Geborgen daheim: So erweitert der ambulante Dienst der SHDO sein Unterstützungsangebot

In Dortmund steigt die Zahl der Hilfsbedürftigen im Alter kontinuierlich an

Bild zeigt: Kochgruppe für trauernde Männer
Ein Angebot ist die Kochgruppe für trauernde Männer. Foto: H. Sommer

Niemand denkt gern daran, dass im Alter das alltägliche Leben beschwerlich oder sogar erheblich eingeschränkt sein kann. Aber für viele Menschen ist im letzten Lebensabschnitt genau das der Fall. Und wenn dann die Unterstützung durch Angehörige nicht oder nicht ausreichend gegeben ist, können ambulante Dienstleistungen das Leben in den eigenen vier Wänden dennoch ermöglichen.

Auch in Dortmund nimmt der Pflegebedarf zu

Nicht wenige Dortmunder:innen bedürfen der Pflege. Offiziell ist von etwa 40.000 Menschen die Rede. Martin Strehlau, Pflegedienstleiter im ambulanten Dienst der Städtische Seniorenheime Dortmund gGmbH (SHDO), vermutet, dass es tatsächlich mehr als doppelt so viele sind.

Martin Strehlau, den Leiter des ambulanten Pflegedienstes SHDO Ambulant (rechts) im Beratungsgespräch.
Martin Strehlau, den Leiter des ambulanten Pflegedienstes SHDO Ambulant (rechts) im Beratungsgespräch. Foto: SHDO

Offiziell werden ja nur diejenigen erfasst, deren Pflegebedürftigkeit anerkannt wurde und die darum professionell versorgt werden.

Hinzu kommen viele Menschen, die von Angehörigen unterstützt werden und die ihnen eigentlich zustehenden Leistungen aber nicht in Anspruch nehmen. „Viele Menschen wissen nicht was ihnen zusteht. Oder sie schämen sich, derlei Leistungen in Anspruch zu nehmen“, weiß Martin Strehlau aus Erfahrung. Die SHDO, ein gemeinnütziges Unternehmen, hat den Bedarf erkannt und vor vier Jahren damit begonnen, einen ambulanten Pflegedienst aufzubauen, der vor zwei Jahren seine Arbeit aufnahm.

Damit erfuhr das bekannte Angebot der Pflege- und Betreuungseinrichtungen der SHDO eine wirksame Ergänzung, deren Bedeutung immer mehr zutage tritt.

Hilfe, die da ist, wenn die eigenen Kräfte nicht mehr ausreichen

Vermutlich wünscht es sich jeder Mensch, bei Bedarf zuhause gepflegt zu werden. Die Umgebung ist vertraut und Angehörige gewährleisten eine menschliche Nähe, die in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nicht ohne weiteres herzustellen ist.

Bild zeigt: Der ambulante Pflegedienst.
Impressionen vor Ort Foto: H. Sommer

So verständlich der Wunsch nach Verbleib in den eigenen vier Wänden auch ist, kann es dennoch sein, dass die erforderlichen Leistungen von den Angehörigen der Pflegebedürftigen nicht einfach oder gar nicht erbracht werden können.

Dann ist die Unterstützung durch ambulante Pflegedienste gefragt. Diesbezüglich gilt es zunächst, die häusliche Pflege und die Behandlungspflege voneinander zu unterscheiden.

Mit der häuslichen Pflege wird gewährleistet, dass Bedürftige dann Unterstützung erhalten, wenn die eigene körperliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Körperpflege, Zubereitung von Mahlzeiten, aber auch die Mobilisierung oder die Lagerung im Bett wird dann durch Pflegende unterstützt.

Fachkräfte übernehmen die ärztlich verordneten Aufgaben

Demgegenüber geht es bei der Behandlungspflege um medizinisch-therapeutische Maßnahmen gemäß ärztlicher Verordnung. Wundversorgung, Blutzuckermessungen, Insulingaben, medizinische Einreibungen usw. erfordern ein fachliches Geschick, das von Angehörigen nicht immer zu leisten ist.

Bild zeigt: Impressionen vor Ort
Angebote der SHDO. Foto: H. Sommer

Ambulante Pflegedienste können auch das übernehmen und sogar übergangsweise einspringen, wenn pflegende Angehörige mal eine Pause brauchen oder selbst erkrankt sind.

Bedenkt man, dass es in Dortmund 124 ambulante Pflegedienste und 57 stationäre Pflegeeinrichtungen gibt, stellt sich natürlich die Frage, was das Angebot der SHDO von allen anderen abhebt. Und da gibt es tatsächlich einiges!

Niedrigschwellige Angebote unterschiedlichster Art

Die Pflege in der eigenen Wohnung bringt für Angehörige besondere Belastungen mit sich. Der eigene Tagesablauf verändert sich, körperliche Belastungen kommen hinzu und auch die Psyche wird zuweilen enorm in Anspruch genommen. Oft sind pflegende Angehörige damit allein.

Bild zeigt: Portrait Michaela Strehlau, Pflegedienstleitung
Michaela Strehlau, Pflegedienstleitung. Foto: H. Sommer

Den Bedarf nach zwischenzeitlicher Erholung und dem Austausch mit anderen Betroffenen oder Sachkundigen begegnet man darum in der SHDO mit besonderen Angeboten, die von Michaela Strehlau als Leiterin der Pflegeberatung und Quartierskoordinatorin verantwortet werden.

In einem Pflege-Trainings-Zentrum beispielsweise können Pflegebedürftige und deren Angehörige ausprobieren, ob und in welchem Umfang Pflege in den eigenen vier Wänden überhaupt möglich ist.

Unter fachkundiger Anleitung können Erfahrungen gesammelt und Handgriffe gelernt werden. Die entsprechenden Beratungsangebote gibt es auch, damit die richtigen Anträge bei den zuständigen Stellen sachgerecht gestellt werden können. Überhaupt sollen Pflegedürftige und deren Angehörige niederschwellig Zugang zu allem erhalten, was ihre oft schwierige Situation erträglicher macht.

Betroffene finden hier Raum für Kultur und Austausch

Der „Pflegekiosk“ in der Bergstraße kann an allen Werktagen ohne Anmeldung aufgesucht werden. Hier gibt es nicht etwa nur Beratungen rund um das Thema Pflege, sondern auch viele Angebote des kulturellen Lebens, wie Vorträge, Kochkurse oder Plauderrunden in gemütlicher Atmosphäre. Sogar ein „Boxen für jedermann“ wird – in getrennten Gruppen für Frauen und Männer –  angeboten.

Das wöchentlichen Boxtraining. Geleitet wird dieses von Ugur Aslantas, dem jungen Mann mit der schwarzen Kappe.
Das wöchentlichen Boxtraining. Geleitet wird dieses von Ugur Aslantas, dem jungen Mann mit der schwarzen Kappe. Foto: SHDO

Was anmutet wie ein ungewöhnliches Sportangebot für Senioren, ist allerdings mit einem klaren therapeutischen Nutzen verbunden. Unter Anleitung eines erfahrenen Boxtrainers können Koordinationsfähigkeiten geübt werden, die aufgrund neurologischer Erkrankungen gefährdet oder wieder erlernt werden müssen.

Mit besonderen Angeboten denkt das Team der SHDO an die Angehörigen, denen eine Gelegenheit zu Kraft tanken geboten wird, wenn ansonsten die Erschöpfung überhand nehmen würde.

„Hier stehen ausschließlich die Pflegenden selbst mit ihren eigenen Bedürfnissen im Mittelpunkt“, heißt es in einer Info der SHDO. „Durch kreatives Malen und angeleitete Meditationen schenken sich die Teilnehmenden die Fürsorge, die im hektischen Alltag oft zu kurz kommt. Ein Ort, um ganz bei sich selbst anzukommen und die seelische Gesundheit zu stärken.“

Gemeinsam stark: Kochgruppe für trauernde Männer

Bekanntermaßen haben hierzulande Männer statistisch eine um etwa fünf Jahre geringere Lebenserwartung als Frauen. Gleichwohl gibt es Männer, die ihre Partnerinnen überleben. Dann ergibt es sich nicht selten, dass die Hinterbliebenen ihre Trauer verdrängen oder irgendwie kompensieren. Männer sind in der Trauer oft unbeholfener als Frauen

Bild zeigt: Friedhelm Büser kocht mit
Friedhelm Büser kocht mit H. Sommer

Hinzu kommt, dass aufgrund der nicht selten immer noch vorherrschenden Rollenverteilung plötzlich Aufgaben zu bewältigen sind, die vordem von den Partnerinnen erledigt wurden. Zum Beispiel das Kochen.

Seit einigen Jahren schon wird dieses Problem vielerorts zur Chance gewandelt, indem Kochgruppen für trauernde Männer angeboten werden. Vereine, Pflegedienste und Kirchengemeinden beteiligen sich. Und nun gibt es auch ein entsprechendes Angebot der SHDO.

An jedem letzten Montag im Monat wird gemeinsam gekocht. Dabei geht es nicht allein darum, die Zubereitung der Mahlzeiten zu erlernen, sondern auch um den Spaß, den das gemeinsame Tun bereitet. Dadurch ergeben sich zugleich Momente, in denen Kummer ausgesprochen und Trauer zugelassen werden kann. Geteiltes Leid ist halbes Leid – und geteilte Freude ist doppelte Freude! Das weiß man in der SHDO und engagiert sich beherzt und erfolgreich dafür.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

Unterstütze uns auf Steady

 Mehr dazu auf Nordstadtblogger:

Neue Ausbildungskonzepte sollen Pflegenotstand in Deutschland entschärfen helfen

Beruf, Verpflichtung, demokratischer Auftrag: Dortmund debattiert die Facetten der Pflege

 

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert