem in guter Qualität, mit niedrigen Instandhaltungskosten“, erläutert Gabriele Henter.
Außerdem müsse das Land eine öffentliche Statistik führen: „Es ist wichtig, zu wissen, wo in Nordrhein-Westfalen wie viele Sozialwohnungen pro Monat neu gebaut worden sind“, sagt die Vorsitzende der IG BAU Bochum-Dortmund.