
Nach Ausschreitungen im Zusammenhang mit einer Versammlung in der Dortmunder Innenstadt hat die Polizei Dortmund eine Ermittlungskommission eingerichtet und bereitet sich auf eine weitere Versammlung vor. Anlass sind die Ereignisse vom Dienstag (20. Januar 2026) bei einer Demonstration mit Bezug zu kurdischen Anliegen. Bereits am Freitag soll es eine weitere Demo geben.
Nach Krawallen bei Demo: Polizei kündigt verstärkten Einsatz an

Bereits unmittelbar nach der Versammlung leitete die Polizei Ermittlungsverfahren wegen schweren Landfriedensbruchs, Körperverletzungsdelikten und Sachbeschädigung ein. Zwar verhielt sich der Großteil der Teilnehmenden friedlich, im Verlauf und im Nachgang kam es jedoch durch einzelne Personen oder Gruppen zu teils erheblichen Ausschreitungen.
Die neu eingerichtete Ermittlungskommission wertet nun unter anderem gesichertes Videomaterial aus, um Tatverdächtige zu identifizieren und zur Verantwortung zu ziehen.

Polizeipräsident Gregor Lange betonte die Bedeutung der Versammlungs- und Meinungsfreiheit, machte aber zugleich deutlich, dass diese nur im Rahmen der geltenden Gesetze gelte. Das Verhalten einzelner Teilnehmender bezeichnete er als „vollkommen inakzeptabel“.
Für weitere Versammlungen, insbesondere für die am Freitag angemeldete, kündigte er einen verstärkten Kräfteeinsatz an. Ziel sei es, die Sicherheit der Teilnehmenden und Unbeteiligter zu gewährleisten und bei Verstößen konsequent einzuschreiten.
Polizei Dortmund bereitet sich auf weitere Versammlung vor
Für Freitag (23. Januar) liegt der Polizei Dortmund eine erneute Versammlungsanmeldung für einen Aufzug mit Bezug zu kurdischen Anliegen in der Innenstadt vor. Die Versammlung ist für die Zeit von 16 Uhr bis 18 Uhr angemeldet, erwartet werden bis zu 400 Teilnehmende.

Die Polizei befindet sich dazu in enger Abstimmung mit dem Anmelder und prüft angesichts der Ereignisse vom vergangenen Dienstag die Festlegung geeigneter Auflagen. Aufgrund der Versammlungslage kann es am Freitag zwischen 16 Uhr und 18 Uhr sowie während der An- und Abreisephase zu Verkehrsbeeinträchtigungen in der Dortmunder Innenstadt kommen.
Besucherinnen und Besucher sowie Anwohnende werden gebeten, dies bei ihren Planungen zu berücksichtigen. Am Einsatztag will die Polizei die Bevölkerung über ihre Social-Media-Kanäle über die Lage informieren.
Die geplante Demonstration soll um 16 Uhr starten. Los geht es am Platz von Xian (vor dem Cinestar), führt durch die nördliche Innenstadt – u.a. über die Bornstraße – und soll auf der Südseite des Hauptbahnhofs am Platz der Deutschen Einheit enden.
4000 statt 400 Teilnehmende bei der Demo am Dienstag

Bei der Versammlung am Dienstag hatten nach polizeilichen Schätzungen rund 4.000 Menschen an dem Aufzug teilgenommen, obwohl lediglich etwa 400 Personen angemeldet waren. Der Aufzug begann um 17.15 Uhr und sollte vom Platz der Deutschen Einheit über den Wall und den Brüderweg zurückführen.
Wegen der hohen Teilnehmerzahl musste die Route geändert werden, zeitweise erstreckte sich der Aufzug über den gesamten Wall. Während der Versammlung wurde Pyrotechnik gezündet, zudem kam es zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen. Die Polizei setzte kurzfristig zusätzliche Unterstützungskräfte ein, um die Sicherheit zu gewährleisten. Die Versammlung endete um 19.08 Uhr.

In der anschließenden Abmarschphase wurden sieben Polizeibeschäftigte durch in ihrer Nähe detonierende Böller verletzt und medizinisch versorgt. Ehemalige Versammlungsteilnehmende warfen außerdem Steine auf Einsatzkräfte, verletzt wurde dabei niemand.
Im Bereich der Brückstraße kam es am Rand der Versammlung zu massiven Ausschreitungen, bei denen u.a. Fensterscheiben von Imbissbetrieben beschädigt wurden. Die Polizei bewertete die Vorfälle als schwerwiegende Straftaten und leitete zwei Strafverfahren wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs ein. Die Ermittlungen dauern an.
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Reaktionen
Demonstration am Freitag – Einschränkungen im Busverkehr im Bereich Hbf. möglich (PM)
Wegen einer größeren Demonstration kann es am morgigen Freitag (23. Januar), ab ca. 16 Uhr Uhr zu Einschränkungen im Busverkehr von DSW21 im Bereich um den Hauptbahnhof kommen. Betroffen sein könnten hier der Schienenersatzverkehr der Stadtbahnlinien U41/U47 sowie die Linien 400, 460 und AirportExpress. Informationen und die aktuelle Fahrplanauskunft gibt’s im Internet auf http://www.bus-und-bahn.de sowie in der DSW21-App.
Zînê
Bitte berichtet auch über die Hintergründe: „Kurdische Anliegen“ ist verharmlosend, es geht um Massaker und Überfall durch das islamistische syrische Regime auf die kurdische Region Rojava unterstützt durch die Türkei. Tausende IS Terroristen wurden dabei befreit. Macht euch die Arbeit und recherchiert die Hintergründe. Auch kam es im Vorfeld der Sachbeschädigung zu massiven Provokationen und antikurdischem Rassismus von Seiten der Syrer. Natürlich sind Körperverletzung und Sachbeschädigung nicht hinnehmbar, aber diese Berichterstattung ist einseitig und kriminalisiert die Kurden.
Nordstadtblogger-Redaktion
Hallo, Danke für die Hinweise. Das ist uns auch bewusst und haben wir auch kundgetan, dass es u.a. um Morde und Unterdrückung geht. Aber es wäre auch an den Demo-Anmelder:innen, ihre Anliegen zu kommunizieren. Aber da kam weder vor der letzten noch vor der morgigen Demo etwas. Wenn man der Mehrheitsgesellschaft etwas kommunizieren will und für Akzeptanz werden möchte, muss man das auch tun. Dann kann man (vielleicht) auch etwas an der Tendenz der Berichterstattung beeinflussen….
Standkundgebung am heutigen Freitagnachmittag auf dem Platz von Xi’an: Bis zu 4.000 Personen erwartet (PM POL-DO)
Am heutigen Freitagnachmittag (23. Januar) findet auf dem Platz von Xi’an eine Versammlung mit Bezug zu kurdischen Anliegen statt. Der Versammlungsanmelder hat am gestrigen Tage die Zahl der Teilnehmenden mit 3.000 bis 4.000 Personen angegeben und darüber hinaus eine Standkundgebung statt eines Aufzugs angezeigt. Die Versammlung beginnt um 16 Uhr.
Die Polizei Dortmund bereitet sich als Versammlungsbehörde intensiv auf den heutigen Einsatz vor. Von größeren Verkehrsproblemen ist derzeit nicht auszugehen. Die Polizei Dortmund wird die Plattformen X und WhatsApp als Einsatzkanal nutzen und situationsangepasst über den Einsatzverlauf berichten.
Solidaritätsveranstaltung im Welthaus: Zwischen Selbstverwaltung und Widerstand – Podiumsgespräch zu Rojava und Rojhilat (PM)
Unter dem Motto „Rojava Rojhilat e, Kurdistan Yek Welat e!“ lädt das Welthaus Dortmund e.V. zu einer Solidaritätsveranstaltung mit Podiumsgespräch ein. Im Mittelpunkt steht die aktuelle Lage in Rojava und Rojhilat. Die Veranstaltung findet am Freitag, 13. Februar, um 17 Uhr im Welthaus Dortmund e.V., Rosental 1, 44135 Dortmund, statt. Der Eintritt ist kostenlos.
Seit dem 6. Januar greift die sogenannte syrische „Übergangsregierung“ die kurdische Region Rojava in Syrien militärisch an. Die bislang selbstverwaltete Region steht damit mitsamt ihres demokratischen, pluralistischen, ökologischen und feministischen Projekts unter direktem Beschuss.
Auch in Rojhilat im Iran ist die Situation von massiver staatlicher Gewalt geprägt. Demonstrationen werden brutal niedergeschlagen, Protestierende inhaftiert oder hingerichtet.
Im Podiumsgespräch geht es um die aktuellen Angriffe, deren politische Hintergründe sowie um Perspektiven feministischer und basisdemokratischer Kämpfe. Die Veranstalterinnen und Veranstalter rufen zur solidarischen Teilnahme auf. 
AWO lädt zur Diskussion über Zukunft der Selbstverwaltung in Rojava ein (PM)
Die Integrationsagentur im Unterbezirk der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Dortmund lädt zu einem Online-Vortrag zur Lage in Nord- und Ostsyrien ein. Unter dem Titel „Das Ende einer Hoffnung? – Eine Bestandsaufnahme zur Lage in Rojava“ gibt die Politikwissenschaftlerin und Nahost-Expertin Dr. Dastan Jasim Einblicke in die aktuellen Entwicklungen in der Region. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 25. Februar 2026, statt.
Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen der syrischen Machtverschiebung auf die demokratische Selbstverwaltung vor Ort. Zudem geht es um die Sicherheitslage sowie mögliche geopolitische Folgen. Der Vortrag wird als Online-Diskussion angeboten und beginnt um 19 Uhr. Die Teilnahme erfolgt via Zoom, der Zugangslink wird einige Tage vor der Veranstaltung verschickt.
Eine Anmeldung ist erforderlich und per E-Mail an ikuz@awo-dortmund.de möglich. Veranstalter ist die Integrationsagentur der AWO Unterbezirk Dortmund.